Zeitung für Schland

Die nächste Runde: Die Zeit vs. Israel

Veröffentlicht in DIE ZEIT von Mr. Moe am November 26, 2009

Des deutschen Außenministers erster Besuch im Nahen Osten ist Anlass für die ZEIT, einmal mehr einen ihrer Autoren standesgemäß auf der Titelseite über die deutsch-israelische „Freundschaft“ schwadronieren zu lassen. Dieses Mal fällt die Ehre Michael Thumann zu, seines Zeichens als Freund islamischer Autokratien und moralischer Relativist wohlbekannt.

Schon in der Unterüberschrift von Thumanns Kommentar wird dabei gute alte deutsche Hausmannskost feilgeboten:

Israels Sicherheit ist Teil der deutschen Staatsräson. Aber Freundschaft muss auch Widerspruch ertragen können.

Das liest sich nicht nur so, als sei das Hirn mit Sauerkraut verstopft und die Gedanken durch die Gulaschkanone geschossen worden, sondern ist auch genau so gemeint.

Ausgangspunkt stellt Thumanns – bereits überaus gewagte – These einer „bemerkenswerten Nähe“ zwischen Deutschland und Israel dar, „die Deutschland sonst nur mit Ländern wie Frankreich und wenigen anderen Länern teilt“. Die wichtigste Frage sei nun, so Thuman, was sich denn aus der „deutschen Staatsräson“, diesem unermüdlichen Einsatz für Israels Sicherheit, ganz konkret für Konsequenzen für Deutschland ergäben:

Merkel gibt Israel Deutschlands Wort, eine Garantie in der gefährlichsten Region der Welt, dem Nahen Osten. Was heißt das für uns?

Aufgrund der Tatsache, dass Israel nicht nur der Staat der vom – persistenten, weltweit und insbesondere in der „muslimischen Welt“ verbreiteten – Antisemitismus Verfolgten und Bedrohten, sondern auch die einzige Demokratie im Nahen Osten ist, ist schon die Frage selbst skandalös. Wer die nicht nur notwendige, sondern gebotene Solidarität mit dem Staat Israel an den Folgen für das eigene Handeln misst, diskreditiert sich zwar selbst, hat aber dennoch – oder vielmehr: genau deshalb – gute Chancen, auf der Titelseite der auflagenstärksten deutschen Wochenzeitung zu publizieren, für die Linke im Bundestag zu sitzen oder sich in leitender Position der Friedens- und Konfliktforschung zu widmen.

Lässt man sich wider besseren Wissens und die Vernunft nicht nur vergessend, sondern verratend, sich also – zumindest was Letzteres . betrifft, ganz als klassischer ZEIT-Leser ausgebend, auf Thumanns Gedankengänge ein, bekommt man das vorgesetzt, was zu Erwarten war.

Thumann diskutiert drei Probleme der israelischen Außenpolitik, die er in ihrer Bedeutung als „Tests“ für Deutschland diskutiert. Der erste „Test“ sei der „Paukenschlag“ aus Jerusalem, „der jeden Frieden infrage stellt“: „neue Wohnungen in der jüdischen Siedlung Gilo – auf palästinensischem Gebiet.“ Vermutlich ist es lediglich einem redigierenden Praktikanten geschuldet, dass der Satz etwas überraschend nur mit einem Punkt und nicht wie zu erwarten wäre mit drei Ausrufungszeichen endet. Fest steht in jedem Fall, dass Thumanns Empörung ebenso geheuchelt wie faktenresistent ist: weder beschwert er sich über den Neubau von 5000 arabischen Wohnungen in Jerusalem, noch interessiert ihn, dass sich Gilo keinesfalls auf „palästinensischem Gebiet“, sondern in Jerusalem, befindet, ganz gleich, wie oft anderes auch behauptet wird.

