Zeitung für Schland

Mearsheimer, once again

Posted in Die üblichen Verdächtigen by Mr. Moe on Dezember 16, 2008

John Mearsheimer hat wieder zugeschlagen! Nachdem er die Welt erst vor kurzem mit seiner Vision einer neuen amerikanischen Nahostpolitik beglückt hat, widmet sich Mearsheimer nun der Lösung des Nahostkonflikts. Den Ausgangspunkt der Argumentation stellt dabei Avraham Burgs Buch “The Holocaust is Over” dar (mehr über Burg auf Blick auf die Welt – von Beer Sheva aus). Den Grund hierfür liefert Mearsheimer freundlicherweise selbst:

He [Avraham Burg, Mr. Moe] cannot be easily dismissed as a self-hating Jew or a crank, as he comes from a prominent Israeli family and has been deeply involved in mainstream Israeli politics for much of his adult life. Moreover, he clearly loves Israel.

Nachdem folglich geklärt ist, dass Mearsheimers Meinung auf der eines jüdischen Israeli basiert – und daher unter keinen Umständen israelfeindlich oder gar antisemitisch sein kann – legt Mearsheimer richtig los: Unter Berufung auf Burg sieht er das Hauptproblem des Nahostkonflikts darin begründet, dass Juden unentwegt über den Holocaust sprechen würden -und dies aus überaus unlauteren Motiven:

the main reason that Israelis and their supporters constantly invoke the Holocaust is because of the Occupation, and the horrible things that Israel has done and continues to do to the Palestinians. The Shoah is the weapon that Israelis and their supporters in the Diaspora use to fend off criticism and to allow Israel to continue committing crimes against the Palestinians.

Da Israel die niederträchtige Besatzung der Palästinenser rechtfertigen müsse, komme der Holocaust also äußerst gelegen. Das Argument nicht verstanden? Bitte, hier kommt es nochmal:

The pattern seems clear: the Holocaust has been the main weapon that Israelis (and their supporter abroad) have employed to provide cover for the horrors Israel has inflicted on the Palestinians in the Occupied Territories.

Der Holocaust als Instrument zur Unterdrückung, Ausbeutung, etc. – soweit so antisemetisch, antizionistisch Mearsheimer. Doch wer Mearsheimer kennt, ahnt vermutlich, dass er natürlich eine simple Lösung für das “Problem” kennt:

All of this is to say that the best way to rescue Israel from its plight is not simply to get beyond the Holocaust, but to end the Occupation. Then, the need to talk incessantly about the Holocaust will be greatly reduced and Israel will be a much healthier and secure country. Sadly, there is no end in sight to the Occupation, and thus we are likely to hear more, not less, about the Holocaust in years ahead.

Wirklich schade: Die Ohren des armen John Mearsheimer werden wohl auch in Zukunft von Zeit zu Zeit mit der Shoah konfrontiert. Und das alles nur, damit Israel die Palästinenser weiterhin unterdrücken kann. Auf die Widersinnigkeit von Mearsheimers Argumentation weist im Übrigen Eric Trager hin:

The extent of Mearsheimer’s illogic is incredible:he seems to think that the Israeli occupation causes discussion of the Holocaust. If we take this absurd argument at face value, Mearsheimer actually provides a reason to support the Israeli occupation (!): as the international community continually fails to respond to genocides worldwide, something that causes us to “hear more” about the Holocaust is probably a good thing.

El Baradei und die ewigen Probleme der Übersetzung

Posted in Zwei mal Drei macht Vier by Mr. Moe on Dezember 15, 2008

Mohammed El Baradei, Generaldirektor der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEA), antwortet in einem Interview auf WELT ONLINE auf die brillante Frage, ob die “Iran-Politik der internationalen Gemeinschaft ein Erfolg oder ein Misserfolg” sei, folgendes:

Bisher war sie ein Misserfolg. Eigentlich haben wir uns keinen Zentimeter bewegt, außer dass wir einige Resolutionen des Sicherheitsrates angenommen und Sanktionen verhängt haben, die tatsächlich zu einer Verhärtung der iranischen Position geführt haben, auch bei den Iranern, die das Regime nicht mögen. Aussicht auf Erfolg besteht erst, wenn die Parteien – und damit meine ich die USA und den Iran – sich an den Verhandlungstisch setzen und über Missstände zu sprechen beginnen, die bis 1953 zurückreichen (damals half der CIA den iranischen Premier Mohammed Mossadegh zu stürzen, d. Red.). Für den Iran geht es um Sicherheit und einen Machtkampf mit den USA im Nahen Osten. Der Iran ist von einigen Atomstaaten umgeben. Er ist von 150.000 US-Soldaten umgeben. Es gibt also ein Gefühl der Unsicherheit, genau wie in Nordkorea. Wirklichkeit oder Mythos, so ist es, und man muss damit umgehen. Man muss verstehen, warum der Iran auf die Entwicklung der Atomtechnologie drängt. Möglich, dass sie es nicht gleich auf die Waffe abgesehen haben, wie sogar der amerikanische „National Intelligent Estimate“ schließt, aber sie wollen definitiv die Technologie, weil sie glauben, die Technologie verschaffte ihnen die Macht, das Prestige und den Einfluss und würde sie am Ende in die Lage versetzen, ein großes Geschäft mit den USA, mit dem Rest der Welt zu machen – ein großes Geschäft, das ihnen, aus ihrer Perspektive, ermöglichte, die Rolle der Regionalmacht zu spielen, auf die sie Anspruch zu haben meinen. Der Iran hat eine tausendjährige Basar-Kultur. Sie warten auf den besten Preis und werden alles dafür tun, ihn zu bekommen. Das wird nicht anders werden, solange die USA sie nicht respektvoll behandeln und das große Ganze sehen.

