„Fünfzig Deutsche von gestern, für die Welt von morgen“
Was sich wie ein Aufruf zu Mord und Totschlag liest, ist einer neue Kampagne der ZEIT entnommen, die in ihrer neusten Ausgabe „50 deutsche Vorbilder“ ehrt; „Vordenker und Visionäre“, gar „Menschen, von denen wir lernen können, die wir wiederhaben wollen“ – eben „fünfzig Deutsche von gestern, für die Welt von morgen“.
Wie gut, dass Hitler Österreicher war.
Deutsche Staatsräson: Vom „akzeptablen Antisemitismus“
SPIEGEL ONLINE titelt:
Ahmadinedschad sorgt mit Israel-Hassrede für Eklat
So weit nichts neues, UN-Vollversammlung halt. Streng genommen handelt es sich hierbei nicht einmal um eine Nachricht im eigentliche Sinne, besteht jene doch im Kern in der Weitergabe einer Neuigkeit. Ahmadinedschads antisemitische Rede im Kreise Delegierter der UN kam indes weder unerwartet, noch war sie die erste ihrer Art. Eine wahrhaftige Nachricht wäre gewesen, wenn Ahmadinedschad keine antisemitische Rede vor der UN-Vollversammlung gehalten hätte.
Überaus aufschlussreich ist hingegen eine Aussage der deutschen UN-Sprecherin:
Eine Sprecherin der deutschen Uno-Botschaft sagte, man habe die Israel-Passage als „inakzeptabel antisemitisch“ empfunden und habe daher mit vielen anderen europäischen Kollegen den Saal verlassen.
„Inakzeptabel antisemitisch“ impliziert unweigerlich, dass es auch ein „akzeptabel antisemitisch“ geben muss. Für diese Ehrlichkeit ist der deutschen Sprecherin zu danken, denn sie bringt so unfreiwillig den deutschen Spagat in Bezug auf Antisemitismus auf den Punkt, der gemeinhin als Staatsräson deklariert wird.
Auf der einen Seite gibt es einen „inakzeptablen Antisemitismus“, vertreten etwa durch Ahmadinedschad oder die Nationalsozialisten. Sich gegen diesen im Allgemeinen auch von der Mehrheit der Medien und Politiker als solchen bezeichneten Antisemitismus auszusprechen, ist in Deutschland ebenso selbstverständlich wie kostengünstig und folgenlos. Sobald jedoch bloße Rhetorik in Taten überzugehen droht, lässt das Engagement der selbst erklärten Gegner des „inakzeptablen Antisemitismus“ bereits merklich nach. Insbesondere dann, wenn es mit Einbußen für die deutsche Wirtschaft verbunden wäre.
Auf der anderen Seite gibt es das Gegenstück zum „inakzeptablen Antisemitismus“, jene von der deutschen UN-Sprecherin nicht einmal auf einen Begriff gebrachte Form des „akzeptablen Antisemitismus„. Dieser in weiten Teilen der Öffentlichkeit gar nicht als solcher wahrgenommene Antisemitismus zeichnet Felicia Langer und Henning Mankell ebenso aus wie gefühlte zwei Drittel der Linkspartei. Da dieser Antisemitismus in der Regel nicht einmal als Antisemitismus erkannt, jedenfalls nicht als solcher bezeichnet wird, wird er nicht bekämpft, sondern in Leitartikeln deutscher Tageszeitungen in die Welt posaunt oder in Form von Ehrungen für seine Anhänger zum gesellschaftlich Wünschenswerten verklärt.
Dass indes nicht nur deutsche UN-Sprecher Probleme haben, Antisemitismus auch nur begrifflich richtig zu fassen, zeigt die Äußerung des amerikanischen Sprechers:
„Es ist enttäuschend, dass Herr Ahmadinedschad einmal mehr hasserfüllte, beleidigende und antisemitische Rhetorik gewählt hat“, erklärte der Sprecher der US-Vertretung bei den Vereinten Nationen, Mark Kornblau.
