Zeitung für Schland

Phantasien eines Mannes

Posted in Deutsche Zustände by Mr. Moe on April 26, 2008

Klaus Theweleit, Autor des Buches „Männerphantasien“ schreibt in der F.A.Z. über Léon Degrelle, den belgischen Faschistenführer, an den Jonathan Littell seinen Max Aue angelehnt haben soll. Der Artikel ist dabei als Fortführung Theweleits Gedankens aus „Männerphantasien“ zu sehen,

den Faschismus, den Nationalsozialismus, nicht als Ausgeburt einer fürchterlichen „Ideologie“ zu beschreiben, sondern, ausgehend vom Mann-Frau-Verhältnis in der europäischen Geschichte, als eine gewalttätige Art und Weise, „die Realität“ herzustellen: die politische mörderische Realität des faschistischen Gewaltstaats nicht als Folge von Ansichten, Ideen oder Industrie-Interessen, sondern als umgesetzten Ausdruck verheerender Körperzustände seiner Protagonisten – der faschistische Staat als Realitätsproduktion des Körper des soldatischen Mannes.

Es gebe daher eine „universelle Struktur ‚des‘ Körpers des soldatischen Mannes […] zumindest in der eurasisch-amerikanischen, in der japanischen, in der islamischen Mann-Kultur.“ Oder anders ausgedrückt: Eigentlich gibt es überall auf der Welt (männliche) Faschisten, vor allem dort, wo der Faschismus als politisches System existiert oder existierte. Konkret verbirgt sich hinter derlei verklausuliertem Unsinn dann folgendes:

Es geht nie nur um die Tötung, es geht auch um institutionalisierte Neugeburt. So waren die KZs für den Körper des Deutschen nicht nur als Vernichtungsfabriken angelegt. Es waren auch Großlabore, Versuchsstationen für die Geburt des kommenden arischen Herrschermenschen. Dieser sollte erstehen aus dem Tod der Juden. Die überlegene Energie alles „Jüdischen“ sollte eingehen in den neuen deutschen Überleib. Ein Vorgehen, das nicht einfach dem „Hass auf alles Jüdische“ entsprang, wie Daniel Jonah Goldhagen sehr oberflächlich entwickelt – und Jonathan Littell zutreffend kritisiert hat. Es ist vielmehr ein fundamentaler Neid; Neid und Wut auf die Position des „auserwählten Volkes“, die „der Deutsche“ als „Arier“ selbstverständlich selber beanspruchte. Der Hitler-Staat war das übergeordnete Organisationsbüro dieser Selbstermächtigung: Erreichen der Körperganzheit im orgiastisch empfundenen erlaubten Mord an den Juden = „neuer Mensch“.

Demnach sei Eichmann auch kein Antisemit, sondern nur ein „funktionaler Antisemit“ gewesen. Dass diese Unterscheidung in der eliminatorischen Praxis aufgehoben wird, und dass Theweleit die Besonderheit des Nationalsozialismus mit seiner Theorie nicht nur nicht zu erklären vermag, sondern a priori negiert, scheint Theweleit entweder nicht zu bemerken – oder nicht zu stören. Daher schließt sein Artikel auch mit der üblichen Kränkung der persönlichen Eitelkeit infolge einer vermeintlichen Missachtung und Ungerechtigkeit seitens der Welt:

„Männerphantasien“ ist von vielen Menschen gelesen und gelobt worden, besonders in der akademischen Welt der Vereinigten Staaten. Wirklich mit dem Buch gearbeitet haben nur wenige; es ist offenbar zu schmerzhaft.

Daran wird’s liegen.

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2 Antworten

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  1. […] den Lagerkommandanten in Auschwitz: niemand [waren – wie wir dank Klaus Theweleit wissen alles nur „funktionelle Antisemiten“]. Und so weiter. Tagged with: Die Anderen, F.A.Z. « Phantasien […]

  2. achim said, on April 30, 2008 at 7:29 pm

    Hallo,
    Euer Fertigmach-Kommentar zu Theweleits Herleitungen sind unfair und falsch, denn er lebt von dem aus dem Zusammenhangreißen aus Artikel und – dank auch linker und antifa.- Patriarchen – aus einer weitgehend fremden Materie.
    Theweleit erklärt das Faschistische aus einer Fülle von Dokumenten als perverses Bedürfnis und zerstörerischen Vorstellungen, die durchaus mit der von ihm und Dr. W. Reich studierten Körperzurichtung und inneren „Panzerung“ in Verbindung steht.
    Also aus einem zunächst individuellen, allerdings gesellschaftlich erzeugten Zustand von Individuen, die faschistische Art der Aktion oder Dominanz zu erfahren suchen, bevor sie historisch betrachtet als typisch für den Faschismus und v.a. „die Bewegung“ (dahin) mehr oder minder im Nachhinein evident wurden.

