Zeitung für Schland

Gemeinsame Interessen mit Iran

Veröffentlicht in Zwei mal Drei macht Vier by Mr. Moe am Oktober 24th, 2008

Roger Cohen fordert in der New York Times eine Reformulierung der amerikanischen Strategie gegenüber Iran in Form von direkten Gesprächen ohne Vorbedingungen. So weit, so New York Times, so Obama. Die Begründung Cohens liest sich jedoch so herrlich weltfremd, dass sie den Lesern der Zeitung für Schland nicht vorenthalten werden soll:

Iran also has some shared interests with America — in preventing a breakup of Iraq, in preventing the return of the Taliban to power in Afghanistan, in avoiding a violent confrontation of the Sunni and Shia worlds. It wants security, more economic access and, eventually, restored diplomatic relations with the United States.

Und da es ja ach so viele gemeinsame Interessen gebe, dürften die USA sich nicht oberlehrerhaft geben oder gar Moralpredigten halten:

All of this says to me: think big. Don’t obsess about the nuclear issue, critical as it is. Get everything on the table. Be realistic, as in: We have interests. You have interests. Are there areas in which they coincide?

Don’t lecture. Don’t moralize. Don’t demand everything — an end to the nuclear program and terrorism and Lebanese and Gazan interference — without the means to back such demands. That’s been the Bush failure.

Wen stört da schon, dass Iran der größte finanzielle Unterstützer des weltweiten Terrors ist. Doch Cohen ist sich durchaus bewusst, dass es Einwände gegen seine Position geben könnte:

I can already hear the outrage. But Mahmoud Ahmadinejad, the president at least until elections next year, wants to wipe Israel off the map! He denies the Holocaust! Sunni powers like Saudi Arabia will race for their own bomb unless we take out the Iranian centrifuges!

Seine Antwort auf diese nichtigen Einwände:

To which I say: Focus on today’s reality, coldly. Iran does not have nuclear capacity yet. It’s time to talk.

So naiv Cohens Annahme gemeinsamer iranischer und amerikanischer Interessen auch sein mag: die sich aus ihr ergebene Konsequenz ist mörderisch. Dass Iran selbst Vorbedingungen für Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten fordert, ist anlässlich der an Besessenheit grenzenden Unterwürfigkeit der Appeasement-Freaks ein schwacher Trost.

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Hajo Meyer strikes back

Veröffentlicht in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe am Oktober 18th, 2008

Was an von der Zeitung für Schland bereits vermutet wurde, hat sich nun bewahrheitet: Hajo Meyer hat sich in der auf der Leserbriefseite der F.A.Z. geführten Diskussion über Antisemitismus und Antizionismus zu Wort gemeldet. Bereits im ersten Satz zeigt Meyer, dass er nicht versteht - oder besser: nicht verstehen will - um was es eigentlich geht:

Obwohl Antizionismus und Antisemitismus völlig verschiedene Dinge sind, sahen sich die Verteidiger der unmenschlichen Politik Israels gezwungen, jegliche Kritik an der Politik Israels mithilfe der Antisemitismuskeule schwer oder gar unmöglich zu machen.

Ach ja, die gute alte Keule: Manchmal wünschte man sich in der Tat, es gebe sie.

Quelle: F.A.Z. vom 18. Oktober 2008, S. 39.

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Wer Iran sagt, muss auch Israel sagen

Veröffentlicht in F.A.Z. by Mr. Moe am Oktober 15th, 2008

Dass Volker Perthes von der Stiftung Wissenschaft und Politik für eine freundschaftliche Politik gegenüber Iran plädiert, ist altbekannt (vgl. etwa Wind in the Wires oder transatlantic forum). Gleiches gilt offenbar für Wolfgang Günter Lerch, der in der Literaturbeilage der F.A.Z. anlässlich der Frankfurter Buchmesse das Buch “Iran - eine politische Herausforderung” von Volker Perthes rezensiert. Was der Titel des Buches in Gestalt des Euphemismus “Herausforderung” bereits erahnen lässt, bewahrheitet sich in Lerchs Unterüberschrift, derzufolge Perthes die iranische Politik “nüchtern” analysiere. Um eben dieses zu zeigen, beschreibt Lerch zunächst George W. Bush und Mahmud Ahmadineschad als zwei gegenüberstehende Protagonisten, die jeweils einem verqueren Weltbild verfallen seien:

Folgt man den verbalen Kundgaben der jeweiligen Führer der Vereinigten Staaten von Amerika und der Islamischen Republik Iran, so kann es keine zwei erbitterteren Feinde geben als diese beiden Länder. Nach George W. Bush, dem scheidenden Präsidenten, führt das Iran der Mullahs noch immer die “Achse des Bösen” an und ist die “größte Bedrohung für Amerika” überhaupt. Und nach Präsident Mahmut Ahmadineschad gehört Iran längst zum Kreis der “Großmächte”:Schon sein Nuklearprogramm, an dem man festhalten werde, mache dies ja deutlich.

