Zeitung für Schland

Armes kleines Nazi-Deutschland

Posted in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe on März 28, 2009

Dass der amerikanische Schriftsteller Nicholson Baker einen widerwärtigen „Roman“ veröffentlicht hat, in dem er die These aufstellt, dass Churchill und Roosevelt Nazi-Deutschland zum Krieg angestachelt und somit eine Mitschuld am Zweiten Weltkrieg hätten, ist bekannt. Ebenfalls bekannt wie auch folgerichtig ist, dass ein solches Traktat von den Lorenz Jägers dieser Welt in den Feuilletons deutscher Zeitungen nicht in Grund und Boden geschrieben, sondern als willkommende Anregung zur Diskussion begrüßt wird, oder dass Baker ein begehrter Interview-Partner ist.
Wirklich widerwärtig ist allerdings einmal mehr die Auswahl der Leserbriefe in der F.A.Z. So darf Dr. Stefan Scheil, der selbst ein Buch darüber geschrieben hat, „warum Winston Churchill 1938/39 einen Krieg gegen Deutschland beginnen wollte“, und auf seiner eigenen Homepage die Website „Vernichtungskrieg.de“ verlinkt, „ein 2007 gegründetes und fortlaufend erweitertes Online-Projekt, das sich mit der Geschichte des Zweiten Weltkriegs befasst“, und auf der „Fakten und Texte vorgestellt [werden], die diesen Krieg als einen Konflikt erkennen lassen, der aus vielen Gründen ein Vernichtungskrieg gegen ganz Deutschland wurde, nicht nur gegen den Nationalsozialismus“. Im „Online-Lexikon“ dieser Seite fehlt das Stichwort „Judenvernichtung“ respektive „Holocaust“ oder „Schoah“. Und dies zu Recht, ist doch im Eintrag „Antisemitismus“ folgendes zu lesen:

Nach der Machtübernahme der antisemitisch ausgerichteten NSDAP wurde der Antisemitismus zur Regierungspolitik erklärt. In immer neuen Gesetzen wurde die juristische Gleichberechtigung der Juden in Deutschland jetzt aufgehoben, wobei das Hauptziel in den ersten Jahren in einer vollständigen Auswanderung der deutschen Juden bestand. Diese von einer Mischung aus Furcht und Haß gegenüber Juden geprägte Politik stieß weltweit auf Ablehnung und trug dazu bei, das Deutsche Reich international zu isolieren. Sie radikalisierte sich immer mehr und mündete schließlich in die Massentötungen von Juden während des Zweiten Weltkriegs.

An und für sich sollte mit Menschen wie Dr. Stefan Scheil oder Websites wie „Vernichtungskrieg.de“ das gemacht werden, was sie verdienen und wozu sie herausfordern: sie sollten als arme Irre abgetan werden, über die bei Gelegenheit herzlich gelacht werden darf, und gegen die nur im äußersten Notfall argumentativ vorzugehen ist. Im Übrigen werden Dr. Scheils „Thesen“ auch von den meisten Historikern völlig zu Recht “als als konstruiert, in Teilen apologetisch und vor allem auf zu dünner Quellenbasis gegründet abgelehnt“.

Etwas anders gestaltet sich die Sache hingegen, wenn die F.A.Z. das widerwärtige Geschreibsel solcher „Denker“ in Form von Leserbriefen abdruckt, gleichwohl dies naheliegt, da Dr. Scheil nicht nur für die Junge Freiheit schreibt, sondern auch als freier Mitarbeiter für die F.A.Z. tätig ist. Es ist jedoch schwer zu ertragen, dass folgende Sätze Dr. Scheils ohne Widerspruch in einer deutschen Tageszeitung erscheinen:

Es scheint notwendig zu sein, die Debatte an dieser Stelle um die Erkenntnis zu bereichern, dass Winston Churchill keineswegs erst 1940 vom notwendigen Krieg gegen den Nationalsozialismus sprach, sondern solche und ähnliche Äußerungen von ihm bereits 1934 nachweisbar sind.

Denn anstatt Churchill für dessen Weitsicht zu loben respektive zu kritisieren, dass er den Krieg gegen Nazi-Deutschland nicht bereits 1934 begonnen hat, was die Leben vieler Juden und anderer Opfer des NS-Regime gerettet hätte, schreibt Dr. Scheil:

Der Nationalsozialismus galt im als Greuel, zu dessen Vernichtung eine bewaffnete Auseinandersetzung gerechtfertigt war, auch wenn sie nicht von den Nationalsozialisten ausgehen sollte.

Churchill, du Monster! Einfach etwas gegen den Nationalsozialismus haben, auch wenn dieser (noch) gar nicht die Gelegenheit hatte, den „Lebensraum im Osten“ zu besiedeln und Juden auch außerhalb der ursprünglichen Grenzen Deutschlands zu verfolgen und umzubringen! Dr. Scheil kommt jedenfalls zu dem Ergebnis:

Mit Blick auf Nicholson Bakers Buch kommt man daher nicht um die Feststellung herum, dass Churchill die Ansätze zur Überwindung des NS-Regimes durch einen wirtschaftlichen kalten Krieg oder durch Neville Chamberlains mit Aufrüstung kombinierte Appeasement-Politik für nicht zielführend erachtete und bewusst politisch bekämpfte. Er hat die Kriegssituation des Jahres 1940 dadurch mit herbeigeführt und die von Nicholson Baker geschilderte Massenvernichtung von Menschen für das Ziel der Vernichtung des NS-Regimes hingenommen.

Zuletzt ist Dr. Scheil sich nicht zu schade, auch noch Handlungsanweisungen für das Jahr 2009 zu erteilen:

Gerade im Bereich der im Zusammenhang mit Nicholson Baker diskutierten Frage, wie heutigen fundamentalistisch-totalitären Regimen durch den Westen begegnet werden sollte, sollten diese Zusammenhänge stärker beachtet werden.

