Zeitung für Schland

Appeasement, egal was auch passiert

Posted in F.A.Z. by Mr. Moe on Juni 13, 2009

Es ist kaum auszudenken, wie die Berichterstattung deutscher Medien erst ausgesehen hätte, wenn Mussawi, dieser „prowestliche“ (WELT) Reformer, die Präsidentschafts„wahl“ im Iran „gewonnen“ hätte. Da jedoch Amtsinhaber Ahmadinedschad die „Wahl“ – wenngleich allem Anschein nach (auch) aufgrund massiven Betruges – „gewonnen“ hat, sind jetzt ganz große Geistesgrößen gefragt, der Lage trotzdem noch etwas Positives abzugewinnen. Für Christiane Hoffmann von der F.A.Z., die im Vorfeld der “Wahlen” noch ein Loblied auf selbige gesungen hatte, eine ihrer leichtesten Übungen:

Den von Präsident Obama angestrebten Neubeginn in den Beziehungen zum Westen hätte es zweifellos erleichtert, wenn dem Wechsel in Washington ein Wechsel in Teheran entsprochen hätte, wenn das Gesicht Irans in der Welt nicht länger jener Ahmadineschad wäre, der allzu leicht zum Widergänger Hitlers stilisiert werden kann. Vertrauen aufzubauen wird nun schwer sein. Andererseits hat Ahmadineschad mit seinem Gratulationsschreiben an Obama signalisiert, dass auch mit ihm eine Annäherung nicht unmöglich ist. Möglicherweise wird ein konservativer Präsident sogar größeren Spielraum haben, weil er die Zweifler in den eigenen Reihen besser besänftigen kann. Große Kompromissbereitschaft, bedeutende Zugeständnisse aber sind mit einem Präsidenten Ahmadineschad sicher nicht zu erwarten. Wenn der Westen eine Annäherung will, wird er sich im Nuklearstreit bewegen müssen, auch wenn nicht sein Wunschkandidat gewählt wurde. Er wird es mit einer Gegenseite zu tun haben, die sich durch ein massives Votum gestärkt sieht – ob zu Recht oder zu Unrecht.

Oder wie Obama oder auch Christoph Bertram und Volker Perthes es vermutlich formulieren würde: Ahmadinedschads „Wahlsieg“ darf nicht als Problem gesehen werden, sondern muss als Herausforderung begriffen werden. Positiv denken! Denn genau so funktioniert Denken und Handeln im Obama-Zeitalter: Während israelische Politiker wie Netanyahu oder Lieberman (oder auch der ehemalige US-Präsident Bush) als „Hindernisse“ für den Frieden angesehen werden, die jeder Lösung im Weg stehen( oder standen), muss jeder noch so widerwärtige Despot und jedes noch so menschenverachtende Regime umgarnt werden. Mussawi “gewinnt” die “Wahlen”? Jetzt heißt es auf den Iran zuzugehen! Ahmadinedschad “gewinnt” die “Wahlen” und zeigt sich weiter kompromisslos in Bezug auf die iranische Bombe? Kein Problem, dann muss der Westen eben noch einen weiteren Schritt auf ihn zugehen! Ist doch logisch, jedenfalls wenn man Christiane Hoffmann heißt. Selbige sollte sich angesichts solch wahrlich durchdachter Kommentare im Übrigen vielleicht doch lieber wieder auf das konzentrieren, was sie nachweislich am Besten kann: Hamas-Führer hofieren.

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Sensationsmeldung: Lieberman für Frieden!

