Zeitung für Schland

Spenden sammeln für Thorsten Schmitz!

Posted in SZ by Mr. Moe on Dezember 10, 2009

Deutsche Nahost- und Israelberichterstatter sind wahrlich zu bedauern, müssen sie doch häufig Jahre lang just in jenem Land leben, das sie von ganzem Herzen verabscheuen und gegen das sie tagein, tagaus anschreiben. Kein Wunder also, dass selbst die Besten ihres Fachs angesichts dieser enormen inneren Spannungen irgendwann ausgebrannt sind und sich versetzen lassen. Nachdem der F.A.Z.-Korrespondent Jörg Bremer mittlerweile aus Italien berichtet, zieht Thorsten Schmitz von der Süddeutschen Zeitung jetzt von Tel Aviv ins “billigere Berlin”. Natürlich nicht, ohne sich standesgemäß von Tel Aviv zu verabschieden.

Über die Stadt, in der er viele Jahre lebte und arbeitete, schreibt Schmitz zum Abschluss, dass man dort “Europa spielen und nichts vom Gaza-Streifen und dem besetzten Westjordanland mitbekommen kann”. Und in dieser ignoranten Besetzer-Stadt war der arme Herr Schmitz gezwungen zu leben! Ein wenig verwundert es jedoch, dass Schmitz gerade in einer Zeit die Segel streicht, in der Hoffnung aufkeimt, dass die allzu lebensfreudigen Juden aus Tel Aviv doch endlich einmal mit der von ihnen selbst verschuldeten Realität konfrontiert werden: Tel Aviv liegt mittlerweile in Reichweite der Raketen der Hamas und die iranische Bombe, die auf Tel Aviv gerichtet sein wird, dürfte ja auch bald fertig sein. Wäre Schmitz konsequent, würde er in Tel Aviv bleiben, könnte er sich doch dann an den möglicherweise baldig auftretenden Veränderungen erfreuen.

Allerdings verbindet sich Schmitz ideologische Abneigung gegenüber Tel Aviv im Speziellen und Israel im Allgemeinen mit einem handfesten finanziellen Motiv: Schmitz kann (oder will) sich seine Wohnung in Tel Aviv offensichtlich nicht mehr leisten:

In der Mittelmeermetropole wird um Wohnungen gekämpft, nicht um Frieden. Das Angebot ist so mager, dass eine der größten Immobilienagenturen seit Monaten auf Plakatwänden an Wohnungs- und Grundstücksbesitzer appelliert, sie mögen ihren Besitz doch bitte veräußern. Die Mieten in Tel Aviv haben das (unverschämte) Niveau von Manhattan erreicht, als hätte es nie eine Finanzkrise gegeben. Unsere 100 Quadratmeter große Vier-Zimmer-Wohnung kostete vor drei Jahren noch 1500 US-Dollar, inzwischen 2600 (ohne Parkplatz wohlgemerkt). Die Vermieter nutzen die Misere aus und rühren keinen Finger. Sie wissen: Es gibt Dutzende Anwärter auf jede Wohnung.

Ja, diese Vermieter, die nur am Profit interessiert sind – wirklich unverschämt. Warum gibt es eigentlich kein israelisches Gesetz, gemäß dessen deutsche Berichterstatter, die ausgewogen über Israel schreiben und dadurch viel dazu beitragen, Israels Ansehen in der Welt zu steigern, mietfrei in Tel Aviv residieren dürfen? Angesichts dieser zum Himmel schreienden Ungerechtigkeit seien die Leser der Zeitung für Schland dazu aufgerufen, ein paar Groschen für Thorsten Schmitz in die Sammelbox zu werfen. So wäre es Schmitz möglich, in Tel Aviv wohnen zu bleiben – könnte es für einen unverbesserlichen Israelhasser eine schlimmere und zugleich gerechtere Strafe geben?

hat tip: Opposite Editorial.

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Was Kämpfe zwischen Islamofaschisten über deutsche Journalisten aussagen

Posted in SZ by Mr. Moe on August 16, 2009

Thorsten Schmitz von der Süddeutschen Zeitung berichtet:

Im Gaza-Streifen liefern sich Hamas und eine islamische Sekte blutige Kämpfe.

Damit ist nicht der innerpalästinensische (Bürger-)Krieg zwischen der Hamas und die Fatah gemeint, sondern die Kämpfe zwischen der Hamas und einer (ebenfalls) radikal islamistischen Splittergruppe mit Al-Qaida Verbindungen namens Dschund Ansar Allah. Worum es dabei geht, ist kurz gesagt: Islamofaschisten bekämpfen Islamofaschisten, die ihnen nicht islamofaschistisch genug sind. Soweit so gut.

Äußerst aufschlussreich ist indes, was Schmitz über die bisherigen “Opfer der Kämpfe” schreibt:

Unter den Opfern der Kämpfe in der Stadt Rafah im Süden des Gaza-Streifens seien auch sechs Zivilisten und sechs Sicherheitskräfte der Hamas.

Folglich sind Mitglieder der Sicherheitskräfte der Hamas für Schmitz keine Zivilisten. Jedenfalls dann nicht, wenn sie von radikalen Islamisten getötet werden. Als Israel im Gaza-Krieg hingegen Hamas-Polizisten ins Jenseits befördert hat, war dies bekanntermaßen Mord an Zivilisten, vergleichbar nur mit der (ohnehin erlogenen und Israel dämonisierenden) Bombadierung von “Kindern in der Schule” und “Frauen auf dem Markt”. Verrückte Welt oder eine wenig bedeutsame Unachtsamkeit von Schmitz? Nein: Antisemitismus, gutbürgerlich verpackt und der danach lechzenden Leserschaft leicht bekömmlich serviert. Zudem zeigt es, dass der Groschen bei Schmitz noch lange nicht gefallen ist.

Interessant ist auch, was Abdel Latif Mussa, der mittlerweile zu Tode gekommene Führer der Dschund Ansar Allah, der Hamas vorgeworfen hat:

Mussas Hauptargument war, dass Hamas “zu moderat” sei und “zu milde” in Bezug auf die Einhaltung religiöser Gebote.

Wie kommt Mussa bloß zu einer solchen Auffassung? Eine Möglichkeit: er hat zuviel Süddeutsche Zeitung gelesen.