Ach welch’ Glück gibt es Volker Perthes, der den beiden Irren die Vernunft entgegensetzt:

Volker Perthes von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin führt den Leser auf den Boden der Tatsachen zurück, auf die Verhältnisse, wie sie sich jenseits der Propaganda beider Seiten darstellen.

Und natürlich verrät Lerch auch, wie diese “Tatsachen” aussehen:

Weder ist Iran [...] eine wirkliche Großmacht oder gar die größte Bedrohung Amerikas, noch ist es angesichts der Ausgangslagen und Kalküle unmöglich, dass sich Teheran und Washington vernünftig über ihre Schwierigkeiten miteinander unterhalten  - das Nuklearprogramm als der größten Brocken eingeschlossen. [...]

In der ihm eigenen nüchternen Art mahnt Perthes zur Besonnenheit. Das ist umso nötiger, als er die Drohung eines Militärschlages seitens der Amerikaner (oder Israelis), an dem die Iraner zweifeln mögen, durchaus nicht ausschließen kann.

So sieht es also aus: Iran wird von Amerika respektive Israel bedroht und einen Militärschlag gegen Iran zu verhindern sei daher das Primärziel. Dass korrekterweise von einem Militärschlag gegen das iranische Atomprogramm und nicht von einem scheinbar willkürlichen Angriff auf den Iran die Rede sein müsste, ignoriert Lerch geflissentlich. Überflüssig auch zu erwähnen, dass Lerch den Einsatz einer iranischen Atombombe hingegen kategorisch auszuschließen scheint und die Vernichtungsdrohungen gen Israel daher folgerichtig nicht einmal erwähnt. Immerhin räumt Lerch ein, dass es da doch mal etwas war…

Natürlich kennt er [Perthes, Mr. Moe] die Stellungnahmen des nach außen so bizarr wirkenden iranischen Präsidenten, doch nimmt er dessen verbale Ausfälle nicht zum Nennwert. Ahmadineschad mag ein Mann sein, der von religiös unterfütterten eschatologischen Visionen gefangen ist, die seinen verbalen Radikalismus fördern. Doch repräsentativ ist er nach Auffassung von Perthes nicht für das System der Islamischen Republik.

So, so: Was Antisemiten von sich geben stellt also nicht den “Nennwert” dar. Warum sollte es auch, wirkt Ahmadineschad doch auch nur nach außen bizarr, ist aber eigentlich, vermutlich wenn man ihn besser kennenlernt, doch ein ganz netter Typ. Und überhaupt: Er ist halt leicht religiös angehaucht, vergleichbar mit den freundlichen Menschen, die einen Sonntagmorgens aus dem Bett klingeln um über Jesus zu sprechen… Sparen wir uns an dieser Stelle die weiteren Ausführungen (Grundtenor: Iran ist ein “logisch handelnder Akteur” und verfolgt berechtigte Sicherheitsinteressen; natürlich kein Sterbenswörtchen über das Aufhängen Homosexueller an Baukränen oder ähnlichen Gräueltaten) und springen direkt zu Perthes Schlussfolgerung:

Die internationale Diplomatie, Amerika und Europa, die IAEA in Wien müssen erreichen, dass Irans Zutrauen zur Weltgemeinschaft ebenso wächst, wie das Sicherheitsbedürfnis der Nachbarstaaten und des Westens befriedigt wird. Washington muss Iran als Mitspieler ohne Wenn und Aber akzeptieren.

Es bleibt der geringe Trost, dass weder Wolfgang Günter Lerch noch Volker Perthes bei den US-Präsidentschaftswahlen stimmberechtigt sind.

Quelle: Wolfgang Günther Lerch: “Logisch handelnder Akteur”, in: Literaturbeilage zur F.A.Z. vom 15. Oktober 2008, S. 36.

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Totenruhe oder: Kausalität für Anfänger

Veröffentlicht in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe am Oktober 6th, 2008

F.A.Z.-Leser Willi Reuver räsoniert über die Ermordung 14 italienischer Zivilisten durch deutsche Hand anno 1944:

Ich selbst kann bei diesem bedauerlichem Drama in Italien nicht die Massenmorde an deutschen Zivilisten bei Terrorangriffen der Royal Air Force ausblenden. So haben im März 1945 kurz vor der Kapitulation britische Piloten mit ihren Bombern bei einem Angriff auf Würzburg fünftausend Zivilisten bei lebendigem Leib verbrannt. Viele deutsche Städte erteilte der gleiche Wahnsinn. Wer wurde dafür in England je vor ein Tribunal gestellt und zur Verantwortung gezogen?

