Zeitung für Schland

Das letzte Mal die F.A.Z. – ein kurzes Resümee

Posted in Hausmitteilungen by Mr. Moe on April 1, 2009

Nach mehrjährigem Abonnement hat der Autor dieser Zeilen die F.A.Z. gestern aufgrund der Kündigung eben jenes Abonnements zum letzten Mal erhalten. Da die Zeitung für Schland Anfang April zudem ihr einjähriges Bestehen wenn auch nicht feiert, so doch zur Kenntnis nimmt, scheint doppelter Anlass zu eine kurzen Reflexion gegeben.

Ein Grund zum Feiern (?)

Altkluge Linke und ewige Besserwisser, was häufig aufs Gleiche hinausläuft, behaupten bisweilen, dass von der F.A.Z. schon per definitionem nichts Gutes zu erwarten sei, bezeichnet sie sich doch selbst nicht nur als „Zeitung für Deutschland“, sondern meint das auch noch so. Diesem eigenen Anspruch allzu oft genügend und folglich ebenso oft ungenießbar, muss dennoch ohne Zweifel anerkannt werden, dass es sich bei der F.A.Z. durchaus um „eine der besten Zeitungen der Welt“ handelt, – um die beste deutsche Tageszeitung allemal, auch wenn dies nicht zuletzt an dieser Stelle – in gerechtem Zorn und doch zu Unrecht – in Abrede gestellt wurde. Oder anders ausgedrückt: Wer selbst die SZ, Frankfurter Rundschau oder taz liest, sollte sich lieber damit begnügen, die Leichen in den Kellern der jeweiligen Blätter zu bergen, denn es besteht mit Sicherheit kein Mangel, selbiges zu tun. In Folge des unvermeidlichen Vergleiches mit der zum Teil unterirdischen Konkurrenz mag das Lob der F.A.Z. zynischer anmuten, als es gemeint ist. Es ist daher weder falsch noch anrüchig oder verwerflich, einzugestehen, dass dem Ablauf des Abonnements mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegengesehen wird.

Nebst der unbestreitbaren Qualität der F.A.Z. auf verschiedensten Gebieten muss eingestanden werden, dass sich selbst die Nahostberichterstattung mit dem Wechsel des für „Israel und die palästinensischen Gebiete“ zuständigen Korrespondenten merklich gebessert hat. Bis auf wenige Ausnahmen macht Hans-Christian Rößler bislang einen passablen Job, was andernorts bereits früher erkannt wurde. Verglichen mit seinem unsäglichen Vorgänger Jörg Bremer, der in schöner Regelmäßigkeit Lügen und Halbwahrheiten über Israel und den Nahostkonflikt verbreitete und infolgedessen in gewisser Weise ein Abonnement für Einträge auf der Zeitung für Schland besaß, freilich keine allzu große, aber eben doch eine zu honorierende, Leistung. Feuerte die F.A.Z. jetzt noch Wolfgang Günter Lerch, der mit Nachdruck daran arbeitet, der deutsche Roger Cohen zu werden, man könnte ihre Nahostberichterstattung fast als ausgewogen bezeichnen. In jedem Fall werden die Fabrikate der F.A.Z.-Autoren auch weiterhin wahrgenommen und bei mit Gewissheit auftretender Notwendigkeit kritisiert werden.

Kampf gegen die Desinformation

Dem oben anklingenden Lob zurtrotz, ist an der Entscheidung zur Kündigung festzuhalten, denn was gestern richtig war, ist es auch heute noch. Dies wurde nicht zuletzt durch ein Telefonat mit der F.A.Z. bestätigt, in der die Haltung der F.A.Z. in Bezug auf israelfeindliche, antisemitische und Terrorismus legitimierende Anzeigen nicht nur verteidigt, denn dies ist ihre Pflicht, sondern – schlimmer noch – mit schlechten Gründen gerechtfertigt wurde. Gleichwohl der Entschluss der Kündigung des Abonnements daher richtig bleibt, beginnt sich gleichwohl die schmerzhafte und wenngleich für manch’ klugen Geist vermeintlich wiederum immer schon feststehende Erkenntnis durchzusetzen, dass keine deutsche Tageszeitung ein Abonnement – und den damit nicht zuletzt verbundenen Anspruch auf Informationshoheit – rechtfertigt.

Und doch begibt sich der Verfasser dieser Zeilen (einmal mehr) auf die – zwangsläufig erfolglose – Suche nach einer Tageszeitung: die nächsten zwei Wochen werden jeweils die WELT und der Tagesspiegel getestet. Dass sich für ein Abonnement eines der beiden Blätter entschieden wird, ist allerdings unwahrscheinlich, da sich entgegen einer Lebenslüge, an der lange festgehalten wurde, die Erkenntnis durchzusetzen beginnt, dass im Jahr 2009 keine Tageszeitung mehr auf dem Frühstückstisch liegen muss, sind doch alle Informationen und Meinungsäußerungen ohnehin online verfügbar. Gemäß der wahren Worte Mark Twains – Wenn man keine Zeitung liest ist, ist man uniformiert. Wenn man Zeitung liest, ist man desinformiert – bleibt es die Pflicht eines jedes Einzelnen, der Desinformation entgegenzutreten. Ob dies in digitaler oder in Papierform geschieht, ist dabei sekundär.