Auf deutsch, der auf Sprache in der Dr. Heil Scheil nicht zu nur zu schreiben, sondern in der er auch zu denken pflegt: Möge der Westen den Iran doch bitte nicht mit Gewalt daran hindern, das zu vollenden, was das arme kleine (Nazi-)Deutschland – nicht zuletzt dank des gescholtenen Churchills – nicht vollständig geschafft hat.

Quelle: F.A.Z. Vom 28. März 2009, S. 34.

Ein Freund, ein guter Freund (2)

Posted in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe on März 24, 2009

Einer der sowohl besten und aufrichtigsten Freunde Israels als auf den Seiten der Zeitung für Schland am häufigsten verhandelten Fälle ist F.A.Z.-Leser Dieter Neuhaus, der stets “im Interesse des Judentums und seiner Heimat Israel” agiert. Denn natürlich wünscht Neuhaus “dem jüdischen Volk [...], dass es endlich den Weg eines gerechten und friedlichen Zusammenlebens mit seinen palästinensischen Nachbarn findet”. Dem eigenen Selbstverständnis nach ist Freund Neuhaus nicht zuletzt aufgrund seiner Sorge um das Schicksal der Juden und Israels geradezu verpflichtet, Kritik an Israel zu äußern. Als Freund, der nur das Beste im Sinn hat – versteht sich!

Es liegt daher auf der Hand, dass Neuhaus auch zur Operation Gegossenes Blei mit einem Bündel freundschaftlicher Anmerkungen aufzufahren weiß. Mögen Israels führende Politiker geschweige denn die ernsthaft daran interessierten Palästinenser nicht wissen, wie ein dauerhafter Frieden im Nahost-Konflikt derzeit realisierbar sein soll, kennt Neuhaus selbstverständlich die Antwort. Sich gar nicht erst mit Kritik an den Palästinensern oder auch nur der Hamas aufhaltend, spricht Freund Neuhaus wie es sich für einen guten Freund gehört lieber gleich vom “großen Beitrag” [...], den der Staat Israel erbringen müsste, wenn er zu einem stabilen Frieden zwischen Israelis und Palästinensern beitragen will”:

Abbau der völkerrechtswidrig errichteten Städte und Siedlungen im Westjordanland und Rückgängigmachen der jüdischen Besiedlung Ost-Jerusalems. Einfrieren des im Schutz des Krieges gegen Gaza intensivierten Ausbaus dieser illegalen Siedlungen, Öffnung der von Israel völkerrechtswidrig geschlossenen Grenzen zum Gazastreifen und Versorgung der dort lebenden Menschen mit allem Lebensnotwendigen, Anerkennung der Palästinenser als den jüdischen Israelis gleichwertige Menschen.

Als guter und zugleich kritischer Freund von Herrn Neuhaus fühlt sich die Zeitung für Schland wiederum verpflichtet, einige Fakten klarzustellen und Freund Neuhaus so zu helfen, seine Argumentation zu verfeinern:

  1. Was auch immer man von den Siedlungen im Westjordanland oder der Forderung, selbiges judenrein zu gestalten, halten mag: die Siedlungen sind entgegen einem weit verbreiteten Irrglauben nicht illegal.
  2. Die Grenzen zum Gazastreifen sind und waren nicht “völkerrechtswidrig” geschlossen. Da die Grenzen entweder gar nicht oder aus guten Gründen zeitweilig geschlossen waren, ist diese Behauptung dermaßen irrsinnig, dass die Beweislast zur Abwechslung ruhig einmal bei denjenigen liegt respektive liegen sollte, die diese Behauptung aufstellen.
  3. Es dürfen so viele Lebensmittel in den Gazastreifen eingeführt werden, wie dort benötigt werden. Fairerweise sei erwähnt, dass Freund Neuhaus dies zum Zeitpunkt des Schreibens seines Leserbriefs nicht wissen konnte. Da aber zu befürchten ist, dass deutsche Medien diesen Punkt “vergessen” könnten und er sich in Folge dessen wie so viele andere in den Köpfen von Freunden und Feinden Israels festsetzt, sei dennoch darauf hingewiesen. Gleichwohl hätte Freund Neuhaus sehr wohl wissen können, dass Israel selbst während des Krieges Nahrungsmittel und humanitäre Hilfsgüter nach Gaza ließ, wohingegen die Hamas entsprechende Transporte wiederholt angriff oder Hilfsgüter stahl.
  4. So traurig es auch sein mag, dies einem Freund Israels zurufen zu müssen: Natürlich werden die Palästinenser von Israel als “gleichwertige Menschen” anerkannt. Dies zeigt sich nicht zuletzt dadurch, dass sie – bis auf wenige Ausnahmen wie etwa der Freistellung vom Militärdienst – die gleichen Rechte innerhalb Israels genießen.

Auch wenn Herrn Neuhaus freundschaftliche Kritik wie gezeigt wurde nicht immer auf Fakten basieren mag, darf – nein: muss! – Israel sich zweifelsfrei glücklich schätzen, einen derart kritischen Freund zu haben. Zumal dieser auch mathematisch äußerst begabt ist:

Wenn man von der aktuellen Zahl der gesamten Todesopfer, nämlich knapp 1400, ausgeht, so entfallen glaubwürdigen Berichten zufolge “nur” zwischen 100 bis 200 Tote auf Militante der Hamas

Leider nennt Neuhaus die “glaubwürdigen Berichte” nicht beim Namen, wie er auch sonst keine seiner Aussagen mit Quellen belegt. Vermutlich bezieht Freund Neuhaus sich auf Angaben des “Palestinian Centre for Human Rights” (PCHR), die jedoch keineswegs “glaubwürdig” sind, sondern vielmehr grob verzerrend. Zudem rechnet Neuhaus Hamas-“Polizisten” offenbar nicht zu den Terroristen, doch dazu später mehr. Der Ausgewogenheit halber sei erwähnt, dass die Anzahl der getöteten Hamas-Kämpfer nach Angaben der israelischen Armee bei mindestens 600 und die Anzahl getöter unschuldiger Zivilisten bei etwa 300 liegt. Weiter schreibt Freund Neuhaus:

Die große Mehrzahl der Opfer waren Frauen, Kinder und Jugendliche und an den Auseinandersetzungen unbeteiligte Männer.