Wenn ein Adjektiv Ahmadinedschads Äußerungen am wenigsten treffend beschreibt, so ist es das Wort „enttäuschend“. Doch nicht nur das Adjektiv im oben zitierten Satz ist vollkommen falsch, auch das Verb ist eine einzige Lüge: Ahmadinedschad hat nicht nach Lust und Laune eine „antisemitische Rhetorik gewählt„, so wie man morgens ein paar graue oder schwarze Socken anzieht. Ahmadinedschad hat lediglich gesagt, was er – und gewiss nicht nur er – denkt, an was er glaubt. Er hat seine durch und durch antisemitische Überzeugung zum wiederholten Male der Weltöffentlichkeit offenbart. Wer davon enttäuscht ist, das ein Antisemit sich antisemitisch äußert – oder in den Worten des amerikanischen Sprechers: eine antisemitische Rhetorik wählt -, müsste konsequenterweise jeden Tag aufs Neue enttäuscht sein, dass die Sonne abends unter geht.
Crossposted auf FREE IRAN NOW!
Durban II: Deutschlands doppeltes Spiel
Anne Bayefsky, Sprecherin von Eye on the UN, weist dankenswerterweise darauf hin, was für ein doppeltes Spiel Deutschland hinsichtlich der Ende April diesen Jahres in Genf stattgefundenen „UN-Antirassimuskonferenz“ spielt. Deutschland, in dem man es offenkundig nicht als Widerspruch ansieht, einerseits Israels Existenzrecht öffentlich zur Staatsräson zu erklären, andererseits aber größter westlicher Handelspartner des Irans zu sein, hatte die Konferenz bekanntermaßen „boykottiert.“ Doch obwohl deutsche Vertreter der Konferenz, deren bekanntester Redner Irans-Präsident Ahmadinedschad gewesen sein dürfte, fernblieben, hält man das Schlussdokument [PDF] der Konferenz in Berlin offenbar für akzeptabel:
Dieses Dokument ist auch nach deutscher Auffassung eine akzeptable Grundlage für den weiteren Kampf gegen rassische Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit.
Das nach „deutscher Auffassung“ akzeptable Schlussdokument enthält erstens eine Erweiterung des Rassismus-Begriffs, so dass dieser auch „Islamophobie“, „Christianophobie“ und „Antiarabismus“ umfasst [hat tip: Zettels Raum]. Zweitens wird in dem Dokument das auf der Vorgänger Konferenz in Durban im Jahr 2001 beschlossene Durban Declaration and Programme of Action [PDF] ausdrücklich bekräftigt. In dem Dokument der „Weltkonferenz gegen Rassismus“, in dem Israel als einziges Land namentlich genannt und an den Pranger gestellt wird, heißt es:
We are concerned about the plight of the Palestinian people under foreign occupation. We recognize the inalienable right of the Palestinian people to self-determination and to the establishment of an independent State and we recognize the right to security for all States in the region, including Israel, and call upon all States to support the peace process and bring it to an early conclusion.
Sowie zwei Absätze später:
We recognize the right of refugees to return voluntarily to their homes and properties in dignity and safety, and urge all States to facilitate such return.
Das gesamte Dokument und folglich auch diese Zeilen respektive Forderungen werden im Schlussdokument der Genfer Konferenz bereits im ersten Artikel ausdrücklich bekräftigt. Deutschlands Akzeptanz gegenüber dieser Erklärung kann daher nur als eindeutige Zustimmung gewertet werden.
