Zeitung für Schland

Aufschrei

Posted in Deutsche Zustände by Mr. Moe on Mai 18, 2010

Das mutmaßliche Bekennerschreiben zum Brandanschlag auf die jüdische Synagoge in Worms, bei dem glücklicherweise niemand verletzt wurde, zeigt, wohin “Israelkritik” in letzter Konsequenz führt:

Sobald ihr nicht den Palästinensern Ruhe gibt, geben wir euch keine Ruhe.

Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, äußert sich in einem Interview mit der Jüdischen Allgemeinen wie folgt über die (ausbleibenden) Reaktionen auf den Anschlag:

Ich hätte einen öffentlichen Aufschrei erwartet. Auch wenn Politiker wie der Ministerpräsident Kurt Beck die Tat scharf verurteilt haben, war der Anschlag eine Randnotiz in der öffentlichen Debatte.

Wie sich dieser Tage eindrucksvoll gezeigt hat, ist “öffentlicher Aufschrei” in Deutschland vornehmlich dann zu vernehmen, wenn der Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft durch ein grobes Foulspiel – mit Absicht, dessen ist man sich gewiss! – verletzt wird und folglich nicht dazu beitragen kann, Deutschlands Ruhm bei der Weltmeisterschaft in Südafrika zu mehren. Von dieser Seite aus betrachtet wirkt der ausgebliebene “öffentliche Aufschrei” über die unweigerlich in antisemitische Praxis übergehende “Israelkritik” in der Tat schwer – wenngleich ein ebensolcher Aufschrei in Form der ja durchaus ab und an öffentlich artikulierten Heuchelei, den “Anfängen” wehren zu wollen, freilich ohnehin eine Lüge gewesen wäre. Dies zeigt sich nicht zuletzt daran, dass in Deutschland zeitgleich des Brandanschlags auf die Synagoge in Worms über einen vermeintlichen “Kompromiss” mit dem Iran gejubelt wird – ganz so als sei Judenmord Verhandlungssache.

Deckmantel

Posted in Deutsche Zustände, Die üblichen Verdächtigen by Mr. Moe on März 11, 2010

SPIEGEL ONLINE weiß über den neuen vom US-Außenministerium erstellten Bericht zur Lage der Menschenrechte u.a. Folgendes zu berichten:

Die Kritik an Israels Politik gehe mit wachsendem Antisemitismus einher, hieß es weiter. [...] Der Antisemitismus habe im vergangenen Jahr [in Europa, Mr. Moe] – vor allem seit Israels Invasion im Gaza-Streifen im Winter 2008/2009 – “weiter zugenommen”, heißt es in dem Bericht. Die “neue Form” des Antisemitismus komme oft unter dem Deckmantel der Kritik an Israels Politik oder am Zionismus daher, “überschreitet dabei aber die Linie zur Dämonisierung aller Juden”. Dies manifestiere sich in körperlichen Angriffe auf Juden, Friedhofsschändungen und Beschwerden über ungebührlichen Einfluss von Juden in Politik und Medien.

In diesem Zusammenhang sei auf eine mehr oder weniger zufällige Auswahl deutschsprachiger Kommentare zu den jüngsten Ereignissen in Israel verwiesen:

Peter Münch, Süddeutsche Zeitung - “Eine Freundschaft in Scherben” (hat tip: Spirit of Entebbe“Unbotsmäßige Juden”):

Das [jüdische Leben in Ostjerusalem, Mr. Moe] ist Provokation, ja es zeugt von Hybris – der kleine Partner führt den großen vor. Für Präsident Obama sollte dies der Anlass sein, Premierminister Netanjahu druckvoll klarzumachen, dass auch die besondere Freundschaft zwischen den beiden Staaten Grenzen kennt. Die rote Linie verläuft dort, wo Israel Amerikas Autorität untergräbt. Zögert Obama nun, dann wächst die Gefahr, dass sich Jerusalem auch in einer anderen Frage löst von einer Kursabstimmung mit Washington: im Umgang mit dem Teheraner Atomprogramm. Wenn Israel, wie bereits angedroht, tatsächlich im Alleingang die iranischen Atomanlagen bombardieren wird, dann droht die ganze Region im Krieg zu versinken.

Inge Günther, Frankfurter Rundschau - “Ungenierte Landnahme”:

Daran zeigt sich auch, wie ungeniert Israels Regierung nach wie vor über Land verfügt, das nach internationalem Recht den Palästinensern zusteht.

Clemens Verenkotte, Tagesschau – “Eine vergebliche Reise”:

Israels rechtsnationale Regierung legt keinen gesteigerten Wert darauf, auch nur den diplomatischen Anschein zu erwecken, als ob sie sich in ihrer Siedlungspolitik von Washington oder sonstigen Verbündeten reinreden lässt. [...] In Ramallah im besetzten Westjordanland, an der Seite des ohnehin tief frustrierten Palästinenser-Präsidenten Machmud Abbas, fand Obamas Stellvertreter ungewohnt scharfe Worte für die jüngsten Siedlungspläne Israels. Doch diese bleiben – wie immer – folgenlos. Um die Feststellung zu treffen, dass durch die beständig neue Siedlungsbauten genau “das Vertrauen untergraben” werde, das aus US-Sicht jetzt aufgebaut werden müsse, hätte Biden nicht hierher reisen müssen.