Dies ist, um unter Freunden offen zu sprechen, eine glatte Lüge: Denn selbst aus den Zahlen des PCHR geht hervor, dass die Wahrscheinlichkeit während des Krieges getötet zu werden für erwachsene Männer 8,5-mal so hoch war wie für erwachsene Frauen und 7-mal so wahrscheinlich wie für Kinder unter 18 Jahren. Hier ist Freund Neuhaus offensichtlich einer Propagandalüge zum Opfer gefallen. Na ja, kann ja mal passieren. Seine folgende Ausführungen geben dann allerdings doch Rätsel auf:

Bei den israelischen Angriffen wurden auch über 150 zivile Polizisten getötet, die laut internationalem Recht als Zivilisten gelten.

Menschen, die nicht nur Mitglieder der Hamas sind, sondern sogar ihrer “Polizei” angehören als “zivile Opfer” zu bezeichnen ist etwas, auf das man erst mal kommen muss. Als Freund Israels sollte Neuhaus eigentlich bewusst sein, für was die “Hamas-Polizisten” trainiert werden und womit sie ihr “Berufsleben” verbringen. Es folgen die üblichen Vorwürfe der Freunde und Feinde Israels:

ausgedehnte Zerstörungen von Häusern, Vernichtung von Farmland, Einsatz von weißem Phosphor

Fehlen nur noch das Vergiften von Brunnen und Ritualmorde. Dass zudem sogar das rote Kreuz eingeräumt hat, dass Israels Einsatz von weißem Phosphor nicht illegal war, da dessen Einsatz zum Zwecke der Tarnung oder Täuschung sowohl erlaubt als auch üblich ist, ist Freund Neuhaus wohl einmal mehr entgangen. So gelangt er abschließend zu dem Fazit:

Insgesamt kann kein ernsthafter Zweifel mehr daran bestehen, dass Israels Regierung den Krieg gegen Gaza wollte: Die am 19. Juni 2008 in Kraft getretene Waffenruhe hatte bis zum 4. November 2008 gehalten.

Angesichts der über 10.000 Raketen seit 2000 könnte man auch sagen, dass “kein ernsthafter Zweifel” mehr daran bestehen kann, dass Israels Regierung den Krieg gegen Gaza – oder eigentlich: den Krieg gegen die Hamas – führen musste. Zudem erweist sich Freund Neuhaus erneut als schlecht informiert: Die Waffenruhe hat nachweislich nicht bis zum 4. November 2008 gehalten, sondern wurde von der Hamas von Anfang an gebrochen. Dies gesteht auch Neuhaus indirekt ein:

Unmittelbar nach der Waffenruhe sank die Zahl auf zwei Geschosse pro Monat

Welchen Teil des Wortes “Waffenruhe” hat Freund Neuhaus nicht verstanden? Das “Geschosse” Waffen sind dürfte eigentlich ebenso klar sein wie die Tatsache, dass “zwei Geschosse pro Monat” der gemeinhin gültigen Definition von “Waffenruhe” nicht entsprechen. Doch für Neuhaus steht, obgleich er unzweifelhaft ein Freund Israels ist, fest, dass Israel die “Waffenruhe” gebrochen habe:

Nachdem Israel am 4. November die Waffenruhe durch Tötung mehrerer Hamas-Aktivisten gebrochen hatte, eskalierten die Auseinandersetzungen: 1400 Tote und über 5400 Verletzte.

Zunächst sei Neuhaus erneut freundschaftlich mit der Realität konfrontiert: Nicht Israel, sondern die Hamas hat die “Waffenruhe” gebrochen. Des Weiteren hat Freund Neuhaus – es sei ihm natürlich verziehen! – offenbar “vergessen”, was der Anlass für die Tötung der “Hamas-Aktivisten” war: der Bau eines Tunnels, der voraussichtlich dazu dienen sollte, Angriffe auf Israel durchzuführen oder israelische Soldaten zu entführen. Außerdem sei Freund Neuhaus darauf hingewiesen, dass es sich bei den getöteten “Hamas-Aktivisten” ausschließlich um Terroristen handelte und böswillige Geister Neuhaus aufgrund seiner euphemistischen Bezeichnung “Aktivisten” unterstellen könnten, ein Apologet des Terroristenpacks zu sein.

Zum Abschluss seines Leserbriefs tut Neuhaus noch das, was gute Freunde nun einmal tun: er erteilt ungefragte Ratschläge, denn er weiß ja, was zu tun ist und wer es tun sollte:

Jetzt wird es darauf ankommen, dass die Art der israelischen Kriegsführung und die verbotene Verwendung von Phosphorbomben in dichtbesiedelten Gebieten durch internationale Fachleute untersucht und Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht und das Kriegsvölkerrecht dokumentiert werden

Unabhängig davon dass Verstöße, so es sie denn tatsächlich gegeben hat, dokumentiert werden und Neuhaus kein Wort über die zahllosen Kriegsverbrechen der Hamas verliert: Es bliebe zu hoffen, dass sich unter den “internationalen Fachleuten” nicht allzu viele selbsternannte Freunde Israels befänden. Gleichwohl ihre guten Absichten selbstverständlich keinesfalls in Abrede gestellt werden sollen, könnte eine zu große Anzahl von ihnen Israel mit ihrer Freundschaft, ihren klugen Ratschlägen und ihrer gut gemeinten Kritik ersticken.

Quelle: F.A.Z. vom 24. März, S. 6.

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Logik für Anfänger (4)

Posted in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe on Februar 21, 2009

Was passiert, wenn ein F.A.Z.-Leser den Vereinten Nationen auf der Leserbriefseite die Schuld an den Zuständen im Nahen Osten gibt, da sie “Geld in die Palästinensergebiete pumpen, das zu Waffenkäufen gebraucht würde”? Die richtige Antwort: Eine aufgeweckte F.A.Z.-Leserin, Magdalene Krafft, stellt die überaus berechtigte Gegenfrage:

Woher bezieht Israel das Geld für seine Waffenkäufe?