Den zweiten „Test“ macht Thumann in „Israels scharfe[r] Blockade von Gaza“ aus, die „nun schon über zwei Jahre“ andaure. Thumann verschweigt, dass Israel selbst im Gazakrieg trotz Beschusses der Hamas Lieferungen in den Gaza-Streifen zuließ. Thumann verschweigt auch, dass die „Blockade“ nicht israelischer Willkür, sondern vielmehr islamfaschistischer Mordlust geschuldet war und ist. Doch was braucht die Realität jemanden zu scheren, der so elegant argumentieren kann wie Thumann:

Der Verweis auf die dort [in Gaza, Mr, Moe] herrschende Hamas reicht lange nicht mehr hin. Erstens leben dort Menschen – und zweitens gibt es Steigerungen von Hamas.

Auf Deutsch: Islamfaschistischer Terrorist ist nicht gleich islamfaschistischer Terrorist und Israel darf nicht versuchen, den Raketenbeschuss seiner Zivilbevölkerung zu unterbinden, weil sich auf der Gegenseite doch auch Menschen befänden. Würde diese Logik konsequent – und nicht nur einseitig gegen den jüdischen Staat gerichtet – angewandt, wäre nicht nur jeder Waffengang, sondern auch jede Form von wirtschaftlichen oder politischen Sanktionen rigoros abzulehnen. Diese Auffassung kann man gewiss vertreten – so man denn gewillt ist, sein eigenes Leben und das Leben anderer Menschen den Vertretern totalitärer Ideologien zu opfern. Zudem schreibt sich so etwas natürlich auch einfacher, wenn man wie Thumann nicht in Sderot, sondern im sicheren Istanbul – und bisweilen von deutschen Lesern finanziert und arabischen Diktatoren hofiert in Damaskus – lebt.

Angesichts der ungeheuerlichen und menschenverachtenden Politik Israels hat Thumann auch eine konkrete Handlungsaufforderung für die deutsche Regierung parat:

Die Bundesregierung sollte auf das schnelle Ende der Blockade drängen.

Warum Thumann dieses Drängen nur gegenüber Israel, nicht jedoch gegenüber Ägypten fordert, bleibt sein Geheimnis – vermutlich hat es irgendetwas mit jener besonders engen Freundschaft Deutschlands mit Israel zu tun.

Überaus aufschlussreich ist überdies, was Thumann als dritten „Test“ ausmacht:

Irans Präsident Ahmadinedschad verdammt Israel und baut, so sieht es aus, an der Atombombe.

Nebst dem Euphemismus „verdammt“ – richtig wäre: „droht mit Vernichtung“ – und der unnötigen Einschränkung der Gewissheit fällt auf, dass Thumann die nukleare Bewaffnung der Islamischen Republik Iran offenbar nicht als existenzielle Bedrohung Israels oder Gefahr für die freie Welt ansieht, sondern lediglich als „Test“ für die deutsche Regierung, quasi eine Fingerübung für zwischendurch. Dass Merkel sich vor dem US-Kongress – zumindest verbal – unzweifelhaft auf die Seite Israels gestellt hat, bereitet Thumann hierbei große Sorge:

Wenn es zum Krieg zwischen Iran und Israel käme, so wäre dies die ultimative Prüfung von Merkels Versprechen. Würde Deutschland dann aufseiten Israels in einen Konflikt eingreifen? Es ist zweifelhaft, ob wir diesen Test bestehen würden. Nicht nur deshalb gehört es vor allem zur Staatsräson Deutschlands, diesen Konflikt, den großen Nahostkrieg abzuwenden.

Ansonsten stets mit dem Holzhammer hantierend, zweifelt Thumann hier an, was zweifelsfrei feststeht: Natürlich würde Deutschland nicht aufseiten Israels in einen Konflikt eingreifen, dafür sorgen nicht zuletzt Journalisten vom Schlage Thumanns. Gesteht man Thumann jedoch für einen kurzen Moment zu, eine iranische Atombombe – und sei es einzig und allein aus Eigeninteresse – wirklich verhindern und den „großen Nahostkrieg“ abwenden zu wollen, lautet sein Vorschlag:

Dazu muss man das kleine Einmaleins der Nahostrhetorik beherrschen. Ahmadineschad liebt markige Worte seiner Gegner. Dann kann er im Gegenzug um islamische Solidarität heischen, die arabische Straße aufhetzen, vor allem bei den US-Verbündeten Saudi-Arabien und Ägypten. Konfrontation ist sein Lebenselixier. Offene Drohungen mit dem Knüppel, wie Benjamin Netanjahu sie schätzt, sind kontraproduktiv. Gerade der mögliche Angriff aus dem Westen bestärkt die Iraner, atomwaffenfähiges Uran anzureichern.