Viele Worte für eine simple Aussage: Iran muss – ebenso wie Nordkorea – allein aus Gründen der Verteidigung nach der Bombe streben. Da das Land Israel für El Baradei demnach nicht zu existieren scheint, fragt WELT ONLINE nach, ob El Baradei Iran als “religiös fundamentalistischen Staat, der mit Hochdruck Atomwaffen entwickelt, um, wie seine Führer sagen, Israel zu zerstören” sehe. Die Antwort:

Ich bin kein Iran-Spezialist. Aber wenn ich in den Iran reise, sehe ich dort alle erdenklichen Farben und Schattierungen, vom Atheisten über den religiösen Fanatiker bis hin zu Menschen, die den westlichen Lebensstil übernehmen. Der Iran ist da nicht anders als jedes andere Land. In der Gesellschaft werden alle möglichen Standpunkte vertreten. Alles hängt davon ab, wer an der Macht ist.

Die Bezeichnung “billiger Allgemeinplatz”trifft das unsägliche Wischiwaschi-Gesabbel EL Baradeis nicht einmal annähernd. Doch weg von inhaltsleeren Phrasen und hin zu El Baradeis “Überzeugungen”:

Nun ist meine Überzeugung, dass die Beschäftigung mit dem Iran, die Integration des Landes in den Rest der Welt den Einfluss der Gemäßigten vergrößern würde. Isolation und Druck hingegen vergrößern den Einfluss der Hardliner. Das lässt sich überall anders in der Welt beobachten. Einige Äußerungen einiger iranischer Spitzenpolitiker über Israel waren widerwärtig. Allerdings wurde mir auch gesagt, dass wenn man diese Äußerungen in Farsi lese – und ich kann Farsi nicht lesen -, diese besagten, dass Palästina ein Staat sein sollte und nicht ein jüdischer Staat, was sich von den Äußerungen Jassir Arafats, vieler Palästinenser und sogar Hannah Arendts, der jüdischen Philosophin, nicht unterscheidet. Indes wurde der Eindruck erweckt, dass diese Äußerungen besagten, Israel solle von der Landkarte gefegt werden. Solche Äußerungen sind, um das Mindeste zu sagen, widerwärtig und nicht hilfreich.

Dass El-Baradei die Mär vom Übersetzungsfehler verbreitet, ist eine Ungeheuerlichkeit, die mit seiner Position als Generaldirektor der IAEA eigentlich nicht zu vereinbaren sein sollte. Ein Mann, der die Äußerungen von Ahmadinedschad & Konsorten trotz zahlreicher Wiederholungen und vergleichbaren Aussagen allen Ernstes als Missverständnis hinstellt,  ist Chef-Inspektor der Vereinten Nationen und als solcher eine der obersten Instanzen hinsichtlich der atomaren Frage: Handelte es sich um eine satirisches Phantasieprodukt, es dürfte an dieser Stelle gelacht werden. Doch die Realität ist leider alles andere als erheiternd:

Doch wenn man eine Strategie entwickeln will, die eine Generation lang Bestand haben muss, kann man sie nicht allein auf eine bestimmte Rhetorik gründen. Selbst wenn die Rhetorik widerwärtig ist, muss man immer noch mit diesen Leuten reden, Fragen klären und dafür sorgen, dass ihre Haltung sich ändert. Das ist es, was wir kreative Diplomatie nennen. Es ist frustrierend, braucht Zeit, aber einen anderen Weg gibt es nicht. Ich sehe keine andere Lösung.

Hier wird noch einmal deutlich, dass El Baradei – wie so viele andere – eine folgenschwere Differenzierung trifft: Zwischen “widerlicher Rhetorik” – also bloßem Gerede – auf der einen, sowie den von den Worten peinlichst genau zu unterscheidenden Taten auf der anderen Seite. Frei nach dem Motto: Wer den Judenmord ankündigt, der wird ihn doch auf keinen Fall realisieren wollen! Darüber hinaus sei Iran zudem ja auch so ein tolles Land:

Iran ist das fortschrittlichste Land der Region. Farsi ist die Sprache Nummer eins für Übersetzungen deutscher Philosophie. Im Iran erlebt man Diskussionen über Kierkegaard, über Heidegger. Die Vorstellung, die Iraner wären verhärtet oder kämen aus dem Mittelalter, muss offensichtlich korrigiert werden.