Hinzu kommt, dass Deutschland im Gegensatz zu etwa den Vereinigten Staaten oder Italien, die die Konferenz „wirklich“ boykottierten, in einem Berichtsentwurf der UN offiziell als Teilnehmer der Konferenz gelistet wird [Word-Dokument]. Dass deutsche Beamte nach Auskunft von Bayefsky die UN nicht darum gebeten hätten, dies zu korrigieren, ist ebenfalls als Einverständnis der Veranstaltung und des Schlussdokuments zu werten. Anne Bayefsky ist daher ohne wenn und aber zuzustimmen, wenn Sie schreibt:
EYEontheUN.org Editor, Anne Bayefsky, asked on April 17th, 2009 during the last Durban II planning meeting: will Germany grant legitimacy to a forum which tolerates the presence of an advocate of genocide against the Jewish people? The answer, we now know, is „yes.“
Bei dieser Gelegenheit und beim Stichwort „UN“ sei zudem noch einmal daran erinnert, dass die USA unter Chef-Appeaser Barack Obama erstmalig in den „UN-Menschenrechtsrat“ (ja, der nennt sich wirklich so) gewählt wurden, im Übrigen neben solcher Vorreiter für die Menschenrechte wie Kuba, Saudi-Arabien, China und Russland. Susan Rice, die UN-Botschafterin der USA stimmt schon einmal darauf ein, wie das künftig aussehen könnte:
We have not been perfect ourselves but we intend to lead based on the strong principled vision that the American people have about respecting human rights [and] supporting democracy.
Ob der UN-Menschenrechtsrat, in dem diktatorische Regime tonangebend sind und dessen Hauptbeschäftigung in der Verurteilung Israels liegt, dazu der richtige Ort ist, darf getrost bezweifelt werden.
Zwei wie Pech und Schwefel
Gerhard Schröder wird sich im Zuge einer „privaten Visite“ in Iran mit Präsident Ahmadinedschad und Außenminister Mottaki treffen. Angesichts Schröders moralischer Integrität, die sich zweifelsfrei auf dem Niveau eines „lupenreinen Demokraten“ befindet, ist diese Nachricht weder unerwartet noch skandalös: Lumpen treffen sich nun einmal mit Lumpen. „No Blood for Sauerkraut!“ bringt es auf den Punkt:
Vergangenheit trifft deren Leugnung – ein echtes Dream Team.
Weitaus interessanter ist dagegen, was SPIEGEL ONLINE über den iranischen Präsidenten Ahmadinedschad zu berichten weiß:
Und auch was den Holocaust angeht, wartet er mit manch kruden Thesen auf.
Man hätte es zur Abwechslung auch einmal in klaren Worten sagen können: Ahmadinedschad leugnet den Holocaust. Er hat dies nicht nur wiederholt, sondern nicht zuletzt auch in einem Interview mit dem SPIEGEL getan. Warum SPON diese Tatsachen durch die nebulöse Formulierung „krude Thesen“ verschleiert, bleibt wohl das Geheimnis der Journaille. Die Zeitung für Schland nimmt unterdessen Wetten an, ob Wolfgang Günter Lerch Schröders Besuch im Iran im Laufe der nächsten Tage in der F.A.Z. als „Chance für den Dialog“ bezeichnen wird.
Oh, grausame Welt!
Zur Abwechslung einmal ein ungekürzter und gänzlich unkommentierter Leserbrief aus der F.A.Z.
Zur Glosse „Im Kürbis“ zu Halloween in der F.A.Z. vom 31. Oktober: Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, man könne irisch-amerikanische Traditionen einfach so in Deutschland einführen? Es standen am 31. Oktober tatsächlich verkleidet Kinder vor unserer Tür, die Süßigkeiten in Empfang nehmen wollten. Und zwar als Gegenleistung dafür, dass sie keinen Streich spielen würden. Was soll das, liebe Eltern? Warum ist es notwendig, kurz vor Sankt Martin, zu dem es deutsche Tradition ist, dass Kinder singend von Tür zu Tür gehen und Süßigkeiten sammeln, die selben Kinder nach amerikanischer Tradition ihre Zeit vertreiben zu lassen? Ich fühlte mich jedenfalls erpresst und vor allem in die Ecke gedrängt, da noch keine Kleinigkeiten im Haus waren, die man den Kindern hätte geben können (ganz zu schweigen davon, dass ich diese unserem Land fremde Tradition gar nicht mitmachen möchte).
Baut Ihr, liebe Eltern, etwa darauf, dass die Leute sich bereits mit Leckereien für Sankt Martin eingedeckt haben und diese aus Verlegenheit rausrücken?