Thumann verschweigt geflissentlich, dass es sich bei Ahmadinedschads Worten keinesfalls nur um bloße „Rhetorik“ und leere Worte handelt. Nein: der iranische Präsident meint, was er sagt, und er sagt, was er meint. Das Streben der Islamischen Republik Iran nach Nuklearwaffen ist nicht den „offenen Drohungen“ Israels oder gar einem – schön wäre es! – „möglichen Angriff aus dem Westen“ geschuldet, sondern elementarer Bestandteil islamfaschistischer Ideologie. Dies ignorierend schlägt Thumann hingegen folgende Strategie für den Umgang mit dem Iran vor:

Gefragt ist daher kluger, nicht krachender Gegendruck. Nur wenn die Angriffsdrohung wegfällt, besteht die Chance, Iran noch zu einem Atomkompromiss zu bewegen. Davon sollten die Deutschen Israel überzeugen.

Vielleicht glaubt Thumann ja entgegen jeglicher Erfahrung und Vernunft wirklich, dass die Appeasement-Politik gegenüber der Islamischen Republik Iran weiter fortgeführt werden muss und das immer noch nicht genug Zugeständnisse gegenüber Teheran gemacht wurden. Vielleicht glaubt Thumann auch wirklich, dass einem Freund, dessen Leben von einem Dritten bedroht wird, am Besten durch Kritik des eigenen Handelns gedient sei.

Vielleicht handelt es sich bei Thumanns Worten aber auch einfach nur um einen Ausdruck jener Spielart des Antisemitismus, mit der man im Jahr 2009 in Deutschland Zeitungen in hunderttaussendfacher Auflage verkaufen kann.

Ratespiel

Veröffentlicht in DIE ZEIT von Mr. Moe am Oktober 16, 2009

Woher stammen wohl die folgenden Zeilen?

Nahost: Die Diagnose ist unumstritten: Zu echten Forschritten wird es im Friedensprozess nur kommen, wenn der israelische Siedlungsbau im besetzten Westjordanland gestoppt wird. Obama hat das erkannt und auch versprochen, entsprechenden Druck auf Israel auszuüben. Doch vorangekommen ist er so gut wie gar nicht. Die israelische Regierung unter Benjamin Netanjahu stellt sich stur.

Handelt es sich hierbei um einen Auszug aus einem palästinensischen Schulbuch, in dem auch den Dümmsten unter den Kleinsten unmissverständlich deutlich gemacht werden soll, dass der Jud’ schuld ist und entsprechend behandelt gehört? Nahe dran: der Text wurde in einer deutschen Qualitätszeitung abgedruckt, namentlich der ZEIT vom 16. Oktober.

Verstehen, was nicht zu verstehen ist

Veröffentlicht in Empfehlungen von Don Homer am Oktober 16, 2009

Anlässlich der wenig überraschenden, aber dennoch traurigen Aktualität sei an dieser Stelle auf die Seite „Understanding the Goldstone Report“ verwiesen, auf der dem neusten antisemitischen Auswurf einem Kampf gegen Windmühlen gleichend mit Fakten entgegengetreten wird.

Ins Leben gerufen wurde die Seite vom amerikanischen Historiker Richard Landes, der auch den Blog The Augean Stables betreibt. Unter den Mitarbeitern befinden sich renommierte Blogger wie Elder of Ziyon, Israel Matzav, Aussie Dave, Soccer Dad oder Mere Rhetoric.