Martin Woker, Neue Züricher Zeitung – “Biden und die Brandstifter”:

Obama wird nicht darum herumkommen, auf die jüngste Provokation aus Jerusalem zu reagieren. Deutlicher hätte nicht demonstriert werden können, was die demokratisch gewählte israelische Regierung von der geplanten neuen Verhandlungsrunde und damit auch von einer Zweistaatenlösung hält: gar nichts. Die Konsequenz solchen Handelns aus einer Position der vermeintlichen Stärke lässt nur zwei Möglichkeiten offen: die Ausschaffung aller Nichtjuden aus Cisjordanien, wie sie israelische Extremisten seit langem fordern; dies käme einer «ethnischen Säuberung» gleich. Oder aber die Einsicht, dass zwischen Jordan und Mittelmeer der Platz nur noch reicht für einen einzigen Staat – mit gleichen Rechten für alle Bürger.

Gregor Peter Schmitz und Christoph Schulz, SPIEGEL ONLINE – “Gute Worte, Böse Freunde”:

Es ist ein neuer Tiefpunkt in den Beziehungen zwischen Israel und den USA: die Ankündigung, jüdische Siedlungen im annektierten Teil Jerusalems auszubauen.

Der Zeitpunkt der Bekanntgabe der Wohnungsbaupläne mag als politisch unklug kritisieren werden können – was im Übrigen sowohl von Israel grundsätzlich wohlgesonnener Seite aus als (natürlich) in israelischen Medien geschieht. Des Weiteren mag sich über die von “israelkritischer” respektive israelfeindlicher – mit anderen Worten: deutscher, europäischer und postamerikanischer – Seite bereitwillig als eben solche aufgefasste günstige Gelegenheit für Abbas geärgert werden, die “Friedensverhandlungen abzusagen” und Israel so mit (noch größerer) Leichtigkeit (als ohnehin schon seit jeher) den “Politischen Schwarzen Peter” zuzuschieben.

Indes steht nach wie vor unweigerlich fest, was bereits vor dem Besuch von US-Vizepräsident Biden in Israel feststand: Weder jüdische Wohnungen in der israelischen Hauptstadt Jerusalem, noch die “rechtsnationale” israelische Regierung stellen das größte Hindernis für den sogenannten “Friedensprozess” dar – egal wie häufig und lautstark dies deutsche Zeitungen (oder amtierende US-Präsidenten) auch verkünden mögen. Der derzeitige mediale Aufschrei lässt sich folglich am Besten mit jener von deutschen Nahostberichterstattern fortlaufend falsch verwendeten Floskel beschreiben: unangemessen.

“An Israeli Affront Against Germany” – Deutsche, wehrt Euch!

Posted in Deutsche Zustände, SPIEGEL & SPIEGEL ONLINE by Mr. Moe on März 2, 2010

Wenn Matthias Gebauer, Christoph Schult und Holger Stark für die internationale Ausgabe von SPIEGEL ONLINE von einem “Israeli Affront Against Germany” titeln, liest sich das nicht nur oberflächlich wie der Aufschrei scheinbar gepeinigter Antisemiten, sondern ist auch genau so zu verstehen. Folgerichtig halten sich die drei Herren von SPON in ihrem Klagelied über den “Israeli Affront Against Germany” auch gar nicht erst damit auf, in Widerspruch zu den eigenen Ressentiments Stehendes zu berücksichtigen, sondern befassen sich lieber damit, Zoten zu reißen, Hamas-Propaganda zu verbreiten und Deutschland respektive Deutsche gegenüber Israel in Schutz zu nehmen.

Mit einem Zitat des “Propheten Mohammeds” beginnend scherzen die SPON-Autoren:

One should not speak ill of the dead, the Prophet Muhammad once intoned. But Mahmoud al-Zahar, 64, the leader of the Islamist Hamas movement in Gaza Strip, is now forced to make a small exception. Sitting on the ground floor of his home in Gaza City’s Tel al-Hawa neighborhood, he talks about his comrade Mahmoud al-Mabhouh, who was liquidated by a hit squad in a Dubai hotel on Jan. 20. How could al-Mabhouh have been so careless and booked his flights over the Internet, asks the co-founder of Hamas? “That was more than stupid.”

Dass es für das gängige moralische Gebot, nicht schlecht über jüngst Verstorbene zu sprechen, keinen Verweis auf den Propheten bedurft hätte, sei den Autoren angesichts ihrer offenkundigen und qua Profession ja geradezu unvermeidlichen Sympathie für Islamisten verziehen. Selbiges gilt für den offenbar lustig gemeinten Verweis auf die Schlechtigkeit al-Mabhuhs, die dann jedoch – Prinzip Fallhöhe, Journalistenschule, Klasse 1, dritte Stunde – nicht wie erwartet darauf zurückgeführt wird, dass es sich bei al-Mabhuh um einen mörderischen Antisemiten gehandelt hat, sondern dass dem guten Mann ja eigentlich nur vorzuwerfen sei, sich nicht ausreichend gegen seine israelischen Feinde geschützt zu haben.

