Zeitung für Schland

In eigener Sache

Posted in Hausmitteilungen by Mr. Moe on August 29, 2008

Aufgrund urlaubsbedingter Maßnahmen wird die Zeitung für Schland ihre Berichterstattung bis zum 08. September einstellen.

Neues vom Immergleichen

Posted in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe on August 26, 2008

Es war zu erwarten, dass Patrick Bahners scheinheilige Frage “Was darf eine Jüdin in Deutschland gegen Israel sagen?” auch auf der Leserbriefseite der F.A.Z. Anklang finden würde (vgl. für die Debatte auch den Kommentar der Hedonistischen Mitte). Das Spiel eröffnen darf Dieter Neuhaus, der bereits in der Vergangenheit durch geistreiche Bemerkungen auf sich Aufmerksam machen konnte. So schrieb er damals etwa:

Der angebliche demokratische Saubermann Israel betreibt bekanntermaßen Landraub großen Ausmaßes an den Palästinensern, seine Armee tötet in den besetzten Gebieten jährlich mehrere hundert Zivilisten, ohne dass es zu Anklagen gegen die Täter käme, hat Tausende Palästinenser verhaftet und inhaftiert (die meist vergeblich auf die Prozesse warten), schikaniert und drangsaliert tagtäglich die Bewohner der besetzten Gebiete. Die Liste der hässlichen Flecken auf Israels weißer Demokratie-Weste ließe sich noch verlängern.

Wie mag ein solch kluger Kopf den Streit zwischen Hecht-Galinski und Broder bewerten?

Zunächst beginnt Neuhaus naheliegenderweise mit einer Kritik an der Bundeszentrale für politische Bildung:

Der jüdische Schriftsteller Henryk M. Broder, der der deutschen Jüdin Evelyn Hecht-Galinski wegen ihrer scharfen und wiederholten Kritik an Israel Diskriminierungs- Besatzungs- und Unrechtspolitik “Antisemitismus- und Antizionismus” vorwirft, weißt wovon er spricht. In seinem Buch, “Hurra, wir kapitulieren”, das erstaunlicherweise mit Subventionen der Bundeszentrale für politische Bildung vertrieben wird, spricht er zum Beispiel von “Nazi-Islamismus” und nennt anerkannte, israelkritische Nah-ost-Experten wie Peter Scholl-Latour “Terrorismusversteher”.

Einmal in Fahrt gekommen, wetterte Neuhaus weiter:

Untaten muslimischer Jugendlicher wertet Broder als geradezu muslimimmanente Eigenschaften. Dagegen verschließt er vor den Untaten der israelischen Armee in Palästina und vor den beschämenden Ungerechtigkeiten des Staates Israel gegenüber den Palästinensern die Augen, oder er will die grässlichen Missstände, die die Besatzung verursacht, nicht sehen.

Und schließlich – endlich – rückt Neuhaus mit dem finalen Anklagepunkt heraus:

Wer – wie Broder – wegschaut, macht sich mitschuldig an einem Verbrechen, das in dieser Zeit unter demokratischen Staaten einzigartig ist.

Und nachher sagten sie dann, sie hätten nichts gewusst.

Es endet, wie es immer enden muss: mit den Hinweis auf die vermeintliche Freundschaft:

Dem jüdischen Volk ist zu wünschen, dass es endlich den Weg eines gerechten und friedlichen Zusammenlebens mit seinen palästinensischen Nachbarn findet.

Quelle: F.A.Z. vom 26. August, S. 8.

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Ein geschundener Unternehmer erklärt die Welt

Posted in Deutsche Zustände by Mr. Moe on August 23, 2008

Eginhard Vietz, Geschäftsführer der Firma Vietz Pipeline Equipment, gibt sich in einem Interview mit der ZEIT alle Mühe, jedes auch noch so abgehalfterte Klischee eines gewissenlosen Unternehmers zu erfüllen. Zunächst berichtet Vietz von einem gescheiterten Geschäft mit der China National Petroleum Corporation. Verantwortlich hierfür macht Vietz Angela Merkel, da die Bundeskanzlerin nicht zu den Olympischen Spielen erschienen sei und die Chinesen so verärgert hätte:

In diesem Fall würde ich aber genauso handeln. Warum einem Land einen Auftrag geben, das mich beleidigt?