Wieso die Bombardierung deutscher Städte 1945 für die Beurteilung des “bedauerlichen Drama[s]” im Jahr 1944 eine Rolle spielen soll, verrät Herr Reuver leider nicht. Und dafür, dass er die Verurteilung britischer Generäle fordert, gibt sich Herr Reuver dann auch erstaunlich versöhnlich:

Lassen wir die Toten ruhen.

Einmal ganz davon abgesehen, dass Reuver in seinem Leserbrief selbst Totengräber spielt, drängt sich die Frage auf: Hat da jemand Leichen im Keller?

Quelle: F.A.Z. vom 6. Oktober 2008, S. 18.

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Abwasch

Veröffentlicht in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe am Oktober 2nd, 2008

Dass sich ein Berg von Abwasch bei nachlässiger Haushaltsführung auf geheimnisvolle Weise vermehrt, ist ein altbekanntes Phänomen. Ähnliches kann der regelmäßige F.A.Z.-Leser beobachten, wenn er die Leserbriefseite einmal einige Tage unbeachtet gelassen hat. Höchste Zeit also aufzuräumen, wobei wir uns zunächst dem gröbsten Dreck widmen werden und einige nicht ganz so stark verschmutzte Teller in einem Anflug von Faulheit einmal beiseite lassen wollen.

Wie nicht anders zu erwarten, bleiben Henryk M. Broder und Arno Lustiger aufgrund ihrer verlinkten Artikel die beliebtesten Reizpersonen der F.A.Z.-Leser. Wie üblich sagen die Leserbriefe allerdings mehr über ihre Verfasser denn über Broder oder Lustiger aus. So schreibt etwa Helmut Schwarzer in der F.A.Z. vom 30. September:

Ganz zu schweigen von dem lobend ins Feld geführten Scharfmacher Henryk Broder, dessen Tiraden eher dem Antisemitismus Vorschub leisten, als dass sie das Gegenteil bewirkten.

Analog zum Mädchen mit dem kurzen Rock, das den Vergewaltiger so zu seiner Tat angeregt habe, sei der Jud’ also Schuld am Antisemitismus. In Anbetracht solchen Schundes wirkt der Kommentar von Dr. Clemens Tewes zunächst erfrischend, beschränkt er sich doch zunächst auf belehrende Anmerkungen zu der von Broder behandelten Bahai-Religion. Wessen Geistes Kind Dr. Tewes ist, zeigt jedoch folgendes Zitat:

Broder fällt neben den Bahai noch Srebrenica, Ruanda, Kambodscha und Darfur ein. Das muss wohl so sein, denn die Zuständigkeit für ein anderes, in sehr wohl vergleichbarer Unterdrückungssituation befindliches Volk - sie liegt nun mal in Händen, die Broder laut richterlichem Beschlusse einstweilen nicht weiter des Antisemitismus zeihen darf.

Da Srebrenica, Ruanda, Kambodscha und Darfur gemeinhin nicht für Unterdrückung, sondern für Völkermord stehen, ist die Aussage klar: Israel verübt einen Völkermord an den Palästinensern. In der Schule hieße es jetzt: Falsch, Sechs, setzen.

Doch leider sind wir nicht in der Schule, auch wenn Sigurd Schmidts Leserbrief in der F.A.Z. vom 1. Oktober dies aufgrund seiner offenkundigen Unkenntnis nahe legt:

Die These Arno Lustigers, wonach sich “hinter der Maske des Antizionismus” heute der Antisemitismus verberge, kann nicht unwidersprochen bleiben. Das würde ja bedeuten, das jegliche Politik des jüdischen Staates grundsätzlich der Kritik enthoben sei.

Um sich zu verdeutlichen wie widersinnig diese Behauptung ist, reicht ein simples Gedankenexperiment: Angenommen, Herr Schmidt wäre mit der Politik des schwedischen Staates nicht einverstanden - würde er dafür einen eigenen Begriff brauchen? Natürlich nicht, könnte er die Handlungen Schwedens ja auch einfach kritisieren. Doch beim Antizionismus geht es um vieles (etwa: eigene Ressentiments), aber um eines ganz gewiss nicht: das konkrete Handeln des Staates Israel. Antizionisten bräuchten sich daher eigentlich gar nicht die Mühe zu machen, die Politik Israels zu kritisieren, da schon die bloße Existenz Israels der Anlass für ihren Unmut ist. Ein Antizionist, der Israels Politik als Legitimation für seinen Antizionismus heranzieht, argumentiert demnach ebenso glaubhaft wie ein Rassist, der seinen Rassismus darauf begründet, dass sein ausländischer Nachbar zu laut Musik hört.