Nachdem bereits zu Beginn des Artikels  solch ein humoristisches Feuerwerk gezündet wurde, zeigen Gebauer, Schult und Stark im nachfolgenden Satz, dass sie wahrlich zu Scherzen aufgelegt sind:

Shortly after al-Mabhouh’s death, when Hamas leaders began pointing the finger at Israel, many observers wrote it off as just another Middle East conspiracy theory. But following revelations by police in Dubai as well as their own investigations, governments in the West have little doubt that this was a Mossad hit.

Die obige Passage enthielte genau dann zwei wahre Sätze, wenn “Hamas leaders” durch “German and European journalists”, “their own investigations” durch “own resentments”, “goverments in the West” durch “German journalists” und “little doubt” durch “no doubt at all” ersetzt werden würde. Die Hamas ist ihren Anhängern bei SPON freilich ohnehin voraus, beschuldigt man dort doch arabische Regierungen und nicht etwa Israel. Dies hindert Gebauer, Schult und Stark allerdings mitnichten daran, den Mossad ohne jeden Zweifel für die Tötung al-Mabhus verantwortlich zu zeichnen, zumal dies ja auch in Israel ein “open secrect” sei – und dies “despite military censorship”, was auch immer mit Letzterer gemeint sein soll (hört sich jedenfalls richtig schön finster an und wird daher schon stimmen).

Angesichts der erdrückenden Beweise, die deutsche Journalisten gegen Israel zusammengetragen haben, ist es in der Tat frech, dass der israelische Außenminister Avigdor Lieberman, dem deutsche Medien grundsätzlich wohlgesonnen gegenüberstehen, nicht zu Kreuze kriecht:

But that didn’t stop Israeli Foreign Minister Avigdor Lieberman from issuing a brazen denial during a conversation with his Irish counterpart at a meeting in Brussels last week, maintaining that it was all merely propaganda. “The Arabs have a tendency to blame Israel for anything that happens in the Middle East,” he said.

Natürlich ist Liebermans “denial” nicht einfach nur ein “denial” oder gar eine einfache Aussage, sondern “a brazen denial”. Dass Lieberman lediglich als “Israeli Foreign Minister” und nicht in der ansonsten üblichen Manier als “ultranationalist” vorgestellt wurde, verdankt sich hingegen vermutlich einem unaufmerksamen Praktikanten, der vergessen hat, den Artikel vor Veröffentlichung gemäß den Richtlinien der Redaktion aufzupolieren. Sich der Erkenntnis verweigernd, dass Liebermans Aussage zweifelsfrei nicht nur eine der wenigen wahren, sondern darüber hinaus auch die zwar trivialste, so doch hochwertigste im gesamten Artikel von Gebauer, Schult und Stark ist, zieht es die SPON-Meute vor, stellvertretend für ein ganzes Volk zu geifern:

The Mossad operation is a particular affront to the Germans [not only to Germany!, Mr. Moe]. Since last summer, current BND head Ernst Uhrlau has been acting at the behest of the Israeli government as a liaison between Jerusalem and Hamas. He sought the release of roughly a thousand Palestinian prisoners held by the Israelis and, in return, Hamas was to set free Israeli soldier Gilad Shalit, who was abducted by Palestinian militants in 2006.

The BND official was in Israel just a few days before Jan. 19 to discuss the next steps in the negotiations. By then the hit squad must have been already on its way to Dubai.

The BND negotiator also returned to the region following the murder in Dubai, but neither before nor after the assassination did his colleagues in Israeli intelligence brief him on their risky plot.

Deutsche Medien erachten den Tausch eines entführten israelischen Soldaten gegen hunderte oder besser noch tausende palästinensische Gefangene, von denen wenngleich nicht alle, so doch eine nennenswerte Anzahl an terroristischen Anschlägen beteiligt war, offensichtlich für eine gute Sache, die ebenso erstrebenswert sei wie der tatsächlich vom BND vermittelte Austausch dreier toter israelischer Soldaten gegen fünft inhaftierte Terroristen und Mörder. Selbstredend habe Israel bereits für den Versuch der Vermittlung des Bundesnachrichtendienstes zwischen der Hamas und Israel so dankbar zu sein, dass es vor etwaigen Geheimdienstaktionen, die in keinerlei Zusammenhang mit dem BND stehen, gefälligst Rücksprache mit Deutschland zu halten oder am besten gleich gänzlich auf derartige Verteidigungsmaßnahmenzu  verzichten habe. Dies vermeintlich nicht getan zu haben stellt erkennbar und ohne Zweifel nicht nur einen “affront to Germany”, sondern gar einen “affront to the Germans” dar – und das nachdem man in Deutschland doch so wunderbar aus der Shoah gelernt hat und nicht müde wird, die “unverbrüchliche Solidarität” mit Israel zu betonen!

Und es ist ja nun auch wahrlich nicht das erste Mal sei, dass Israel sich schäbig gegenüber seinem besten und fürsorglichsten Freund verhalten habe:

This marks the second time that the Germans have been snubbed. In late December, Israeli Prime Minister Benjamin Netanyahu rejected at the last moment a detailed agreement that his negotiator Hagai Hadas had hammered out with Hamas via the German intelligence agency. BND head Uhrlau has admitted internally that he currently sees no chance of reaching an agreement in the Shalit case.