Wer solch tolle Fragen zu stellen pflegt, meint die Antwort überlicherweise ohnehin selbst zu kennen:

Es ist finanziell und politisch von den Vereinigten Staaten abhängig.

Doch gleichwohl Israel von den Vereinigten Staaten abhängig sei, kuschten die Amerikaner regelmäßig vor Israel:

Senator William Fulbright, der als einer der wichtigsten, intelligentesten und integersten Politiker galt, schreibt in seinem Buch “Wahn der Macht” (1989): “Eisenhauer war der letzte Präsident, der sich gegen die Israelis behauptet hat.” Als Israel sich seinerzeit aus Ägypten nicht zurückziehen wollte, erklärte er: “Wenn ihr euch nicht zurückzieht, drehen wir euch den Geldhahn zu.” Und sie zogen sich zurück.

Aus diesem Holz geschnitzte Präsidenten gäbe es heutzutage leider nicht mehr:

Welcher Präsident nach ihm wagte zu sagen: “Wenn ihr die Resolutionen der UN nicht befolgt, drehen wir euch den Geldhahn zu.”

Eine logisch einwandfreie Argumentation, die Frau Krafft da vorbringt: Israel sei von den Vereinigten Staaten abhängig, aber trotzdem könnten die USA  sich nicht gegenüber Israel “behaupten” respektive es gar “wagen”, Israel unter Druck zu setzen. Von den beiden falschen Prämissen einmal ganz zu schweigen: ein Schelm, wer da einen Widerspruch zu erkennen glaubt. Oder haben Sie etwa noch nie etwas von der “Israel-Lobby” oder der Verschlagenheit und Gerissenheit der Juden gehört?

Quelle: F.A.Z. vom 20. Februar 2009, S. 11.

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Kaisertreue und Auschwitz

Posted in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe on Februar 7, 2009

F.A.Z.-Leser Wolfram Dahmer unterbreitet einen kreativen Vorschlag, wie das “dauerhaft notwendige Gedenken an Auschwitz und seine Befreiung” noch optimiert werden könnte:

Wäre, bei dauerhaft notwendigem Gedenken an Auschwitz und seine Befreiung am 27. Januar 1945, wenigstens diesmal nicht auch noch Platz gewesen für ein Erinnern an den 150. Geburtstag von Kaiser Wilhelm II. am selben Tag?

In der Tat: Was läge näher, als das Gedenken an die Befreiung von Auschwitz ausgerechnet mit dem Erinnern an den notorischen Antisemiten Wilhelm II. zu verbinden? Und es kommt noch besser:

Wer beide Daten miteinander verbinden mag, dem hätte dieser Fingerzeig sicher geholfen. Aber auch die, denen solche Zuweisungen fernliegen, wären wieder einmal dessen gewahr geworden, dass deutsche Geschichte nicht erst 1933 oder 1945 beginnt.

Da hat Herr Dahmer allerdings recht, schließlich war man ja auch noch irgendwann Fussballweltmeister. Dass Herr Dahmer selbst vermutlich deutlich vor 1933 begonnen hat, zeigen seine abschließenden Worte:

Und für einige Ältere schließlich ist der 27. Januar in der Erinnerung noch immer ein leuchtender Tag: Kaisers Geburtstag.

Süß, oder?

Quelle: F.A.Z. Vom 7. Februar 2009, S. 8.

Selten so gelacht

Posted in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe on Februar 6, 2009

Bereits die F.A.Z.-Leserin Ruth Asfour hatte sich über die “Fremde Feder” von Robert B. Goldmann aufgeregt, da die F.A.Z. es gewagt hatte diesen kritischen Artikel über die weltweite Finanzierung der Palästinenser und des Terroristenpacks der Hamas abzudrucken. Jetzt legt Dr. Hans-Dietrich Patock in einem Leserbrief noch einmal nach:

Die in Ihrer Zeitung unter der Rubrik “Fremde Federn” in letzter Zeit erschienenen Stellungnahmen zum Palästina-Konflikt halte ich für einseitig, sie konnten den Ursachen und Zuständen nicht gerecht werden. Wäre es nicht möglich, dass einmal jemand von der palästinensischen Seite Stellung nimmt zu den Problemen? Es würde der Ausgewogenheit Ihrer Zeitung dienen.

Kurze Info an Dr. Patock: Jörg Bremer und Wolfgang Günter Lerch müllen die F.A.Z. nahezu täglich mit der “palästinensischen Seite” voll. Ende der Mitteilung.

Quelle: F.A.Z. vom 6. Februar 2009, S. 7.

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Wieviel Lügen und Unwahrheiten passen in einen einzelnen Leserbrief?

Posted in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe on Februar 5, 2009

Reiseleiter Markus Berger, Mitglied des Deutschen Bundestages von 1977 – 1987, schwadroniert in einem Leserbrief an die F.A.Z. über den jüngsten Krieg in Gaza, wobei er sich zunächst auf einen von F.A.Z. Mitherausgeber Günther Nonnenmacher verfassten Leitartikel vom 22. Januar bezieht. Um es vorwegzunehmen: Nahezu jedes einzelne Wort Bergers ist schlicht die Unwahrheit oder gar bewusste Lüge. In Bezug auf die von Nonnenmacher als “Nadelstiche” bezeichneten Raketenangriffe der Hamas auf Israel schreibt Berger:

Nun sollte “der Preis, den die (palästinensische) Zivilbevölkerung für solche ‘Nadelstiche’ zahlen muss, vor Augen geführt werden.” Also massenhaftes Bomben und Panzerangriffe auf den dichtbewohntesten Streifen der Welt über drei Wochen gegen Nadelstiche? Sollte das ein legitimes Kriegsziel sein?