Posted in F.A.Z. by Mr. Moe on Mai 29, 2009

Am Mittwoch wusste die F.A.Z. mit einer absoluten Top-Meldung aufzuwarten, titelte sie doch fast schon euphorisch und ungläubig zugleich:

Lieberman lobt die „Roadmap“

Und wie es sich für eine Nachricht gehört, folgt die wichtigste Information im ersten Satz der Meldung:

Der israelische Außenminister Lieberman hat sich zum internationalen Nahost-Friedensplan bekannt. Während Ministerpräsident Netanjahu bisher davor zurückschreckte, sich auf die in der „Roadmap“ enthaltene Zwei-Staaten-Lösung festzulegen, lobte Lieberman am Dienstag im Rundfunkt, dass der Friedensplan „logisch“ sei und breite internationale Anerkennung genieße.

Angesichts der Tatsache, dass Lieberman sich bereits in seiner Antrittsrede vor fast zwei Monaten ausdrücklich zur „Road Map“ bekannt hat, ist das eigentlich keine Neuigkeit und demnach keiner Meldung wert, steht doch auch nicht jeden Tag in der Zeitung, dass die Hamas und die Fatah Israels Existenzrecht weiterhin nicht anerkennen (letzteres wird häufig gar unter den Tisch gekehrt). Andererseits kann der Verweis auf Liebermans Äußerung auch nicht schaden, insbesondere deswegen nicht, weil Lieberman in den deutsche Medien vornehmlich als eingefleischter Friedensfeind und das neben den Siedlungen größte Hindernis für den Friedensprozess dargestellt wird. Wobei davon auszugehen ist, dass Lieberman ohnehin nichts tun kann, dieses vorschnelle und zugleich endgültige Urteil der deutschen Journaille zu revidieren, ohne zugleich entgegen seiner Verantwortung gegenüber der Sicherheit des Staates Israel zu handeln.

Hat tip: Yaacov Lozowick: But Isn’t He an Extremist? [Deutsche Übersetzung bei Heplev]

Quelle: Hans-Christian Rößler: „Lieberman lobt die ‘Roadmap’“, in: F.A.Z. vom 27. Mai 2009, S. 6.

Judenhass als Signal zur Gesprächsbereitschaft

Posted in F.A.Z. by Mr. Moe on April 27, 2009

Das Wort “Realsatire” bezeichnet eine ebenso ausgelutschte wie allzu häufig treffende Beschreibung der Wirklichkeit. Man führe sich etwa die Ereignisse der letzten beiden Tage vor Augen:

Die F.A.Z. interviewt Hamas-Führer Khaled Meschal, und ermöglicht diesem so, unwidersprochen und ohne kritische Nachfragen Propaganda für die Hamas zu betreiben. Nahezu zeitgleich deutet der iranische Präsident Ahmadinedschad in einem Interview – äußerst wohlwollend interpretiert – vage an, dass er die Zwei-Staaten-Lösung akzeptieren würde, sofern sich die Palästinenser dazu entschieden. Eine Anerkennung Israels seitens des Iran lässt er indes offen, was de facto einer Ablehnung gleichkommt. In völliger Verkehrung der Wirklichkeit feiern (nicht nur) deutschsprachige Medien Ahmadinedschads Aussagen als “Zugehen auf Israel” sowie “Akzeptanz der Zwei-Staaten-Lösung”. Es obliegt dem Iran selbst [!] darauf aufmerksam zu machen, dass diese Darstellung der Medien “total verzerrt” sei:

“Was der Präsident gesagt hat, ist meilenweit von dem entfernt, was die westlichen Medien mit soviel Ekstase berichtet haben”, schrieb die staatliche Agentur IRNA am Montag in einer Sondermeldung.

Wolfgang Günter Lerch von der F.A.Z. kommentiert diese Vorgänge nun wie folgt:

Iran wird eine Zwei-Staaten-Lösung in Palästina akzeptieren, wenn alle Palästinenser, auch die in den Flüchtlingslagern, sie in einem Referendum angenommen haben werden. So will das offizielle Teheran die jüngsten Aussagen von Präsident Mahmud Ahmadineschad verstanden wissen; sie waren außerhalb Irans bereits im Sinne einer generellen Zustimmung zu einer solchen Lösung gedeutet worden.