In den contentions des Commentary Magazine, einer jener Publikationen, die deutsche Journalisten so lange als zwangsverordnete Lektüre dienen mögen, bis ihre Reeducation gänzlich abgeschlossen sei, weist Noah Pollack nicht nur darauf hin, dass die Lohnschreiber von SPON sich als Hofberichterstatter der Hamas erweisen, sondern dies vermutlich auch noch als Auszeichnung verstünden:

So Israel rejected a prisoner swap and hung Mahmoud Zahar out to dry? This is pure Hamas spin — and therefore very attractive to Western journalists. The reality of the negotiations is that Israel has been waiting on a Hamas answer on the prisoner swap since December, an answer that has not been forthcoming because of a rift between Hamas’s Gaza and Damascus leadership. The Gazans want to do the swap; the Syrian leadership does not.

Diese Umstände geflissentlich ignorierend und sich gänzlich der Hamas verschreibend, halten die SPON-Journalisten indes gemeinsam mit einem derer Führer fest:

This sentiment was also echoed by Hamas leader Mahmoud Zahar. He said it’s impossible to make an agreement with the infidels, and cited a line from the second Surah of the Koran: “Is it not so that every time they made a promise, some of them cast it aside?”

Nachdem wieder einmal geklärt worden wäre, dass Juden notorische Lügner seien, schließen Gebauer, Schult und Stark mit der Moral von der Geschicht, die zugleich die Quintessenz deutscher Nahostberichterstattung darstellt:

Zahar said it had been difficult to convince Khalid Mashaal, the exiled political leader of Hamas in Damascus, Syria, to approve the deal. Netanyahu’s subsequent rejection seriously damaged his reputation within Hamas, says Zahar. “I have suffered a lot internally,” he adds. “I am not ready to negotiate anymore.”

Jeder aufrechte deutsche Journalist weiß, dass die Führer der Hamas stets zu wirklichen Verhandlungen bereit gewesen sind, angesichts Israels unnachgiebiger und obendrein verlogener Art und Weise jedoch auf ewig zum Widerstandskampf gezwungen sind.  Selbst in jenen dunklen Zeiten, in denen Deutsche höchstselbst einem “Israeli Affront” ausgesetzt sind, auf diese Ungerechtigkeit hinzuweisen, ist den willigen Vollstreckern der Hamas in den deutschen Medien hoch anzurechnen.

“Ist Kritik an Israel möglich?”

Posted in Deutsche Zustände by Mr. Moe on Februar 24, 2010

Folgendes kommt dabei heraus, wenn Helmut Schmidt und Fritz Stern von Reinhold Beckmann gefragt werden, ob “Kritik an Israel” in Deutschland “möglich” oder nicht etwa “tabu” sei:

Ist “Kritik” an Israel “möglich”? – es hat beinahe schon etwas Erheiterndes, dass diese Frage gerade jenen zwei alten Männern gestellt wurde, die zwecks ihrer Beantwortung im öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehen fünf Minuten lang “Israelkritik” par exellence betreiben und dabei eine bemerkenswerte Reihe an Ressentiments und Falschaussagen verbreiten, ohne dass sie mit nennenswertem Widerspruch des Moderators, der Medien oder führender Politiker zu rechnen haben. Fast ebenso erheiternd ist der Gedanke daran, dass jeglicher Einspruch gegen die Herren Schmidt und Stern schlichtweg als Bestätigung ihrer kruden Thesen gewertet und folglich vom Einfluss der “Israel-Lobby” schwadroniert werden würde.

hat tip: tw_24:blog.

Only Thing That Matters

Posted in Deutsche Zustände by Mr. Moe on Februar 19, 2010

Wenn deutsche Medien schreiben, dass die „deutsch-israelische“ Beziehung, gar das „deutsche Verhältnis zu Israel“ belastet und eine “diplomatische Krise” ausgelöst worden sei, ist davon auszugehen, dass der jüdische Staat es wieder einmal gewagt hat, sich gegen jene zu verteidigen, die ihn vernichten wollen. In pawlowscher Manier erklingt der jüngste deutsch-europäische Aufschrei selbst dann, wenn noch nicht einmal mit Sicherheit feststeht, ob Israel für die Ermordung des Hamas-Kommandanten Mahmud Al-Mabhuh in Dubai überhaupt tatsächlich verantwortlich ist – im Zweifel gegen den Angeklagten, wenn der Angeklagte der Jude unter den Staaten ist.

Während Josef Joffe in der ZEIT ausbreitet, warum Al-Mabhuh sowohl Israel als auch etwa Ägypten oder Saudi-Arabien berechtigterweise an der Tötung Al-Mabhuhs interessiert gewesen sein dürften, und Alan Dershowitz diskutiert, ob die Tötung Al-Mabhuhs, sofern vom Mossad durchgeführt, rechtmäßig gewesen sei, labt sich Hans Leyendecker für die Süddeutsche Zeitung und deren Leserschaft am „Mythos mit Kratzern“, der dem von Leyendecker als ebenso rachedurstig wie pannenanfällig dargestellten israelischen Geheimdienst anhafte – über das Böse lacht man eben gerne. Den wirklichen Sachverhalt in bemerkenswerter Manier verfehlend lässt Leyendecker zudem einen “deutschen Sicherheitsexperten” eine Frage stellen, die sich deutschen Lesern offenbar aufdrängt:

“Wie würden wir reagieren, wenn ein iranisches Kommando einen Israeli in einem Berliner Hotel umbringen würde?”