Neben solch offenkundigen Fällen bewusster oder - vermeintlich? - unbewusster Ablehung Israels gibt es das gerade in Deutschland häufig zu beobachtende Phänomen des “guten Freundes” Israels. Ein Beispiel für diesen Typ ist Dieter Neuhaus, der treuen Lesern der Zeitung für Schland bereits bekannt sein dürfte (vgl. hier und hier). In der F.A.Z. vom 2. Oktober zeigt Herr Neuhaus, dass er immer noch mit Argusaugen über Israels Wohlergehen wacht:

Viele deutsche Nichtjuden wünschen dem Staat Israel von ganzem Herzen, dass er zu einer sicheren Heimstatt für die Juden an der Seite eines friedlichen Staates Palästina werden möge.

Was die Mehrheit der Deutschen von Israel hält sollte eigentlich hinreichend bekannt sein: 64% beurteilen den Einfluss Israels negativ und 65% sehen sich gar von Israel bedroht. Die Behauptung, dass “viele deutsche Nichtjuden” dem Staat Israel “von ganzem Herzen” auch nur irgendetwas Positives wünschen, kann also getrost ins Reich der Phantasie verwiesen werden. Für Herr Neuhaus sind solch’ kritische Deutsche jedoch die wahren Freunde Israels:

Sie halten es aber im Gegensatz zu Broder eher mit dem südafrikanischen Bischof Desmond Tutu, der 2002 nach einem Besuch im Heiligen Land geschrieben hat, dass Israel niemals sicher sein werde, solange es das palästinensische Volk unterdrücke. Es sei ihm unbegreiflich, dass sich ausgerechnet Israel einer solchen Unterdrückungspolitik schuldig mache. Die Frage die er am Schluss des Interviews stellt, hat bis heute an Aktualität nichts verloren: “Haben unsere jüdischen Brüder und Schwestern ihre eigene Demütigung vergessen?”

Wie glücklich darf Israel sich schätzen, angesichts solche Freunde wie Desmond Tutu, der Israel als Apartheids-Regime bezeichnet, und dem sich stets um Israel sorgenden Herrn Neuhaus.

Quellen:
F.A.Z. vom 30. September 2008, S. 21.
F.A.Z. vom 1. Oktober 2008, S. 10.
F.A.Z. vom 2. Oktober 2008, S. 45.

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“Erniedrigungen” und deren Folgen

Veröffentlicht in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe am September 29th, 2008

Nun äußert sich auch der erste erkennbare Junge Freiheit Leser in der F.A.Z. über den “sogenannte[n] jüdischen Selbsthass”. Der bereits von Benjamin Weinthal auf der Achse des Guten des “Outsourcen des Antisemitismus” bezichtigte Dr. Hans-Joachim Ballstaedt schreibt:

Von Arno Lustiger werden in der F.A.Z. vom 18. September Juden, die sich nach den Erniedrigungen, die ihr Volk erfahren musste, nun voller Verständnis und Mitgefühl für die palästinensischen Araber einsetzen, indem sie die Beachtung von Völkerrecht und Menschenrechten fordern, öffentlich als Selbsthasser mit eigenen Identitätsproblemen bloßgestellt.

Wer nach dem ekelhaften Euphemismus “Erniedrigungen” - es fehlt lediglich der Präfix “6 Millionen” - noch weiter lesen kann, bekommt Altbewährtes geboten. Wie so oft werden jüdische Kronzeugen zitiert, um dem Vorwurf des Antisemitismus zu entgehen:

Hier einige Beispiele für den unterstellten jüdischen “Selbsthass”: Deshajahu Leibowitz [Gemeint ist wohl Jeshajahu Leibowitz, Mr. Moe], ehemaliger Professor für Chemie an der Hebräischen Universität in Jerusalem, schrieb: Der Autonomieplan ist nichts anderes als ein heuchlerischer und gemeiner Trick, um die jüdische Gewaltherrschaft über das palästinensische Volk aufrechtzuerhalten”. “Wir verhalten uns in den besetzten Gebieten, der Westbank, dem Gazastreifen und im Libanon, wie sich die Nazis in den von ihnen besetzten Gebieten verhalten haben.” “Wir haben keine Vernichtungslager errichtet, aber eine Mentalität, die die Vernichtungslager ermöglichte, gibt es auch bei uns.”

Nach den anschließenden obligatorischen Verweisen auf Ilan Pappe, Uri Avnery und “Mair Margalil” (gemeint ist wohl Meir Margalit) konstatiert Dr. Ballstaedt:

Wenn das Bekenntnis zu Wahrheit und Menschenwürde in Deutschland öffentlich zum Selbsthass abgewertet werden darf, dann hat jetzt die geistige Umweltverschmutzung und die Heuchelei mittels doppelter Moral einen Höhepunkt erreicht, dem die demokratische Presse beim Kampf gegen den sogenannten “Antisemitismus im neuen Gewand” größte Aufmerksamkeit schenken muss.

Auch hier das vertraute Muster: Sich selbst als Kämpfer für die freie Meinungsäußerung und Angehöriger einer vermeintlichen Minderheit deklarierend, wird der Begriff “Antisemitismus” so lange umgedeutet, bis es Antisemiten schon per Definition nicht mehr geben kann. Auch ‘ne Möglichkeit Antisemitismus zu bekämpfen.