Dennoch scheint Bewegung in die politischen Fronten gekommen zu sein. So hat der in Damaskus residierende Exil-Führer der radikalislamischen Hamas, Khaled Meschal, eindeutig den Willen seiner Organisation bekundet, in eine Entscheidung eingebunden zu werden.

Bei aller Vorsicht, die angebracht ist, lassen seine Äußerungen, man solle die vor mehr als zwanzig Jahren entstandene Charta der Hamas, in der die Zerstörung Israels gefordert werde, nicht als immerwährenden Vorwand für eine Kontaktsperre nehmen, auf eine gewisse Gesprächsbereitschaft schließen. Mit der Palästinensischen Befreiungsorganisation Jassir Arafats war man schon einmal in einer ähnlichen Lage. Und die Kontakte zwischen Meschal und Irans Führung sind eng.

Nun fordert die Charta der Hamas nicht nur die “Zerstörung Israels”, was für sich genommen schon schlimm genug wäre, sondern ruft explizit zum Kampf gegen den “Welt-Zionismus” auf, und ist ein, mit einem Wort und zweifelsohne, durch und durch antisemitisches Dokument. Warum das Beharren auf der explizit judenfeindlichen Charta der Hamas in Verbindung mit dem Hinweis, dass man diese Worte doch nicht so ernst nehmen solle, auf “eine gewisse Gesprächsbereitschaft” schließen lassen sollen, bleibt Lerchs Geheimnis.

Die F.A.Z. im Gespräch mit Hamas Führer Khaled Meschal

Posted in F.A.Z. by Mr. Moe on April 26, 2009

Man muss nicht an jeder Mülltonne schnuppern, um herauszufinden, dass sie stinkt. Daher verzichtet die Zeitung für Schland darauf, das Interview der F.A.Z. mit dem Hamas Führer Khaled Meschal Stück für Stück zu sezieren. Ein Interview mit einem Führungsmitglied einer antisemitischen Mörderbande ist das Gegenteil von journalistischer Aufklärung und per se zu verurteilen, auch wenn sich Meschal der F.A.Z. zufolge dadurch auszeichnet, einen blauen Anzug, ein offenes Hemd und einen gepflegten Vollbart zu tragen, und “mit der Rationalität des Naturwissenschaftlers” zu argumentieren.

Nachtrag: Lila von Letters from Rungholt hat ein paar Takte mehr zu dem Interview geschrieben und sich – lesenswert wie immer – mit einigen besonders haarsträubenden Aussagen Meschals auseinandergesetzt.

Alles kann erklärt werden

Posted in F.A.Z. by Mr. Moe on April 6, 2009

Wie könnte folgendes Bild wohl passend untertitelt werden?

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Die F.A.Z. hat sich jedenfalls nicht für “Antisemitische Demonstration” oder “Kindesmissbrauch in Gaza” entschieden, sondern schreibt:

Der Hass ist bei den Palästinensern tief verwurzelt – im Gaza-Krieg wurden sie von den Israelis auch während Waffenruhen beschossen

Ach so! Na dann ist das ja alles halb so wild, der Hass quasi gerechtfertigt und die Forderung ja nahezu “moderat”. Und mit Judenhass hat das Ganze dann natürlich schon einmal gar nichts zu tun!

Israelische Friedensfeinde, die “theoretische” Zerstörung Israels und “positive Zeichen” im Nahen Osten