Doch nicht nur in China macht Frau Merkel Vietz das Geschäft kaputt:

Aber wo ich auch hinkomme, legt sie mir als einfachem Mittelständer Steine in den Weg. Zum Beispiel in Iran, wo Merkel tatenlos und mit heimlicher Freude zusah, wie deutsche Banken von den Amerikanern gezwungen wurden, sich aus dem Land zurückzuziehen, während die Amerikaner weiter über Drittländer wie Dubai oder Kuwait liefern.

Und die Liste der Länder mit denen Deutsche keinen Handel mehr treiben könnte geht weiter:

Vor drei Wochen war ich in Venezuela. Der Minister dort sagte uns, dass es nicht einmal ein Handelsabkommen zwischen Deutschland und seinem Land gebe. Ich habe dann Kontakte in Berlin angerufen und erfahren, dass Wirtschaftsminister Glos und auch Außenminister Steinmeier für ein solches Abkommen seien, dass aber das Bundeskanzleramt auf Anweisung der Amerikaner dagegen sei. [...] Auch in Russland behindert Merkel die deutsche Wirtschaft.

Die These, dass die deutsche Regierung ihr Handeln nicht nur von den Amerikaner beeinflussen lasse, sondern sich gar ihre Einstellung von selbigen vorschreiben lasse, ist – gelinde gesagt – bemerkenswert. Wie Vietz im Allgemeinen zu den Amerikanern steht, kann in einem Interview mit dem Menschenrechtsverein Convivio mundi nachgelesen werden:

Vor dem 2. Golfkrieg haben wir umfangreiche Geschäfte im Irak getätigt. Ich war unmittelbar vor dem Krieg noch in Bagdad auf einer Messe, als schon lange die Sanktionen in Kraft waren. Wir haben damals über das Programm „Öl für Lebensmittel“ umfangreich Geräte verkauft. Damals hatte ich die Möglichkeit, mit dem deutschen Botschafter Dr. Elmer zu sprechen. Der sagte mir, der Krieg werde nicht mehr aufzuhalten sein, aber die Amerikaner würden ein Desaster erleben, schlimmer als Vietnam. Wie oft habe ich an seine Worte gedacht.

Wenn Herr Vietz erst einmal ins Schwadronieren gerät, erklärt er, der “mittelständische Unternehmer”, nebenbei noch weltpolitische Zusammenhänge:

Es ging auch gar nicht um Saddam Hussein: es ging ums Öl, um die Macht, im gesamten Raum am Ölhahn zu sitzen und noch den Iran damit zu knebeln. Es mag sein, wie es will. Ich finde das Selbstbewusstsein der Iraner in der Region gut. Ich wünsche denen keinen Krieg. Ich bin in den Ostgebieten geboren worden, habe nie meine Eltern kennen gelernt, bin vertrieben worden – das wünsche ich niemandem.

Interessant ist auch, worin Vietz die Ursachen von Terrorismus sieht (was auch immer das mit dem vorher gesagten zu tun haben mag):

Aber in dieser Region kann es nicht angehen, das nur die Amerikaner das Sagen haben. Daher kommt ja auch der ganze Terrorismus. Und meiner Meinung nach auch dadurch, dass die Israelis vielen Unrecht angetan haben.

Nahezu erheiternd ist wiederum, mit welch haarsträubendem Vergleich Vietz das von Israel begangene Unrecht beschreibt:

Ich möchte wissen, wie Sie reagieren, wenn Ihr Nachbar auf Ihr Grundstück kommt und sagt, die Hälfte ist jetzt meins, ich baue hier einen Zaun hin und keiner hat hier was zu melden.

Doch zurück zu Themen, von denen Herr Vietz wirklich etwas versteht – Wirtschaft.Vor allem: Wirtschaftliche Beziehungen mit menschenverachtenden Regimen wie etwa Iran:

Wir machen auch jetzt Geschäfte, es werden ja viele Pipelines gebaut. Die Iraner haben keine große Industrie, sie leben vom Ölverkauf. Sicherlich fließt auch einiges vom Ölverkauf in die Atomforschung. Aber warum gesteht man den Israelis eine Atombombe zu….? Frieden in dieser Region schafft man nicht mit Druck und Gewalt.