Denjenigen, die den Verweisen El Baradeis auf die Kulturverliebtheit der Iraner und der  Euphemisierung des Mullah-Regimes als “fortschrittlichstes Land der Region” auch nur irgendetwas abzugewinnen vermögen, sei Wahied Wahdat-Haghs Beitrag über die Lage der Bahai im Iran nahegelegt sowie auf die iranische Rechtssprechung hingewiesen, nach der widerwärtige Verbrechen gemäß dem Grundsatz der Vergeltung mit entsprechend widerwärtigen Methoden begegnet wird. Wie das Mullah-Regime im Jahr 2008 in einem Vergleich mit dem Mittelalter abschneiden würde, vermag daher jeder selbst zu beurteilen.

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Der antizionistische Traum einer neuen amerikanischen Nahostpolitik

Posted in Die üblichen Verdächtigen by Mr. Moe on Dezember 4, 2008

John J. Mearsheimer, Mitautor der Bibel der Israelfeinde jeglicher Couleur “Die Israel-Lobby: Wie die amerikanische Außenpolitik beeinflusst wird”*, formuliert auf Newsweek seine Vorstellungen einer grundlegend neuen amerikanischen Nahostpolitik:

The United States is in deep trouble in the Middle East. Despite Barack Obama’s promises to withdraw from Iraq, the debacle there shows no sign of ending soon. Hamas rules in Gaza; Iran is quickly moving to acquire a nuclear deterrent. We need a radically different strategy for the region.

Die gegenwärtig Usus gewordene Annahme, jedes Wort aus Obamas Munde werde die Welt verbessern, sowie die Euphemisierung des iranischen Atomprogramms in Form der Behauptung, sie diene der Abschreckung – soweit nichts neues auf dem Planeten Wirrkopf. Doch lassen wir dessen Bewohner fortfahren:

Fortunately, there is a strategy that has proved effective in the past and could serve again today: “offshore balancing.” It’s less ambitious than President Bush’s grand plan to spread democracy throughout the Middle East, but it would be much better at protecting actual U.S. interests.

Was Mearsheimer mit den wirklichen amerikanischen Interessen meint und wer seiner Meinung nach selbigen entgegensteht ist bekannt (wer mag kann es z.B. bei Lizas Welt nachlesen). Auffällig ist jedoch, das genau jenes Land an keiner Stelle des Artikels explizit genannt wird. Was Mearsheimers folgender Vorschlag für Israel bedeuten würde, ist jedoch evident:

The United States would station its military forces outside the region. And “balancing” would mean we’d rely on regional powers like Iran, Iraq and Saudi Arabia to check each other. Washington would remain diplomatically engaged, and when necessary would assist the weaker side in a conflict. It would also use its air and naval power to respond quickly to unexpected threats. But—and this is the key point—America would put boots on the ground only if the local balance of power seriously broke down and one country threatened to dominate the others.

Aus dem bisher Gesagten ergibt sich, dass Irans Vernichtungsdrohungen für Mearsheimer offenbar keine Bedrohung eines Landes durch ein anderes darstellen. Für die Vereinigten Staaten habe Mearsheimers vorgeschlagene Strategie unterdessen erstens den Vorteil, dass der USA “bloody and costly war[s] like Iraq” erspart blieben, sowie zweitens:

Second, offshore balancing would ameliorate America’s terrorism problem. Foreign occupiers generate fierce resentment. Keeping America’s military forces out of sight would minimize the anger created by having them stationed on Arab soil.

Die hier vertretende Ansicht, dass Terrorismus eine Reaktion auf die Politik und das Handeln der westlichen Welt seien, ist ebenso weitverbreitet wie falsch. Ben Shapiro schreibt in Zusammenhang mit den Anschlägen in Mumbai in dankenswerter Klarheit:

Enough with the psychoanalysis. They dont hate us because of Israel. They dont hate us because of Kashmir. They dont hate us because we have troops in Saudi Arabia or because we deposed Saddam Hussein. They dont hate us because of Britney Spears. They hate us because we are infidels, and because we dont plan on surrendering or providing them material aid in their war of aggressive expansion.

(Auf die widerwärtige Eigenheit, die Anschläge in Mumbai zu verharmlosen respektive dem Westen die moralische (Mit-)Verantwortung für sie in die Schuhe zu schieben, weisen nebenbei bemerkt auch Phyllis Chesler im FrontPage Magazine (sowie in deutscher Übersetzung via heplev) und Abraham Cooper und Harold Brackman in der New York Post hin.)

Wie dem auch sei, Mearsheimer nennt noch einen dritten Vorteil der von ihm vorgeschlagenen “Strategie”:

Third, offshore balancing would reduce fears in Iran and Syria that the United States aims to attack them and remove their regimes—a key reason these states are currently seeking weapons of mass destruction. Persuading Tehran to abandon its nuclear program will require Washington to address Iran’s legitimate security concerns and to refrain from overt threats.

