Zeitung für Schland

Aufschrei

Posted in Deutsche Zustände by Mr. Moe on Mai 18, 2010

Das mutmaßliche Bekennerschreiben zum Brandanschlag auf die jüdische Synagoge in Worms, bei dem glücklicherweise niemand verletzt wurde, zeigt, wohin “Israelkritik” in letzter Konsequenz führt:

Sobald ihr nicht den Palästinensern Ruhe gibt, geben wir euch keine Ruhe.

Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, äußert sich in einem Interview mit der Jüdischen Allgemeinen wie folgt über die (ausbleibenden) Reaktionen auf den Anschlag:

Ich hätte einen öffentlichen Aufschrei erwartet. Auch wenn Politiker wie der Ministerpräsident Kurt Beck die Tat scharf verurteilt haben, war der Anschlag eine Randnotiz in der öffentlichen Debatte.

Wie sich dieser Tage eindrucksvoll gezeigt hat, ist “öffentlicher Aufschrei” in Deutschland vornehmlich dann zu vernehmen, wenn der Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft durch ein grobes Foulspiel – mit Absicht, dessen ist man sich gewiss! – verletzt wird und folglich nicht dazu beitragen kann, Deutschlands Ruhm bei der Weltmeisterschaft in Südafrika zu mehren. Von dieser Seite aus betrachtet wirkt der ausgebliebene “öffentliche Aufschrei” über die unweigerlich in antisemitische Praxis übergehende “Israelkritik” in der Tat schwer – wenngleich ein ebensolcher Aufschrei in Form der ja durchaus ab und an öffentlich artikulierten Heuchelei, den “Anfängen” wehren zu wollen, freilich ohnehin eine Lüge gewesen wäre. Dies zeigt sich nicht zuletzt daran, dass in Deutschland zeitgleich des Brandanschlags auf die Synagoge in Worms über einen vermeintlichen “Kompromiss” mit dem Iran gejubelt wird – ganz so als sei Judenmord Verhandlungssache.

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Eine Antwort

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  1. Zahal said, on Mai 21, 2010 at 6:13 nachmittags

    na hier doch gleich das Nächste.

    Das Trauma bleibt
    Nur auf den ersten Blick alltäglich: Ein Neonaziangriff auf einen jungen Israeli in Sachsen-Anhalt setzt eine Familientragödie fort.

    Die Geschichte klingt zunächst nach einem der alltäglichen Fälle rechtsextremer Gewalt. In Laucha, einer Kleinstadt im idyllischen Tal der Unstrut in Sachsen-Anhalt, schlägt und tritt am 16. April ein mutmaßlicher Neonazi einen Jugendlichen. Das Opfer ist ein 17-jähriger Israeli, der mit Mutter und Stiefvater in Laucha lebt. Die Polizei ermittelt den Täter und leitet ein Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung und „politisch motivierter Beleidigung“ ein. Der Schläger hatte den Israeli als „Judenschwein“ beschimpft. Die Familie ist am Ort bekannt, die Mutter, ebenfalls israelische Staatsbürgerin, arbeitet als Schmuckdesignerin und engagiert sich beim Schüleraustausch mit Israel. Was kaum jemand kennt, ist die tragische Familiengeschichte des Opfers und der Mutter. Der Überfall vom April erscheint da als weiteres Kapitel einer Abfolge traumatischer Erlebnisse in Deutschland.

    Die Einschläge kommen näher und der zeitliche Abstand nimmt ab. Egal aus welcher Ecke das kommt.

    http://www.tagesspiegel.de/politik/das-trauma-bleibt/1841114.html


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