Die Analogie des “deutschen Sicherheitsexperten” ist so schief, dass sie wahrlich nur dem Kopfe eines eben solchen entspringen kann. Zum einen wird ignoriert, dass es sich bei Al-Mabhuh um einen Terroristen gehandelt hat, von dessen Handeln unmittelbare Gefahr für das Leben israelischer Bürger ausging, während ein entsprechendes “israelisches” Äquivalent schlichtweg nicht existiert und folglich auch nicht auch nur legitimes Ziel für “ein iranisches Kommando” werden könnte. Zum anderen wird unterschlagen, dass “ein iranisches Kommando” sich selbst im Fall der Fälle eben nicht darauf beschränken würde, eine einzelne Zielperson zu liquidieren, sondern vermutlich das komplette Gebäude, indem sich die Zielperson befände, samt etwaiger weiterer Insassen in die Luft jagen würde. Leon de Winter schreibt über die Tötung Al-Mabhuhs demnach zu recht:

No innocent bystanders were killed, no building was blown up. No, a surgical operation planned by professionals resulted in the death of a terrorist, an evil man with a specific task in the machinery of terrorist acts organized by an anti-Christian, anti-Semitic, anti-Western, pro-mullahs organization called Hamas. The world should rejoice.

In the universe of the Persian Gulf, where cruel, terrorist attacks on innocent civilians are part of the daily routine, this killing was simple and clean. It’s an act the Israeli government, if it really allowed it, should be proud of. As should other governments that oppose terrorism.

Und so liegen die Dinge im Falle Al-Mabhuhs in der Tat ebenso einfach, wie von Eitan Haber für Ynet auf den Punkt gebracht:

Only thing that matters is that al-Mabhouh is dead and his assassins are safe.

No innocent bystanders were killed, no building was blown up. No, a surgical operation planned by professionals resulted in the death of a terrorist, an evil man with a specific task in the machinery of terrorist acts organized by an anti-Christian, anti-Semitic, anti-Western, pro-mullahs organization called Hamas. The world should rejoice.

In the universe of the Persian Gulf, where cruel, terrorist attacks on innocent civilians are part of the daily routine, this killing was simple and clean. It’s an act the Israeli government, if it really allowed it, should be proud of. As should other governments that oppose terrorism.

Wider den Wahn

Posted in Deutsche Zustände by Mr. Moe on Januar 24, 2010

Kein Jude in diesem Land musste jemals solche seelischen Qualen erleiden wie ich.

So beschrieb Sedika Weingärtner ihre Behandlung im Büro in einem Brief an ihren ehemaligen Arbeitsgeber Siemens. Was war der Grund für Weingärtners Vorwurf?

„Weil eine andere Frau meinen Job übernehmen sollte, wurde ich von zwei meiner Vorgesetzten systematisch fertig gemacht“, sagt Weingärtner, die mit dem Nürnberger Kunsthistoriker Helge Weingärtner verheiratet ist. Man habe sie von Besprechungen ausgeschlossen, mit einem alten PC abgespeist, in ein kleines Büro gesetzt und mit übermäßig viel Arbeit eingedeckt. Für Weingärtner Formen von „subtiler Gewalt“. Nach einer Baby-Pause sei alles noch schlimmer geworden. Beschimpft habe man sie, Worte wie „Dreck“ und „Schlamperei“ seien häufiger gefallen.

Ohne Zweifel keine schönen Zustände und Anlass zu berechtigter Klage. Handelt es sich bei Weingärtners “Auschwitz-war-nur-ein-schlechtes-Büro”-Aussage darüber hinaus um den abenteuerlichsten Vergleich, der je in einer deutschen Zeitung publiziert wurde? Keine Frage.

Wichtiger als die überaus berechtigte Kritik an Weingärtner (und ggf. Siemens) ist jedoch, die Aussage der “Siemens-Überlebenden” im Kontext des derzeitigen öffentlichen (Vergleichs-)Diskurs zu betrachten: Führende Antisemitismusforscher Deutschlands entblöden sich nicht, Antisemitismus und “Islamophobie” öffentlich gleichzusetzen. Kommentatoren führender deutscher Tageszeitungen machen in “Islamkritikern” und Vertretern aufklärerischer Werte “Fundamentalisten” und “heilige Krieger” aus. Manch ein Journalist hält gar dänische Karikaturisten für “mindestens genauso verblendet” wie axtschwingende Islamisten.

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass im Fall Weingärtner in der SZ bereits von einer “angeblichen Verharmlosung des Holocaust” zu lesen ist – man ist geneigt zu fragen, was man in Deutschland im Jahr 2010 denn sagen müsste, um den Holocaust tatsächlich zu verharmlosen?