Irans Bombe als Reaktion auf einen möglichen US-amerikanischen (Angriffs-)Krieg? Diese Aussage von Mearsheimer erscheint auf den ersten Blick verwirrend, wird doch sonst hinter jedem Übel Israel vermutet. Der scheinbare Widerspruch vermag sich jedoch schnell aufzulösen: Da die Israel-Lobby ja die amerikanische Außenpolitik steuert, ist Israel dann doch wieder verantwortlich – und somit die Logik des Planeten Wirrkopfs wieder hergestellt und das antizionistische Herz beruhigt.

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* Vgl. für eine Kritik an Mearsheimer und Walt das Buch von Alan Dershowitz: “The Case Against Israel’s Enemies: Exposing Jimmy Carter and Others Who Stand in the Way of Peace” (Kapitel 2: The Case Against Mearsheimer and Walt, S. 49-79). Eine Rezension auf Zeitung für Schland ist geplant.

Gemeinsame Interessen mit Iran

Posted in Zwei mal Drei macht Vier by Mr. Moe on Oktober 24, 2008

Roger Cohen fordert in der New York Times eine Reformulierung der amerikanischen Strategie gegenüber Iran in Form von direkten Gesprächen ohne Vorbedingungen. So weit, so New York Times, so Obama. Die Begründung Cohens liest sich jedoch so herrlich weltfremd, dass sie den Lesern der Zeitung für Schland nicht vorenthalten werden soll:

Iran also has some shared interests with America — in preventing a breakup of Iraq, in preventing the return of the Taliban to power in Afghanistan, in avoiding a violent confrontation of the Sunni and Shia worlds. It wants security, more economic access and, eventually, restored diplomatic relations with the United States.

Und da es ja ach so viele gemeinsame Interessen gebe, dürften die USA sich nicht oberlehrerhaft geben oder gar Moralpredigten halten:

All of this says to me: think big. Don’t obsess about the nuclear issue, critical as it is. Get everything on the table. Be realistic, as in: We have interests. You have interests. Are there areas in which they coincide?

Don’t lecture. Don’t moralize. Don’t demand everything — an end to the nuclear program and terrorism and Lebanese and Gazan interference — without the means to back such demands. That’s been the Bush failure.

Wen stört da schon, dass Iran der größte finanzielle Unterstützer des weltweiten Terrors ist. Doch Cohen ist sich durchaus bewusst, dass es Einwände gegen seine Position geben könnte:

I can already hear the outrage. But Mahmoud Ahmadinejad, the president at least until elections next year, wants to wipe Israel off the map! He denies the Holocaust! Sunni powers like Saudi Arabia will race for their own bomb unless we take out the Iranian centrifuges!

Seine Antwort auf diese nichtigen Einwände:

To which I say: Focus on today’s reality, coldly. Iran does not have nuclear capacity yet. It’s time to talk.

So naiv Cohens Annahme gemeinsamer iranischer und amerikanischer Interessen auch sein mag: die sich aus ihr ergebene Konsequenz ist mörderisch. Dass Iran selbst Vorbedingungen für Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten fordert, ist anlässlich der an Besessenheit grenzenden Unterwürfigkeit der Appeasement-Freaks ein schwacher Trost.

Hajo Meyer strikes back

Posted in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe on Oktober 18, 2008

Was an von der Zeitung für Schland bereits vermutet wurde, hat sich nun bewahrheitet: Hajo Meyer hat sich in der auf der Leserbriefseite der F.A.Z. geführten Diskussion über Antisemitismus und Antizionismus zu Wort gemeldet. Bereits im ersten Satz zeigt Meyer, dass er nicht versteht – oder besser: nicht verstehen will – um was es eigentlich geht:

Obwohl Antizionismus und Antisemitismus völlig verschiedene Dinge sind, sahen sich die Verteidiger der unmenschlichen Politik Israels gezwungen, jegliche Kritik an der Politik Israels mithilfe der Antisemitismuskeule schwer oder gar unmöglich zu machen.

Ach ja, die gute alte Keule: Manchmal wünschte man sich in der Tat, es gebe sie.

Quelle: F.A.Z. vom 18. Oktober 2008, S. 39.

Wer Iran sagt, muss auch Israel sagen

Posted in F.A.Z. by Mr. Moe on Oktober 15, 2008

Dass Volker Perthes von der Stiftung Wissenschaft und Politik für eine freundschaftliche Politik gegenüber Iran plädiert, ist altbekannt (vgl. etwa Wind in the Wires oder transatlantic forum). Gleiches gilt offenbar für Wolfgang Günter Lerch, der in der Literaturbeilage der F.A.Z. anlässlich der Frankfurter Buchmesse das Buch “Iran – eine politische Herausforderung” von Volker Perthes rezensiert. Was der Titel des Buches in Gestalt des Euphemismus “Herausforderung” bereits erahnen lässt, bewahrheitet sich in Lerchs Unterüberschrift, derzufolge Perthes die iranische Politik “nüchtern” analysiere. Um eben dieses zu zeigen, beschreibt Lerch zunächst George W. Bush und Mahmud Ahmadineschad als zwei gegenüberstehende Protagonisten, die jeweils einem verqueren Weltbild verfallen seien:

Folgt man den verbalen Kundgaben der jeweiligen Führer der Vereinigten Staaten von Amerika und der Islamischen Republik Iran, so kann es keine zwei erbitterteren Feinde geben als diese beiden Länder. Nach George W. Bush, dem scheidenden Präsidenten, führt das Iran der Mullahs noch immer die “Achse des Bösen” an und ist die “größte Bedrohung für Amerika” überhaupt. Und nach Präsident Mahmut Ahmadineschad gehört Iran längst zum Kreis der “Großmächte”:Schon sein Nuklearprogramm, an dem man festhalten werde, mache dies ja deutlich.