Quelle: F.A.Z. vom 29. September 2008, S. 8.

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Kleiner Nachtrag zu Hecht-Galinski

Veröffentlicht in F.A.Z. by Mr. Moe am September 29th, 2008

Gut, Schreiben hat „Die Tochter“ irgendwann gelernt – insofern man darunter die Fähigkeit versteht, Worte aneinander zu reihen, wenn auch, wie in ihrem Fall, nicht immer in der richtigen Reihenfolge.

Dies schreibt Claudio Casula über Evelyn Hecht-Galinskis als “Antwort auf Arno Lustiger” deklarierte Behauptung “Antisemitismus ist nicht gleich Antizionismus”. Hinzuzufügen ist, dass Hecht-Galinski an keiner Stelle ihres Textes Belege für selbige These bringt. Stattdessen gibt es Altbekanntes:

Die deutsch-jüdische Erziehung, die ich in meinem Elternhaus genoss, kannte solche beleidigenden Anschuldigungen nicht. Ich wuchs schon seit meiner Geburt 1949 in der Mitte der Gesellschaft auf, wurde in einen Pestalozzi-Fröbel-Kindergarten und danach von meinen Eltern auf eine Waldorfschule geschickt. Mein Vater gab an mich seine humanistische Erziehung weiter, die er in Marienburg in Westpreußen genossen hatte. Das Lebensmotto meines Vaters nach seiner Befreiung aus diversen KZs war: „Ich habe Auschwitz nicht überlebt, um zu neuem Unrecht zu schweigen.“ Auch deshalb sehe ich es als meine Verpflichtung an, nicht zu schweigen, wenn die israelische Regierung Menschenrechtsverletzungen an den Palästinensern in Form von Vertreibung, Enteignung und Besatzung begeht.

Mein Vater hatte es sich zur Aufgabe gemacht, gerade in Deutschland, dem Land, in dem er Erniedrigung, Qualen und die Ausrottung seiner Familie erlebt hatte, wieder neues jüdisches Leben zu etablieren. Darum hat er sich von 1947 bis zu seinem Tod 1992 konsequent bemüht. Meine Eltern und ich lebten nie auf gepackten Koffern und betrachteten Deutschland nicht als „Feindesland“. Für meinen Vater war es auch eine Selbstverständlichkeit, in „seinem“ Berlin beerdigt zu werden, der Stadt, die eine Straße nach ihm benannt hat und deren Ehrenbürger er war. Daher war es für mich ein Bedürfnis, nach dem Tod meines Vaters den Namen Galinski meinem Ehenamen beizufügen. Das war auch ganz im Sinne meines Mannes, Benjamin Hecht, „auch Jude“.

Viele Worte für die bahnbrechende Erkenntnis, dass Evelyn Hecht-Galinski die Tochter ihres Vaters ist. Was das mit der in der Überschrift aufgestellten These zu tun hat? Eben soviel wie das auf F.A.Z.NET beigefügte Bild von Heinz Galinski: Nichts. Doch ein Schelm wer denkt, Hecht-Galinski hätte nicht auch Argumente vorzuweisen:

Arno Lustiger hat recht, es gibt keinen ehrbaren Antisemitismus, aber es gibt einen inflationären und daher gefährlichen Umgang mit diesem Begriff, der sich als stumpfe Waffe herausstellen könnte, wenn er wirklich angebracht ist. Schon mein Vater wurde…

Jawohl, so wird’s gemacht: Erst eine Behauptung über den Zustand der Gesellschaft aufstellen und sich dann prompt wieder auf die familiäre Ebene fallen lassen. Weitere Belege für die Behauptung: Fehlanzeige. Nach dieser argumentatorischen Glanzleistung folgt eine ausführliche Zusammenfassung vergangener Ereignisse, die sich so spannend liest wie der Schulaufsatz eines 10-jährigen Kindes, das zur Abwechslung einmal nicht mit einem verwandt ist. Spannung kommt erst wieder auf, nachdem Hecht-Galinski ihre These “Antisemitismus ist nicht gleich Antizionismus” in anderen Worten wiederholt, vermutlich damit sie auch derjenige verstehen kann, der die Überschrift nicht gelesen hat:

Natürlich habe ich nur etwas gegen das Wort „antisemitisch“, nicht aber „antizionistisch“, da ich mich gerade gegen diese Gleichsetzung der Begriffe „Antizionismus“ und „Antisemitismus“ wenden möchte. Die israelische Politik zu kritisieren betrachte ich keinesfalls als antisemitisch.

Und der Beleg für die These? Richtig: Die Anderen sagen das auch:

Unterstützung findet meine These bei renommierten israelischen Historikern wie Tom Segev, beim ehemaligen Botschafter Israels in Deutschland, Avi Primor, sowie bei Wissenschaftlern wie Alfred Grosser (siehe: Antisemitismusstreit: Alfred Grosser antwortet auf Broder) und Michal Bodemann.