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Die Mär von der kontraproduktiven Einmischung

Posted in SZ by Mr. Moe on Juni 26, 2009

Parteinahme zu Gunsten der iranischen Oppostition könnte kontraproduktiv sein – und das Regime stärken.

Dieser Satz, der in vergleichbarer Weise vielfach in deutschen Medien zu lesen war und ist, stammt von Rudolph Chimelli von der Süddeutschen Zeitung. Seine Begründung, warum die iranische “Oppostition” es nicht mag, wenn man sie unterstützt,  ist dabei besonders ausgefeilt:

Iraner sind empfindlich. Viele von ihnen, auch wenn sie selber gegen das System sind, hören gute Ratschläge von außen nicht unbedingt mit Begeisterung.

Ja, die verprügelten oder inhaftierten Demonstranten sowie die unterdrückten Frauen und Homosexuellen dürften auch wahrlich keine andere Sorgen als “Ratschläge von außen” haben. Zumal Chimellis Text selbst als Einmischung bezeichnet werden könnte, wirkt es doch so, als betreibe da jemand in einem deutschen Blatt Propaganda für das Mullah-Regime. Denn an die Chimelli zufolge übermäßig kritischen Merkel und Sarkozy gerichtet, heißt es:

Präsident Barack Obama verhält sich geschickter, wenn er alles zu vermeiden sucht, was die Iraner als Einmischung deuten könnten.

Chimelli verschweigt wohlweislich, das sogar Obama seitens des Mullah-Regimes der “Einmischung” bezichtigt wurde, obwohl dessen Wohlwollen gegenüber den Mullahs nun wahrlich nicht in Frage gestellt werden kann. Wenn nicht einmal der größte lebende Appeaser der Welt vom Krokodil verschont wird, wer dann? Und was tun? Die Antwort in der Logik des Appeasements lautet (natürlich): Schwamm drüber, weiter wie bisher. Und ja nicht auf die Realität achten, auch wenn man die Augen noch so sehr zusammenkneifen muss. Wie Chimelli:

Auch wenn Obama seine Kritik an Teheran immer schärfer formuliert, will er im Nahen Osten keine Türen zuschlagen, schon gar nicht in dem Augenblick, da er die US-Botschaft in Syrien, also beim Verbündeten der Iraner, wieder öffnet.

Tja, schade nur, dass Syrien sich mal wieder gegen die Tür drückt, die im Übrigen niemals dabei war, sich auch nur einen Spalt breit zu öffnen.

Crossposted auf FREE IRAN NOW!

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Wie die SZ über die Zwei-Staaten-Lösung “informiert”

Posted in SZ by Mr. Moe on Mai 14, 2009

Angesichts der Worte des Papstes in Bethlehem, verkündet die SZ voller Freude auf der Titelseite:

Papst ergreift Partei für die Palästinenser.

Benedikt XVI. fordert Gründung eines souveränen Staates und kritisiert die Blockadepolitik Israels

Nachdem geklärt wurde, dass der “Wir sind Papst”-Papst in der Tat das ausspricht, was die Mehrheit der Deutschen denkt, sieht sich die SZ zudem gezwungen, ihren Leser in einem Infokasten über die “Zwei-Staaten-Lösung” zu “informieren”. Das ganze liest sich wie folgt:

Die Zwei-Staaten-Lösung ist ein Vorschlag für die friedliche Beilegung des Nahostkonflikts. Sie sieht vor, dass sich die Palästinensischen Autonomiegebiete zu einem eigenen Staat entwickeln – neben dem Staat Israel. Dies sollte nach der Genfer Vereinbarung in den Grenzen von 1967 geschehen, vor Beginn des Sechs-Tage-Kriegs. Die Palästinenser erhielten 97,5 Prozent der von Israel eroberten Gebiete zurück, darunter den gesamten Gaza-Streifen. Die anderen 2,5 Prozent im Westjordanland würden durch Gebietsaustausch geregelt. Jerusalem wäre die geteilte Hauptstadt von Israelis und Palästinensern. Der damalige israelische Premierminister Ariel Sharon lehnte den Plan 2003 ab.

Zur Erinnerung: Diese Zeilen erscheinen nicht im Satiremagazin Titanic, sondern in der “Nr. 1 unter den überregionalen Qualitäts-Tageszeitungen Deutschlands”, die täglich von über 500.000 Menschen gelesen wird. Und die lernen einmal mehr, was sie eh schon wussten: der Jud’ ist schuld. Dieses mal daran, dass es nichts mit der “friedlichen Beilegung des Nahostkonflikts” wird.

Quelle: “Zwei-Staaten-Lösung”, in: SZ vom 14. Mai 2009, S. 7.

“Alle gegen einen” – über die kommenden “Wahlen” im Iran

Posted in SZ by Mr. Moe on Mai 12, 2009

"Wahlen" im IranEntgegen aller Vorsätze wurde die SZ auch gestern nicht ihrem angemessenem Bestimmungsort zugeführt, sondern frühmorgens aufgeschlagen. Das ausschließlich von Thomas Avenarius verhandelte „Thema des Tages“ sind die „Wahlen in Iran“, die Avenarius zufolge unter dem Motto „Alle gegen einen“ stünden. Mit dem tapferen Einzelkämpfer ist niemand anders als der „umstrittene Staatschef” Mahmud Ahmadinedschad gemeint, dessen fröhlich in die Kamera grienendes Antlitz passend dazu fast ein Drittel der Seite füllt. Natürlich versteht es Avenarius auch, die Wahlen in den passenden Kontext zu setzen:

Für die Entwicklung in Nahost könnte dies [das Ausbleiben der Wiederwahl Ahmadinedschads, Mr. Moe] entscheidend sein: US-Präsident Barack Obama sucht nach einer neuen Außenpolitik und zeigt sich dem bisherigen Erzfeind Iran gegenüber offen. Währenddessen droht Israel weiter damit, die iranischen Atomfabriken zu bombardieren, wodurch am Ende die gesamte Region in Brand gesetzt werden könnte.

Nachdem geklärt wurde, dass nicht etwa der Iran die regionale Sicherheit gefährde, sondern der deutschen Zeitungen zufolge ja ohnehin als besonders aggressiv und schießwütig geltende jüdische Staat, stellt Avenarius mit Mohsen Resai einen der drei Herausforderer Ahmadinedschads vor:

Er ist einer der Gründerväter der Hisbollah, wird von Interpol gesucht wegen angeblicher Verwicklung in Terroranschläge auf jüdische Einrichtungen in Argentinien. Resai ist also kein moderater Politiker. Er gilt aber als dialogbereit und als Wirtschaftsexperte.