Alles in allem wird der Goldstone-Bericht wie folgt eingeschätzt:

  • The report violates international standards for inquries, including UN rules on fact-finding, replicating earlier UNHRC biased statements.
  • The Commission systematically favored witnesses and evidence put forward by anti-Israel advocates, and dismissed evidence and testimony that would undermine its case.
  • The commission relied extensively on mediating agencies, especially UN and NGOs, which have a documented hostility to Israel; the report reproduces earlier reports and claims from these agencies.
  • At the same time, the Commission inexplicably downplayed or ignored substantial evidence of Hamas’ commission of war crimes, crimes against humanity and crimes of terror, including specifically its victimization of the Palestinian population by its use of human shields, civilian dress for combatants, and combat use of protected objects like ambulances, hospitals and mosques.
  • The Commission openly denies a presumption of innocence to the Israelis accused of crimes (while honoring Hamas’ presumed innocence) and acknowledges that it made accusations of crimes without proof that would stand up in court.
  • The report contains numerous gratuitous digressions into issues beyond the purview of a fact-finding commission that are inaccurate and profoundly hostile to Israel and Jews.
  • The Commission distorted legal standards, imposing on Israel standards that reverse their generally understood and applied meaning, while ignoring important rules of international law that put the onus of responsibility on an organization as base, by Goldstone’s own standards, as Hamas.

hat tip: Blick auf die Welt – von Beer Sheva aus.

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Worte der Woche (34)

Veröffentlicht in Worte der Woche von Mr. Moe am Oktober 15, 2009

Iran baut in einen Berg hinein eine Nuklearanlage. Nordkorea testet Atomraketen. Die Israelis treiben den Siedlungsbau voran. Der Taliban lässt sich mit Argumenten ohnehin nicht überzeugen, er lässt sich ja kaum fangen.

Gabor Steingart zählt für SPIEGEL ONLINE die tristen Probleme der Wirklichkeit auf, mit denen US-Präsident und Nobelpreisträger Barack Obama konfrontiert sei. Wer den Fehler findet, darf sich freuen. Wer ihn nicht finden kann, ist als Kandidat für den nächsten Friedensnobelpreis qualifiziert.

hat tip: Claudio Casula.

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„Unverbrüchliche Solidarität“ mit Israel

Veröffentlicht in DIE ZEIT von Mr. Moe am Oktober 10, 2009

Alles, was man über den deutschen Zustand im Jahr 2009 in Bezug auf Antisemitismus und auf Israel wissen muss, ist in Andrea Böhms auf der Titelseite der ZEIT veröffentlichten Kommentar „Krieg der Werte“ enthalten. Den Goldstone-Bericht aufgreifend fragt sich Böhm, warum dieser von den Vereinigten Staaten eigentlich als „einseitig“ bezeichnet werde (was, nebenbei bemerkt, eine wenn auch euphemistische so doch im Kern natürlich zutreffende Bezeichnung ist). Im Gegensatz zu manch anderem Kommentator bemüht sich Böhm immerhin gar nicht erst vorzutäuschen, dass sie zwischen judenhassenden Terroristen einerseits und der IDF andererseits zu unterscheiden pflegte. Ganz im Gegenteil bekennt sich Böhm erfreulich offen zu jenem von US-Präsident Barack Obama ausgerufenen geschichtsfremden moralischen Relativismus , für den Obama gestern den Friedensnobelpreis erhalten hat. Böhm schreibt:

Auf 575 Seiten schildern Goldstone und seine Ermittler detailliert israelische Militärschläge im Gaza-Streifen ebenso wie Raketenangriffe von Hamas auf israelische Städte und Siedlungen. Beide Kampfparteien werden dabei der Kriegsverbrechen beschuldigt. Goldstone wirft Hamas vor, sie habe mit ihrem Raketenbeschuss Terror auf die israelische Zivilbevölkerung ausgeübt. Israel beschuldigt er, mit seinen Attacken auf palästinensische Krankenhäuser, Moscheen und Fabriken während der Operation »Gegossenes Blei« sich nicht nur gegen terroristische Angriffe gewehrt, sondern eine ganze Bevölkerung »kollektiv bestraft« zu haben.
Israel und Hamas werden in dem Bericht aufgefordert, umgehend selbst diese Verbrechen zu untersuchen und zu ahnden. Auf beiden Seiten dürfte dieser Appell leider ein frommer Wunsch bleiben, weshalb Goldstone empfohlen hat, den Bericht an den UN-Sicherheitsrat und von dort notfalls weiter an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu verweisen.