Posted in F.A.Z. by Mr. Moe on März 18, 2009

Von F.A.Z.-Autor Wolfgang Günter Lerch sind regelmäßige Leser der Zeitung für Schland bereits einiges an Israelfeindschaft und Weltfremdheit gewöhnt. Es verwundert daher auch kaum, was Lerch anlässlich der bevorstehenden Koalition in Israel zwischen Likud und “Israel Beitenu” in einem auch online verfügbaren Leitartikel auf der Titelseite der F.A.Z. von sich gibt. Es handelt sich – einmal mehr – um ein Traktat, das schon allein aufgrund der in ihm enthaltenden Unkenntnis – oder genauer: Leugnung – einfachster Fakten niemals auf der Titelseite einer der auflagenstärksten deutschen Tageszeitungen hätte erscheinen dürfen. Gleichwohl stellen die von Lerch geäußerten Ansichten keinesfalls die Meinung eines einzelnen Verblendeten dar, sondern werden vielmehr von weiten Teilen der deutschen und europäischen Öffentlichkeit geteilt und spiegeln somit die spezifisch deutsch-europäische Sichtweise Israels und des Nahostkonflikts wieder.

Von Israelis, die keinen Frieden wollen und Palästinensern, die Israel nur “theoretisch” vernichten wollen

Der Lerchsche Narrativ ist dabei schnell erzählt: Ein “Neuanfang” im Nahen Osten, und damit der “Friedensprozess”, sei aufgrund zweier Faktoren gefährdet: dem Ausgang der israelischen Wahlen und dem Konflikt zwischen der Hamas und der Fatah.

Sich im Einklang mit dem Grundtenor der deutschen Berichterstattung befindend, ist Lerch der Meinung, dass die Wahlen in Israel das “denkbar ungünstigste Ergebnis gezeitigt” hätten:

Käme es zu einer großen Koalition aus Likud und Kadima, stünden die Zeichen für eine Wiederbelebung des „Friedensprozesses“ etwas besser als im Falle einer Rechts-Regierung unter Einschluss der Partei „Israel Beitenu“ (Unser Haus Israel) des Rechtsaußen Avigdor Lieberman. Doch auf Letzteres scheint es nun hinauszulaufen.

Wie etwa Gideon Böss zu Recht feststellt, müsste ein palästinensischer Lieberman als “geradezu revolutionäre Erscheinung” gelten, die “in den Medien mit folgenden Worten umschmeichelt werden [würde]: gemäßigt, kompromissbereit, pragmatisch.” Doch während für das Terroristenpack bislang noch stets geltend gemacht wurde, dass Frieden ja nur mit Feinden geschlossen werden könnte, stellt Lieberman, da er Israeli ist, nicht nur für Lerch ein schier unüberwindbares Hindernis für den Frieden dar. Und dies, obwohl Lieberman im Gegensatz zur Hamas und großen Teilen der Fatah für eine Zwei-Staaten-Lösung ist.

Nach diesem europäisch-deutschen Allgemeinplatz, gemäß dem jeder Israeli, der nicht nach der Pfeife der tanzt ein großes Problem für den Frieden ist, widmet sich Lerch dem zweiten Hindernis für den Neuanfang, der Uneinigkeit der Palästinenser:

Auch auf der Seite der Palästinenser stehen die Dinge nicht zum Besten. Die im Bürgerkrieg vor zwei Jahren besiegelte Doppelherrschaft – im Westjordanland die (moderate) Fatah, im Gazastreifen die (radikale) Hamas – hat die Palästinenser politisch geschwächt und das Chaos vergrößert. Das mag in Israel all jenen durchaus recht gewesen sein, die gar kein Interesse an einem Fortgang des Friedensprozesses haben und sich lieber an die alte Regel halten: Teile und herrsche!