Anlässlich einer solchen Beschreibung fragt Claudio Casula völlig zu Recht, „mit welchem Etikett ein israelischer Politiker bedacht würde, der eine religiös-fanatische Miliz gegründet hat, in Terroranschläge verwickelt war und von der Polizei gesucht wird“. In jedem Fall müsste es sich dabei um eine Steigerung von „ultranationalistisch“ handeln, wird dieser Begriff doch bereits zur Kennzeichnung des derzeitigen Außenministers Avigdor Lieberman verwendet, auf den bekanntermaßen keines dieser drei ehrenwerten Attribute zutrifft. Avenarius bezeichnet Resai hingegen wiederholt als „konservativ“. Der Vorliebe deutscher Medien für radikalislamistische Antisemiten folgend wird selbstverständlich auch ein Interview mit jenem freundlichen Herren aus Teheran geführt, der der Bildunterschrift zufolge Ahmadinedschads Politik für „grundfalsch“ halte. Auf welchen Aussagen Resais mag diese Einschätzung von Avenarius basieren? Vermutlich darauf, dass Resai zu Beginn des Interviews folgendes sagt:

Der derzeitige Diskurs in der iranischen Außenpolitik ist eine Politik der Provokation. So wie Ahmadinedschad redet, wurde aus unserer revolutionären Außenpolitik eine abenteuerliche Veranstaltung für Hasardeure. Etwa wenn er sagt, dass der Holocaust nicht stattgefunden habe. Oder nehmen wir die Palästinenser. Offizielle Politik der Islamischen Republik war stets, dass die Palästinenser ihr Schicksal selbst bestimmen sollen.

Demjenigen, der genau liest, wird bereits hier auffallen, dass Resai keinesfalls Ahmadinedschads Politik kritisiert, sondern lediglich die Strategie zur Verfolgung selbiger. In seinen außenpolitischen Positionen unterscheidet er sich hingegen nicht von Ahmadinedschad. So antwortet er auf die Frage, ob Irans Unterstützung für die Hamas falsch sei:

Nein. Hamas verteidigt Palästina, und dies ist aus unserer Sicht legal. Aber das heißt nicht, dass es keinen Dialog geben sollte. Alle Parteien – Palästinenser und Juden, Christen und Muslime – sollten sich an einen Tisch setzen, ihr eigenes Schicksal bestimmen auf der Basis von Humanität und Demokratie. Wir wünschen die gleichen Rechte für alle Bewohner von Palästina.

In Bezug auf die von deutschen und europäischen Medien wie Politikern heiß und innig geliebte Zweistaatenlösung, zu der sich Israel nach Möglichkeit stündlich zu bekennen habe, sagt Resai:

Nein, dieses Modell ist gescheitert. Es ist sinnlos, daran festzuhalten. Was nützt es, wenn es zwei Staaten gibt, die im Konflikt liegen oder sich bekriegen. Besser wäre ein multinationaler Staat, mit einem Volk und einer Regierung – gebildet unter UN-Aufsicht.

Mit anderen Worten: Resai erkennt die Existenz des Staates Israel nicht an. Konfrontiert mit Ahmadinedschads Aussage, dass Israel ein „Krebsgeschwür“ sei und „von der Landkarte getilgt“ werden müsse, entgegnet Resai daher lediglich:

So wie er redet, verstößt er gegen die Interessen iranischer Außenpolitik.

Resais Kritik an Ahmadinedschad bezieht sich folglich nicht auf den Wunsch Israel zu vernichten, sondern lediglich darauf, selbiges fortlaufend öffentlich zu verkündigen. Die Frage, ob Resai Israel als „zionistischen Staat“ anerkenne, beantwortet selbiger hingegen in bester Ahmadinedschad-Manier:

Warum sollen wir Iraner sagen, was für ein Staat dort zustande kommt? Das sollen die Menschen in Palästina selbst entscheiden. Die UN sollen ein Referendum abhalten zwischen den wahren Bewohnern Palästinas. Das Ergebnis wird Iran akzeptieren.

Kurz: Nein, Resai akzeptiert die Existenz des jüdischen Staates nicht. Über die Wahlchancen Resais, den die amerikanische Presseagentur AP allen Ernstes als „moderaten Konservativen“ bezeichnet, schreibt Avenarius:

Da Resai selbst jedoch keine Chance auf den Wahlsieg haben dürfte, könnte er dem Mann zur Macht verhelfen, der beide Lager vereint: Ex-Premier Mussawi. Auch der ist ein dem konservativen Lager verbundener Kriegsheld, er steht aber den Reformern nahe und gibt sich ebenfalls dialogbereit – was für Iran weit wichtiger sein könnte als ideologische Unterschiede zwischen Konservativen und Reformern.

Avenarius übersieht wie so viele seiner Kollegen, dass das Mullah-Regime nicht reformiert, sondern nur überwunden werden kann. Denn, wie Daniel Fallenstein in einer Rede zur Kundgebung “Freiheit statt Islamische Republik!” am 1. April 2009 in Berlin treffend formulierte:

Im Umgang mit den Mullahs gibt es nur ein moralisch einwandfreies Ziel: Die Ablösung ihres Regimes im Iran durch ein säkulares, liberales Staatswesen.

Demgemäß ist vollkommen unerheblich, ob Ahmadinedschad, Resai oder der „Reformer“ Mussawi, dessen Integrität im Übrigen ebenfalls äußerst fragwürdig ist, die Wahl im Juni gewinnen und den öffentlichen Hampelmann machen wird. Indes braucht es nicht viel Fantasie, sich die Kommentare deutscher und westlicher Medien im Falle eines ausbleibenden Wahlerfolges Ahmadinedschads respektive einer Wahl Mussawis oder gar Resais vorzustellen: „Iran wählt den Wandel“, „Abkehr vom Konfrontationskurs“ oder gar „Jetzt wird alles gut!“ – den Herren Avenarius, Lerch & Co wird schon etwas Passendes einfallen. Angesichts solch’ drohender Schlagzeilen und einer damit verbundenen Zunahme der Appeasement-Politik wünschte man sich fast, dass am 12. Juni 2009 der bekannteste lebende Antisemit der Welt einen Wahlsieg feierte.