Der Gazastreifen ist nicht das am “dichtbewohnteste” Gebiet der Welt, auch wenn dies noch so häufig in die Welt hinausposaunt wird. Hinsichtlich der Legitimität der Kriegsziele genügt ein einfaches “ja”, zumal Israel eben gerade nicht willkürlich (“massenhaftes Bomben”) vorgegangen ist, sondern bestrebt war, zivile Opfer so gut es ging zu vermeiden. Des Weiteren: Wie hätte Israels Antwort auf die “Nadelstiche” (nebenbei: ein unsägliches Wort, da es die Gefahr des Raketenterrors herunterspielt) Berger zufolge aussehen sollen? Hätte Israel wirklich in gleicher Art und Weise – lies: mit ungerichtetem Raketenbeschuss, der per definitionem ein Kriegsverbrechen ist – reagieren sollen? Dies kann Berger nicht ernsthaft meinen, weshalb der Verdacht nahe liegt, dass Berger generell ein Problem mit der Selbstverteidigung des jüdischen Staates hat. So schreibt Berger weiter:

Nach dem Rückzug der israelischen Truppen liegt der Gaza in Schutt und Asche. Nicht nur der UN-Generalsekretär zeigte sich entsetzt über das, was er dort gesehen hat. Schon im März 2008 zerbombte Israel den Gaza ohne Anlass. Es gab 120 Tote und 400 Verletzte, bevor dann Ägypten die auf ein halbes Jahr begrenzte Waffenruhe zwischen Israel und Hamas vermittelte, die vor Weihnachten auslief.

Israel hat Gaza im März 2008 nicht “zerbombt” und “ohne Anlass” schon einmal gar nicht, es sei denn, man ist wie Berger der Meinung, dass Israel den Raketenterror der Hamas hinzunehmen habe. Folglich bestätigt sich, was bereits vermutet werden konnte: Herr Berger sieht auch bei Angriffen auf Israel keinerlei Anlass zur Selbstverteidigung, was nichts anderes bedeutet, als dass er den Staat Israel zum Abschuss freigibt und gleichzeitig fordert, dass der jüdische Staat dies hinzunehmen habe.

Eine solche antizionistische und folglich antisemitische Grundhaltung wird im Fall von Berger mit einer hervorragenden Kenntnis der Fakten kombiniert. Klar, dass Herr Berger sich daher auch mit der der Operation Gegossenes Blei vorangehenden “Waffenruhe” auskennt:

Die ["Waffenruhe", Mr. Moe] hat Israel aber noch weniger eingehalten als die Hamas, weil es bei erster Gelegenheit wieder die Grenzen schloss und den Gaza mehrmals zum Gefängnis machte.

Schön, wenn ein “Israelkritiker” einem die Arbeit abnimmt, indem er sich innerhalb eines Satzes selbst widerlegt: Auch, wenn alles was Berger behauptet wahr wäre, ergebe seine Aussage keinen Sinn, da sogar er Israels Vorgehen als Reaktion auf das Verhalten der Hamas bezeichnet (“bei erster Gelegenheit”) . Wobei dies eigentlich keine Rolle spielt, da bereits die Behauptung, dass Israel die “Waffenruhe” “noch weniger” als die Hamas eingehalten habe, eine Lüge ist. Infolge bestätigt Berger zudem erneut, dass er Israel keinerlei Recht auf Selbstverteidigung (und ergo: auf seine Existenz) zuspricht:

Es müsse seine Bürger schützen, sagt Tel Aviv und spricht von legitimer Verteidigung. Aber entspricht das jetzt angerichtete Vernichtungswerk einer legitimen Verteidigung?

Abgesehen davon, dass Jerusalem und nicht Tel Aviv die Hauptstadt des Staates Israels ist, ist auch hier die Antwort auf die vermeintlich rhetorische Frage denkbar einfach: ja, ja und nochmals ja. Über die Mär vom “Vernichtungswerk” einmal großzügig hinweg gelesen, argumentiert Berger auch im Folgenden so, wie es sich für einen zünftigen Israelhasser gehört:

In den sieben Jahren des Beschusses von Sderot und letzthin noch weiterer israelischer Städte aus dem Gaza-Streifen mit Kassem-Raketen starben nach israelischen Angaben 32 Menschen. In den ersten sieben Tagen der Bombardierung des Gazastreifens starben aber 430, insgesamt in diesem Krieg mehr als 1400 Palästinenser. Mehr als fünftausend wurden verletzt oder verstümmelt.

Erstens ist das Abwägen von Menschenleben im Stile von Kartoffeln auf dem Markt mehr als  zynisch. Zweitens, sofern man sich auf das Aufrechnen von menschlichem Leid einlassen möchte, kann  das Leid der Bevölkerung in Sderot nicht allein über die Zahl der Toten – die Verletzten auf israelischer Seite erwähnt Berger selbstredend gar nicht erst – gemessen werden, sondern muss auch die aus dem jahrelangen Raketenterror resultierenden Traumata und anderweitigen psychischen Beeinträchtigungen beinhalten. Drittens ist die von Berger genannte Zahl der Opfer in Gaza zu hoch gegriffen. Außerdem sind die Opfer zu einem Großteil Kämpfer der Hamas, ergo: Terroristen und keine unschuldigen Zivilisten. Für die ohne Zweifel vorhandenen zivilen Opfer trägt zudem in überwältigender Mehrheit die Hamas die Verantwortung, da sie sich bewusst zivilen Einrichtungen verschanzt und die Zivilbevölkerung so als menschliches Schutzschild missbraucht. Kurz: Kriegsverbrechen seitens der Hamas sind keine Ausnahme, sondern bewusste Strategie, während Israel stets versucht, die Anzahl an getöteten Zivilisten zu minimieren.

Berger indes verliert kein Wort über die Hamas, so dass ein die letzten Wochen und Monate im Koma gelegener Mensch (Witz des Tages: oder F.A.Z.-Leser)  angesichts seiner Schilderungen denken muss, dass Israel in Gaza einen völlig willkürlichen Vernichtungskrieg gegen die Zivilbevölkerung geführt habe. Nach dieser groben Verkehrung der Realität resümiert Berger anschließend mit einer widerwärtigen Häme, was Israel mit dem von ihm angerichteten “Sterben, Leid und Zerstörung” erreicht hätte:

Auch nicht mehr Sicherheit, wie wir sehen werden.

