Zeitung für Schland

“Nicht viel Neues unter der Sonne”

Posted in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe on Mai 29, 2008

F.A.Z.-Leser Wilhelm Bamberger kritisiert die durch die Berichterstattung in der F.A.Z. wahrgenommene Zelebrierung des 60. Jahrestages der Staatsgründung Israels – zunächst im üblichen Gewand vermeintlicher Zugeständnisse:

Allenthalben wird Freude und Feierlaune überliefert: Es fehlen weder die üblichen Treuebekundungen der Deutsche, wohlformuliert von Frau Merkel, noch die zu erwartenden Einlassungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Alles gut und schön, wer wollte dem nicht zustimmen.

Doch wie nicht anders zu erwarten folgt einer solchen Argumentationsstruktur das unweigerliche “aber”:

Indes: Kritische Töne – etwa zur Erinnerung an die Vertreibung der Palästinenser und deren Folgen – fallen (auch in der F.A.Z.) deutlich leiser aus.

Was sich angesichts der überaus kritischen und häufig gänzlich ablehneden Berichtersstattung der deutschen Medien gegenüber Israels Staatsgründung zunächst noch als extremer Fall gestörter Wahrnehmung zu lesen scheint, entpuppt sich letztlich als nicht einmal versuchsweise verborgener Antisemitismus in seiner reinsten Form:

Ich halte es da mit Edward Gibbon, der in seiner unvergleichlichen Abhandlung “Verfall und Untergang des römischen Imperiums” schon vor zirka 250 Jahren formulierte: “Die Eroberung des Landes Kanaan ging mit so vielen wunderbaren und unter so blutigen Umständen einher, dass sich die siegreichen Juden alle Nachbarn zu unversöhnlichen Feinden gemacht hatten” (Band 2, Kapitel XV). Es gibt wirklich nicht viel Neues unter der Sonne.

Oder etwas weniger geschwollen: Die Juden sind unser Unglück – gestern, heute und morgen.

Quelle: F.A.Z. vom 29. Mai, S. 40.

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Dokumentation der Berliner Iran-Konferenz online

Posted in Empfehlungen by Mr. Moe on Mai 29, 2008

Eine umfassende Dokumentation der Konferenz “Business as usual?” Das iranische Regime, der Heilige Krieg gegen Israel und den Westen und die deutsche Reaktion” findet sich auf der Homepage des Mideast Freeodom Forums. Neben Bildern und einigen Skripten sind Diskussionen sowie alle auf der Koferenz gehaltenen Vorträger auf Deutsch und auf Englisch vorhanden (u.a. dabei: Matthias Küntzel, Henryk M. Broder, Benny Morris, Jeffrey Herf, Thomas von der Osten-Sacken, Doris Akrap, Alan Posener)

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Übersetzungsfehler und Kriegstreiberei

Posted in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe on Mai 28, 2008

F.A.Z.-Autor Wolfgang Günter Lerch zufolge seien die von der iranischen Regierung unterstützten Gespräche führender iranischer und katholischer Theologen nicht mit den Vernichtungsdrohungen des iranischen Präsidenten Ahmadineschads gegenüber Israels vereinbar. Dies wiederum nimmt F.A.Z.-Leser Prof. Em. Dr. Nikolaus Läufer als Anlass, der F.A.Z. in der Ausgabe vom 28. Mai 2008 zu vorzuwerfen, dass sie sich an der Vorbereitung eines Krieges gegen Iran beteilige. Denn:

Ich meine dagegen, dass man sich fragen sollte, wie Lerch das Unmögliche schafft, sich in den Phantasien des iranischen Präsidenten auszukennen?

Nun ist hinreichend bekannt, dass Ahmadineschad seine Phantasien zum einen eben nicht für sich behält, sondern vielmehr zu jeder sich bietenden Gelegenheit in die Welt hinausposaunt (vgl. etwa seine Rede anlässlich des 60. Jahrestages Israels sowie Matthias Küntzels Kommentar zu Ahmadieschads Terminologie) . Zum anderen – und das wiegt ungleich schwerer – handelt es sich bei Ahmadineschads Äußerungen eben gerade nicht um bloß abstrakte Phantasien, sondern um einen ideologisch begründeteten Kampf, der jeder Zeit konkret werden kann bzw. sich in Form der Unterstützungen von Hisbollah und Hamas bereits manifestiert. Prof. Läufer hingegen beruft sich in seiner Argumentation auf die in Deutschland populäre Behauptung, dass es sich bei Ahmadineschads Äußerungen doch lediglich um Übersetzungsfehler handle:

Denn es ist längst bekannt, dass die Vernichtungsgeschichte durch einen Übersetzungsfehler zustande gekommen ist.