Anmerkungen zur Süddeutschen Zeitung

Posted in SZ by Mr. Moe on Mai 9, 2009

Wer wirklich einmal richtig leiden will braucht dafür noch nicht einmal zu bezahlen: Ein Test-Abonnement der Süddeutschen Zeitung, der „Nr. 1 unter den überregionalen Qualitäts-Tageszeitungen Deutschlands“ (Quelle: Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse 2008), beschert dem geneigten Masochisten zwei Wochen lang jede Menge schlechte Laune – kostenlos und unverbindlich. Darüber hinaus verstünde es die SZ gemäß ihrer Selbstzuschreibung zufolge, „ausgezeichneten Journalismus mit bester Unterhaltung“ zu verbinden. Darüber hinaus sei sie auch noch in der Lage, ihren Leser „immer bestens“ zu informieren.

Um es kurz zu machen: Auf jeden Schund einzugehen, der sich bereits nach einer einzigen Woche qualvoller Lektüre der SZ angesammelt hat, würde den Rahmen eines jeden Blog-Eintrages sprengen. Daher seien im Folgenden lediglich drei Fälle dokumentiert:

  • Anlässlich der jährlichen Konferenz des American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) titelt die SZ zeitgemäß:

    „Die Regierung wechselt, der Einfluss bleibt“

    Und hebt extra noch hervor, wie abartig doch das Verhältnis der Amerikaner zu Israel sei:

    „80 Prozent der Amerikaner sehen Israel als engen Freund der USA.“

    Die Schweine!

  • Dass der Papst Israel besucht, nutzt die SZ zur Gelegenheit, endlich einmal über die Unterdrückung der Christen in Israel [!] berichten zu können:

    Der Großteil der arabischen Christen gehört der gebildeten Mittelschicht an. Deren beruflichen Perspektiven sind – diesseits und jensseits der israelischen Sperranlagen – beschränkt. Während sie im Westjordanland eine zunehmende Islamisierung fürchten, fühlen sich die Christen im jüdischen Staat benachteiligt. Araber, egal welchen Glaubens, gelten dort als Palästinenser und haben trotz der israelischen Staatsbürgerschaft nicht dieselben Rechte wie die jüdische Bevölkerung.

    Erneut „beste Informationen“ für die nach Fakten gierenden Leser der SZ. Israel ist ein christen- und araber feindlicher Apartheidsstaat, wir haben’s doch schon immer gewusst!

  • Zum Besuch des israelischen Außenministers Lieberman in Deutschland schreibt die SZ:

    Der 50-jährige Lieberman, Führer der Partei Unser Haus Israel, steht im Ruf eines ultra-nationalistischen Friedensfeindes.

    Das ist in der Tat „ausgezeichneter Journalismus mit bester Unterhaltung“! Und weiter geht’s:

    Das schlechte Image hat er nicht zuletzt in seiner polternden Antrittsrede Anfang April untermauert, in der er die Welt verstörte mit der Ankündigung einer Kehrtwende bei den Verhandlungen mit den Palästinensern.

    Karl Kraus lässt grüßen: “Keinen Gedanken haben und ihn ausdrücken können – das macht den Journalisten”. Und die SZ informiert munter weiter drauf los:

    In der Regierung von Premierminister Benjamin Netanjahu ist die in allen internationalen Initiativen geforderte Zwei-Staaten-Lösung zum Tabu erklärt worden. Befürchtet wird also eine bleiernde Zeit israelischer Blockadepolitik.

    Und als ob das alles noch nicht genug sei, erfährt der Leser der „Nr. 1“ unter den deutschen Tageszeitungen am Ende auch noch folgendes:

    Und so versucht er [Lieberman, Mr. Moe], wo immer er gerade unter Druck kommt, das Thema zu wechseln – weg von den Palästinensern und ihrem Staat, hin zu Iran. Denn wenn es um die Gefahren geht, kann man wenigstens einmal den diplomatischen Schulterschluss proben.

    In der Tat eine echte Unverschämtheit, dass sich der israelische Außenminister um die Sicherheit des Staates Israel sorgt.

Es reicht. Die SZ wird die kommende Woche dorthin verfrachtet, wo sie hingehört: in den Mülleimer. Gefreut werden darf sich derweil auf den Anruf und das Gespräch nach Ablauf des Abonnements, ob die Lektüre denn gefallen hätte und ein regulärer Bezug erwünscht sei.

Ach ja, der Sportteil ist übrigens ganz gut.

Offline-Quelle: “Julia Amalia Heyer: Alles nur Glaubenssache. Die Lage der Christen in Israel”, in: SZ vom 8. Mai 2009, S. 2.

Worte und Taten

Posted in SZ by Mr. Moe on April 2, 2009

We definitely want peace, but the other side also bears responsibility. We have proven our desire for peace more than any other country in the world. No country has made concessions the way Israel has. Since 1977, we have given up areas of land three times the size of the State of Israel. So we have proven the point.

Diese Worte entstammen der berüchtigten Rede des neuen israelischen Außenministers Avigdor Lieberman, die nahezu die gesamte Welt in Aufruhr und Rage versetzt hat (etwa die New York Times oder zahlreiche deutsche und ausländische Zeitungen). Wie immer an forderster Front stehend, wenn es um die Verleumdung Israels geht, schreibt Thorsten Schmitz von der SZ:

Die unverblümt aggressive Antrittsrede des neuen israelischen Außenministers Avigdor Lieberman hat in Europa, in den USA und in der Palästinenserführung Sorge um die Zukunft der israelisch-palästinensischen Friedensverhandlungen ausgelöst.

Nicht erst seit dem Gaza-Krieg ist allseits bekannt, dass Juden, die sich nicht bereitwillig umbringen lassen oder gar selbst zur Schlachtbank führen, in dieser Welt als “aggressiv” gelten. Und während Liebermans Rede Schmitz Anlass bietet, vom “Ende des Friedensprozesses” zu schwadronieren, kommentiert er die Ermordung eines israelischen Jugendlichen sowie die schwere Verletzung eines sieben-jährigen Kindes mit einer Axt mit folgenden nüchternden Worten:

Ein Palästinenser hat am Donnerstag in einer jüdischen Siedlung bei Jerusalem einen israelischen Jugendlichen mit einer Axt getötet. Außerdem wurde ein sieben Jahre altes Kind bei dem Angriff verletzt. Die Sicherheitskräfte suchten nach dem Angreifer. Der Vorfall ereignete sich in der jüdischen Siedlung Bat Ayin südlich von Jerusalem, in der vor allem religiöse Israelis leben und die nicht durch einen Zaun geschützt ist.