Für Lerch steht demnach fest, dass die hinterlistigen Israelis sich angesichts der Streitigkeiten der Palästinenser ins Fäustchen lachen. Es ist ja nicht so, dass Israel an einem friedlichen, demokratischen und säkularen palästinensischen Staat interessiert sei. Nein, an Frieden sind die meisten Israelis, wie aus jedem Wort aus Lerchs Feder hervorgeht, überhaupt nicht interessiert. Doch zum Glück gibt es ja “die Anderen”, wie etwa die strahlende und moralisch stets auf der richtigen Seite stehende Weltgemeinschaft, die sich redlich um Frieden und Gerechtigkeit bemühten:

Für die anderen hingegen, die diesen Konflikt endlich geregelt sehen möchten – die Weltgemeinschaft eingeschlossen -, war und ist dies eine inakzeptable Haltung

Nachdem diese Grundvoraussetzungen geklärt sind, tischt Lerch dem F.A.Z.-Leser zum nunmehr wiederholten Male den Unsinn der bloß “theoretisch” angestrebten Zerstörung Israels seitens der Hamas auf:

Deshalb ist noch nicht abzusehen, wie die Hamas, die theoretisch (wie einst die Fatah) die Zerstörung Israels auf ihr Panier geschrieben hat, und die Fatah, die möchte, dass die mit Israel ausgehandelten Vereinbarungen eingehalten werden, sich auf eine gemeinsame Grundlage verständigen können.

Was muss die Hamas eigentlich noch alles tun, damit Lerch den Vernichtungswillen der Hamas bezüglich Israels als “praktisch” anerkennt? Noch mehr Raketen abfeuern? Ihre Charta – wie auch immer das möglich sein soll – noch eindeutiger formulieren? Abgesehen von der sowohl lächerlichen als auch böswilligen Differenzierung zwischen der “theoretisch” und “praktisch” geforderten Zerstörung Israels erwähnt Lerch zudem nicht, dass auch die ja ach so “moderate” Fatah der Gewalt nur zeitweilig abgeschworen hat, Israels Existenzrecht nach wie vor nicht anerkennt und selbiges daher auch nicht von der Hamas verlangt, was sie nach eigenem Bekunden auch schon tausendmal gesagt hat, auch wenn es anscheinend nie gehört wurde. Lerch interessieren solche Fakten indes nicht, stehen sie doch in eklatantem Widerspruch zur gängigen Mär der “moderaten” und “vernünftigen” Fatah.

Drei “positive Zeichen” im Nahen Osten – dreimal laut gelacht!

Die Gespaltenheit der Palästinenser sei Lerch zufolge vor allem deswegen zu bedauern, weil es im Nahen Osten ja durchaus auch einige “positive Zeichen” gäbe.

Das erste “positive Zeichen” stellen für Lerch die wenigen diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und einigen arabischen Staaten dar:

Israel unterhält schließlich schon mit sieben arabischen Ländern diplomatische Beziehungen (darunter drei mit Botschafterrang)

Korrekterweise müsste dieser Satz lauten: “Sieben arabische Länder unterhalten diplomatische Beziehungen mit Israel”, da in der Regel eben nicht Israel den Austausch mit der arabisch-muslimischen Welt verweigert. Lerchs Formulierung kann daher als ein weiteres Beispiel für eine simple Verdrehung der Tatsachen mit einfachen sprachlichen Mitteln dienen.

Ein zweites “positives Zeichen” sei Lerch zufolge, dass die arabischen Staaten der “Friedensinitiative des saudischen Monarchen Abdullah” zustimmten,

die eine Anerkennung Israels und eine friedliche Zusammenarbeit für den Fall vorsieht, dass die Palästinenser endlich ihr Recht bekommen.

Lerch wertet es positiv, dass Israel dann anerkannt und der Judenmord dann enden wird, wenn “die Palästinenser endlich ihr Recht bekommen”. Dabei ignoriert er geflissentlich, dass die “Schuld” dafür, dass die Palästinenser bislang nicht zu ihrem “Recht” gekommen sind, weder allein noch auch nur überwiegend auf Seiten Israels zu suchen ist. Die ungeheure Selbstverständlichkeit, mit der Lerch die Logik “Israel muss etwas geben, bevor es anerkannt wird” vertritt, ist ein Skandal sondergleichen. Gleichwohl wird so einmal mehr offenkundig, dass diese Haltung, die etwa auch vom ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter vertreten wird, zu einem fundamentalen Bestandteil der Auffassung vieler Kommentatoren und Politiker geworden ist. Auch wenn die Ansicht, dass Terroristen erst etwas erhalten müssen, bevor sie ihre “Aktivitäten”, d.h. in diesem Fall ihren Judenmord, einstellen, nicht auf den Nahostkonflikt und auf Israel beschränkt ist, wird sie dort doch am häufigsten und hemmungslosesten vertreten.