Vielleicht sollte ein milde gesonnener Mensch Frau Hecht-Galinski bei Gelegenheit einmal erklären, dass die Richtigkeit einer Aussage nicht an andere Personen gebunden ist, die der Aussage ebenfalls zustimmen.

Übrigens: Wirklich schön ist die Beschreibung Hecht-Galinskis seitens der F.A.Z. (Printausgabe):

Evelyn Hecht-Galinski ist die Tochter des ehemaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Quelle: F.A.Z. vom 26. September 2008, S. 44.

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Wer hat noch nicht, wer will nochmal?

Veröffentlicht in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe am September 26th, 2008

Mit der Veröffentlichung einer Antwort von Evelyn Hecht-Galinski auf Arno Lustigers “Kurze[n] Lehrgang über den Selbsthass” sowie gleich drei Leserbriefen straft die F.A.Z. Tanja Krienens Vorwurf der Mißachtung der Gegener Broders eindrucksvoll Lügen. Da Claudio Casula sich bereits mit Hecht-Galinskis Text auseinander gesetzt hat, seien hier zunächst nur die Leserbriefe von Alfred Grosser, Abraham Melzer und Gebhard Braun (fehlt eigentlich nur noch Hajo Meyer) dokumentiert.

Zur Abwechslung halber und aufgrund ihrer nicht auf konkrete Sachverhalte Bezug nehmenden Natur seien Grossers und Melzers Briefe kommentarlos wiedergegeben:

Alfred Grosser schreibt:

Zu “Kurzer Lehrgang über den Selbsthass” (F.A.Z. vom 18. September): Ich danke für die Sorge um meine Identität. Aber mir hat diese nie eine Sorge bereitet. Am Ende von Goethes “Wilhelm Meister” heißt es, der Held sehe nun aus wie ein Mensch. In der “Zauberflöte” spricht Sarastro zweimal von der Notwendigkeit, ein Mensch zu sein. Ich habe seit vielen Jahrzehnten das ständige Glück, glücklich zu sein. In der Familie und im vielseitigen Beruf. Aber gerade weil ich fast immer in Glück und Freude gelebt habe, habe ich mir seit jungen Jahren die Pflicht auferlegt, mich, so gut es ging, um Unglückliche zu kümmern. Was nun deren Identität auch sein mochte. Selbsthass? “Du sollst den Nächsten lieben wie dich selbst” - oft habe ich den Eindruck, ich liebte mich zu sehr.

Ihre Zeitung fragte mich einmal, was mein Motto sei. Ich antwortete: “Immer zufrieden sein, sich nie zufriedengeben.” Also, lieber Arno Lustiger, bitte Argumente und keine Vermutungen zu meinem geistigen Zustand!

Abraham Melzer:

In Arno Lustigers Pamphlet “Kurzer Lehrgang über den Selbsthass” (F.A.Z. vom 18. September) werde ich als “der einschlägig bekannte jüdische Antizionist” eingeführt. Nur wenige Zeilen weiter bin ich schon ein Antisemit und Feind Israels. Das ist schon fast zu viel der Ehre. Früher war ein Antisemit jemand, der Juden nicht mochte. Heute ist ein Antisemit jemand, den bestimmte Juden, die unter anderen Lustiger repräsentiert, nicht mögen.

In diesem Sinne kann ich mit Lustigers Auszeichnung gut leben, da ich weiß, warum Lustiger mich nicht mag. Während der “Zionist auf Lebenszeit” zu allem, was die israelische Politik macht, Ja und Amen sagen muss, erlaube ich mir den Luxus, zu eindeutigen Menschenrechtsverletzungen auch Nein zu sagen. Das allein reicht heute offensichtlich schon, um Antisemit zu sein.

Und zu guter Letzt der Brief von F.A.Z.-Leser Gebhard Braun:

Der Feuilleton-Beitrag “Kurzer Lehrgang über den Selbsthass” von Arno Lustiger (F.A.Z. vom 18. September) soll wohl die Angriffe von Henryk M. Broder auf Evelyn Hecht-Galinski und Alfred Grosser rechtfertigen und die kritische Haltung dieser Autoren als antisemitischen Selbsthass qualifizieren. Doch wo bleiben die Nachweise, dass es sich bei den Leserbriefen und weiteren Äußerungen von Frau Hecht-Galinski um solchen “Selbsthass” und “chronische Identitätsprobleme” handelt?

Es ist ja gut verständlich, dass es Zionisten schmerzt, wenn die vielfachen Verstöße des Staates Israel gegen Völker- und Menschenrechte angeprangert werden. Doch spricht es Bände, wenn versucht wird, mittels umfangreicher Hinweise auf antisemitische Veröffentlichungen Dritter, die einen Selbsthass beweisen sollen, und deren Nachprüfung schwierig ist, Frau Hecht-Galinski und Herrn Grosser ebenfalls in diese Schublade zu stecken. Die billige Apostrophierung beides als “chronische Tocher” und “chronischer Sohn” zeigt zu deutlich diese Absicht.