Es liegt auf der Hand, dass ein solcher “Vorfall” in Schmitz’ Augen im Gegensatz zu Avigdor Lieberman kein Hindernis für den “Friedensprozess” darstellt. Auch dass der Mörder in ein arabisches Dorf geflohen ist, dessen Bevölkerung ihn aller Wahrscheinlichkeit nach nicht den Behörden melden sondern decken wird, vermag Schmitz nicht zu stören. Oder dass der Anschlag bislang ausschließlich von israelischen Politikern verurteilt wurde, und zu bezweifeln ist, dass sich daran etwas ändern wird, wo doch etwa Palästinenserpräsident Abbas damit beschäftigt ist, die Weltgemeinschaft aufzufordern, Druck auf die neue israelische Regierung auszuüben. Doch immerhin haben die Leser der Süddeutschen Zeitungen einmal mehr gelernt, was sie ohnehin schon wussten: Die Worte israelischer Politiker sind eine größere Gefahr für den Frieden, als der unter den Palästinensern weit verbreitete mörderische Judenhass. Über letzteren schreibt die Jerusalem Post, die Liebermans Rede im Übrigen kritisch beurteilt, äußerst treffend:

It is this kind of Palestinian brutality – combined with diplomatic obduracy – that keeps the road map grounded.

Den “Flickenteppich” in Brand setzen

Posted in SZ by Mr. Moe on März 26, 2009

In Thorsten Schmitz von der Süddeutschen Zeitung findet die Zeitung für Schland ihren Meister. Hat sie Schmitz’ gestriges Traktat gerade erst verhandelt, legt der Gesinnungstäter Schmitz mit “Israels Isolation” bereits wieder nach. Mit Schmitz mitzuhalten ist keine leichte Aufgabe, wird er doch für das was er tut bezahlt, und kann sich ergo tagaus tagein der Produktion des Immergleichen zuwenden. Dass Schmitz dafür bezahlt wird ist folgerichtig, denn was er abliefert ist nichts anderes als klassischer Auftragsjournalismus, oder anders ausgedrückt: Schmitz schreibt das, was der Groß der Menschen, der sich die SZ kauft, lesen will. Im Einklang mit der nur allzu deutschen Tradition des Parteijournalismus und mit wirklichem Journalismus demnach nichts im Sinn habend, begnügt Schmitz sich damit, Behauptungen aufzustellen und zu denunzieren. Während andere unentgeltlich recherchieren, Unwahrheiten richtigstellen und jede noch so offensichtliche Tatsache mit Quellen belegen, schmiert Schmitz die Zeitung mit Gesinnungsbrei reinster Güte voll, stets nach dem Leitmotiv handelnd: Nachsagen ist besser als nachprüfen und die Wiederholung falscher Behauptungen schafft Wahrheit.

Schmitz’ jüngster Kommentar über die neue israelische Regierung ist ein erneutes Paradebeispiel für die oben ausgeführten Scheußlichkeiten, die unter dem Decknamen „Qualitätsjournalismus“ verkauft werden. Bereits im Lead klingt der Ton an, der sich durch Schmitz’ gesamten Kommentar ziehen wird:

Benjamin Netanjahu regiert noch nicht – doch alle Zeichen stehen bereits auf Konflikt.

Und wenn es nicht so kommen sollte, schreibt Schmitz es eben herbei. Dass der obige Satz nicht der Wirklichkeit, sondern dem Wunschdenken Schmitz’ entspricht, wird durch seine folgenden Ausführungen deutlich:

Denn seine Regierung besteht aus einem Sammelsurium an Ideologien, die nicht zusammenpassen.

Netanyahu ist der Inbegriff eines Pragmatikers und wenn die Arbeiterpartei so ideologisch wäre, wie Schmitz behauptet, würde sie sich wohl kaum in eine Koalition mit dem Likud und Avigdor Lieberman begeben. Wie man es auch dreht und wendet, Schmitz’ Satz ist schlichtweg nicht der Wahrheit entsprechend. Zumal nach Wahlen nun einmal Koalitionen zu entstehen pflegen, die nicht dem Ideal der einzelnen Parteien oder der Wähler entsprechen – das Ganze nennt sich Demokratie. Weiter schreibt Schmitz:

Die Regierung des designierten israelischen Premiers Benjamin Netanjahu hat noch nicht den ersten Arbeitstag absolviert, da ist sie schon gelähmt. Die Flickenteppich-Koalition aus Likud, “Unser Haus Israel”, Schas und Arbeitspartei mag ihm vorerst die Macht sichern. Doch wie er damit regieren will, bleibt sein Geheimnis. Seine Regierung besteht aus einem Sammelsurium an Ideologien, die nicht zusammenpassen.

An diesen Sätzen zeigt sich eine der beliebtesten Strategien der „Israelkritiker“: Die Generierung vermeintlicher Wahrheiten durch endlose Wiederholung. Alles was Schmitz in diesen Zeilen aussagt, hat er oben schon geschrieben. Aber damit auch wirklich der letzte Leser der SZ versteht, dass die kommende Regierung Israels nicht funktionieren kann, schreibt Schmitz es halt noch einmal. Des Weiteren hätte Schmitz zumindest erwähnen können, dass Netanyahu mit Zipi Livni und Kadima ausgiebige Koalitionsverhandlungen geführt hat und selbst auch alles andere als glücklich über die nun entstandene Koalition sein dürfte. Doch was schreibt Schmitz? Richtig: Wahrheit durch Wiederholung, die Methode Schmitz':

So ist Netanjahu eine Geisel seiner selbst. Er lehnt eine Zweistaaten-Lösung ab, doch die Arbeitspartei hat ihren Wählern einen Palästinenserstaat an der Seite Israels versprochen. Außenminister wird künftig der ehemalige Türsteher Avigdor Lieberman, dessen Politikverständnis daraus besteht, Ägyptens Staatschef Hosni Mubarak zum Teufel zu wünschen, Iran mit einem Militärschlag zu drohen und illoyale israelische Araber in die Palästinensergebiete auszuweisen. Hinzu kommen die Ultra-Religiösen der Schas, die Jerusalems Ostteil nicht abgeben wollen für die Hauptstadt eines künftigen Palästinenserstaates.

