Zeitung für Schland

Behauptungen und Tatsachen

Posted in Zwei mal Drei macht Vier by Mr. Moe on April 23, 2008

Die F.A.Z., respektive Christian Geyer, arbeitet weiterhin an der Stilisierung Jürgen Todenhöfers als Ikone der Pressefreiheit und Held der freien Meinungsäußerung. Um die banale Erkenntnis zu verbreiten, dass Medien die Wirklichkeit nicht eins zu eins abbilden können, bedürfe es Geyer zufolge „eines radikalen Kopfes wie Todenhöfer“. Wen stört es da schon, dass sich Todenhöfers Kernsatz – „Jeder hat ein Recht auf eigene Meinung, aber keiner auf eigene Fakten“- ob dessen eigenen Beharrens auf vermeintlich „einfache Fakten“ wie eine Persiflage seiner eigenen Methode liest. Christian Geyer hingegen vermutet gar, dass Todenhöfer auf „bisher unwiderlegte Fakten gestoßen [sei], für deren Verschweigen Bush wahrscheinlich viele, viele Dollar lockermachen würde“. Solch unsinnigen Behauptungen fügt Geyer ein unerträgliches Gemisch aus anhimmelnder Bewunderung („der Autor hat ein Händchen für Dramaturgisches“, „dieser gebildete Autor“, „Das macht Todenhöfer glaubwürdig, verleiht seinem Buch Autorität“) und eine schlichte Negation der Realität („Todenhöfer selbst – alles andere als ein Antiamerikanist“, „Todenhöfer ist kein Eiferer“) hinzu. Todenhöfers eigene Selbstglorifizierung („Meine Art der Informationsbeschaffung […] wird mir zu Hause nur Schwierigkeiten bereiten“), vermag Geyer dabei nicht zu stören. Besonders augenscheinlich wird Geyers blinde Verehrung, wenn er Todehöfer unterstellt, dass dieser „Widerstandskämpfer im Irak“ und „Terroristen von Al Qaida“ gerechtfertigterweise auseinander halte, jedoch ein paar Zeilen später schreibt, dass Todenhöfer festhalte, dass „die Hauptursachen für den Terrorismus in der Tradition von Kolonialismus und Neokolonialismus, von Ignoranz und Herablassung in den Beziehungen von christlichem Okzident und islamischen Orient“ bestündet seien. Demnach sei der Irak-Krieg auch“lediglich ein Kapitel der seit Jahrhunderten nicht endenden Aggressionspolitik Europas und der USA gegenüber der muslimischen Welt“. Solche Aussagen tragen laut Geyer zu einer „fairen Darstellung eines weltpolitischen Konflikts“ dar und werden dementsprechend auch nicht als Ausgeburt eines altbackenen typisch-deutschen Meinungsjournalismus entlarvt, sondern als knallhart recherchierter Faktenjournalismus verkauft.

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Eine Antwort

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  1. JEW said, on April 25, 2008 at 11:36 am

    Danke, Mr. Moe, für diesen Hinweis. Leider empfiehlt die F.A.Z. nun bereits zum zweiten Mal das Haßbuch von Todenhöfer. Schon der notorische Nils Minkmar konnte sich dem Charme des „gepflegten ewigen Studenten“ nicht entziehen:

    http://www.faz.net/s/RubC17179D529AB4E2BBEDB095D7C41F468/Doc~EE33DF9AC26684351B19C9AD40529A5D4~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Todenhöfer vereint sie alle, links- und rechtsextreme sowie islamistische Amerikahasser und Anti-Westler. Warum wir aber mehr von solchen „Irren“ nötg haben, erschließt sich mir nicht.

    Cheers
    JEW


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