Es lohnt sich im Übrigen auch, den Interviewer von Convivio mundi unter die Lupe zu nehmen, da die von Convivio mundi gestellten Fragen zeigen, was der Verein unter Menschenrechten versteht. Folgendes liest sich wie ein Lehrstück der Interviewführung:

CM: Und dazu haben die Amerikaner noch die Idiotie begangen, alles zu entfernen, was Baath-Partei war, obwohl dort ein Potential lag, das Land zu befrieden.

[...]

Vietz: Aber warum gesteht man den Israelis eine Atombombe zu….? Frieden in dieser Region schafft man nicht mit Druck und Gewalt.

CM: Nur durch Entwicklung! Wie schon Paul VI es benannte: Frieden heißt Entwicklung! Und dort, wo Armut und Unterdrückung vorherrscht, da werden immer mehr Menschen Rattenfängern folgen. Sehen Sie denn im Iran, dass gemäßigtere Kräfte den fundamentalistischen Strömungen den Boden entziehen könnten?

Quelle: “China ist zu Recht beleidigt”, in: DIE ZEIT vom 21. August 2008, S. 23.

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Broder vs. Hecht-Galinski oder: Die F.A.Z. vs. Zentralrat der Juden

Posted in F.A.Z. by Mr. Moe on August 21, 2008

Der Fall Broder gegen Hecht-Galinski zieht immer größere Bahnen. Nun hat sich Patrick Bahners, Leiter des Feuilletons der F.A.Z., mit einem Kommentar mit der reißerischen Überschrift “Was darf eine Jüdin in Deutschland gegen Israel sagen?” in die Diskussion eingeschaltet. Dass die von Bahners gestellte Frage rhetorischer Natur ist, versteht sich dabei von selbst. Wie es sich für einen gut ausgebildeten Journalisten gehört beginnt Bahners zunächst mit der wichtigsten dem Sachverhalt zugrunde liegenden Tatsache:

Evelyn Hecht-Galinski ist die Tochter von Heinz Galinski, dem verstorbenen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Berlin und des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Nachdem der Leser so bereits weiß, wie er Frau Hecht-Galinskis moralische Integrität einzuschätzen hat, fährt Bahners mit einer kurzen Beschreibung der bisherigen Ereignisse fort. (Lobenswerterweise hat die F.A.Z. in diesem Zusammenhang auch endlich sowohl Shimon Steins Artikel “Ein Kampf für Sicherheit und Frieden” als auch Frau Hecht-Galinskis Antwort in Form eines Leserbriefes in der F.A.Z. online gestellt.) Stein des Anstoßes sei Bahners zufolge, dass Frau Hecht-Galinski, die sich wiederholt mit “kritischen Meinungsäußerungen zur israelischen Politik und Staatsräson” zu Wort gemeldet habe, Steins Ausführungen kritisiert habe:

So veröffentlichte diese Zeitung am 26. Juli einen Leserbrief, in dem Frau Hecht-Galinski dem früheren Botschafter Israels in Berlin Shimon Stein vorwarf, sein Artikel zum sechzigsten Geburtstag seines Staates biete „Geschichtsverdrehung und Mystifizierung“, da er von der „Vertreibung und Enteignung der Palästinenser“ schweige, „die mit der Gründung des Staates Israel einherging“.

Die Autorin appellierte an die deutsche und internationale Öffentlichkeit: „Wo bleibt der Aufschrei der Welt, wo der Hinweis auf die Verpflichtung Israels, nach internationalem Recht ohne Diskriminierung für die öffentliche Ordnung und Sicherheit in den besetzten Gebieten zu sorgen?“ Der letzte Satz des Briefes lautet: „Gerade im Angesicht unserer gemeinsamen Vergangenheit müssen kritische Anmerkungen zu begangenem Unrecht möglich sein, auch wenn sie Israel betreffen.“

Als eine Reaktion auf diese Worte hat Henryk M. Broder Frau Hecht-Galinski “antisemitische und antizionistische Aussagen” bescheinigt, was diese Broder durch eine einstweilige Verfügung gerichtlich untersagen lassen hat. Soweit die Sachlage, über die u.a. auch mehrfach in diesem Blog, bei heplev und zuletzt auch in der Jerusalem Post berichtet wurde.