Der einzige Vorwurf der Ahmadineschad demnach gemacht werden könnte sei, dass sich der ehrenwerte iranische Präsident nicht gegen die haltlosen Anschuldigungen des Westens gewehrt habe:

Man wirft dem iranischen Präsidenten nur noch vor, dass er sich nicht durch eine Richtigstellung gegen den Übersetzungsfehler gewehrt hat. Als ob ein Präsident Irans nichts Besseres zu tun hätte, als den Verleumdungen durch westliche Medien hinterherzulaufen.

Auch wenn eigentlich hireichend bekannt ist, was Ahmadineschad “Besseres zu tun hat”, sieht Prof. Läufer in den unangebrachten Anschuldigungen des Westens als Teil eines perfiden Plans:

Bei den Vernichtungsphantasien des iranischen Präsidenten handelt es sich um eine jener Fiktionen westlicher Medien über die Achse des Bösen, mit denen der nächste militärische Schlag gegen die islamische Welt begründet und medial vorbereitet wird.

Vielleicht auch aus diesem Grund befasst sich Prof. Läufers Blog “Seestrasse” nicht zuletzt mit “amerikanischer Agression” (sic!) und dem Einfluss der “Israel-Lobby” auf die Iran-Politik der USA.

Quelle: F.A.Z. vom 28. Mai 2008, S. 8.

Arme kleine Deutsche

Posted in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe on Mai 21, 2008

Am 21. Mai dürfen wir uns erneut an den geistigen Ergüssen eines F.A.Z.-Lesers erfreuen. Dr. rer. nat. Wolf Tietze stellt die nur allzu berechtigte Frage, inwieweit der “Kampfgeist” der deutschen Generäle zu Ende des Zweiten Weltkrieges absurd gewesen sei:

Wird immer noch die Tatsache übersehen, dass seit ihrer Konferenz von Casablanca im Januar 1943 Churchill und Roosevelt ausschließlich und kategorisch die “bedingungslose Kapitulation” Deutschlands gefordert haben”?

Welch wahrlich unerhörte Forderung dieser dreisten Schelme, hatten sie doch bereits den Ausbruch des Krieges provoziert und ihn in seinem Verlauf erbarmungslos vorangetrieben:

Und zuvor haben sie alle Bemühungen, den Krieg zu vermeiden oder schnell wieder zu beenden, zurückgewiesen. Es gab keine Verhandlungschance!

Und als seien die amerikanischen und britischen Kriegstreiber nicht schon gemein genug zum armen Deutschland gewesen:

Die nur gut zwanzig Jahre zurückliegenden Erfahrungen anlässlich der Beendigung des Ersten Weltkrieges, die aktuelle alliierte Kriegspropaganda und ganz besonders die existentielle Bedrohung des Deutschen Reiches und großer Teile Europas durch den Bolschewismus waren nicht geeignet, das militärische Ethos der deutschen Soldaten ins Wanken zu bringen.

Die aufrichtige Tapferkeit der deutschen Soldaten werde von der Geschichtsschreibung und den Siegermächten jedoch unverständlicherweise nicht als heroisch anerkannt, sondern vielmehr auch heute noch gegen die wackeren Deutschen gewandt:

Sogar heute noch, nach mehr als sechzig Jahren, bedienen sie sich dazu ihrer eigenen Rechtsauffassung, wonach ihre Gegner, nicht nur die Deutschen von damals, grundsätzlich im Unrecht sind, illegal, Schurken und Terroristen, sie selbst aber immer die Guten, gelegentlich auch mit ein bisschen Folter … im Dienste der Menschenrechte.

Wen verwundert es angesichts einer solch edlen und nach Gerechtigkeit strebenden Gesinnung, dass Dr. Tietze sich – ähnlich wie manch anderer F.A.Z.-Leser – auch “Gegen die Entlassung konservativer Soldaten” aus der Bundeswehr einsetzt?

Quelle: F.A.Z. vom 21. Mai 2008, S. 10.