Ach welch’ Glück gibt es Volker Perthes, der den beiden Irren die Vernunft entgegensetzt:

Volker Perthes von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin führt den Leser auf den Boden der Tatsachen zurück, auf die Verhältnisse, wie sie sich jenseits der Propaganda beider Seiten darstellen.

Und natürlich verrät Lerch auch, wie diese “Tatsachen” aussehen:

Weder ist Iran [...] eine wirkliche Großmacht oder gar die größte Bedrohung Amerikas, noch ist es angesichts der Ausgangslagen und Kalküle unmöglich, dass sich Teheran und Washington vernünftig über ihre Schwierigkeiten miteinander unterhalten  – das Nuklearprogramm als der größten Brocken eingeschlossen. [...]

In der ihm eigenen nüchternen Art mahnt Perthes zur Besonnenheit. Das ist umso nötiger, als er die Drohung eines Militärschlages seitens der Amerikaner (oder Israelis), an dem die Iraner zweifeln mögen, durchaus nicht ausschließen kann.

So sieht es also aus: Iran wird von Amerika respektive Israel bedroht und einen Militärschlag gegen Iran zu verhindern sei daher das Primärziel. Dass korrekterweise von einem Militärschlag gegen das iranische Atomprogramm und nicht von einem scheinbar willkürlichen Angriff auf den Iran die Rede sein müsste, ignoriert Lerch geflissentlich. Überflüssig auch zu erwähnen, dass Lerch den Einsatz einer iranischen Atombombe hingegen kategorisch auszuschließen scheint und die Vernichtungsdrohungen gen Israel daher folgerichtig nicht einmal erwähnt. Immerhin räumt Lerch ein, dass es da doch mal etwas war…

Natürlich kennt er [Perthes, Mr. Moe] die Stellungnahmen des nach außen so bizarr wirkenden iranischen Präsidenten, doch nimmt er dessen verbale Ausfälle nicht zum Nennwert. Ahmadineschad mag ein Mann sein, der von religiös unterfütterten eschatologischen Visionen gefangen ist, die seinen verbalen Radikalismus fördern. Doch repräsentativ ist er nach Auffassung von Perthes nicht für das System der Islamischen Republik.

So, so: Was Antisemiten von sich geben stellt also nicht den “Nennwert” dar. Warum sollte es auch, wirkt Ahmadineschad doch auch nur nach außen bizarr, ist aber eigentlich, vermutlich wenn man ihn besser kennenlernt, doch ein ganz netter Typ. Und überhaupt: Er ist halt leicht religiös angehaucht, vergleichbar mit den freundlichen Menschen, die einen Sonntagmorgens aus dem Bett klingeln um über Jesus zu sprechen… Sparen wir uns an dieser Stelle die weiteren Ausführungen (Grundtenor: Iran ist ein “logisch handelnder Akteur” und verfolgt berechtigte Sicherheitsinteressen; natürlich kein Sterbenswörtchen über das Aufhängen Homosexueller an Baukränen oder ähnlichen Gräueltaten) und springen direkt zu Perthes Schlussfolgerung:

Die internationale Diplomatie, Amerika und Europa, die IAEA in Wien müssen erreichen, dass Irans Zutrauen zur Weltgemeinschaft ebenso wächst, wie das Sicherheitsbedürfnis der Nachbarstaaten und des Westens befriedigt wird. Washington muss Iran als Mitspieler ohne Wenn und Aber akzeptieren.

Es bleibt der geringe Trost, dass weder Wolfgang Günter Lerch noch Volker Perthes bei den US-Präsidentschaftswahlen stimmberechtigt sind.

Quelle: Wolfgang Günther Lerch: “Logisch handelnder Akteur”, in: Literaturbeilage zur F.A.Z. vom 15. Oktober 2008, S. 36.

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Totenruhe oder: Kausalität für Anfänger

Posted in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe on Oktober 6, 2008

F.A.Z.-Leser Willi Reuver räsoniert über die Ermordung 14 italienischer Zivilisten durch deutsche Hand anno 1944:

Ich selbst kann bei diesem bedauerlichem Drama in Italien nicht die Massenmorde an deutschen Zivilisten bei Terrorangriffen der Royal Air Force ausblenden. So haben im März 1945 kurz vor der Kapitulation britische Piloten mit ihren Bombern bei einem Angriff auf Würzburg fünftausend Zivilisten bei lebendigem Leib verbrannt. Viele deutsche Städte erteilte der gleiche Wahnsinn. Wer wurde dafür in England je vor ein Tribunal gestellt und zur Verantwortung gezogen?