Auch wenn sich in der leider offenbar zwingend notwendigen Debatte Stimmen der Vernunft wie Necla Kelek, Hamed Abdel-Samad, Thierry Chervel, Reinhard Mohr und den üblichen Verdächtigen zu Wort melden: es darf sich darauf eingestellt werden, dass Weingärtners unsäglicher Vergleich nur der vorläufige Höhepunkt eines nicht enden wollenden relativistischen Wahns darstellt. Warum dagegen anzukämpfen ist, erklärt Stephan Grigat:

Es geht heute darum, die bürgerlichen Freiheiten von Leuten wie Ayaan Hirsi Ali zu verteidigen, die den Propheten einen perversen Tyrannen nennt, von Hip-Hopern, die Jesus als Bastard titulieren, und von israelischen Poplinken, die verkünden, dass der Messias nicht kommen wird. Die Frage, warum die beiden Letztgenannten ähnlich wie Manfred Deix mit Kritik, Empörung und schlimmstenfalls mit aberwitzigen strafrechtlichen Konsequenzen leben müssen, Ayaan Hirsi Ali aber mit Morddrohungen und Kurt Westergaard mit Mordversuchen konfrontiert sind, lässt sich nur erklären, wenn in Zukunft versucht wird, die entscheidenden Unterschiede zwischen den Religionen und ihrer jeweiligen Funktion in den heutigen Gesellschaften zu thematisieren, anstatt in einen abstrakten Wald- und Wiesenatheismus zu verfallen, dem alles eins ist.

Update: Schade, dass das Jahr noch so jung ist, denn so wird die Phrase “bester Text des Jahres” der jüngsten Breitseite Broders gegen das deutsche Feuilleton bei weitem nicht gerecht. Unbedingte Leseempfehlung!

Westerwelle macht den Obama

Posted in Deutsche Zustände by Mr. Moe on Januar 9, 2010

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle hat Saudi-Arabien besucht und dabei die Journalisten von SPIEGEL ONLINE merklich beeindruckt:

Saudi-Arabien ist eines der konservativsten Länder der Welt. Hier herrscht strikte Geschlechtertrennung, Homosexuelle müssen im Extremfall den Tod fürchten. Nun reiste Außenminister Westerwelle nach Riad und bewies, dass ein schwuler Politiker in der islamischen Welt deutsche Interessen vertreten kann.

Zunächst wäre es interessant zu erfahren, was “konservativ” eigentlich mit Geschlechtertrennung und der Ermordung Homosexueller zu tun haben soll. Saudi-Arabien wäre jedenfalls mit dem Wort “islamfaschistisch” doch besser getroffen worden, aber dieser Begriff ist bei deutschen Journalisten vermutlich als “islamophober” Kampfbegriff verschriehen. Schwamm drüber, ist “konservativ” ja schließlich nicht verharmlosend  gemeint, ist dieser Begriff doch für links-liberalen Journalisten (fast) so negativ konnotiert wie “George W. Bush” oder gar “Israel”.

Wie dem auch sei, Westerwelle habe SPON zufolge jedenfalls das Kunststück vollbracht, das Thema “Menschenrechte” – insbesondere “mehr Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben” – gegenüber seinem Gastgeber zumindest durch die Blume anzusprechen, ohne dabei “deutsche Interessen” – die wirtschaftliche Beziehungen – nachhaltig zu gefährden:

Also sprach er sie [Westerwelle die Menschenrechtsfrage, Mr. Moe] verklausuliert an. Es habe durchaus auch Meinungsunterschiede gegeben, sagte er. Man habe ausführlich über die Menschenrechte gesprochen, auch über religiöse Pluralität. Prinz Saud erwiderte, die Welt brauche auch Differenzen, die auf unterschiedlichen Wertesystemen beruhten. Jeder wusste, worum es ging, ohne dass das Thema ausdrücklich erwähnt wurde.

Während man sich bei SPON darüber freut, dass Westerwelle in Saudi-Arabien trotz seiner Homosexualität “ernst genommen” worden – mit anderen Worten: nicht ausgepeitscht oder gleich hingerichtet – worden sei, muss Prinz Saud dafür gedankt werden, da er jenen moralischen Relativismus unverblümt ausspricht, den SPON, die Süddeutsche Zeitung und die ZEIT täglich und wöchentlich in die Welt posaunen und gemäß dessen es in manchen Kulturen nun einmal üblich sei, Homosexuelle hinzurichten und Frauen zu unterdrücken. Selbiger Relativismus zeigte sich im Übrigen auch bei Westerwelles Besuch in der Türkei:

Bevor Westerwelle in die Türkei fuhr, ließ das Außenministerium bei deutschen Diplomaten nachfragen, ob Westerwelle seinen Lebensgefährten mitbringen werde. Bei seinem Italien-Besuch hatte er das getan. Protokollarisch wäre das für Ankara nicht ganz einfach geworden. Aber die deutsche Seite konnte den Türken mitteilen, dass der Minister allein kommen werde.

Angesichts eines solchen Taktgefühls ist Joachim Steinhöfel zuzustimmen, wenn er über Westerwelles Besuch in Saudi-Arabien schreibt:

Zweifelsfrei ist aber, dass etwas gehörig schief läuft, wenn die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth Westerwelle attestiert, er [Westerwelle, Mr. Moe] habe „vernünftig und mit Weitblick agiert“. Einen zuverlässigeren Kompass dafür, dass genau das Gegenteil richtig ist, hat die deutsche Politik kaum aufzubieten.