Patrick Bahners hat der Diskussion nun folgendes hinzuzufügen:

Der Antisemitismusvorwurf eignet sich zum moralischen Totschlag. Wer die Beschreibung eines Gegners als eines Antisemiten durchsetzen kann, hat ihn aus dem öffentlichen Diskurs ausgeschlossen. Das ist zu bedenken, wenn die Richter entscheiden, ob Frau Hecht-Galinski es in der Härte des Meinungskampfes hinnehmen muss, als notorische Antisemitin bezeichnet zu werden.

An dieser Argumentation sind zwei Dinge zu hinterfragen: Erstens, stimmt es wirklich, dass als Antisemiten diskreditierte Personen aus öffentlichen Diskussionen in Deutschland ausgeschlossen werden? Und selbst wenn dem so wäre: Liegt die Grenze, ab derer in Deutschland jemand als Antisemit geächtet wird nicht nach wie vor an den Toren von Auschwitz? Haben denn nicht zuletzt Broders Ausführungen vor dem Bundestag nichts, aber auch gar nichts erreicht? Zweitens, ist die vermeintliche Härte des Antisemitismusvorwurfes gegenüber der Angeklagten ein guter Grund, den Vorwurf gerichtlich zu verbieten? Darf das, was ist nicht mehr gesagt werden, nur weil es negative Auswirkungen für Betroffene haben könnte?

Insbesondere die Frage nach Bahners Definition von Antisemitismus erscheint hier als großes Problem, heißt es doch im weiteren Verlauf:

Bei den ihr [Frau Hecht-Galinski, Mr. Moe] vorgehaltenen Äußerungen handelt es sich nicht um Sätze des Typus, die Juden seien ja alle geldgierig. Es geht ausschließlich um Kommentare zur israelischen Politik und zu deren Verteidigern. Ein Sieg Broders vor Gericht wäre daher nicht einfach als Sieg der Meinungsfreiheit einzustufen. Seine preisgekrönte publizistische Strategie der verbalen Aggression nutzt den Spielraum der Meinungsfreiheit, um ihn einzuschränken: Kritiker Israels sollen eingeschüchtert werden.

Diese Worte verstärken den Eindruck, dass Antisemitismus in Bahners Kopf immer noch auf dem Stand der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stehen geblieben ist. Bemerkenswert ist zudem, dass Bahners den Streit zwischen Broder und Hecht-Galinski auf den Zentralrat der Juden ausweitet:

Die politische Bedeutung des Streits zwischen Broder und Frau Hecht-Galinski wird manifest im Engagement des Zentralrats der Juden. Stephan Kramer, der Generalsekretär des Zentralrats, beschrieb Frau Hecht-Galinski gegenüber der „Jerusalem Post“ als eine der „führenden Vertreterinnen“ eines jüdischen Antizionismus, „die offensichtlich ihren Selbsthass in antisemitischen und antizionistischen Äußerungen zu bewältigen versucht“.

[...]

Auf welche Belege kann Kramer seine Belege stützen? In einem Interview mit dem Deutschlandfunk hat Frau Hecht-Galinski den Zentralrat vor zwei Jahren als „Sprachrohr der israelischen Regierung“ kritisiert. Glaubt Kramer ernsthaft, dass dieser Äußerung im Urteil der Öffentlichkeit jeder sachliche Anhalt in so eklatanter Weise abgeht, dass die Person, die die Äußerung getan hat, als pathologischer Fall behandelt werden kann? Man betrachte zwei Interventionen des Zentralrats aus jüngster Zeit.