Und habt Ihr, liebe Eltern, auch über die Konsequenz nachgedacht, dass es die Leute abschrecken könnte, für unsere Tradition in ein paar Tagen neue Süßigkeiten zu besorgen, um getrost den singenden Kindern die Tür öffnen zu können? Ich freue mich auf die Kinder, die am 11. November ebenso wie ich es als Kind getan habe, mit einem Martinslied vor meiner Tür stehen werden und um eine kleine Gabe bitten. Ihnen werde ich gerne etwas geben. Eines noch, liebe Eltern: Wenn Sie Ihren Kleinen amerikanische Traditionen schon erlauben, dann bringen Sie Ihnen bitte auch folgende Regel zu Halloween bei: Ist bei einem Haus die Außenbeleuchtung ausgeschaltet (und sei das restliche Haus auch noch so festbeleuchtet), wissen amerikanische Kinder, dass sie an diesem Haus gar nicht läuten brauchen.
Was darf die Satire?
Kurt Tucholsky beantwortete die Frage, was die Satire dürfe, einst mit einem eindeutigen „Alles“. Eine zeitgemäße Antwort auf die Frage hat jetzt das Museum für komische Kunst Caricatura gegeben und den vom Satiremagazin Titanic für den 18. Oktober ausgerufenen Mohammed-Ähnlichkeitswettbewerb aufgrund nicht ausreichender „Platzkapazitäten“ sowie Sicherheitsbedenken abgesagt. Stefan Behr kommentiert dies in der Frankfurter Rundschau lapidar:
Es hat halt nicht sollen sein.
Was sich so anhört, als habe ein Fußballverein in der letzten Minute ein unglückliches Tor kassiert, verdeutlicht die allseitig vorherrschende Freude über die Absage der Veranstaltung.
Die Polizei:
Die ersten Reaktionen klingen meist nach Erleichterung. Etwa bei Polizeisprecher Jürgen Linker: „Wir hätten das mit abdecken können, sind aber erleichtert, weil es so nicht zu möglichen Protestaktionen kommt.“ Vorfälle, wie sie sich ereignet haben, nachdem Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung Jyllands Posten erschienen sind, hätte man in jedem Fall unterbinden wollen. Vermutlich wäre also die Frankfurter Polizei in massiver Präsenz angerückt.
Die Staatsanwaltschaft:
Auch Doris Möller-Scheu, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, ist über die Entwicklung alles andere als unglücklich. „Wir können das nur begrüßen, es hätte sonst sicher Probleme gegeben.“ Es sei ja nicht so, dass die Veranstalter sich alleine in Gefahr brächten, sondern auch andere, völlig Unbeteiligte.
Genau so ist es: Nicht potentielle Attentäter gefährden die Öffentlichkeit, sondern Titanic-Redakteure. Ganz so, als ob Extremisten aufgrund des Einknickens eines Museums vom Glauben abfiehlen und ihre mörderischen Ziele nicht mehr verfolgten. Aber eigentlich geht es bei der ganzen Angelegenheit ja gar nicht um Islamismus oder Sicherheit:
Hauptgrund seien die Kunstwerke gewesen, die in der Caricatura hängen und um deren Sicherheit man sich Sorgen gemacht habe. „Das ist ja an und für sich kein Veranstaltungsort“ – die Lesebühne befindet sich im Erdgeschoss des Museums, wo auch die Kurzausstellungen gezeigt werden, derzeit Bilder von Bernd Pfarr. Dass alles in so einem Schlamassel endet, hätte er nicht geglaubt: „Ich hätte nicht gedacht, dass das so ein Ding wird.“
Dass das Museum „kein Veranstaltungsort“ sei und das zwei Tage vor der Veranstaltung plötzlich jemandem auffällt, lassen wir einmal so stehen. Schlimmer wiegt ohnehin, dass die Terroristen Titanic-Redakteure in ihrem Wahn weiter rücksichtslos die Öffentlichkeit gefährdeten:
Noch ist aber nicht endgültig klar, ob es nicht doch ein Ding werden könnte. Die Redakteure der Titanic halten nämlich nach wie vor den geplanten Schabernack für eine gute Sache und denken nicht ans Aufgeben.