Da lege es doch auf der Hand, dass die israelische Regierung nicht am Frieden interessiert sei:

Von einer Auflösung der jüdischen Siedlungen im Westjordanland wird erst gar nicht geredet. Der Abzug Israels aus dem Gaza-Streifen und der folgende Raketenkrieg der radikal-islamischen Hamas bestärkt Netanjahu darin, dass das Westjordanland besetzt bleiben muss, um zu verhindern, dass Palästinenser von dort aus mit Raketen den internationalen Flughafen nahe Tel Aviv bedrohen. Die Regierung Netanjahu wirkt wie ein Korsett, das dem Friedensprozess die Luft abschnürt. Diese Regierung kapituliert vor den Partikularinteressen der diversen Parteien.

So wird Logik über 2000 Jahre nach Aristoteles in der Berichterstattung über Israel neu definiert: Nicht diejenigen, die Raketen auf Zivilisten feuern sind ein „Korsett, das dem Friedensprozess die Luft abschnürt“, sondern diejenigen, die es wagen, sich dagegen zu wehren. Gleichwohl schreibt Schmitz auch, dass Netanyahus Regierung vor den „Partikularinteressen der diversen Parteien“ kapitulieren müsse, weshalb dieser seine niederen Ziele nicht ohne Weiteres verfolgen könne:

Der großspurige Netanjahu wird künftig eine Politik der kleinen Schritte betreiben.

Dieser Satz enthält nichts anderes als eine völlig unangebrachte Beschimpfung politischer Gegner. Denn das es Schmitz letztlich einzig und allein darum geht, dass Netanyahu in vielen Punkten anders denkt als er selbst, wird aus dem folgenden Abschnitt deutlich:

Auf der Strecke bleiben Visionen, wie sie der neuen US-Regierung für die Region vorschweben. Netanjahus Regierung ist Sinnbild für den Ausverkauf der Politik. Barak hat er mit der leeren Phrase gewonnen, man werde an einer umfassenden Friedenslösung arbeiten, womit auch die Gegner eines Palästinenserstaates in seiner Koalition gut leben können.

Wie auch schon in Schmitz’ letztem Artikel ist hier die wie üblich nicht auf Fakten beruhende Behauptung zu finden, die neue israelische Regierung sei „gekauft“. Ob Schmitz gleiches auch über irgendeine Koalition in irgendeinem anderen Land auf der Welt schreiben würde, in denen Parteien mit unterschiedlichen Vorstellungen notwendigerweise zu Kompromissen zusammenfinden? Für Schmitz steht in jedem Fall fest:

Mit einer solchen Koalition wird die US-Regierung nicht mehr tun können, als die Krise zu verwalten. Lösen kann sie hier nichts.

Schmitz geht mit einer unglaublichen Selbstverständlichkeit davon aus, dass auch nur irgendeine israelische Regierung die „Krise“, gemeint ist natürlich der Nahost-Konflikt, lösen könnte. Ganz so, als ob die Palästinenser alle Vorbereitungen für einen dauerhaften Frieden geschweige denn einen eigen Staat getroffen hätten oder auch nur dazu bereit wären, mit Israel Frieden zu schließen. Nein, für Schmitz ist die Welt einfach gestrickt: Israel könnte sofort Frieden schließen, wenn es dies denn nur wollen würde. So kann sich Schmitz dann auch nicht einfach darüber freuen, dass die Arbeiterpartei, die seiner Ansicht nach ja im Gegensatz zum Likud für eine friedliche Lösung eintrete, in die Koalition eingetreten ist. Stattdessen entlarvt Schmitz diesen Schritt als heimtückische Finte Netanyahus:

Die Arbeitspartei soll der rechten Koalition das Beängstigende nehmen und eine offene Konfrontation mit der US-Regierung verhindern. Doch die Sozialdemokraten werden nicht viel zu melden haben. Das lässt sich schon daran ablesen, dass der Koalitionsvertrag jene Zweistaaten-Lösung nicht erwähnt, wie sie die Staatengemeinschaft für den Nahen Osten vorsieht.

Dass das, was „die Staatengemeinschaft für den Nahen Osten vorsieht“, nur in den seltensten Fällen im Interesse Israels liegt, dürfte Schmitz sowohl wissen als auch schätzen. Dies geht auch aus seiner Vorstellung der perfekten israelischen Regierung hervor:

Die ideale Regierung in Israel würde die politische Mitte bedienen. Sie hielte den Erpressungen der jüdischen Siedler stand und ließe deren politische Parteien in einer Koalition nicht zu. Netanjahus Regierung dagegen steht für Stillstand und Status quo. Der Weg Israels in die internationale Isolation ist damit vorgezeichnet.

Mit der „idealen Regierung in Israel“ ist selbstredend diejenige Regierung gemeint, die in erster Linie die Interessen der Palästinenser (respektive deren Führer) und Thorsten Schmitz’ vertritt, und demzufolge nicht primär am Wohlergehen des Staates Israel interessiert ist. Und da die kommende Regierung diesem Anforderungsprofil nicht zu entsprechen scheint, schreibt Schmitz’ vorsorglich schon einmal dessen Weg in die „internationale Isolation“ vor, den er sich von ganzem Herzen zu wünschen scheint. In Bezug auf die Entwicklungen des Verhältnisses zwischen Israels und den Vereinigten Staaten unter Chef-Appeaser Barack Obama schreibt Schmitz:

Vor allem ist eine Konfrontation mit Israels wichtigstem Verbündeten möglich, den USA. Präsident Barack Obama wünscht nach den halbherzigen Versuchen seines Vorgängers eine aggressive Friedenspolitik. Obama sucht den Dialog mit Iran, auch eine Kontaktaufnahme zur Hamas wird nicht mehr ausgeschlossen. Doch Netanjahu will die Herrschaft der Hamas im Gaza-Streifen mit Gewalt beenden und notfalls die iranischen Atomanlagen bombardieren.