Wieso die Bombardierung deutscher Städte 1945 für die Beurteilung des “bedauerlichen Drama[s]” im Jahr 1944 eine Rolle spielen soll, verrät Herr Reuver leider nicht. Und dafür, dass er die Verurteilung britischer Generäle fordert, gibt sich Herr Reuver dann auch erstaunlich versöhnlich:

Lassen wir die Toten ruhen.

Einmal ganz davon abgesehen, dass Reuver in seinem Leserbrief selbst Totengräber spielt, drängt sich die Frage auf: Hat da jemand Leichen im Keller?

Quelle: F.A.Z. vom 6. Oktober 2008, S. 18.

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Abwasch

Posted in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe on Oktober 2, 2008

Dass sich ein Berg von Abwasch bei nachlässiger Haushaltsführung auf geheimnisvolle Weise vermehrt, ist ein altbekanntes Phänomen. Ähnliches kann der regelmäßige F.A.Z.-Leser beobachten, wenn er die Leserbriefseite einmal einige Tage unbeachtet gelassen hat. Höchste Zeit also aufzuräumen, wobei wir uns zunächst dem gröbsten Dreck widmen werden und einige nicht ganz so stark verschmutzte Teller in einem Anflug von Faulheit einmal beiseite lassen wollen.

Wie nicht anders zu erwarten, bleiben Henryk M. Broder und Arno Lustiger aufgrund ihrer verlinkten Artikel die beliebtesten Reizpersonen der F.A.Z.-Leser. Wie üblich sagen die Leserbriefe allerdings mehr über ihre Verfasser denn über Broder oder Lustiger aus. So schreibt etwa Helmut Schwarzer in der F.A.Z. vom 30. September:

Ganz zu schweigen von dem lobend ins Feld geführten Scharfmacher Henryk Broder, dessen Tiraden eher dem Antisemitismus Vorschub leisten, als dass sie das Gegenteil bewirkten.

Analog zum Mädchen mit dem kurzen Rock, das den Vergewaltiger so zu seiner Tat angeregt habe, sei der Jud’ also Schuld am Antisemitismus. In Anbetracht solchen Schundes wirkt der Kommentar von Dr. Clemens Tewes zunächst erfrischend, beschränkt er sich doch zunächst auf belehrende Anmerkungen zu der von Broder behandelten Bahai-Religion. Wessen Geistes Kind Dr. Tewes ist, zeigt jedoch folgendes Zitat:

Broder fällt neben den Bahai noch Srebrenica, Ruanda, Kambodscha und Darfur ein. Das muss wohl so sein, denn die Zuständigkeit für ein anderes, in sehr wohl vergleichbarer Unterdrückungssituation befindliches Volk – sie liegt nun mal in Händen, die Broder laut richterlichem Beschlusse einstweilen nicht weiter des Antisemitismus zeihen darf.

Da Srebrenica, Ruanda, Kambodscha und Darfur gemeinhin nicht für Unterdrückung, sondern für Völkermord stehen, ist die Aussage klar: Israel verübt einen Völkermord an den Palästinensern. In der Schule hieße es jetzt: Falsch, Sechs, setzen.

Doch leider sind wir nicht in der Schule, auch wenn Sigurd Schmidts Leserbrief in der F.A.Z. vom 1. Oktober dies aufgrund seiner offenkundigen Unkenntnis nahe legt:

Die These Arno Lustigers, wonach sich “hinter der Maske des Antizionismus” heute der Antisemitismus verberge, kann nicht unwidersprochen bleiben. Das würde ja bedeuten, das jegliche Politik des jüdischen Staates grundsätzlich der Kritik enthoben sei.

Um sich zu verdeutlichen wie widersinnig diese Behauptung ist, reicht ein simples Gedankenexperiment: Angenommen, Herr Schmidt wäre mit der Politik des schwedischen Staates nicht einverstanden – würde er dafür einen eigenen Begriff brauchen? Natürlich nicht, könnte er die Handlungen Schwedens ja auch einfach kritisieren. Doch beim Antizionismus geht es um vieles (etwa: eigene Ressentiments), aber um eines ganz gewiss nicht: das konkrete Handeln des Staates Israel. Antizionisten bräuchten sich daher eigentlich gar nicht die Mühe zu machen, die Politik Israels zu kritisieren, da schon die bloße Existenz Israels der Anlass für ihren Unmut ist. Ein Antizionist, der Israels Politik als Legitimation für seinen Antizionismus heranzieht, argumentiert demnach ebenso glaubhaft wie ein Rassist, der seinen Rassismus darauf begründet, dass sein ausländischer Nachbar zu laut Musik hört.

Neben solch offenkundigen Fällen bewusster oder – vermeintlich? – unbewusster Ablehung Israels gibt es das gerade in Deutschland häufig zu beobachtende Phänomen des “guten Freundes” Israels. Ein Beispiel für diesen Typ ist Dieter Neuhaus, der treuen Lesern der Zeitung für Schland bereits bekannt sein dürfte (vgl. hier und hier). In der F.A.Z. vom 2. Oktober zeigt Herr Neuhaus, dass er immer noch mit Argusaugen über Israels Wohlergehen wacht:

Viele deutsche Nichtjuden wünschen dem Staat Israel von ganzem Herzen, dass er zu einer sicheren Heimstatt für die Juden an der Seite eines friedlichen Staates Palästina werden möge.