Dementsprechend fällt dann auch Bergers Fazit über den Nahostkonflikt aus, in dem Frieden aus folgendem Grund “weit entfernt” sei:

Der Grund dafür ist, dass eine der Seiten ihn nicht will und deshalb mit der anderen auch nicht verhandelt, weshalb diese ihn nicht stiften kann.

Moment mal: Das stimmt ja sogar! Hat da etwa ein blindes Huhn auch mal ein Korn gepickt? Mitnichten, sind es Berger zufolge natürlich nicht die Palästinenser, die einem dauerhaften Frieden im Weg stehen, sondern Israel:

Israel scheint mit diesem Zustand zufrieden zu sein, denn ihm ist es wohl wichtiger, Zeit zu gewinnen, um weitere Fakten zu schaffen zu können im Westjordanland und im annektierten Ostjerusalem. Die Hamas wurde 2006 in Gaza demokratisch gewählt, weil sie sozial ist und nicht korrupt.

Dass die Hamas demokratisch gewählt wurde, ändert nichts an der Tatsache, dass sie nach der Wahl jegliche Opposition systematisch zerstört und eine vollständige Herrschaft angestrebt hat, so dass es sich schlichtweg und ergreifend um eine illegale Regierung handelt. Ob Berger zudem weiß, dass die “nicht korrupte” und “soziale” Hamas Lebensmittel und Decken für die Zivilbevölkerung in Gaza beschlagnahmt und Medikamente stiehlt? Oder “Kollaborateure” sowie Mitglieder der konkurrierenden Fatah foltert und ermordet, ganz so wie es sich für eine demokratische Partei gehört?

Nicht mehr ins Reich der Märchen sondern ins Reich der bewusst verbreiteten Unwahrheiten gehören Bergers abschließende Worte, angesichts derer jede argumentative Auseinandersetzung sinnlos wäre:

Sie [die Hamas, Mr. Moe] gefährdet nicht die Existenz Israels, wie immer wieder behauptet wird, sie könnt dies nicht, trotz ihrer Charta. Sie zeigte sich vor ihrer Wahl bereit, die UN-Resolution 242 anzuerkennen und die Grenzen von 1967, also indirekt auch Israel. Man hat sie dennoch boykottiert, aus welchen Gründen auch immer. Mit ihr nicht zu verhandeln war ein Fehler.

In diesem Sinne: Heil Hamas!

Quelle: F.A.Z. vom 4. Februar 2009, S. 8.

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Quak-quak quakel di quak

Posted in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe on Februar 4, 2009

Es war eigentlich nicht anders zu erwarten: Während seinerzeit kein kritischer Leserbrief über die “fremde Feder” des iranischen Außenministers Mottaki in F.A.Z.-Leser veröffentlicht wurde, gibt Robert B. Goldmanns Artikel “Hass als Politik” natürlich Anlass zur Beschwerde. Leider ist Goldmanns Artikel online nicht kostenfrei verfügbar, daher eine kurze Zusammenfassung aus dem Gedächtnis: Goldmann hat am 22. Januar, also vier Tage nach (!) Verkündung des “Waffenstillstands” in Gaza, einen der wenigen hamas- und nicht zugleich auch israelkritischen Artikel in der F.A.Z. veröffentlicht, in dem er etwa die Finanzierung des Terroristenpacks durch westliche Regierungen moniert. Solche offenen und wahren Worte kann F.A.Z.-Leserin Ruth Asfour, einschlägig bekannt für ihre kruden Ansichten, anscheinend nicht akzeptieren und schreibt:

Bringen Sie in Ihren nächsten “Fremden Federn” den israelischen Professor Ilan Pappe, Autor des Buches “Die ethnische Säuberung Palästinas”. Er lebt in Exeter, nicht in Israel, er wurde dort boykottiert.

Dass Israelfeinde jedweder Couleur sich für Pappes Traktate begeistern, ist bekannt (wer meint es tun zu müssen, kann eine Rezension von Seth J. Franzman für Middle East Quarterly über das von Frau Asfour angesprochene Buch lesen). Ebenso wie Pappe nehmen es seine Jünger und Jüngerinnen dabei mit der Wahrheit nicht allzu genau: Pappe wird in Israel nicht boykottiert, sondern fordert selbst vielmehr den akademischen Boykott Israels, so dass sein Entschluss die Universität Haifa zu verlassen und einem Ruf der Universität Exeter zu folgen doch nur konsequent war (seine ehemalige Universität hat in im übrigen trotz seiner Forderung sie zu boykottieren eben nicht rausgeschmissen) . Frau Asfour hingegen schreibt:

Oder wollen Sie [die F.A.Z., Mr. Moe] ihn auch boykottieren und stattdessen Goldmann bevorzugen, der sagt, die Palästinenser würden auf Kosten der Welt versorgt?

Erneut der Wahrheit willen: Erstens schreibt Robert B. Goldmann in regelmäßigen Abständen für die F.A.Z. und ist bislang nicht als einseitiger Kommentator hervorgetreten. Folglich ist es weder verwunderlich noch verwerflich, dass die F.A.Z. einen Text von Goldmann über die Hamas veröffentlicht wird. Vor dem Hintergrund, dass die Berichterstattung der F.A.Z. über die Operation “Gegossenes Blei” alles andere als ausgewogen war, ist es vielmehr zu begrüßen, wenngleich es die Berichterstattung natürlich nicht ungeschehen macht. Zweitens “boykottiert” die F.A.Z. Ilan Pappe ebensowenig wie “Israel” dies tut, wobei Israel in Anführungszeichen steht, um den Schwachsinn der Aussage, dass eine Person durch ein ganzes Land kollektiv boykottiert werde, zu verdeutlichen. Und drittens: Der von Frau Asfour bemängelte Satz Goldmanns, dass die Welt – man ist geneigt hinzuzufügen: und nicht zuletzt auch Deutschland – die Palästinenser mit Geld versorge ist nichts als die reine Wahrheit – und zudem eine äußerst schlechte Idee, wie etwa Daniel Pipes deutlich macht.

Quelle: F.A.Z. vom 4. Februar 2009, S. 8.