Eine Kritik an dem völkerrechtswidrigen Handeln des Staates Israel (dem “einzigen demokratischen Staat im Nahen Osten”) kann weder Hochverrat noch Antisemitismus sein. Denn ebenso wie Saddam Hussein die Missachtung der Resolutionen der Vereinten Nationen vorgehalten wurde, muss dies auch gegenüber dem Staat Israel erlaubt sein, dessen Berichte über die Vielzahl solcher Verstöße gegen Völker- wie Menschenrechte (Mauerbau und eine Siedlungspolitik, die an ethnische Säuberung denken lässt), und der die Ermordung politischer Gegner aus Gründen der Staatsräson rechtfertigt. Äußerungen von Zionisten wie Arno Lustinger machen weder Hoffnung auf einen ausgewogenen Friedensvertrag in Palästina noch auf Sicherheit für den Staat Israel.

Das hier angeführte “Argument”, Kritik am Handeln Israels könne qua Definition kein Antisemitsmus sein, zeigt, dass Herr Braun - stellvertretend für viele andere - nicht verstanden hat, um welchen Kern es bei der Debatte zwischen Broder und Hecht-Galinski respektive Grosser und Konsorten eigentlich geht: Natürlich gibt es Kritik am Handeln des Staates Israel, die nicht antisemitisch ist - ebenso wie es Kritik am Handeln Israels gibt, die durch und durch antisemitisch ist. Allerdings geht es Antizionisten wie Melzer oder Hecht-Galinski eben gerade nicht um konkrete Handlungen Israels, sondern um dessen bloße Existenz. Wie Claudio Casula im oben verlinkten Beitrag treffend schreibt:

Was heißt denn Antizionismus? Ein Antizionist ist per definitionem jemand, der gegen einen Staat der Juden in ihrer historischen Heimat ist, also die Daseinsberechtigung Israels negiert. Was soll das mit Kritik an politischen Entscheidungen hier und dort zu tun haben? Der Antizionist lässt grundsätzlich nichts gelten, für ihn ist das Vorhandensein Israels illegal, ganz gleich, was der eine Ministerpräsident macht oder der andere unterlässt.

Quelle: F.A.Z. vom 26. September 2008, S. 11.

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Worte der Woche (7)

Veröffentlicht in Worte der Woche by Mr. Moe am September 26th, 2008

Father D’Escoto is the president of the UN General assembly and as such, he deals with all member states of the U.N. He cannot respond to each and every speech made by the leaders of these states. He will join the dinner because he believes in dialogue, an issue which he had highlighted, and thinks that he should deal with all member states.

Der Sprecher von Miguel d’Escoto, Präsident der UN-Generalversammlung, über die Kritik an der Umarmung Ahmadinedschads sowie eines gemeinsamen Abendessens Escotos mit selbigen nach dessen antisemitischer Rede vor der Versammlung (mit der Verlinkung der Rede über die offizielle Seite Ahmadinedschads sei dem Beispiel Yacoov Lozowicks gefolgt: so kann immerhin niemand behaupten, er hätte es so nicht gesagt).

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Der unbequeme Antisemit

Veröffentlicht in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe am September 25th, 2008

Einmal mehr beschwert sich ein promovierter F.A.Z.-Leser über Henryk M. Broder, wobei diesmal Broders in der F.A.Z. veröffentlichter Beitrag “Heiteres Antisemitenraten” der Stein des Anstoßes ist. Zu Beginn stellt Dr. Thomas Ordnung aus Kleinmachnow diesbezüglich nüchtern fest:

Broders Replik auf Bahners’ Beitrag vermag nicht zu überzeugen. Broders polemische Ausfälle gegen die “hysterische, geltungsbedürftige Hausfrau”, die Tochter des früheren Sprechers der Juden in Deutschland, Evelyn Hecht-Galinski, der keine über das Tochtersein hinausgehende Qualifikation zuzubilligen sei, darf man getrost ignorieren.

Um zu verstehen, wieso sich Dr. Ordnung überhaupt mit einem Beitrag, der “getrost ignoriert” werden darf in Form eines längeren Leserbriefs auseinandersetzt, muss man wohl einen Doktortitel haben. Wie dem auch sei, Dr. Ordnung macht seinem Namen alle Ehre und begründet sein Anliegen mit einfachen, gut strukturierten Sätzen:

Nicht zu ignorieren ist dagegen der den sachlichen Kern bestimmende Eklektizismus, dem allerdings die Polemik schon den Weg ebnet. “Verständlich” sei für ihn, so Broder, dass “nach Auschwitz kein Mensch als Antisemit gelten möchte”, mit anderen Worten, “Antisemitismus” als Vorwurf steht nach dieser richtigen Beobachtung dessen, was in der Gesellschaft heute gilt, in einem unauflösbaren engen, weil mehr oder weniger spontan sich einstellenden Zusammenhang mit dem Vorwurf der Verharmlosung des Holocaust.