Die zwei Beispiele Bahners sind erstens der Streit über die antisemitischen Äußerungen des Göttinger Sportwissenschaftlers Arnd Krüger, die Bahners zufolge nicht antisemitisch seien, da die Universität Göttingen dies befunden habe. Dieter Graumann, Vizepräsident des Zentralrats, wolle Krüger aber dennoch zur “Unperson” machen. Als zweiten Punkt führt Bahners die Diskussion über Faruk Sen, Leiter des Essener Zentrums für Türkeistudien an, in dem sich der Zentralrat aufgrund Israels “stiller Verbundenheit” mit der türkischen Republik im Sinne Sens ausgesprochen habe. Und so gerät Bahners Kommentar vollends zu einer Anklage gegen den Zentralrat der Juden in Deutschland:

Es sind Stimmen aus der israelischen Friedensbewegung, die die Einzäunung des Westjordanlands mit der Mauer des Warschauer Gettos vergleichen. Durch Redeverbote und Beleidigungen in Deutschland ist dieser Vergleich nicht aus der Welt zu schaffen. Die im Zentralrat vertretenen deutschen Juden haben gute Gründe, die Sache Israels als ihre eigene zu behandeln. Aber wenn sie das tun, müssen sie es sich auch sagen lassen.

Juden vorzuschreiben was sie zu tun oder zu lassen haben ist eine spezifisch deutsche Krankheit. Dass weder Broder noch der Zentralrat der Juden Redeverbote gerichtlich eingeklagt haben, vermag Bahners in seinen Ausführungen nicht zu stören. Dass Bahners selbst Redeverbote für Menschen fordert, die einen Esel einen Esel schimpfen und so einen Freifahrtschein für jeden antisemitischen Ausfluss ausstellt, zeigt hingegen zum wiederholten Male, wie die Uhren auch in den vermeintlich klügsten deutschen Köpfen ticken.

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F.A.Z., Junge Freiheit und der “Kampf gegen Rechts”

Posted in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe on August 20, 2008

Zu den unangenehmen Eigenheiten der F.A.Z. zählt, dass sie auf ihrer Leserbriefseite nicht nur die Traktate chronischer Israel-Hasser abdruckt, sondern in regelmäßigen Abständen auch auch den nationalistischen Ausführungen von Lesern der “Junge Freiheit” ein Forum bietet. So beschwert sich Dr. Friedrich Löffler, seines Zeichens Vorstandsmitglied der “Bürgerbewegung pro Deutschland”, über das vermeintlich zu große Interesse des Bundestages an rechtsextremen Straftaten, wohingegen Linksextremismus bagatellisiert werde:

Ziel sei nicht die Aufklärung von Sachverhalten, sondern vielmehr die Bundesregierung zu Stellungnahmen im “Kampf gegen Rechts” zu veranlassen. Die Angriffe beziehen sich unter anderem auf Hakenkreuzschmierereien, die auch dann der rechtsextremistischen Szene zugeordnet werden, wenn die Täter nicht ermittelt werden können.

Welch in der Tat übereifriger Trugschluss Hakenkreuze Rechtsextremen zuzuordnen! Und ach wie tragisch, es gibt noch weitaus mehr Unheil in diesem Land. Über “vermeintlich rechtsextremistisch motivierte Straftaten” werde in den Medien vermehrt berichtet, wohingegen ein Angriff auf das Büro der sympatischen Fraktion “Pro Köln” nahezu unerwähnt geblieben sei:

In der Nacht zum 13. August wurden dort die Fenster mit Steinen eingeworfen und die Hauswand mit Farbbeuteln verschmutzt.

Doch nicht nur die schiere Brutalität und Menschenverachtung des Attentates wissen dabei zu schockieren. Nein, es geht um mehr – um das deutsche Volk:

Das Haus gehört der Stadt, so dass diese beziehungsweise der Steuerzahler für den Schaden aufzukommen haben.

Der Aussage, dass das Geld der Steuerzahler für die Reinigung dieses Hauses zu schade sei, kann wahrlich nicht widersprochen werden.

Zur Einordnung der Person Löfflers vermag man sich den von Löffler unterzeichneten Aufruf des neurechten Instituts für Staatspolitik “Gegen das Vergessen” (pdf) zu Gemüte führen, der auch in der F.A.Z. abgedruckt wurde:

Am 8. Mai jähren sich das Ende des NS-Regimes und die Niederlage Deutschlands zum 60. Mal. Damit hat dieser Gedenktag für uns Deutsche zwei Gesichter. Zum einen markiert er die Befreiung der Verfolgten, das Ende des NS-Regimes und des Zweiten Weltkrieges in Europa. Zum anderen ist der 8. Mai 1945 der Tag der Niederlage der Wehrmacht, der Beginn der deutschen Teilung und des teilweise grausamen Schicksals der Zivilbevölkerung und der Soldaten in den ersten Nachkriegsjahren.

