Zeitung für Schland

ZEIT-Geistesgröße Ulrich Ladurner deckt auf: Obama kein Pazifist!

Posted in DIE ZEIT by Mr. Moe on April 5, 2009

Wer wissen will, was auf dieser Welt alles falsch läuft, braucht nur die ZEIT aufschlagen und Ulrich Ladurner lesen. Ladurners neustes Traktat entblößt „den Bush in Obama“, ganz genauso wie bisweilen nach dem „Hitler in uns“ gesucht wird. Von einer gewissen Schadenfreude über die schlussendlich auch ins Bewusstsein der „Friedens-Freunde“ herabgesickerte Erkenntnis, dass auch Barack Obama kein Pazifist im schlimmsten Sinne des Wortes ist, einmal abgesehen: Was Ladurner abliefert ist nichts anderes als Appeasement in Reinkultur und als solches Ausdruck eines Zurückweichens vor der Barbarei, auf das Menschen wie Ladurner auch noch stolz zu sein pflegen.

Bereits der erste Satz aus Ladurners Feder ist eine Lüge, die an Dreistigkeit kaum zu überbieten ist:

Barack Obama weitet den Krieg nach Pakistan aus.

Als ob der Krieg nicht längst auf Pakistan ausgeweitet worden sei, und als ob dies nicht am Terroristenpack sowie der pakistanischen Regierung lege, die nur unzureichend gegen selbiges vorgeht oder gleich mit ihm kooperiert. Nein, Ladurner gibt lieber denjenigen die Schuld, die sowieso immer Schuld sein müssen: den Amerikanern. Ladurners Verblendung diesbezüglich ist soweit fortgeschritten, dass er Obama sogar dafür kritisiert, es in einer Rede ausnahmsweise einmal versäumt zu haben, die „moderaten Taliban“ (Lesetipp bezüglich dieses Schwachsinns: “The moderate Taliban,  a field guide“) ausdrücklich zu umgarnen:

Die Afpak-Strategie Obamas also lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen: mehr Soldaten, mehr Schulen, mehr Bomben, mehr Straßen. Und ja, reden mit den »moderaten Taliban«. Allerdings nahm Obama dieses Wort nicht einmal in den Mund, als er (vor versammelter Presse) seinen Ansatz erläuterte. Im Gegenteil, da war viel Bush in Obama, viel »Wir werden euch besiegen«-Botschaften an die Taliban und an al-Qaida.

Den Terroristen zuzurufen, dass sie verlieren werden, ist eine kriegerische Provokation sondergleichen, die Ladurner Obama natürlich nicht durchgehen lassen kann. Dass wäre ja fast so, als sagte man einer menschenverachtenden Ideologie den Kampf an, das geht doch nicht:

Auch die Sprache Obamas lässt an Klarheit nichts zu wünschen übrig: »Al-Qaida ist ein Krebsgeschwür, das Pakistan bedroht« – das hätte Bush nicht anders formuliert.

Und Klein Hänschen hätte das auch nicht anders formuliert, weil es nun einmal der Wahrheit entspricht. Es wäre interessant zu wissen, welche Bezeichnung Ladurner für die Al-Qaida vorziehen würde, verraten tut er es leider nicht. Nahezu putzig ist indes, wie Terroristen-Apologet Ladurner versucht, polemisch zu werden:

Obama versuchte in seiner Rede zwar die Pakistaner zu überzeugen, dass sie in einem gemeinsamen Abwehrkampf mit den USA stünden. Doch machte er auch klar, dass er handeln werde, wenn es die Pakistaner nicht selbst täten. Aber was bedeutet das? Was genau müssen die Pakistaner tun, um zu verhindern, dass die USA aktiv werden? Alle Taliban erschießen? Reicht der Kopf von Osama bin Laden? Oder müssen die bergigen Stammesgebiete an der afghanischen Grenze so friedlich sein wie die Schweiz, bevor sie von Angriffen verschont werden?

Ladurners Zynismus einmal außen vorgelassen stört ihn zudem, dass Obama es wagt, amerikanische – und nicht zuletzt: weltweite – Interessen zu vertreten, die er selbst als Appeaser aus Überzeugung nun einmal nicht teilt:

Eines ist gewiss: Nur Washington entscheidet, was die richtigen Antworten sind, nicht die Pakistaner. Das Schicksal Pakistans, das kann man nach der Rede Obamas sagen, liegt in den Händen des US-Präsidenten.

Und da Obama die Frechheit besitzt, zur Not auch mit Gewalt gegen Terroristen vorzugehen, gefährde er – und nicht etwa das Terroristenpack! – Ladurner zufolge die „Stabilität“ in Pakistan:

Wie destabilisierend diese dunkle Drohung auf Pakistan wirkt, darauf verschwendet kaum jemand einen Gedanken. Wie kann ein Land stabil bleiben, das permanent von außen mit Krieg bedroht wird?