Das dritte “positive Zeichen”, das Lerch auszumachen meint, ist der angebliche Wandel in Lerchs Lieblingsland Syrien:

Sogar in Damaskus bewegt sich etwas. Nicht nur türkische Vermittlung, auch westliches Werben, das heißt neue Töne Obamas und seiner Außenministerin Clinton, sowie der eigene Wille, den Ruch des bösen Buben loszuwerden, beginnen Wirkung zu zeigen.

Schade nur, dass Syriens Außenminister Al-Moallem erst gestern die seit 30 Jahren bestehende Bindung Syriens an den Iran bekräftigt hat, Syrien ein äußerst unzuverlässiger Partner ist,und daher keine allzu großen Erwartungen und Hoffnungen in Bezug auf Syrien gehegt werden sollten. Doch wer wäre Wolfgang Günter Lerch, interessierten ihn solche Tatsachen.

Eine Welt, wie sie ihm gefällt

Lerchs völlige Missachtung der Wirklichkeit zeigt sich besonders drastisch im folgenden Satz:

Da die palästinensische Seite unter Arafat mit den Oslo-Vereinbarungen die wichtigsten Forderungen schon 1993/94 erfüllt hat, wäre es jetzt an Israel, Konzessionen zu machen – etwa indem mit dem massiven Abriss von Siedlungen im Westjordanland begonnen und die Besatzungsherrschaft gelockert wird.

Erstens gibt es “die palästinensische Seite”, wie Lerch durch seine Ausführungen ja selbst nahe legt, gar nicht. Zweitens mag die PLO Israel offiziell zwar anerkannt und dem Terror abgeschworen haben, in der Realität gestaltete sich dies indes bekanntermaßen völlig anders. Lerch hingegen sieht über diese beiden Punkte großzügig hinweg und ist offenbar allen Ernstes der Ansicht, dass “die palästinensische Seite” alles notwendige getan hätte und es nun allein an Israel sei, Zugeständnisse zu machen. Diese Meinung entbehrt – welch’ Überraschung – jeglicher Übereinstimmung mit der Realität.

Gleiches gilt auch für Lerchs Ausführungen über die radikalen Kräfte im Nahen Osten, zu denen ihm lediglich folgendes einfällt:

Bleiben die Hizbullah, die Hamas und Iran. Sie müssen herhalten, um die harte Haltung Netanjahus (und anderer) zu rechtfertigen.

Kein Wort über die genozidalen Absichten der Hisbollah und Hamas, die für Lerch ja ohnehin nur “theoretisch” bestehen, oder die Vernichtungsdrohungen der Mullahs gen Israel. Nein, vielmehr würden diese armen, wackeren Mannen von den garstigen Israelis missbraucht, um deren “harte Haltung” zu rechtfertigen. Darauf muss man erst mal kommen! Doch obwohl Lerch offenkundig auf einem anderen Planeten kocht, ist er sich natürlich nicht zu schade, kurzweilig auf die Erde zurückzukehren, um der kommenden israelischen Regierung kluge Ratschläge zu erteilen:

Israels Politiker wären gut beraten, wenn sie, wenn schon nicht aus Neigung, so doch aus Einsicht, diese Konstellationen berücksichtigten und durch eine entgegenkommendere Politik in die Friedensoffensive gingen. Leider ist eher zu erwarten, dass unter Hinweis auf altgewohnte Fronten und Verhärtungen obsiegen wird, was Barbara Tuchman einmal die „Torheit der Regierenden“ genannt hat.