Was die Mehrheit der Deutschen von Israel hält sollte eigentlich hinreichend bekannt sein: 64% beurteilen den Einfluss Israels negativ und 65% sehen sich gar von Israel bedroht. Die Behauptung, dass “viele deutsche Nichtjuden” dem Staat Israel “von ganzem Herzen” auch nur irgendetwas Positives wünschen, kann also getrost ins Reich der Phantasie verwiesen werden. Für Herr Neuhaus sind solch’ kritische Deutsche jedoch die wahren Freunde Israels:

Sie halten es aber im Gegensatz zu Broder eher mit dem südafrikanischen Bischof Desmond Tutu, der 2002 nach einem Besuch im Heiligen Land geschrieben hat, dass Israel niemals sicher sein werde, solange es das palästinensische Volk unterdrücke. Es sei ihm unbegreiflich, dass sich ausgerechnet Israel einer solchen Unterdrückungspolitik schuldig mache. Die Frage die er am Schluss des Interviews stellt, hat bis heute an Aktualität nichts verloren: “Haben unsere jüdischen Brüder und Schwestern ihre eigene Demütigung vergessen?”

Wie glücklich darf Israel sich schätzen, angesichts solche Freunde wie Desmond Tutu, der Israel als Apartheids-Regime bezeichnet, und dem sich stets um Israel sorgenden Herrn Neuhaus.

Quellen:
F.A.Z. vom 30. September 2008, S. 21.
F.A.Z. vom 1. Oktober 2008, S. 10.
F.A.Z. vom 2. Oktober 2008, S. 45.

“Erniedrigungen” und deren Folgen

Posted in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe on September 29, 2008

Nun äußert sich auch der erste erkennbare Junge Freiheit Leser in der F.A.Z. über den “sogenannte[n] jüdischen Selbsthass”. Der bereits von Benjamin Weinthal auf der Achse des Guten des “Outsourcen des Antisemitismus” bezichtigte Dr. Hans-Joachim Ballstaedt schreibt:

Von Arno Lustiger werden in der F.A.Z. vom 18. September Juden, die sich nach den Erniedrigungen, die ihr Volk erfahren musste, nun voller Verständnis und Mitgefühl für die palästinensischen Araber einsetzen, indem sie die Beachtung von Völkerrecht und Menschenrechten fordern, öffentlich als Selbsthasser mit eigenen Identitätsproblemen bloßgestellt.

Wer nach dem ekelhaften Euphemismus “Erniedrigungen” – es fehlt lediglich der Präfix “6 Millionen” – noch weiter lesen kann, bekommt Altbewährtes geboten. Wie so oft werden jüdische Kronzeugen zitiert, um dem Vorwurf des Antisemitismus zu entgehen:

Hier einige Beispiele für den unterstellten jüdischen “Selbsthass”: Deshajahu Leibowitz [Gemeint ist wohl Jeshajahu Leibowitz, Mr. Moe], ehemaliger Professor für Chemie an der Hebräischen Universität in Jerusalem, schrieb: Der Autonomieplan ist nichts anderes als ein heuchlerischer und gemeiner Trick, um die jüdische Gewaltherrschaft über das palästinensische Volk aufrechtzuerhalten”. “Wir verhalten uns in den besetzten Gebieten, der Westbank, dem Gazastreifen und im Libanon, wie sich die Nazis in den von ihnen besetzten Gebieten verhalten haben.” “Wir haben keine Vernichtungslager errichtet, aber eine Mentalität, die die Vernichtungslager ermöglichte, gibt es auch bei uns.”

Nach den anschließenden obligatorischen Verweisen auf Ilan Pappe, Uri Avnery und “Mair Margalil” (gemeint ist wohl Meir Margalit) konstatiert Dr. Ballstaedt:

Wenn das Bekenntnis zu Wahrheit und Menschenwürde in Deutschland öffentlich zum Selbsthass abgewertet werden darf, dann hat jetzt die geistige Umweltverschmutzung und die Heuchelei mittels doppelter Moral einen Höhepunkt erreicht, dem die demokratische Presse beim Kampf gegen den sogenannten “Antisemitismus im neuen Gewand” größte Aufmerksamkeit schenken muss.

Auch hier das vertraute Muster: Sich selbst als Kämpfer für die freie Meinungsäußerung und Angehöriger einer vermeintlichen Minderheit deklarierend, wird der Begriff “Antisemitismus” so lange umgedeutet, bis es Antisemiten schon per Definition nicht mehr geben kann. Auch ‘ne Möglichkeit Antisemitismus zu bekämpfen.

Quelle: F.A.Z. vom 29. September 2008, S. 8.

Kleiner Nachtrag zu Hecht-Galinski

Posted in F.A.Z. by Mr. Moe on September 29, 2008

Gut, Schreiben hat „Die Tochter“ irgendwann gelernt – insofern man darunter die Fähigkeit versteht, Worte aneinander zu reihen, wenn auch, wie in ihrem Fall, nicht immer in der richtigen Reihenfolge.