Es ist die Mühe nicht wert, darauf hinzuweisen, dass aus den „Krankenhäusern, Moscheen und Fabriken“ Raketen abgefeuert wurden und/oder diese „zivilen“ Einrichtungen als Waffenlager dienten. Denn dem Verständnis von Böhm zufolge, das sie mit der Mehrheit der deutschen Bevölkerung sowie großen Teilen der Welt eint, gibt es schlicht keinen grundlegenden Unterschied zwischen der Hamas und dem jüdischen Staat. Leider ginge der jüdische Staat in dieser heuchlerischen und israelfreundlichen Welt jedoch in der Regel straffrei aus, während allseits auf die Hamas geschimpft werde. Doch  zum Glück, so frohlockt Böhm, gebe es mit Obama jetzt endlich einen vermeintlich neutralen Schlichter, jemand, der sich endlich auch einmal traute, den Juden auf die Finger zu hauen:

Man könnte die Causa Goldstone als weiteres Kapitel im elenden politischen Drama des Nahostkonflikts abhaken – wäre da nicht Barack Obama. Unter seiner Regierung, so hatte Obama versprochen, werde es in Sachen Nahost kein business as usual geben. Sollte heißen: unverbrüchliche Solidarität mit dem israelischen Staat, aber keine reflexhafte Abwehr mehr von internationaler Kritik an Israel. In seiner Kairoer Rede im Juni verurteilte Obama ausdrücklich die »alltäglichen Erniedrigungen« der Palästinenser unter der Okkupation. Bei seinem Auftritt vor der UN-Generalversammlung las er jüngst nicht nur antisemitischen Scharfmachern von Mahmud Ahmadineschad bis Muammar al-Gadhafi die Leviten, sondern auch Israel und dem eigenen Land: Es gebe keine echte Sicherheit ohne Respekt für die Menschenrechte und die legitimen Ansprüche der Palästinenser. Genau das steht auch im Goldstone-Report. Indem die US-Regierung diesen nun in den Giftschrank packt, verspielt sie jenes politische Kapital im Nahen Osten, das Obama mit seinen Reden geschaffen hat.

Erneut ist Böhm erfrischend ehrlich, wenn sie offen bekennt, dass „antisemitische Scharfmacher“ und Israel ihrer Ansicht nach gleichermaßen behandelt werden müssten. Den krönenden Abschluss setzt Böhm, in dem sie versucht, ihren haarsträubenden Auswurf gegen Ahmadinedschad und Co zu richten:

Solche strategisch motivierte Heuchelei Amerikas und der EU kommt den Ahmadineschads, al-Gadhafis, al-Baschirs, Mugabes und Mubaraks höchst gelegen. Die denunzieren immer lauter die Idee internationaler Ermittlungen und Strafgerichte als »neokoloniales Instrument« des Westens, als »Zwei-Klassen-Justiz«, die sich nur gegen afrikanische Kriegsherren und arabische Staatschefs wende, nicht aber gegen israelische Militärs, die Krankenhäuser beschössen, oder amerikanische Verteidigungsminister, in deren Papierkorb die Antifolterkonvention liege.

Böhm verschweigt, dass es den antisemitischen Hetzern natürlich alles andere als gelegen käme, wenn sich zum jüdischen Staat bekannt würde, statt ihn dafür zu kritisieren und anzuklagen, das Leben seiner Bürger zu schützen. Was Ahmadinedschad und seinen Gesinnungsgenossen in Wirklichkeit gelegen kommt ist, dass ihnen ein internationales Podium geboten wird und dass sie auf der Titelseite westlicher Zeitungen mit Israel auf eine Stufe gestellt werden.