Mit anderen Worten: Wenn Israel schon nicht am Frieden interessiert ist, so muss Israel doch die unmissverständlichen “positiven Zeichen” sehen und sich endlich, endlich herablassen, Frieden zu schließen. Bleibt zu hoffen, dass die israelischen Kriegstreiber entgegen ihren Instinkten auf die weisen Worte des klugen Denkers Wolfgang Günter Lerchs hören. Die Zukunft Israels sehe dann in jedem Fall märchenhaft aus.

Quelle: Wolfgang Günter Lerch: “Licht und Schatten im Nahen Osten”, in: F.A.Z. vom 17. März 2009, S. 1.

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Boykott von Durban II: F.A.Z. zu voreilig

Posted in F.A.Z. by Mr. Moe on März 17, 2009

Auf der Titelseite der F.A.Z. ist heute folgende Nachricht zu finden:

Deutschland bleibt “Durban II” fern

Gleichwohl wird dieser Schritt, der sehr zu begrüßen wäre, in der entsprechenden Meldung gleich wieder relativiert respektive zurückgenommen:

Deutschland wird einer für Ende April in Genf geplanten UN-Konferenz gegen Rassismus fernbleiben, wenn nicht bis zu diesem Dienstag mehrere gegen Israel gerichtete Passagen im Entwurf der Schlusserklärung überarbeitet werden.

Mit anderen Worten: Die Überschrift in der F.A.Z. ist wahlweise irreführend oder schlichtweg falsch. Als  Quelle wird Außenminister Steinmeier genannt, dessen Wortlaut darüber hinaus auf den Seiten des Auswärtigen Amtes nachgelesen werden kann:

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt plädiere ich dafür, dass wir die Teilnahme bei der anstehenden Konferenz absagen, wenn es in den nächsten Stunden, in den nächsten Tagen zu keiner wirklich substanziellen Änderung der Dokumente kommt.

Was eine “wirklich substanzielle Änderung der Dokumente” ist und wie weit eine solche reichen müsste, um an der Konferenz teilzunehmen, liegt natürlich im Auge des Betrachters. Ob sich die von der F.A.Z. vorschnell in die Welt posaunte Meldung eines Boykotts von Durban II seitens der Bundesrepublik Deutschland bewahrheiten wird, steht demnach in den Sternen.

Warum Durban II boykottiert werden muss, kann derweil auf der entsprechenden Seite nachgelesen werden. Ein kurzer Bericht über eine diesbezüglich letzte Woche in Berlin stattgefundene Pressekonferenz, auf der etwa Nasrin Amirsedghi, Alex Feuerherdt oder Klaus Faber sprachen, kann darüber hinaus bei Babel TV angesehen werden.

Nachtrag: Lizas Welt befasst sich mit weiteren Reaktionen deutscher Medien und zeigt auf, warum ein deutscher Boykott von Durban II nach wie vor eher unwahrscheinlich ist.

Quelle: Deutschland bleibt “Durban II” fern, in: F.A.Z. vom 17. März, S. 1.

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Zwei besonders kluge Köpfe

Posted in F.A.Z. by Mr. Moe on Februar 18, 2009

Der Konflikt um Palästina ist schon deshalb kaum mehr lösbar, weil Israel aus dem Gebiet der Palästinenser seit Jahrzehnten und Tag für Tag Scheibe um Scheibe abschneidet. […] Auch gemäßigte Araber zweifeln daher zunehmend daran, ob Israel wirklich Frieden oder nur seine Lösung anderen diktieren will.

Rainer Hermann erklärt in der F.A.Z., warum der Nahostkonflikt derzeit nicht zu lösen ist. Und bevor jemand fragt: die Palästinenser werden von Herman nur in ihrer gemäß deutschen Medien üblichen Form erwähnt: im Passiv.