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“Hoffentlich kommt es zur Umkehr in Israel”

Posted in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe on Mai 20, 2008

Jörg Bremers Kommentar “Israel läuft die Zeit davon”, in dem konstatiert wird, dass “etwas faul im Staate Israel” sei, ist F.A.Z.-Leser Dieter Neuhaus nicht kritisch genug. Denn:

Bei seiner Einschätzung aber, dass Israel die einzige Demokratie der Region sei, scheint Bremers sonst so klarer Blick aber partiell getrübt gewesen zu sein: der angebliche demokratische Saubermann Israel betreibt bekanntermaßen Landraub großen Ausmaßes an den Palästinensern, seine Armee tötet in den besetzten Gebieten jährlich mehrere hundert Zivilisten, ohne dass es zu Anklagen gegen die Täter käme, hat Tausende Palästinenser verhaftet und inhaftiert (die meist vergeblich auf die Prozesse warten), schikaniert und drangsaliert tagtäglich die Bewohner der besetzten Gebiete. Die Liste der hässlichen Flecken auf Israels weißer Demokratie-Weste ließe sich noch verlängern.

So weit, so deutsch. Interessanter ist jedoch der anschließende Vorwurf:

Einer dieser Flecken sollte dem Land besonders unangenehm sein: der inzwischen nur noch mit Mühe zu überschauende Umfang von Korruption, Selbstbereicherung und ungesetzlichen Handlungen bei denen, die man gemeinhin als politische Elite bezeichnet.

Was soll hier suggeriert werden? Dass Korruption ein alleiniges Merkmal der israelischen Eliten sei? Dass es ungesetzliche Handlungen in anderen Demokratien nicht gebe? Herr Neuhaus lässt den Leser darüber im Unklaren und schlägt lieber den Bogen vom antizionistischen Gekeife zur Sorge um Israels Wohl und der damit verbundenen vermeintlich legitimen Israel-Kritik:

Aber solche Missstände zeigen auch, dass ein Staat, der seine moralischen Grundlagen an so vielen Stellen missachtet hat, seine Existenz gefährdet. Im Interesse des Judentums und seiner Heimat Israel ist zu hoffen, dass die Umkehr rechtzeitig gelingt.

Doch wie vermag sich der Widerspruch der Kritik an der Selbstbereicherung und dem maßlosen Verhalten der politischen Eliten – also konkreten Individuen – einerseits und dem Staat Israel als solchen – einem System also – andererseits durch eine “Umkehr” auflösen? Und wieso soll Israels Existenz durch die Missachtung seiner eigens auferlegten moralischen Grundlagen – und nicht etwa durch eine iranische Atombombe – gefährdet sein? Vielleicht wird uns ein F.A.Z.-Leser ja demnächst darüber aufklären.

Quelle: F.A.Z. vom 20. Mai 2008, S. 8.

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Das alte Lied von Ost und West

Posted in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe on Mai 20, 2008

F.A.Z.-Leserin Brigitte Bean-Keiffenheim findet es “bedauerlich, dass Sie [die F.A.Z., Mr. Moe] in Ihren Beiträgen immer wieder das Gebiet Mitteldeutschlands als ‘Ostdeutschland’ bezeichnen”. Der besorgten Frau Bean-Keiffenheim zufolge werde so verhindert, “dass die jüngere Generation ein wahrhaftiges Bild der jüngeren deutschen Geschichte” erwerbe. Die Berichterstattung der F.A.Z. leiste demnach “Politikern Vorschub, die das Unrecht der gewaltsamen Vertreibung von 15 bis 17 Millionen Deutschen aus den deutschen Ostgebieten dem Vergessen anheimfallen lassen wollen”.  Wer mehr über Frau Bean-Keiffenheim erfahren möchte, mag ihre Homepage aufrufen, auf der sie beabsichtigt “mit Hilfe der Weltnetztechnologie” das “Werk meines Vaters fortzusetzen und Abzüge von den Fotos zu verkaufen”.

Quelle: F.A.Z. vom 20. Mai 2008, S. 8.