Um noch einmal unmissverständlich zusammenzufassen, wie Böhms genuin deutsches Verständnis des Verhältnisses zum jüdischen Staat aussieht: Andrea Böhm fordert auf der Titelseite der ZEIT nicht nur, dass Juden sich gegen ihre Ermordung nicht wehren dürfen, sondern sie vielmehr widerstandslos zu dulden haben. Sie fordert nicht nur, dass Juden sich gegen ihre Ermordung nicht wehren dürfen, sie widerstandslos zu dulden haben und im Falle der Zuwiderhandlung in Form von Selbstverteidigung bestraft werden müssen. Nein, sie fordert, dass Juden sich gegen ihre Ermordung nicht wehren dürfen, sie widerstandslos zu dulden haben, im Falle der Zuwiderhandlung in Form von Selbstverteidigung bestraft werden müssen, und dass dieses ganze antisemitische Prozedere dann trotzdem (oder gerade deswegen?) auch noch als „unverbrüchliche Solidarität“ mit Israel bezeichnet wird. Zynismus, deine Name ist Andrea Böhm – und „unverbrüchliche Solidarität“ mit Israel ist so verstanden nichts anderes als ein Euphemismus für einen Antisemitismus in nicht mehr ganz so neuem Gewand.

Wüsste man es nicht besser, man käme auf den Gedanken, dass Andrea Böhm sich jene Zeit zurück wünscht, von der man sich – posthum versteht sich – in Deutschland so gerne öffentlichkeitswirksam und ohne Konsequenzen für Denken und Handeln ziehend distanziert.

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Neues aus dem Kasperltheater: Antisemitismus im UN-Menchenrechtsrat

Veröffentlicht in Zwei mal Drei macht Vier von Mr. Moe am Oktober 8, 2009

Von der Erbärmlichkeit des mit Vertretern von menschenverachtenden und mordenden Regimen durchsetzten UN-Menschenrechtsrates zeugt folgendes Video. Anne Bayefsky von Eye on the UN trifft den zahlreichen antisemitischen Äußerungen entgegen und wird dafür prompt vom Präsidenten des Rates, Alex Van Meeuwen, gerügt, während den Hetzern für die Verbreitung ihrer Lügen auch noch gedankt wird. Dies zeigt einmal mehr, dass der Fehler im System liegt.

hat tip: Lizas Welt, The Weekly Standard.

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„What a Disgrace“ – Bibi kills at the UN

Veröffentlicht in Empfehlungen von Don Homer am September 24, 2009

hat tip: Weekly Standard. Mehr gibt es etwa bei Zirkumflex. Nachgelesen werden kann die Rede z.B. bei der New York Post.

In eigener Sache: Die nächsten eineinhalb Wochen wird hier nichts passieren.

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Schreckhaft

Veröffentlicht in SPIEGEL & SPIEGEL ONLINE von Mr. Moe am September 24, 2009

Stichwort „akzeptabler Antisemitismus“. Anne Seith titelt für SPIEGEL ONLINE:

Hedgefonds starten wieder durch. Comeback der Heuschrecken.

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Deutsche Staatsräson: Vom „akzeptablen Antisemitismus“

Veröffentlicht in Deutsche Zustände von Mr. Moe am September 24, 2009

SPIEGEL ONLINE titelt:

Ahmadinedschad sorgt mit Israel-Hassrede für Eklat

So weit nichts neues, UN-Vollversammlung halt. Streng genommen handelt es sich hierbei nicht einmal um eine Nachricht im eigentliche Sinne, besteht jene doch im Kern in der Weitergabe einer Neuigkeit. Ahmadinedschads antisemitische Rede im Kreise Delegierter der UN kam indes weder unerwartet, noch war sie die erste ihrer Art. Eine wahrhaftige Nachricht wäre gewesen, wenn Ahmadinedschad keine antisemitische Rede vor der UN-Vollversammlung gehalten hätte.

Überaus aufschlussreich ist hingegen eine Aussage der deutschen UN-Sprecherin:

Eine Sprecherin der deutschen Uno-Botschaft sagte, man habe die Israel-Passage als „inakzeptabel antisemitisch“ empfunden und habe daher mit vielen anderen europäischen Kollegen den Saal verlassen.