Ins gleiche Horn bläst Wolfang Günter Lerch, der im Hinblick auf den stockenden Friedensprozess im Nahen Osten schreibt:

Selbst das Minimalziel einer einigermaßen haltbaren Waffenruhe – von einem Waffenstillstand gar nicht zu reden – wird nach israelischen Vorstellungen erst erreicht werden, wenn die radikalislamische Hamas den entführten Soldaten Gilad Shalit herausgibt.

Wahrlich eine unerhört dreiste Forderung Israels, einer Waffenruhe nur dann zuzustimmen, wenn das Verbrecherpack der Hamas den seit mehr als zweieinhalb Jahren ohne Kontakt zu Außenwelt gefangen gehaltenden Israeli Gilad Shalit freilässt. Was kommt als nächstes? Die Forderung, dass die Hamas keine Raketen mehr auf israelische Schulen und Kindergärten abfeuern darf? Ja, was soll denn die Hamas, wenn sie Shalit und seine Familie nicht mehr verhöhnen und keine Raketen auf Israel mehr abschießen darf, den ganzen lieben langen Tag lang tun? Sich etwa der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung des Gazastreifens widmen? In der Tat ein absurder Gedanke.

Wer Lerch kennt weiß zudem, dass selbiger wiederum ganz genau weiß, warum Israel an der Freilassung Shalids überhaupt interessiert sei:

Für Israel, vor allem für seine Armee, ist das eine Frage der Selbstachtung.

Genau so ist es. Es geht Israel weder um Shalits Leben noch darum, dass dessen Angehörigen endlich Gewissheit über sein Schicksal haben. Nein, es geht Israel – so der Fachmann Lerch – allein ums elendige Prinzip und um die eitle Aufrechterhaltung seines Selbstbildes. Immerhin lernt der F.A.Z.-Leser so wieder einmal, wes Geistes Kind auch ein “kluger Kopf” sein kann.

Quelle: Rainer Hermann: “Der orientalische Knoten”, in: F.A.Z. vom 17. Februar 2009, S. 10 und Wolfgang Günter Lerch: “Schlechte Aussichten”, in: F.A.Z. vom 18. Februar 2009, S. 8.

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Bye, bye Bremer

Posted in F.A.Z. by Mr. Moe on Februar 17, 2009

Was sich in den letzten Tagen bereits angedeutet hatte, ist nun offiziel von der F.A.Z. verkündet worden: Jörg Bremer, ein alter Bekannter der Zeitung für Schland, ist nicht mehr für “Israel und die palästinensischen Gebiete” zuständig. Sein Nachfolger ist der ebenfalls bereits mehrfach negativ aufgefallene Hans-Christian Rößler, der hiermit förmlich gegrüßt sei – auf gute Zusammenarbeit! Übrigens fungiert Bremer ab sofort – wie passend – als F.A.Z.-Korrespondent in Rom.

Quelle: “Neues aus der Redaktion”, in: F.A.Z. vom 17. Feburar 2009, S. 2.

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Gratismoral

Posted in F.A.Z. by Mr. Moe on Februar 10, 2009

Unter dem Titel “Gaza als Bühne” kritisiert Gina Thomas die englische Autorin Caryl Churchill dafür, dass sie ein “israelkritisches” respektive israelfeindliches Stück geschrieben habe, das nun im Londoner Royal Court Theatre gespielt werde. Gleichwohl die Kritik absolut berechtigt ist, wirkt indes vor allem Thomas’ letzter Satz in Anbetracht der gestrigen Ausgabe der F.A.Z. wie blanker Hohn:

Vielleicht sollte die berühmte Caryl Churchill sich künftig bei der Propaganda-Abteilung der Hamas engagieren.

Vielleicht sollte Gina Thomas ihre Artikel künftig nicht mehr in der Propaganda-Abeteilung der Hamas F.A.Z. veröffentlichen.

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