Es ist wirklich unverantwortlich und dreist, dass Netanyahu die Terrorherrschaft der Hamas beenden und eine nukleare Bewaffnung Irans notfalls auch mit Waffengewalt verhindern will. Was kommt als nächstes: Die Sorge um das eigene Leben? Einen solchen Luxus kann und darf sich der jüdische Staat doch nun wirklich nicht erlauben! Abgesehen davon sollte Schmitz wissen, dass Netanyahu in seiner ersten Amtszeit nicht unbedingt durch die Einhaltung von Wahlversprechen geglänzt hat. Für Schmitz wäre es angesichts Obamas überragender Fähigkeiten vermutlich ohnehin das Beste, wenn Israel einfach Ja und Amen zu jedem seiner Schritte sagen würde. Als Versöhnungsvorschlag könnte die nächste Holocaustleugner-Konferenz ja vielleicht in Tel Aviv stattfinden. Wobei der Kontakt mit der Hamas im Interesse Israels dann im Zweifelsfall vielleicht aber doch lieber so aufgenommen werden sollte, wie im Dezember letzten und Januar diesen Jahres. Für Schmitz indes steht fest, dass sich ein Konflikt zwischen der USA und Israel, also zwischen Obama und Netanyahu bzw. Gut und Böse anbahnt:

Die Ansätze der USA und Israels stehen sich diametral gegenüber. Obama steht für Visionen und Hoffnung. Netanjahus einzige Vision dagegen erschöpft sich darin, seine Koalition zum Machterhalt zusammenzuzwingen und den Friedensprozess so weit wie möglich einzufrieren. In Netanjahus Weltsicht wird sich Israel hinter hohen Mauern von seinen Nachbarn abschotten, von Hamas im Gaza-Streifen, Hisbollah im Libanon und von einer einflusslosen Fatah im Westjordanland.

Jedes Wiederwort würde bedeuten, sich auf ein derart hasserfülltes und niedriges Niveau zu begeben, dass es selbst der Zeitung für Schland an dieser Stelle zu viel wird. Jedes Wort aus Schmitz’ Feder vermittelt den Eindruck, dass er weder für Tatsachen noch für rationale Argumente zugänglich ist. Im Übrigen schließt Schmitz so, wie Israelkritiker stets schließen: Mit ihrer ganz persönlichen Empfehlung, wie israelische Politik auszusehen habe:

Israel bräuchte nun eine Regierung, die für einen Partner auf palästinensischer Seite sorgt. Die israelische Regierung muss ein Interesse daran haben, dass Fatah und Hamas sich versöhnen, denn Hamas wird nicht verschwinden. Das zeigt schon der jüngste Gaza-Krieg, der die Gruppe nur gestärkt hat. Frieden und Sicherheit wird Israel nicht durch einen weiteren Krieg im Gaza-Streifen und die andauernde Besatzung im Westjordanland bekommen. Sondern durch einen starken Partner auf palästinensischer Seite, der von seinem Volk die Legitimation erhält, Friedensverträge zu schließen und umzusetzen.

So einfach ist der Frieden im Nahen Osten 2009 zu haben: Die Versöhnung der Mörderbande der Hamas mit der unwesentlich sympathischen Fatah und nur ein kleines bisschen israelisches Interesse am Frieden – und die Messe ist gelesen. Und damit das auch wirklich funktioniert, noch eine gehörige Portion Druck aus dem Ausland obendrauf:

Netanjahus Regierung stellt auch Obamas Regierung vor eine Bewährungsprobe. Zu Obamas neuem Politikansatz sollte es gehören, nicht nur den Dialog mit Israels Feinden zu wagen – sondern auch den offenen Streit mit Israel selbst. Falls Netanjahu die Friedensverhandlungen boykottiert oder jüdische Siedlungen ausbauen lässt, und falls internationale Kritik daran nichts bewirkt, sollte die neue US-Regierung auch Sanktionen als Druckmittel nicht scheuen.

Wäre Judenmord nicht bereits eine in weiten Teilen der Welt tolerierte und nur allzu häufig auch praktizierte Tätigkeit, man müsste ihn zur Bezeichnung von Thorsten Schmitz’ Phantasien erfinden. Denn, wenngleich nicht zwangsläufig intendiert, laufen seine Vorstellungen, setzte man sie in die Tat um, auf nichts anderes hinaus.

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Über Unheilige Allianzen

Posted in SZ by Mr. Moe on März 25, 2009

“Unheilige Allianz” titelt Thorsten Schmitz, Israel-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung. Was ist damit gemeint? Ist es womöglich doch zur “Einheitsregierung” der Palästinenser, zur Versöhnung der Hamas und der Fatah gekommen?

Mitnichten: Natürlich ist mit der “Unheiligen Allianz” die kommende israelische Regierung gemeint, in diesem Fall der Entschluss Ehud Baraks und der Arbeiterpartei, der Koalition unter Benjamin Netanyahu und dem – wie Schmitz schreibt: rechten – Likud beizutreten. Allein die Tatsache, das es dazu gekommen ist, findet Spürnase Schmitz äußerst verdächtig:

Die Geschwindigkeit, mit der sich Ehud Barak und Benjamin Netanjahu auf einen Koalitionsvertrag geeinigt haben, ist atemberaubend. Atemberaubend verdächtig.

In nur 24 Stunden wollen sich Ehud Barak, Vorsitzender der israelischen Arbeitspartei “Awoda”, und Benjamin Netanjahu, Chef des des rechten Likud, in allen Streitfragen geeinigt haben, die bisher ein gemeinsames Regieren verhindert hatten. Wenn man genauer in den Entwurf des Koalitionsvertrags schaut, versteht man, weshalb die beiden sich so schnell einig geworden sind: Netanjahu hat sich Barak erkauft und die Palästinenserfrage ausgeklammert.

Tja, so machen das die Juden in Thorsten Schmitz’ Welt nun einmal: sie erkaufen sich Menschen und scheren sich nicht um die Palästinenser – soweit bekannt. Dass Barak schon seit mehreren Tagen auf den Eintritt in die Koalition gedrängt hat, geschenkt. Und natürlich kann Netanyahu machen was er will, es ist in den Augen von Schmitz immer falsch:

Die Arbeitspartei wird, obwohl sie bei der jüngsten Wahl das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte eingefahren hat, mit fünf Ministerposten gelockt, darunter dem für Verteidigung, mit dem Barak sich vor der frühzeitigen Pensionierung retten darf. Nach dem Votum eines Sonderparteitags der Awoda, der nach heftiger Debatte dem Koalitionsdeal zugestimmt hat, wird die unheilige Allianz zwischen linker Arbeitspartei und rechtem Likud womöglich zur Spaltung der Sozialdemokraten führen.