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Amsterdam, anno 1940

Posted in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe on Mai 19, 2008

Nicht zum ersten Mal fällt ein F.A.Z.-Leser durch exakte Kenntnisse der Bekleidung der nationalsozialistischen Mörder auf (vgl. “Bravo, Rut Hense”) . Dr. Hans Ulrich von Sperling ereifert sich über ein zu dem Artikel “Wehe, wenn die Moffen kommen” abgebildetes Bild, welches einen Wehrmachtssoldaten und eine niederländische Frau in Zivil im Jahre 1940 in Amsterdam zeigt. Die nicht ordnungsgemäße Bekleidung des Deutschen vermag Dr. von Sperling dabei zu stören, weiß er doch, dass “solche glänzenden Helme” nicht üblich waren und die Oberfläche der Helme “etwas rauher und keinesfalls reflektierend” war. Zudem hätte sich “ein richtiger Landser” auch “das Seitengewehr nicht so weit vorn angeschnallt”, denn: “Beim Marschieren hätte man ja ständig mit dem Ärmel daran gestreift”. Als sei diese vermeidbare Unbequemlichkeit nicht schon schlimm genug, vermag Dr. von Sperling vor allem “das Herumflanieren im Stahlhelm” zu stören, obwohl jener “doch nur im Dienst und im Einsatz” getragen worden sei. Nicht zuletzt aus diesem Grund kommt Dr. von Sperling zu dem Schluss, dass das Bild gestellt sein müsse. Diese Vermutung sieht er zudem auch dadurch bestärkt, dass unklar sei, wem “die beringte Hand hinter dem Mann” gehöre. Aufgrund seiner enormen Einfühlsamkeit hat Dr. von Sperling die Szene dann auch zu Hause vorm Spiegel nachgestellt: “Ich habe mich vor den Spiegel gestellt, aber selbst mit Verrenkung diese Stellung nicht zustande gebracht. Also ist es die Hand der Frau.”

Dr. von Sperling schließt mit einer Frage und einer gönnerischen Geste: “Wurden unsere Soldaten [sic!] im Mai 1940 in Holland so umarmt? Das anzunehmen, möchte ich den Holländern nicht auch noch antun.” Bliebe nur noch eins zu klären: Was hat Dr. Hans Ulrich von Sperling den Holländern denn sonst noch so alles angetan?

Quelle: Briefe an die Herausgeber, F.A.Z. vom 19. Mai 2008, S. 8. Das Bild und der Artikel “Wehe, wenn die Moffen kommen” findet sich in der F.A.Z. vom 5. Mai 2008, S. 36.
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Logik für Anfänger

Posted in Die üblichen Verdächtigen by Mr. Moe on Mai 18, 2008

Der Glückwunsch des ZEIT-Herausgebers Josef Joffes anlässlich Israels 60ten Geburtstags vermag sich zumindest einigermaßen von den gänzlich vergifteten Glückwünschen abzuheben, enthält jedoch einen groben Denkfehler.

So kritisiert Joffe zwar einerseits die als Glückwünsche getarnte “Israel-Kritik” der deutschen Medien (vgl. die Feuilletons der deutschen Zeitungen der letzten beiden Wochen oder Broder auf SPON), indem er berechtigterweise fragt, ob es auch eine “Spanien-” oder “Schweden-Kritik” gebe. Andererseits vermag Joffe dieser Kritik wiederum etwas positiv abzugewinnen:

Israel ist eben einer von uns, und deshalb sollte es das “Kompliment” der ungnädigen Beurteilung ertragen können.

Und jetzt die Preisfrage:

Unter den Annahmen, dass unter “uns” die westliche Welt zu verstehen ist, und dass die Israel-Kritiker Joffes Ansicht der Zugehörigkeit Israels zu selbiger teilen: Warum kommen Spanien oder Schweden dann nicht in den Genuss solch zauberhafter Komplimente?

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Falsche Frage

Posted in DIE ZEIT by Mr. Moe on Mai 18, 2008

ZEIT-Autor Matthias Krupa stellt die Frage, wie man einem Achtjährigen Israel erklären könne. In Anbetracht der Tatsache, dass 64% der Deutschen Israel eher einen negativen Einfluss auf die Welt zuschreiben und eine Mehrheit von zwei Dritteln in Israel die größte Gefahr für den Weltfrieden sehen, müsste die Frage korrekterweise lauten, wie Deutschen von 8 bis 88 Israel zu erklären sei. Schlimmer als die falsch gestellte Frage wiegt jedoch, dass Herr Krupa für Israel einen gutgemeinten – durch und durch deutschen – Rat parat hat, diesen jedoch als Frage seines Achtjährigen Sohnes tarnt: “Warum teilen sie sich das Land nicht, Papa?”.

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Schwere Frage

Posted in Zwei mal Drei macht Vier by Mr. Moe on Mai 14, 2008


(gesehen auf gmx.de)

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