Diese Monster!
Nachtrag: Es soll dem Leser nicht vorenthalten werden, dass Stefan Behr von der Frankfurter Rundschau die Absage der Veranstaltung in einem Leitartikel mittlerweile als „falsch“ bezeichnet hat.
Ein geschundener Unternehmer erklärt die Welt
Eginhard Vietz, Geschäftsführer der Firma Vietz Pipeline Equipment, gibt sich in einem Interview mit der ZEIT alle Mühe, jedes auch noch so abgehalfterte Klischee eines gewissenlosen Unternehmers zu erfüllen. Zunächst berichtet Vietz von einem gescheiterten Geschäft mit der China National Petroleum Corporation. Verantwortlich hierfür macht Vietz Angela Merkel, da die Bundeskanzlerin nicht zu den Olympischen Spielen erschienen sei und die Chinesen so verärgert hätte:
In diesem Fall würde ich aber genauso handeln. Warum einem Land einen Auftrag geben, das mich beleidigt?
Doch nicht nur in China macht Frau Merkel Vietz das Geschäft kaputt:
Aber wo ich auch hinkomme, legt sie mir als einfachem Mittelständer Steine in den Weg. Zum Beispiel in Iran, wo Merkel tatenlos und mit heimlicher Freude zusah, wie deutsche Banken von den Amerikanern gezwungen wurden, sich aus dem Land zurückzuziehen, während die Amerikaner weiter über Drittländer wie Dubai oder Kuwait liefern.
Und die Liste der Länder mit denen Deutsche keinen Handel mehr treiben könnte geht weiter:
Vor drei Wochen war ich in Venezuela. Der Minister dort sagte uns, dass es nicht einmal ein Handelsabkommen zwischen Deutschland und seinem Land gebe. Ich habe dann Kontakte in Berlin angerufen und erfahren, dass Wirtschaftsminister Glos und auch Außenminister Steinmeier für ein solches Abkommen seien, dass aber das Bundeskanzleramt auf Anweisung der Amerikaner dagegen sei. [...] Auch in Russland behindert Merkel die deutsche Wirtschaft.
Die These, dass die deutsche Regierung ihr Handeln nicht nur von den Amerikaner beeinflussen lasse, sondern sich gar ihre Einstellung von selbigen vorschreiben lasse, ist – gelinde gesagt – bemerkenswert. Wie Vietz im Allgemeinen zu den Amerikanern steht, kann in einem Interview mit dem Menschenrechtsverein Convivio mundi nachgelesen werden:
Vor dem 2. Golfkrieg haben wir umfangreiche Geschäfte im Irak getätigt. Ich war unmittelbar vor dem Krieg noch in Bagdad auf einer Messe, als schon lange die Sanktionen in Kraft waren. Wir haben damals über das Programm „Öl für Lebensmittel“ umfangreich Geräte verkauft. Damals hatte ich die Möglichkeit, mit dem deutschen Botschafter Dr. Elmer zu sprechen. Der sagte mir, der Krieg werde nicht mehr aufzuhalten sein, aber die Amerikaner würden ein Desaster erleben, schlimmer als Vietnam. Wie oft habe ich an seine Worte gedacht.
Wenn Herr Vietz erst einmal ins Schwadronieren gerät, erklärt er, der „mittelständische Unternehmer“, nebenbei noch weltpolitische Zusammenhänge:
Es ging auch gar nicht um Saddam Hussein: es ging ums Öl, um die Macht, im gesamten Raum am Ölhahn zu sitzen und noch den Iran damit zu knebeln. Es mag sein, wie es will. Ich finde das Selbstbewusstsein der Iraner in der Region gut. Ich wünsche denen keinen Krieg. Ich bin in den Ostgebieten geboren worden, habe nie meine Eltern kennen gelernt, bin vertrieben worden – das wünsche ich niemandem.