Was sein wird, und was war

Die F.A.Z. wird – dies ergibt sich aus der Natur der Sache – auch weiterhin im eigenen Fokus und folglich auch im Fokus der Zeitung für Schland stehen. Da die Printausgabe seit dem heutigen Tage nicht mehr ohne weiteres verfügbar sein wird, muss künftig jedoch auf Kritik von Leserbriefen verzichtet werden. Auch wenn jene Kritik nicht zuletzt der Schärfung der eigenen Gedanken und Argumentation diente, ist es vielleicht ganz gut so, muss man doch schließlich nicht an jeder Mülltonne riechen, um festzustellen, dass sie stinkt. Zudem muss die Frage zumindest gestellt werden, ob es in jedem Fall zweckvoll war, jeden noch so antisemitischen, nationalistischen oder vor anderweitigen Widerwärtigkeiten strotzenden Leserbrief in der F.A.Z. zu sezieren, wenngleich diesbezüglich natürlich nie ein Anspruch auf Vollständigkeit bestand. Diesbezüglich herrscht zugegebenermaßen Uneinigkeit bei der Zeitung für Schland, die es außerhalb der digitalen Welt getreu Wiglaf Drostes Imperativ aus „Mit Nazis reden“ hält, der selbstredend auch für Antisemiten gelten sollte: sie sind daran zu hindern, dass zu tun, was sie eben tun, wenn man sie nicht hindert. Ob ein argumentatives Vorgehen diesbezüglich prinzipiell Sinn ergibt, darf ernsthaft bezweifelt werden und ist im Einzelfall zu entscheiden.

Abschließend kann und soll nicht verschwiegen werden, dass neue Freunde und Begleiter gefunden wurden, die auch ohne Aufzählung wissen, dass sie gemeint sind. Ihnen sei herzlich gedankt, ebenso wie allen, die sich in Form von Kommentaren an Diskussionen beteiligt oder wertvolle Hinweise gegeben haben. Des Weiteren mehren sich, was fast ebenso wichtig ist, Feinde und Kritiker, deren Abneigung bisweilen süßer schmeckt als die Zuneigung der Freunde. In diesem Zusammenhang sei auch noch einmal abschließend auf die jüngst erfolgte und leider offenbar notwendig gewordene Abgrenzung gegenüber gewissen Geistern hingewiesen, die an Deutschland nur zu stören vermag, dass es da nicht noch mehr von gibt. Diese Abgrenzung nicht früher und eindeutiger vollzogen zu haben ist ein Vorwurf, der einer gewissen Berechtigung nicht entbehrt, und den sich die Zeitung für Schland daher sowohl gefallen lassen muss, als auch selber macht.

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4 Antworten

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  1. Bernd Dahlenburg said, on April 1, 2009 at 6:10 nachmittags

    “….der selbstredend auch für Antisemiten gelten sollte: sie sind daran zu hindern, dass zu tun, was sie eben tun, wenn man sie nicht hindert. Ob ein argumentatives Vorgehen diesbezüglich prinzipiell Sinn ergibt, darf ernsthaft bezweifelt werden und ist im Einzelfall zu entscheiden.

    ——————

    Argumente helfen bei Dummheit, Ignoranz und Böswilligkeit nicht. Dafür ist mir meine Zeit zu schade.

    Anders verhält es sich vielleicht, wenn jemand etwas behauptet oder keine Ahnung hat, gleichzeitig aber bereit ist, sich auf Argumente einzulassen. Aber das merkt man ja recht schnell.

    Penetrante Antisemiten jeglicher politischen Coleur haben etwas von dieser Mülltonne an sich, die du oben so schön ins Bild gesetzt hast.

    Viele Grüße!

  2. Mr. Moe said, on April 2, 2009 at 1:54 nachmittags

    Argumente helfen bei Dummheit, Ignoranz und Böswilligkeit nicht. Dafür ist mir meine Zeit zu schade.

    Ich stimme absolut mit dir überein. Das was mir bei den “Einzelfällen” vorschwebte wären etwa Podiumsdiskussionen vor einem uninformierten Publikum, wo man sich entlarvenden Antisemiten evtl. argumentativ entgegentreten und sie so bloßstellen kann. Wobei das vermutlich zu optimistisch von mir gedacht ist.

  3. Bernd Dahlenburg said, on April 2, 2009 at 5:41 nachmittags

    Mr. Moe said, on April 2nd, 2009 at 1:54

    Argumente helfen bei Dummheit, Ignoranz und Böswilligkeit nicht. Dafür ist mir meine Zeit zu schade.

    Ich stimme absolut mit dir überein. Das was mir bei den “Einzelfällen” vorschwebte wären etwa Podiumsdiskussionen vor einem uninformierten Publikum, wo man sich entlarvenden Antisemiten evtl. argumentativ entgegentreten und sie so bloßstellen kann. Wobei das vermutlich zu optimistisch von mir gedacht ist.

    ——————–

    Ich bin da auch skeptisch, aber…

    …man soll ja nie aufgeben…; und ich neige auch immer dazu, an das “Gute” im Menschen zu glauben, bzw. an seine Fähigkeit, sich seines Verstandes zu bedienen, wenn dieser wenigstens ein rudimentäres Element von echter Empathie in sich birgt.

  4. [...] Rößler, FAZ – neulich hat Beer7 ihren negativen Eindruck des Herrn noch relativiert, jetzt outet er sich doch als Knallcharge: Israels Armee ist unglaubwürdig, weil sie eine [...]


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