Als ob Pakistan stabil sei. Als ob Pakistan nicht im Swat-Tal die Scharia eingeführt hätte, so dass Frauen dort kaum noch Rechte haben und  öffentlich ausgepeitscht werden. Nein, Ladurners Meinung nach resultieren die Probleme Pakistans einzig und allein aus den amerikanischen Kriegsdrohungen. Und zum wiederholten Male stellt sich dem ZEIT-Leser die Frage: Ist Ladurner ein heimlicher Meister der Ironie oder ist der wirklich so verblendet?

Gegen Ende bekommt es Ladurner wenigstens einmal hin, eine halbwegs vernünftige Frage zu stellen:

Warum profiliert sich der Irakkriegsgegner Obama so stark als Krieger? Warum will er einen Krieg (Irak) beenden und einen neuen beginnen (Pakistan)? Die Antwort lautet: Weil er glaubt, dass in Afghanistan der »richtige« Krieg ausgefochten werde, während der Irakkrieg der »falsche« sei.

Ladurners Antwort hingegen spottet, wie nicht anders zu erwarten, jeder Beschreibung:

In Sachen Irak kann man ihm schwerlich widersprechen. Egal, wie stabil, wie sicher und wie demokratisch der Irak nach dem Abzug der USA sein wird. Ein Krieg, der etwa einer halben Million Zivilisten das Leben gekostet, das Völkerrecht gebrochen, die UN nachhaltig beschädigt, das Vertrauen in die USA auf Jahre hinaus beeinträchtigt, die Menschenrechte mit Füßen getreten und das Land tribalisiert hat – ein solcher Krieg kann nicht mehr »gut« werden. Er ist verloren.

Wer will Ladurner angesichts solcher „Argumente“ noch widersprechen? Spannend ist jedoch, dass Ladurner sich über die vermeintliche Deutungshoheit der Vereinigten Staaten echauffiert, selbst aber einen unerträglichen Duktus an den Tag legt, der vermuten lässt, dass König Ulrich vom Berg der Weisheit gestiegen ist, um der Menschheit die vollkommene Wahrheit zu verkünden. Im Übrigen zeigen Ladurners folgenden Ausführungen einmal mehr, dass er sich einen feuchten Kehricht um Menschenrechte schert:

Die Taliban sind eine nationalistische Bewegung. Ihr Ziel ist es – das einzige, das sie eint –, die fremden Truppen aus dem Land zu werfen. Al-Qaida hat eine internationalistische Agenda. Sie möchte das Kalifat wieder errichten. Mullah Omar ist ein halb alphabetisierter Mullah vom Land. Osama bin Laden ist der gebildete Sohn einer reichen saudischen Familie. Durch Obamas Schießschartenblick erscheinen sie aber gleichförmig: als Feinde, die man bekämpfen muss.

Mit anderen Worten: Lasst die Taliban in Afghanistan doch Frauen auspeitschen und Homosexuelle hinrichten wie es ihnen beliebt, so lange sie es nur innerhalb ihrer Grenzen tun und das Redaktionsgebäude der ZEIT nicht ins Visier nehmen. In Anbetracht solcher Worte kann zu keinem anderen Schluss gelangt werden, als dass Ladurners Verweis auf die „Menschenrechte“ heuchlerisch ist, und er selbst die personifizierte Doppelmoral darstellt.

Gegen Ende beweist Ladurner abschließend auch noch, dass ihn wie so viele seiner Kollegen klassischer Antiamerikanismus antreibt. Denn auf die von ihm selbst gestellte Frage, warum Obama eine „gewaltige Kriegsmaschinerie“ in Gang gesetzt habe und in Afghanistan Krieg führe, antwortet er:

Obama ist der Herr einer Kriegsmaschinerie, die jährlich 500 Milliarden Dollar verschlingt. Das ist mehr, als Europa und Asien zusammen für Rüstung ausgeben. So viel Masse drängt zur Tat. Kann sein, dass Obama den Krieg eskalieren lassen will, um ihn zu beenden, doch gerät er dadurch so tief in »Afpak« hinein, dass er nicht mehr ohne Schaden rausfinden wird. Obama hat sich auf den von Bush begonnenen long war eingelassen – auf einen Krieg ohne Ende. Begonnen hat er in Afghanistan. Jetzt geht er in Pakistan weiter. Obama hat das schlimmste aller Erbstücke Bushs nicht von sich gewiesen, er hat es angenommen.

Bleibt zu fragen: Was hat Ladurner genommen und wo bekommt man es?

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