Interessant ist auch, worin Vietz die Ursachen von Terrorismus sieht (was auch immer das mit dem vorher gesagten zu tun haben mag):
Aber in dieser Region kann es nicht angehen, das nur die Amerikaner das Sagen haben. Daher kommt ja auch der ganze Terrorismus. Und meiner Meinung nach auch dadurch, dass die Israelis vielen Unrecht angetan haben.
Nahezu erheiternd ist wiederum, mit welch haarsträubendem Vergleich Vietz das von Israel begangene Unrecht beschreibt:
Ich möchte wissen, wie Sie reagieren, wenn Ihr Nachbar auf Ihr Grundstück kommt und sagt, die Hälfte ist jetzt meins, ich baue hier einen Zaun hin und keiner hat hier was zu melden.
Doch zurück zu Themen, von denen Herr Vietz wirklich etwas versteht – Wirtschaft.Vor allem: Wirtschaftliche Beziehungen mit menschenverachtenden Regimen wie etwa Iran:
Wir machen auch jetzt Geschäfte, es werden ja viele Pipelines gebaut. Die Iraner haben keine große Industrie, sie leben vom Ölverkauf. Sicherlich fließt auch einiges vom Ölverkauf in die Atomforschung. Aber warum gesteht man den Israelis eine Atombombe zu….? Frieden in dieser Region schafft man nicht mit Druck und Gewalt.
Es lohnt sich im Übrigen auch, den Interviewer von Convivio mundi unter die Lupe zu nehmen, da die von Convivio mundi gestellten Fragen zeigen, was der Verein unter Menschenrechten versteht. Folgendes liest sich wie ein Lehrstück der Interviewführung:
CM: Und dazu haben die Amerikaner noch die Idiotie begangen, alles zu entfernen, was Baath-Partei war, obwohl dort ein Potential lag, das Land zu befrieden.
[...]
Vietz: Aber warum gesteht man den Israelis eine Atombombe zu….? Frieden in dieser Region schafft man nicht mit Druck und Gewalt.
CM: Nur durch Entwicklung! Wie schon Paul VI es benannte: Frieden heißt Entwicklung! Und dort, wo Armut und Unterdrückung vorherrscht, da werden immer mehr Menschen Rattenfängern folgen. Sehen Sie denn im Iran, dass gemäßigtere Kräfte den fundamentalistischen Strömungen den Boden entziehen könnten?
Quelle: „China ist zu Recht beleidigt“, in: DIE ZEIT vom 21. August 2008, S. 23.
Im Osten nichts Neues (II)
Dass Anhänger von Rot-Weiß Erfurt, das unter der Woche im DFB-Pokal dem FC Bayern Paroli noch in beeindruckender Manier bieten konnte, beim 2:1 Sieg gegen den FC Carl Zeiss Jena antisemitische Sprechchöre von sich geben können, ohne dass das Spiel unterbrochen wird, ist leider trauriger Alltag in den Niederungen unterklassiger deutscher Fußballligen. Bemerkenswert ist jedoch die Berichterstattung der Thüringer Allgemeinen, die die Ausfälle nicht nur mit keiner Silbe erwähnt, sondern sich hingegen über die Jenaer Fans zu beschweren weiß:
Die 3500 mitgereisten Jenaer Anhänger, die bis in die Schlussminute stimmgewaltig ihr Team anfeuerten, verließen dagegen enttäuscht das Stadion. Einige von ihnen zündeten in der zweiten Halbzeit Feuerwerkskörper und entfachten ein Feuer im Gästeblock. Die Ordnungskräfte hatten aber schnell wieder alles im Griff.
„Alles im Griff“ – na Gott sei Dank.