„Inakzeptabel antisemitisch“ impliziert unweigerlich, dass es auch ein „akzeptabel antisemitisch“ geben muss. Für diese Ehrlichkeit ist der deutschen Sprecherin zu danken, denn sie bringt so unfreiwillig den deutschen Spagat in Bezug auf Antisemitismus auf den Punkt, der gemeinhin als Staatsräson deklariert wird.

Auf der einen Seite gibt es einen „inakzeptablen Antisemitismus“, vertreten etwa durch Ahmadinedschad oder die Nationalsozialisten. Sich gegen diesen im Allgemeinen auch von der Mehrheit der Medien und Politiker als solchen bezeichneten Antisemitismus auszusprechen, ist in Deutschland ebenso selbstverständlich wie kostengünstig und folgenlos. Sobald jedoch bloße Rhetorik in Taten überzugehen droht, lässt das Engagement der selbst erklärten Gegner des „inakzeptablen Antisemitismus“ bereits merklich nach. Insbesondere dann, wenn es mit Einbußen für die deutsche Wirtschaft verbunden wäre.

Auf der anderen Seite gibt es das Gegenstück zum „inakzeptablen Antisemitismus“, jene von der deutschen UN-Sprecherin nicht einmal auf einen Begriff gebrachte Form des „akzeptablen Antisemitismus„. Dieser in weiten Teilen der Öffentlichkeit gar nicht als solcher wahrgenommene Antisemitismus zeichnet Felicia Langer und Henning Mankell ebenso aus wie gefühlte zwei Drittel der Linkspartei. Da dieser Antisemitismus in der Regel nicht einmal als Antisemitismus erkannt, jedenfalls nicht als solcher bezeichnet wird, wird er nicht bekämpft, sondern in Leitartikeln deutscher Tageszeitungen in die Welt posaunt oder in Form von Ehrungen für seine Anhänger zum gesellschaftlich Wünschenswerten verklärt.

Dass indes nicht nur deutsche UN-Sprecher Probleme haben, Antisemitismus auch nur begrifflich richtig zu fassen, zeigt die Äußerung des amerikanischen Sprechers:

„Es ist enttäuschend, dass Herr Ahmadinedschad einmal mehr hasserfüllte, beleidigende und antisemitische Rhetorik gewählt hat“, erklärte der Sprecher der US-Vertretung bei den Vereinten Nationen, Mark Kornblau.

Wenn ein Adjektiv Ahmadinedschads Äußerungen am wenigsten treffend beschreibt, so ist es das Wort „enttäuschend“. Doch nicht nur das Adjektiv im oben zitierten Satz ist vollkommen falsch, auch das Verb ist eine einzige Lüge: Ahmadinedschad hat nicht nach Lust und Laune eine „antisemitische Rhetorik gewählt„, so wie man morgens ein paar graue oder schwarze Socken anzieht. Ahmadinedschad hat lediglich gesagt, was er – und gewiss nicht nur er – denkt, an was er glaubt. Er hat seine durch und durch antisemitische Überzeugung zum wiederholten Male der Weltöffentlichkeit offenbart. Wer davon enttäuscht ist, das ein Antisemit sich antisemitisch äußert – oder in den Worten des amerikanischen Sprechers: eine antisemitische Rhetorik wählt -, müsste konsequenterweise jeden Tag aufs Neue enttäuscht sein, dass die Sonne abends unter geht.

Crossposted auf FREE IRAN NOW!

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Quod erat demonstrandum

Veröffentlicht in Zwei mal Drei macht Vier von Mr. Moe am September 22, 2009

Wirklich: Ich hätte es vorgezogen, Israel weniger kritisieren zu müssen. Ich sehe den Bericht in keiner Hinsicht als antiisraelisch, so wie meine Berichte über die Apartheid in Südafrika auch nicht antisüdafrikanisch waren. Ausgerechnet mich jetzt als Antisemiten zu bezeichnen ist lächerlich.

Richard Goldstone, Leiter der „israelkritischen“ UN-Untersuchung in Gaza, in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE, wo man ja bekanntermaßen über einige Erfahrung bezüglich Interviews mit Antisemiten verfügt.

Eine Vielzahl kritischer Artikel über den haarsträubenden Goldstone-Bericht findet sich bei heplev.

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