Mit dem Kriegsende verbindet sich für uns auch die Erinnerung an die Vertreibung von 15 Millionen Deutschen aus ihrer angestammten Heimat, an den Verlust fast eines Viertels unseres Landes und an den Beginn der sowjetischen Unterdrückung Osteuropas. Und so ist der 8. Mai – wie Theodor Heuss, unser erster Bundespräsident, es ausgedrückt hat, die “tragischste und fragwürdigste Paradoxie für jeden von uns, weil wir erlöst und vernichtet in einem gewesen sind”.

Wohl dem, der angesichts solche Worte den Brechreiz zurückhalten kann.

Quelle: F.A.Z. vom 20. August 2008, S. 8.

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Was Israel aus dem Georgien-Krieg lernen kann

Posted in Empfehlungen by Mr. Moe on August 18, 2008

Ephraim Sneh, ehemaliger stellvertretender Verteidigungsminister Israels, über Lehren, die Israel aus dem Krieg in Georgien ziehen kann:

The world’s response to the harming of citizens is selective and hypocritical. Had the IDF done in Gaza a tenth of what the Russians did in Georgia, the flood of criticism, condemnations and anti-Israel boycotts would have known no bounds. But when it’s a superpower like Russia, all we see are feeble and polite expressions of regret.

[...]

The lessons for us? A small country needs to know the limits of its power, and to apply it wisely when an essential national interest is at stake. We must also rely, in a time of need, only on ourselves – and build up our might in advance, on this principle.

Traurig und keinesfalls neu, aber leider nach wie vor aktuell.

Nachtrag: Yoel Marcus schließt sich Snehs Anaylse an, zieht daraus jedoch andere Schlussfolgerungen:

There is a lesson for Israel in all this: If Israel is dragged into a war, God forbid, it is liable to find itself very much alone. Israel cannot rely on the automatic involvement of America, which did not lift a finger to stop the brutal Russian offensive.

[...]

In this new reality, where everything is up in the air, Israel really needs to walk on tiptoe – all the more so with a government on its way out that must do its utmost not to drag the country into actions liable to bring down the wrath of the world

[...]

The new reality also requires Israel to exercise greater caution, and above all, to stop being so cocksure that America will stand by us, come what may.

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Einmal mehr: “Einfache Tatsachen”

Posted in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe on August 18, 2008

Evelyn Hecht-Galinskis Antwort auf Shimon Steins Rede “Ein Kampf für Sicherheit und Frieden” gibt die Richtlinie für Kommentare auf der Leserbriefseite der F.A.Z. vor. Das Traktat von Dr. Christoph Berger sei ob der Qualität seiner Argumentation in Gänze zitiert:

In der von Ihnen abgedruckten Rede von Shimon Stein (F.A.Z.-Gegenwart vom 22. Juli) werden wie so oft einfache Tatsachen verschwiegen: Die Gründung des Staates Israel ist die letzte Blüte des europäischen Kolonialismus in einem seit Jahrhunderten von Arabern besiedelten Land. Diese Gründung ging einher mit einer ethnischen Säuberung, für die die Verantwortlichen sich heute in Den Haag verantworten müssten. Israel setzt ohne irgendeine Unterbrechung die Siedlungspolitik in einem fremden Land fort. Das Streben Irans nach Atomwaffen ist eine Antwort auf die nukleare Bewaffnung Israels (und anderer Nachbarstaaten). Sicherheit und Frieden für Israel kann es nur geben, wenn endlich ein radikales Umdenken in der Politik dieses Staates stattfindet. Ein erster Schritt wäre die Entschuldigung bei den Ureinwohnern für die begangenen Verbrechen. Die Kolonialstaaten Kanada und Australien haben dafür ein Beispiel gegeben.