Stefan Quandt und der freie Wille
Stefan Quandt, Sohn des deutschen Industriellen Herbert Quandt, hat in seiner – von der Öffentlichkeit wenig zur Kenntnis genommenen – Rede anlässlich der jährlichen Verleihung des „Herbert Quandt Medienpreises“ Stellung hinsichtlich der Rolle seiner Familie im Dritten Reich genommen:
Aber wir wissen, dass die von der Allmacht des Regimes getragene Propaganda, Brutalität und Unterdrückung das Leben und Handeln, ja das Überleben im „Dritten Reich“ nicht so einfach machte, wie es sich mancher Vertreter meiner – mit der Gnade der späten Geburt gesegneten – Nachkriegsgeneration vorstellt. Nein, es war eine Zeit ohne Meinungs- und Handlungsfreiheit, in der jeder – sei es Arbeiter, Beamter oder Unternehmer – für sich und für seine Angehörigen einen Weg finden musste. Manche, und mit der Zeit auch viele, folgten dem Nationalsozialismus aus Überzeugung. Viele andere gingen jedoch kleine und große Kompromisse ein, oder wurden zu ihnen gezwungen. In einem Klima der Angst und Verunsicherung erging es Günther und Herbert Quandt als Unternehmer nicht anders.
Unabhängig davon, ob man geneigt ist der üblichen „ihr-hättet-doch-nicht-anders-gehandelt“-Argumentation zu folgen: In Deutschland im Jahr 2008 kann sich Stefan Quandt nicht auf fehlende „Meinungs- und Handlungsfreiheit“ berufen. Demnach wird selbst Quandt nicht bestreiten können, dass er für die folgenden Ausführungen voll und ganz verantwortlich ist:
So ist in der Tat historisch erwiesen, dass Fremdarbeiter, Zwangsarbeiter und auch Häftlinge aus Konzentrationslagern in Werken unserer Gesellschaften gearbeitet haben. Und ich sage auch: Wir bedauern als Familie zutiefst die Bedingungen, unter denen diese Menschen fern der Heimat leben, arbeiten und auch leiden mussten. Und unsere Trauer gilt all denen, die das Ende des Krieges nicht mehr erlebt haben.
Es ist menschlich, für dieses Schicksal einen Schuldigen finden zu wollen. Doch in Anbetracht des Systems, das damals herrschte, stellen sich bei dieser Suche nach individueller Verantwortung viele Fragen, die nicht leicht zu beantworten sind: Fragen nach Freiwilligkeit oder Zwang. Fragen nach dem Folgen aus innerer Überzeugung oder dem Leisten zumutbaren Widerstands. Fragen nach dem wirtschaftlichen Vorteil billiger Arbeitskraft oder der Ineffizienz erzwungener Kriegsproduktion. [Hervorhebungen nicht im Original, Mr. Moe]
Wenn schon die Individuen nicht für ihr Handeln verantwortlich ist, wer dann? Ist Stefan Quandt etwa der Ansicht, dass eine Kollektivschuld des Deutschen Volkes bestünde? Installierte sich das „System, das damals herrschte“ unabhängig von den Menschen? Und würde Stefan Quant die selben Thesen vertreten, wäre seine Familie jüdischer Herkunft gewesen und von den Nazis enteignet worden?
Fragen über Fragen, die gewiss nicht leicht zu beantworten sind.
Im Arsch von Hassan Nasrallah
Sowohl an dieser Stelle als auch anderswo wurde bereits gestern auf die widerwärtigen Auswürfe deutscher Politiker und Journalisten hingewiesen (vgl. u.a. Lizas Welt I und II sowie Riot Propaganda und Spirit of Entebbe). In der F.A.Z. setzt Markus Bickel durch seinen Lobgesang auf Hassan Nasrallah in der F.A.Z. dem Ganzen nun Krone auf. Bickels Kommentar und seine kaum verhohlene Bewunderung Nasrallahs „religiös unterlegtem Charisma“, seines Aufstiegs und seines Führungsstils lassen nur einen Schluss zu: Irgend etwas muss doch dran sein an diesem Mann, der hat was. Es bleibt zu hoffen, dass Tobias Kaufmanns E-Mail an Hassan Nasrallah verhindern kann, dass der Leser nun anfängt Nasrallah ebenso zu Füßen zu liegen wie Markus Bickel.





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