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Der Krieg in Gaza und der Bussi-Skandal

Posted in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe on Februar 2, 2009

Schön, dass sich nach etwas längerer Ruhepause mal wieder ein F.A.Z.-Leser zur Operation “Gegossenes Blei” äußern darf. Der von Dr. Dietrich von der Oelsnitz verfasste Brief mit dem Titel “Gute und böse Bomben” gefällt der F.A.Z. anscheinend sogar so gut, dass sie ihn online gestellt hat – vielen Dank für diesen Service.

Wie es sich für einen promovierten Akademiker gehört, geht Dr. von der Oelsnitz streng systematisch vor und beginnt seine Ausführungen daher mit einer knappen Zusammenfassung des Krieges in Gaza:

Drei Wochen Krieg in Gaza – fassen wir zusammen: Auf israelischer Seite sechs tote Zivilisten, auf palästinensischer Seite über tausend tote Zivilisten. Jeder mag selbst beurteilen, ob das Notwehr ist.

Selbst wenn im Krieg in Gaza “über tausend” palästinensische Zivilisten” umgekommen wären, muss man keine Dissertation verfasst haben, um diese Aussage als Schwachsinn zu entlarven, kann sie doch nur auf zweierlei Weise interpretiert werden: Entweder ist Dr. von der Oelsnitz der Meinung, dass im Krieg in Gaza zu wenig Israelis gestorben sind. Oder – was wahrscheinlicher ist – er vertritt die Ansicht, dass Menschenleben wie Gegenstände addiert und gegeneinander aufgerechnet werden können, gepaart mit der Überzeugung, dass für jedes Opfer eines Angriffs exakt ein Angreifer getötet werden “darf”. Dass Dr. von der Oelsnitz den Krieg in Gaza zudem anscheinend nur unzureichend, oder nur durch die Brille der F.A.Z. (was auf das Gleiche hinausläuft), verfolgt hat, offenbart der folgende Satz:

Die militante Hamas schießt Raketen auf Grenzstädte ab, die Israelis beschießen Moscheen, Schulen, Hilfstransporte.

Von einer solchen “Faktenlage” ausgehend, verwundert es nicht, dass sich Dr. von der Oelsnitz sogar über die Begrüßungsformeln von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier zu echauffieren weiß:

Von Angela Merkel bis heute kein Wort der Kritik; von Steinmeier gibt es für Frau Livni – die immerhin Kriegspartei ist – bei der Begrüßung Bussi links und Bussi rechts. Unsere Politiker, denen sonst der Mund überläuft von Menschen-, Frauen- und Kinderrechten, applaudieren Olmert noch in Kairo. Dass der wegen Korruption eigentlich gar nicht mehr im Amt ist, stört keinen.

Wahrscheinlich hätte Dr. von der Oelsnitz es begrüßt, wenn Steinmeier Livni, der Vertreterin eines Staates, der die Menschen-, Frauen-, und Kinderrechte bekanntermaßen ja mit Füßen tritt,  zur Begrüßung ins Gesicht gespuckt hätte. Fast genau so putzig wie seine Aufregung über “Bussi links und Bussi rechts” sind auch die abschließenden Worte von Dr. von der Oelsnitz:

Es wird Zeit für eine objektive Wahrnehmung und dann auch Verurteilung dieser endlosen beiderseitigen Gewaltspirale. Es gibt keine guten und bösen Bomben.

Seine eigene beschränkte Sichtweise als “objektive Wahrnehmung” verkaufen, die Mär von der guten alten Gewaltspirale nachplappern und ein bisschen laut von einer kuschelig-flauschigen Märchenwelt träumen – seinen Doktortitel hat sich Herr von der Oelsnitz wahrlich verdient.

Quelle: F.A.Z. bom 02. Februar 2009, S.8.

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Skandal: Zentralrat der Juden solidarisiert sich mit “Staatsverbrechen”

Posted in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe on Januar 19, 2009

Dass der Zentralrat der Juden sich mit Israel und der Operation Gegossenes Blei solidarisiert hat, stellt für eingefleischte F.A.Z.-Leser naturgemäß eine nicht hinnehmbare Provokation dar. So schreibt Bernd Schäfer in einem Leserbrief:

Man stelle sich vor, derselbe Text wäre aus Perspektive eines Palästinensers geschrieben und an gleicher Stelle veröffentlicht worden. Darin würden dann die Anzahl der Bombardements der israelischen Armee, der Soldaten, der Panzer und Hubschrauber und der getöteten, palästinensischen Zivilbevölkerung, Männer, Frauen, Alter und Kinder genannt.

Aus dieser Umkehrung wird hoffentlich deutlich, wie unerträglich diese Parteinahme für eine Regierung ist, die es sich vor den Augen der Weltöffentlichkeit herausnimmt, wahllos Zivilisten zu töten, die in einem begrenzten Raum eingesperrt sind.

Angesichts eines solchen Skandals kann Schäfers Urteil daher nur lauten:

Ein Staat, der gegen Terroristen kämpft und dabei dieselben Mittel einsetzt wie die Terroristen, ist nicht besser als die Terroristen, nur stärker.

Es kann nicht deutlich genug gesagt werden: Wer Israel unterstellt, mit den “selben Mitteln” wie die Terroristen vorzugehen und Israel folglich moralisch mit den Terroristen der Hamas gleichsetzt, ist entweder blind und taub, psychisch krank oder Antisemit (vermutlich sogar alles auf einmal). Vom Podest einer vermeintlichen moralischen Überlegenheit schwadroniert Schäfer indes weiter:

Die eigentliche Stärke des Staats ist jedoch ein zuverlässiges Rechtssystem und sein Anspruch, dieses System mit legalen Mitteln durchzusetzen. Dabei muss die daraus resultierende Schwäche im Kampf gegen Terroristen akzeptiert werden.

Das lässt sich aus dem bequemen und nicht von Raketen bedrohten Köln recht einfach sagen. Doch was soll Israel Schäfer zufolge tun? Zumal er vermutlich jede Maßnahme zur Verteidigung wie folgt bewertet:

Was Israel praktiziert, ist hingegen Mord; es verstößt gegen seine eigenen Gesetze und die Menschenrechte.