Man könnte es natürlich auch so sehen, dass Netanyahu eben gerade nicht an einer “ultrarechten” Koalition interessiert ist, die deutsche Zeitungen ja so gerne schon im Voraus [!] verdammen. Doch wer wäre Schmitz, gelte seine Sorge allein der israelische Linken:

Zweites Opfer sind die israelisch-palästinensischen Friedensgespräche. Netanjahu will den Friedensprozess auf Grundlage der Zwei-Staaten-Lösung, wie er bisher geführt wurde, stoppen. Er fürchtet einen Palästinenserstaat. Mit Barak hat sich Netanjahu im Koalitionsvertrag lediglich auf die äußerst schwammige Formulierung geeinigt, Israel werde an einem “umfassenden” Frieden in der Region arbeiten. Undeutlicher geht es kaum noch. Deutlich dagegen wird, worum sich Netanjahu nicht schert: Um das Staatenstreben seiner Nachbarn. Das Wort “Palästinenser” taucht im Koalitionsvertrag nicht auf.

Erstens braucht der Friedensprozess, “wie er bisher geführt wurde” nicht erst von Netanyahu gestoppt werden, da er bereits zum Erliegen gekommen ist. Zweitens ist die Furcht vor einem “Palästinenserstaat” angesichts des nach wie vor vorherrschenden Hasses auf Israel derzeit nur allzu berechtigt – nach einer jüngsten Umfrage des Palestinian Center for Policy and Survey Research befürworten 54% der Palästinenser bewaffnete Angriffe auf Zivilisten in Israel. Drittens hat Netanyahu bereits verkünden lassen, dass seine Regierung alle getroffenen internationalen Vereinbarungen, also auch diejenigen mit der Palästinensischen Autonomiebehörde, einhalten wird. Dies bedeutet, viertens, das es falsch ist, dass Netanyahu prinzipiell gegen eine Zwei-Staaten-Lösung ist, auch wenn es immer und immer wieder geschrieben wird. Denn wie Ynetnews schreibt:

In his agreement to “all diplomatic deals” Netanyahu is essentially ratifying his old commitment to former US President George W. Bush’s Road Map, which was adopted at the time by the Ariel Sharon government, alongside its reservations.

The map included the two-state for two people solution. In his coalition talks with Kadima Chairwoman Tzipi Livni, the prime minister-designate had refused to commit to the establishment of a Palestinian state.

Ob Schmitz es zur Kenntnis nehmen und richtigstellen wird?

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Schmitz auf Bremers Spuren

Posted in SZ by Mr. Moe on Januar 19, 2009

Wenn Israel noch einen weiteren Anlass für die Fortsetzung des Kampfs gegen die Hamas bräuchte, lieferte ihn Thorsten Schmitz, Nahostkorrespondent der Süddeutschen Zeitung. Äußerst widerwärtig ist es jedenfalls, wenn Schmitz angesichts des vorläufigen Endes der Kampfhandlungen hämisch triumphierend fragt:

Was eigentlich hat Israels Vergeltungsoffensive, was hat der Gaza-Krieg gebracht – außer mehr als 1300 Tote, mehr als 5300 Verletzte und eine relativ unergiebige Krisendiplomatie?

Selbstverständlich beantwortet Schmitz die – ohnehin rhetorische – Frage selbst:

Hamas mag zerstritten sein und mehrere hundert Kämpfer verloren haben, doch die Mehrheit der 1,5 Millionen Menschen im Gaza-Streifen sieht Israel als den Schuldigen an Verwüstung und Zerstörung.

Man ist geneigt zu ergänzen: Die Mehrheit der 1,5 Millionen Menschen im Gaza-Streifen sowie die Mehrheit der restlichen Welt, die Mehrheit der deutschen Journaille und Thorsten Schmitz an erster Stelle:

Die Offensive hat Hass und Wut gesät und Israel Unsicherheit gebracht.

Auch hundert- und tausendfach wiederholt wird dieser Satz nicht wahrer: Der jüdische Staat wurde bereits vor der “Offensive” gehasst und “Sicherheit” ist für die Menschen etwa in Sderot nicht erst seit dem 27. Dezember ein Fremdwort. Vor diesem Hintergrund ist Schmitz Kommentar an Zynismus nicht zu überbieten. Und natürlich weiß Schmitz zudem, wie auch sein Kollege Bremer von der F.A.Z., was für ein Krieg in Gaza wirklich stattgefunden habe:

Anstatt sich darauf zu beschränken, die Tunnel zwischen Ägypten und Gaza zu bombardieren und dadurch die Versorgung der Hamas mit Waffen und Munition zu stoppen, hat Israel den Gaza-Streifen flächendeckend mit einem Krieg überzogen, der auch ein Krieg gegen die Zivilbevölkerung war.

Israel habe in Gaza also einen “Krieg gegen die Zivilbevölkerung” geführt – der dieser Aussage zu Grunde liegende Antisemitismus offenbart sich vollends in seiner auch auf deutschen Straßen tausendfach in die Welt gebrüllten parolenartigen Formulierung: “Kindermörder – Israel”. Von diesem Narrativ ausgehend vermag es nicht zu überraschen, dass Schmitz selbst den notorisch israelfeindlichen Dreckshaufen der UN noch als zu israelfreundlich bewertet:

Israels Offensive führt auch die Machtlosigkeit der internationalen Staatengemeinschaft vor Augen. Sie besitzt keine einheitliche Strategie im Nahost-Konflikt, reagiert immer nur dann, wenn es längst brennt, und verfügt noch nicht einmal über den Einfluss, Ägypten zur wirksamen Kontrolle seiner Grenze zu zwingen.

“Brennen” tut es für jemanden wie Schmitz naturgemäß immer erst dann, wenn Israel es wagt, sich gegen Angriffe zu Wehr zu setzen (letzteres wird daher auch gerne als “Offensive” bezeichnet) Ach wie schön wäre diese Welt doch, wenn die Vereinten Nationen Israel nicht nur verbal angriffen, sondern es auch unmittelbar an seiner Verteidigung hindern könnten!

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