Jeder einzelne Satz aus Bergers Feder wird wahr in seiner Negation. Weitaus interessanter als die Ausführungen eines einzelnen Irren ist jedoch, dass die antisemitischen und antizionistischen Tiraden der F.A.Z.-Leser in der Mehrzahl von Akademikern, besonders häufig promovierten Naturwissenschaftlern oder Medizinern, stammen, was angesichts derer Verweise auf “einfache [historische] Tatsachen” – wie etwa die Vertreibung arabischer Ureinwohner durch völkermordende Juden – einer gewissen Ironie nicht zu entbehren weiß.

Quelle: F.A.Z. vom 18. August 2008, S. 6.

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Im Osten nichts Neues (II)

Posted in Deutsche Zustände by Mr. Moe on August 16, 2008

Dass Anhänger von Rot-Weiß Erfurt, das unter der Woche im DFB-Pokal dem FC Bayern Paroli noch in beeindruckender Manier bieten konnte, beim 2:1 Sieg gegen den FC Carl Zeiss Jena antisemitische Sprechchöre von sich geben können, ohne dass das Spiel unterbrochen wird, ist leider trauriger Alltag in den Niederungen unterklassiger deutscher Fußballligen. Bemerkenswert ist jedoch die Berichterstattung der Thüringer Allgemeinen, die die Ausfälle nicht nur mit keiner Silbe erwähnt, sondern sich hingegen über die Jenaer Fans zu beschweren weiß:

Die 3500 mitgereisten Jenaer Anhänger, die bis in die Schlussminute stimmgewaltig ihr Team anfeuerten, verließen dagegen enttäuscht das Stadion. Einige von ihnen zündeten in der zweiten Halbzeit Feuerwerkskörper und entfachten ein Feuer im Gästeblock. Die Ordnungskräfte hatten aber schnell wieder alles im Griff.

“Alles im Griff” – na Gott sei Dank.

Sensation: Lorenz Jäger gibt Israel die Schuld

Posted in F.A.Z. by Mr. Moe on August 16, 2008

Lorenz Jäger, der bekanntermaßen ganz gerne mal über den vermeintlichen Einfluss der “Israel-Lobby” jammert, heult sich in der F.A.Z. über einen “antirussischen Affekt in Europa” aus:

Die Stimmen von Glucksmann und Lévy werden in Europa gehört, sie haben, in Deutschland etwa, das Portal „Perlentaucher“ auf ihrer Seite. Russland dagegen findet bis heute unter den europäischen Köpfen von Rang kaum Fürsprecher, der „Westen“ hat sich als normatives Leitbild durchgesetzt. Zwar gibt es politische Korrespondenten und Kommentatoren, die besonnener urteilen, aber bei den Intellektuellen dominiert die blanke Russophobie.

[jetzt auch in deutscher Übersetzung via Perlentaucher]

Wer benötigt schon militärische Schlagkraft, wenn man den “Perlentaucher” auf seiner Seite hat? Und was kommt nach Islamophobie und Russophobie als nächstes? Chinophobie oder Iranophobie? Wie dem auch sei, Schuld an allem Übel der Welt ist naturgemäß sowieso Israel:

Die Menschenrechtsanwälte machen auf die Dauer ihre Sache lächerlich, wenn sie nicht von den Interessen reden – von denen der Vereinigten Staaten vor allem, aber auch, es ist kein Geheimnis mehr, von denen Israels.

Der dahinter steckende kluge Kopf sieht nun auch wirklich reichlich wirr aus.

Vgl. auch: Richard Wagner: Ein Nationalbolschewist im nationalen Sektor sowie “Mit der FAZ an der neurechten Pissrinne Europas” auf Raumzeit.

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Sensation: Gerhard Schröder ergreift Partei für Russland

Posted in Zwei mal Drei macht Vier by Mr. Moe on August 16, 2008

Ich halte überhaupt nichts von einer Dämonisierung Russlands. Ich begreife Russland als Teil Europas.

Immer wieder für Überraschungen gut: Gerhard Schröder auf SPON.

Vgl. auch Hotel Villa de Art, wo auf Schröders oben zitiertes Gesabbel treffend geantwortet wird:

Und ich begreife Gerhard Schröder als Teil Russlands.

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