Das sind ja gleich drei Dinge auf einmal: Lügen (“Israel praktiziert Mord”), Lügen (“Israel verstößt gegen seine eigenen Gesetze”) und nochmals Lügen (“Israel verstößt gegen die Menschenrechte”). Na dann, viel Spaß beim Spielen. Doch vorher muss natürlich noch einmal auf den Zentralrat der Juden eingeschlagen werden, der es gewagt hat, Partei für Israel zu ergreifen:

Aus diesem Grund ist eine Solidaritätserklärung, wie vom Zentralrat der Juden abgegeben, unerträglich. Für Lobbyarbeit für Staatsverbrechen sollte sich der Zentralrat zu schade sein.

Quelle: F.A.Z. vom 19. Januar 2009, S. 7.

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War Treitschke Antisemit?

Posted in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe on Dezember 18, 2008

Eine erstaunlich lange Zeit ging es verhältnismäßig zivilisiert auf der Leserbriefseite der F.A.Z. zu. Höchste Zeit also, mal wieder einen – wie üblich von einem Träger der Doktorwürde formulierten – antisemitischen Auswurf aller erster Güte abzudrucken! Die Ehre obliegt dieses Mal Dr. Helmut Pieper, der auf einen F.A.Z.-Leser antwortet, der sich wiederum auf Heinrich von Treitschkes Artikel “Unsere Aussichten” bezogen hatte und Treitschke unterstellt habe, dass dieser “trotz mancher Bedenken die antisemitischen Aufwallungen (begrüßt)” habe. “Die-Juden-sind-unser-Unglück”-Treitschke ein Antisemit? Diesen Vorwurf kann Dr. Pieper natürlich nicht auf dem guten Mann sitzen lassen:

Wohl äußert Treitschke Verständnis für diese “laute Agitation”, er lässt aber auch deutliche Kritik erkennen: “eine brutale und gehässige, aber natürliche Reaction des germanischen Volksgefühls”.

“Eine brutale und gehässige, aber natürliche Reaction des germanischen Volksgefühls” – deutlicher kann man eine Kritik in der Tat nicht formulieren! Zumal es für die “natürliche” – mit anderen Worten: unvermeidliche und nicht in der Verantwortung des Pöbel liegende – “Reaktion” ja auch gute Gründe gegeben habe:

Er [Treitschke, Mr. Moe], will kein “Zeitalter deutsch-jüdischer Mischcultur”, das bei Franzosen und Engländern nicht denkbar wäre, verfügten sie doch über “die Energie des Nationalstolzes und die festgewurzelte nationale Sitte” alter Kulturvölker. Auch gehörten die bei ihnen lebenden Israeliten zumeist dem spanischen Judenstamm an, der sich “der abendländischen Weise immer ziemlich leicht eingefügt habe”.

Dass Juden per definitionem nicht zugleich Deutsche sein können, ist gängiges germanisch-arisches Allgemeinwissen. Gleiches gilt dafür, dass der “spanische Judenstamm” sich besser integriere als – ja als wer eigentlich?

Die Deutschen dagegen, als Nation noch ungefestigt, hätten es mit dem zahlenmäßig stärkeren polnischen Judenstamm zu tun, und dieser stehe “erfahrungsgemäß dem europäischen und namentlich dem germanischen Wesen ungleich fremder gegenüber”. Wie dieser Gefahr begegnen?

Die Horden des “polnischen Judenstamms” bedrohen aufgrund ihrer Fremdartigkeit das, wenn auch als Nation noch nicht gefestigte, Germanentum – eine bis dato stringente und überaus kritische Darstellung des “Problems”. Ein Schelm, der da Antisemitismus wittert! Ruhigen Gewissens kann sich Treitschke, und mit ihm Dr. Helmut Pieper, nun der praktischen Lösung des “Problems” widmen:

Eine Zurücknahme oder auch nur Schmälerung der Judenemanzipation kommt für Treitschke nicht in Frage: “sie wäre ein offenbares Unrecht, ein Abfall von den guten Traditionen unseres Staates”. Er wehrt nicht ab, sondern fordert von “unseren israelitischen Mitbürgern”, “Deutsche zu werden, sich schlicht und recht als Deutsche (zu) fühlen”, und das “unbeschadet ihres Glaubens und ihrer alten heiligen Erinnerungen, die uns Allen ehrwürdig sind”. Vorbild sind ihm hierbei “sehr viele Juden; getaufte und ungetaufte”, die “deutsche Männer waren im besten Sinne, Männer in denen wir die edlen und guten Züge deutschen Geistes verehren.”

Kurz: die dem deutschen Wesen an und für sich fremd gegenüberstehenden Juden müssten eben an selbigem genesen. Auch diese Ansicht habe natürlich keinesfalls etwas mit Antisemitismus zu tun:

Es versteht sich von selbst, dass der Treitschke oft zugeschriebene Ausruf “Die Juden sind unser Unglück!” mit solchen Gedanken nicht zu vereinbaren wäre, und tatsächlich gibt der Autor hier nur eine von ihm vielerorts – “bis in die Kreise der höheren Bildung hinauf” – gehörte Meinung wieder.

Nun versteht es sich zwar keineswegs “von selbst”, dass Treitschkes Ausspruch mit dem oben zitierten unvereinbar sei; und die Behauptung, dass Treitschke einfach nur eine von ihm nicht geteilte Meinung wiedergebe, steht gar in erheblichem Widerspruch zu dessen Worten. Aber wirklich schön liest sich hingegen die fröhliche Reihe der Nicht-Antisemiten: “Kreise der höheren Bildung” reden antisemitisch daher, Treitschke, nach dem in Deutschland heute noch Straßen benannt sind, gibt deren Meinung lediglich wieder und 120 Jahre später zitiert Dr. Pieper wiederum Treitschke. So wird das Gedankengut, schön säuberlich von der eigenen Person losgelöst, auf sichere Art und Weise transportiert – ganz ohne sich selbst jemals dem absurden Verdacht auszusetzen, Antisemit zu sein.

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