Dies schreibt Claudio Casula über Evelyn Hecht-Galinskis als “Antwort auf Arno Lustiger” deklarierte Behauptung “Antisemitismus ist nicht gleich Antizionismus”. Hinzuzufügen ist, dass Hecht-Galinski an keiner Stelle ihres Textes Belege für selbige These bringt. Stattdessen gibt es Altbekanntes:

Die deutsch-jüdische Erziehung, die ich in meinem Elternhaus genoss, kannte solche beleidigenden Anschuldigungen nicht. Ich wuchs schon seit meiner Geburt 1949 in der Mitte der Gesellschaft auf, wurde in einen Pestalozzi-Fröbel-Kindergarten und danach von meinen Eltern auf eine Waldorfschule geschickt. Mein Vater gab an mich seine humanistische Erziehung weiter, die er in Marienburg in Westpreußen genossen hatte. Das Lebensmotto meines Vaters nach seiner Befreiung aus diversen KZs war: „Ich habe Auschwitz nicht überlebt, um zu neuem Unrecht zu schweigen.“ Auch deshalb sehe ich es als meine Verpflichtung an, nicht zu schweigen, wenn die israelische Regierung Menschenrechtsverletzungen an den Palästinensern in Form von Vertreibung, Enteignung und Besatzung begeht.

Mein Vater hatte es sich zur Aufgabe gemacht, gerade in Deutschland, dem Land, in dem er Erniedrigung, Qualen und die Ausrottung seiner Familie erlebt hatte, wieder neues jüdisches Leben zu etablieren. Darum hat er sich von 1947 bis zu seinem Tod 1992 konsequent bemüht. Meine Eltern und ich lebten nie auf gepackten Koffern und betrachteten Deutschland nicht als „Feindesland“. Für meinen Vater war es auch eine Selbstverständlichkeit, in „seinem“ Berlin beerdigt zu werden, der Stadt, die eine Straße nach ihm benannt hat und deren Ehrenbürger er war. Daher war es für mich ein Bedürfnis, nach dem Tod meines Vaters den Namen Galinski meinem Ehenamen beizufügen. Das war auch ganz im Sinne meines Mannes, Benjamin Hecht, „auch Jude“.

Viele Worte für die bahnbrechende Erkenntnis, dass Evelyn Hecht-Galinski die Tochter ihres Vaters ist. Was das mit der in der Überschrift aufgestellten These zu tun hat? Eben soviel wie das auf F.A.Z.NET beigefügte Bild von Heinz Galinski: Nichts. Doch ein Schelm wer denkt, Hecht-Galinski hätte nicht auch Argumente vorzuweisen:

Arno Lustiger hat recht, es gibt keinen ehrbaren Antisemitismus, aber es gibt einen inflationären und daher gefährlichen Umgang mit diesem Begriff, der sich als stumpfe Waffe herausstellen könnte, wenn er wirklich angebracht ist. Schon mein Vater wurde…

Jawohl, so wird’s gemacht: Erst eine Behauptung über den Zustand der Gesellschaft aufstellen und sich dann prompt wieder auf die familiäre Ebene fallen lassen. Weitere Belege für die Behauptung: Fehlanzeige. Nach dieser argumentatorischen Glanzleistung folgt eine ausführliche Zusammenfassung vergangener Ereignisse, die sich so spannend liest wie der Schulaufsatz eines 10-jährigen Kindes, das zur Abwechslung einmal nicht mit einem verwandt ist. Spannung kommt erst wieder auf, nachdem Hecht-Galinski ihre These “Antisemitismus ist nicht gleich Antizionismus” in anderen Worten wiederholt, vermutlich damit sie auch derjenige verstehen kann, der die Überschrift nicht gelesen hat:

Natürlich habe ich nur etwas gegen das Wort „antisemitisch“, nicht aber „antizionistisch“, da ich mich gerade gegen diese Gleichsetzung der Begriffe „Antizionismus“ und „Antisemitismus“ wenden möchte. Die israelische Politik zu kritisieren betrachte ich keinesfalls als antisemitisch.

Und der Beleg für die These? Richtig: Die Anderen sagen das auch:

Unterstützung findet meine These bei renommierten israelischen Historikern wie Tom Segev, beim ehemaligen Botschafter Israels in Deutschland, Avi Primor, sowie bei Wissenschaftlern wie Alfred Grosser (siehe: Antisemitismusstreit: Alfred Grosser antwortet auf Broder) und Michal Bodemann.

Vielleicht sollte ein milde gesonnener Mensch Frau Hecht-Galinski bei Gelegenheit einmal erklären, dass die Richtigkeit einer Aussage nicht an andere Personen gebunden ist, die der Aussage ebenfalls zustimmen.

Übrigens: Wirklich schön ist die Beschreibung Hecht-Galinskis seitens der F.A.Z. (Printausgabe):

Evelyn Hecht-Galinski ist die Tochter des ehemaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Quelle: F.A.Z. vom 26. September 2008, S. 44.

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