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Gerhard Schröder, “der Islam” und die “deutsche Geschichte”

Posted in Deutsche Zustände by Mr. Moe on Dezember 13, 2009

Im Gegensatz zu manch einem seiner medial omnipräsenten Vorgänger ist vom ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder glücklicherweise nicht mehr allzu viel zu vernehmen. Wenn Schröder sich indes einmal zu Wort meldet, dann fast immer, um einem jenen “lupenreinen Demokraten” zur Seite zu springen, die er ob ihrer Macht Zeit seines Lebens beneidet hat.

Jener Gerhard Schröder,  der SPIEGEL-Kommentator Gabor Steingart zufolge auf Grund des-gegen-den Irak-Krieg-Seins gemeinsam mit Jacques Chirac und Wladimir Putin (kein Witz) den Friedensnobelpreis verdient habe, hat nun in der für den Abdruck der Traktate ehemaliger Bundeskanzler berühmt-berüchtigten ZEIT einen Kommentar über das Schweizer Minarettverbot und die europäische Angst vor dem Islam veröffentlicht.

In Teilen erinnert Schröders Kommentar an Obamas Kairo-Rede, ist er doch ebenso von nahezu euphorischen Lobgesängen auf den Islam geprägt. Nachdem Schröder postuliert hat, dass man aufhören solle, von “dem Islam” zu sprechen, schreibt Schröder ein paar Zeilen weiter:

Der Islam ist keine politische Ideologie, sondern eine friedliche Religion.

Schröders mangelnde Fähigkeit, sich an seine eigenen nur wenige Sätze zuvor geäußerten Worte zu erinnern, einmal bei Seite gelassen: Stünde hinter dem “sondern” ein “auch”, wäre der Satz zumindest diskussionsfähig – in Schröders Formulierung steht er indes für die Weigerung, sich mit der Realität auseinanderzusetzen. Und weil Schröder zumindest zu ahnen scheint, dass sein “Argument” nicht allzu überzeugend ist, legt er mit der deutschen Geschichte nach:

Und wenn der falsche Vorwurf aufkommt, der Islam sei gewalttätig und kriegerisch, sollten gerade wir Europäer, vor allem wir Deutsche, einen Blick auf unsere Geschichte werfen.

Hätte Schröder auch nur irgendetwas aus der deutschen Geschichte gelernt, er würde aufhören, sie in Verbund mit seinem Gesinnungsgenossen Joschka Fischer fortlaufend dafür zu nutzen, die eigenen Ziele und Überzeugungen zu verfolgen und zu rechtfertigen. Hätte es die “deutsche Geschichte” nicht gegeben, die Schröder-Fischer-Menschen hätten sie erfunden, lässt sie sich doch ebenso als Begründung für als auch gegen militärische Gewalt anführen, je nachdem, was den Herren Gutsherren gerade besser in den Kram passt. Was an argumentativer Stärke nach Subtraktion der “deutschen Geschichte” bleibt ist offensichtlich: nichts.

Einmal in Fahrt gekommen, fährt Schröder munter damit fort, die Realität zu verleugnen:

Nicht nur unser Bild von den Muslimen in unserem Land muss sich ändern, sondern auch unser Bild von den islamischen Staaten, die sich von West- über Nordafrika, den Nahen und Mittleren Osten bis hin nach Südostasien erstrecken. Es sind rückständige wie fortschrittliche Länder, autoritäre wie demokratische Systeme, erfolglose wie erfolgreiche Volkswirtschaften.

Leider erwähnt Schröder nicht, welche “fortschrittlichen” und “demokratischen” islamischen Staaten dieser Regionen er im Sinn hat. Vielleicht die Islamische Republik Iran, da es dort ja Wahlen gibt? Schröder gibt die Antwort selbst:

Während meiner Amtszeit und danach habe ich auf zahlreichen Reisen viele Verbindungen in die islamischen Länder aufgebaut. Und mich haben Persönlichkeiten wie der ehemalige iranische Reformpräsident Chatami, der türkische Ministerpräsident Erdoğan oder die Mitglieder der Herrscherfamilie von Abu Dhabi beeindruckt. Sie, wie viele andere auch, setzen sich für eine Modernisierung ihrer Gesellschaften ein, politisch wie wirtschaftlich.

Es ist kein Geheimnis, dass sich Schröder während und nach seiner Amtszeit Verbindungen mit (Möchtegern- und echten) gesucht und gepflegt hat. Daher verwundert es auch nicht, dass Schröder Chatami als einen Reformer bezeichnet, obgleich Chatami fester Bestandteil eines nicht reformierbaren Regimes ist und das iranische Atomwaffenprogramm unter seiner Präsidentschaft eifrig vorangetrieben hat. Es verwundert auch nicht, dass Schröder von Erdogan schwärmt, unter dessen Führung sich die Türkei von Europa (und Israel) abgewandt hat und mittlerweile drauf und dran ist, Teil der  iranisch-syrischen Achse zu werden.

Bis auf Weiteres bleibt demnach geltendes Prinzip: wird ein Mensch von Gerhard Schröder öffentlich gepriesen, ist dies ein verlässliches Indiz dafür, dass es sich bei der entsprechenden Person – äußerst wohlwollend formuliert – um keinen allzu sympatischen Zeitgenossen handelt.