Die hinter diesem Wortschwall steckende Aussage entpuppt sich nach mehrfachen Lesen als erstaunlich schlicht: Wer Antisemiten Antisemiten nennt verharmlost die Shoa. Von dieser Erkenntnis getragen fährt Dr. Ordnung fort:

Diese Beobachtung hindert Broder jedoch nicht daran, die Israel-Kritikerin Hecht-Galinski über das Internet mit Vorwurf des “Antisemitismus” zu konfrontieren, also das, was gilt, kalkuliert gegen diese einzusetzen. Broder will es sich nicht entgehen lassen, den Gewinn, den die öffentliche Verwendung des Begriffs “antisemitisch” nach Auschwitz abwirft, abzuschöpfen.

Auch diese Aussage ist eindeutig: Broder nutzt die Shoa um Aufmerksamkeit zu erregen respektive Geld zu verdienen. Nach diesen allgemeinen Ausführungen über die Holocaust-Industrie umschreibt Dr. Ordnung Broders Vorwürfe bezüglich Evelyn Hecht-Galinski in eigenen, formvollendeten Worten:

Broder will seinen Antisemitismus-Vorwurf mit seinem Verweis darauf belegt wissen, dass Frau Hecht-Galinski sich öffentlich “so nahe an die ‘Protokolle der Weisen von Zion’ herangerobbt” habe, dass sie “die Idee einer jüdischen Verschwörung” im besagten Sinne aufgegriffen habe - und zwar durch den NS-Vergleich bezüglich der israelisch-palästinensischen Konfliktaustragung und durch die Behauptung über das Vorhandensein einer - sie bedrängenden - “jüdisch-israelischen Lobby”.

Und was folgt auf diese Schilderung? Richtig: Dr. Ordnung widerlegt Broders Vorwürfe fachmännisch. Zunächst den “NS-Vergleich”:

Dass NS-Vergleiche, so diese zwar unbequem, aber nicht völlig aus der Luft gegriffen sind, auch im Falle Israels legitim sein können, ist auch jüdischerseits nichts Neues. Man lese nur Moshe Zimmermanns Leopold-Lucas-Preisrede von 2002 nach.

Die Logik ist ebenso simpel wie Dr. Ordnung Sprache: Wenn sogar Juden, nennen wir sie der Einfachheit halber “gute Juden” Israel mit dem Dritten Reich vergleichen - was kann dann daran falsch sein? Nach dieser überzeugenden Argumentation widmet sich Dr. Ordnung der “Israel-Lobby”:

Dass es, so unbequem auch diese Feststellung für manchen sein mag, eine Israel-Lobby in den Vereinigten Staaten und anderswo gibt, ist nach dem Buch von Mearsheimer und Walt kein wirkliches Tabu mehr. Der Politologe Christian Hacke hat sich im vergangenen Jahr dazu in der Zeitschrift “Internationale Politik” geäußert. Hier nimmt Broders Robben-Theorie ehrverletzende Formen an.

Auch hier ist die Beweislage klar: Es gibt die Israel-Lobby und wer ihren Einfluss leugnet verletzt die Ehre anderer Menschen - noch Fragen?

Nach dieser Verteidigung Hecht-Galinskis gegen ihre Feinde holt Dr. Ordnung abschließend zum ganz großen Schlag aus: Der begrifflichen Trennung von Antisemitismus und Antizionismus:

Da es Frau Hecht-Galinski nicht um den Vorwurf des “Antizionismus” zu tun ist, der aus Broders Sicht eine “politisch korrekte” Version des nationalsozialistisch eingefärbten Antisemitismus sein soll, was semantisch und inhaltlich wirr ist, erübrigt sich hier eine Kommentierung, zumal Broder in die Pflicht genommen wäre, zu beweisen, ab wann denn “Antizionismus” in “Antisemitismus” umschlägt.

Nach einer solchen Erkenntnis drängen sich die folgenden Fragen geradezu auf: Existiert das geheimnisvolle Phänomen “Antisemitismus” überhaupt? Sind die von “Gewinn abschöpfenden” Denunzianten als Antisemiten Bezeichneten in Wahrheit nicht nur “unbequem”? Und schließlich: Wieso hat in dem Land, das gestern, heute und morgen die Hauptzentrale aller unbequemen Dichter und Denker war, ist und sein wird eigentlich jeder Vollidiot, der Sätze mit mehr als zwei Kommata bilden kann einen Doktortitel?

Quelle: F.A.Z. vom 25. September 2008, S. 38.

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