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“Fünfzig Deutsche von gestern, für die Welt von morgen”

Posted in Deutsche Zustände, DIE ZEIT by Mr. Moe on November 12, 2009

Was sich wie ein Aufruf zu Mord und Totschlag liest, ist einer neue Kampagne der ZEIT entnommen, die in ihrer neusten Ausgabe “50 deutsche Vorbilder” ehrt; “Vordenker und Visionäre”,  gar  “Menschen, von denen wir lernen können, die wir wiederhaben wollen” – eben “fünfzig Deutsche von gestern, für die Welt von morgen”.

Wie gut, dass Hitler Österreicher war.

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Deutsche Staatsräson: Vom “akzeptablen Antisemitismus”

Posted in Deutsche Zustände by Mr. Moe on September 24, 2009

SPIEGEL ONLINE titelt:

Ahmadinedschad sorgt mit Israel-Hassrede für Eklat

So weit nichts neues, UN-Vollversammlung halt. Streng genommen handelt es sich hierbei nicht einmal um eine Nachricht im eigentliche Sinne, besteht jene doch im Kern in der Weitergabe einer Neuigkeit. Ahmadinedschads antisemitische Rede im Kreise Delegierter der UN kam indes weder unerwartet, noch war sie die erste ihrer Art. Eine wahrhaftige Nachricht wäre gewesen, wenn Ahmadinedschad keine antisemitische Rede vor der UN-Vollversammlung gehalten hätte.

Überaus aufschlussreich ist hingegen eine Aussage der deutschen UN-Sprecherin:

Eine Sprecherin der deutschen Uno-Botschaft sagte, man habe die Israel-Passage als “inakzeptabel antisemitisch” empfunden und habe daher mit vielen anderen europäischen Kollegen den Saal verlassen.

“Inakzeptabel antisemitisch” impliziert unweigerlich, dass es auch ein “akzeptabel antisemitisch” geben muss. Für diese Ehrlichkeit ist der deutschen Sprecherin zu danken, denn sie bringt so unfreiwillig den deutschen Spagat in Bezug auf Antisemitismus auf den Punkt, der gemeinhin als Staatsräson deklariert wird.

Auf der einen Seite gibt es einen “inakzeptablen Antisemitismus”, vertreten etwa durch Ahmadinedschad oder die Nationalsozialisten. Sich gegen diesen im Allgemeinen auch von der Mehrheit der Medien und Politiker als solchen bezeichneten Antisemitismus auszusprechen, ist in Deutschland ebenso selbstverständlich wie kostengünstig und folgenlos. Sobald jedoch bloße Rhetorik in Taten überzugehen droht, lässt das Engagement der selbst erklärten Gegner des “inakzeptablen Antisemitismus” bereits merklich nach. Insbesondere dann, wenn es mit Einbußen für die deutsche Wirtschaft verbunden wäre.

Auf der anderen Seite gibt es das Gegenstück zum “inakzeptablen Antisemitismus”, jene von der deutschen UN-Sprecherin nicht einmal auf einen Begriff gebrachte Form des “akzeptablen Antisemitismus“. Dieser in weiten Teilen der Öffentlichkeit gar nicht als solcher wahrgenommene Antisemitismus zeichnet Felicia Langer und Henning Mankell ebenso aus wie gefühlte zwei Drittel der Linkspartei. Da dieser Antisemitismus in der Regel nicht einmal als Antisemitismus erkannt, jedenfalls nicht als solcher bezeichnet wird, wird er nicht bekämpft, sondern in Leitartikeln deutscher Tageszeitungen in die Welt posaunt oder in Form von Ehrungen für seine Anhänger zum gesellschaftlich Wünschenswerten verklärt.

Dass indes nicht nur deutsche UN-Sprecher Probleme haben, Antisemitismus auch nur begrifflich richtig zu fassen, zeigt die Äußerung des amerikanischen Sprechers:

“Es ist enttäuschend, dass Herr Ahmadinedschad einmal mehr hasserfüllte, beleidigende und antisemitische Rhetorik gewählt hat”, erklärte der Sprecher der US-Vertretung bei den Vereinten Nationen, Mark Kornblau.

Wenn ein Adjektiv Ahmadinedschads Äußerungen am wenigsten treffend beschreibt, so ist es das Wort “enttäuschend”. Doch nicht nur das Adjektiv im oben zitierten Satz ist vollkommen falsch, auch das Verb ist eine einzige Lüge: Ahmadinedschad hat nicht nach Lust und Laune eine “antisemitische Rhetorik gewählt“, so wie man morgens ein paar graue oder schwarze Socken anzieht. Ahmadinedschad hat lediglich gesagt, was er – und gewiss nicht nur er – denkt, an was er glaubt. Er hat seine durch und durch antisemitische Überzeugung zum wiederholten Male der Weltöffentlichkeit offenbart. Wer davon enttäuscht ist, das ein Antisemit sich antisemitisch äußert – oder in den Worten des amerikanischen Sprechers: eine antisemitische Rhetorik wählt -, müsste konsequenterweise jeden Tag aufs Neue enttäuscht sein, dass die Sonne abends unter geht.

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