    Dabei geht es den v.a. nazi-faschistischen Vorreitern und sich bildenden Kerngruppen bei aller Antibürgerlichkeit oder Antikommunismus weder darum was wir uns egal ob kleinbürgerlich oder proletarisch vorstellten unter Erhalten des Kapitalismus noch unter (der Hoffnung auf) revolutionären Impuls durch Antisemiten, wie ihn sich nicht wenige KPisten zusammen mit Arafat und PLFP erhofften, aber noch nach Marr, Dühring u.a. Sozialdemokraten oder Linksradikalen und schon gegen den Zionismus in der 1925/33er ROTEN FAHNE für den Sturz der Kapitalisten . . .
    Noch erklärt sich Neigung, noch das Motiv zum faschistischen (Massen-)Mord mit dem Schwerpunkt zur Vernichtung der Juden und ihrer Kultur aus dem sich tatsächlichen Bereichern durch Raub vor´m Mord oder zB. das Halluzinieren und Empfinden von lustvoll individuellem Leben oder verführerisch weiblicher Sexualität als jüdische Ausgeburt.
    K.Th. beschreibt anhand autobioraphischer, nicht propagandistisch-politischer Selbstdarstellung aus der Vor(-vor)Nazizeit, ergänzt um Mittelalter-/Neuzeit- , körperorientiert -psychologischer oder auch Autisten-Forschern solche Gruppendynamik u.a. beim alten Berufsmilitär an halben Kindern noch, sowie bei der typischen lustfeindlichen Mittelstandserziehung, die eine mordsfidele Generation heranwachsen ließen, – während anderswo germanomanische, „rassen“antisemitische, arier-asiatisch-magische, islamo-antiwestliche, reinheits-volkszuchtsnordische, volkskörper-chirurgisch-mörderische, naturverbunden-romatizistisch-antizivilisatorische, bluts-landherr-elitäre Ideen entwickelt wurden – die die fanatischen Vorreiter ierst mit Ende des 1.WKs politiisert zu interessieren beginnen — oder solche Ideen, die von solchen, zumindest halbwegs faschistischen Charakteren entwickelt wurden.

    Daß ohne deren spätere griffige, v.a. in Rede(-Marathons) vorgetragene Formulierung, durch die „Protokolle…“ und „Mein Kampf“-beseelten reden, popularisiert auch durch konkrete Verbindung zu aktuellen Nöten und Ängsten – aber viel mehr Rache- und Größensehnsüchten ! – das 3.dt. Reich mit seinen modernen und noch umfassenderen Mobilisierungsmöglichkeiten, daß der Weltverschwörungs-/Deutschland-Umzingelungs-Antisemitismus also die politisierte Groß-Freiheitsidee keine sehr wichtige Rolle gespielt hat, schreibt Theweleit soweit mir erinnerlich an keiner Stelle.

    Doch setzt er sie in konkrete Beziehung mit dem Hinweis auf nicht-kapitalistische, nicht-nur-außenweltliche und nicht-politische Wuzeln und rückt damit die Arroganz und auch wissenschaftliche Ignoranz der Alt- und Neulinken zurecht, die mit einem falschen Realitätsbegriff mit dem missbrauchten „objektiv“ versus „subjektiv“, entsprechend falschen „ration“ versus „irratio“ sowie hilflosen „bewußt“ und „unbewußt“ ihre Nichtlernen oder in manchen Fällen gar eigene Affinität zum Faschistischen verdrängen, andere niedermachen oder auch verbergen.
    Nicht zufällig ergeben sich aus „Männerphantasien“ ohne alles in einen Topf zu werfen neue und logische Erklärungskräfte zum Stalinismus und ähnliche Gründe für von linken Personen und Bewegungen kommende Beherrschungs- und Unterdrückungsgelüste. – Die Missachtung authentischen linken und faschsitischen Materials ist schon erschreckend und z.T. auch eine bequeme folge des kalten Krieges, so auch zum Verhältnis Russland-Antisemitismus-Deutschland-Islam-Arafat-KGB(!)-Verschwörungswahn-Djihad. . .und ihrer immer systematischeren Propagandaerfolge.

    – Der „stalinistische“ Philosoph Bloch war mit seinem Hinweis „nicht die Ideologie der Nazis ist so ersnst zu nehmen, sondern ihre E n e r g i e“ schon der Theweleitschen Wahrheit auf der Spur, wie Adorno und Horkheimer 1944 mit „Interesse am Körper“ oder Bert Brecht mit seiner Bemerkung auf dem Sterbebett „wir haben uns zu wenig um d a s Gefühl gekümmert!“, geschweige denn was Dr. W. Reich zum „Freiheitskampf“ beigetragen, kritisiert oder alternativ vorgestellt hat. – Klar ist, daß Zitate und Literaturhinweise dieser Art auch bei der aufgeklärteren Linken und bei wirklichen ISRAELfreunden so gut wie nicht vorkommen; auch dies Thema soll beherrscht sein – und das ist im positiv gemeinten Verteidigungskampf der Argumente und Demonstrationen, zwischen der berechtigten Wut und Ohnmacht gegen die Kulturrelativisten und Terroristenversteher alles andere als leicht oder erhebend.
    – Nur Theweleit, vielleicht mangels Kriegstot, Vertreibung (zwar halbwegs aus der Linken und marxistischer wie bürgerlicher Kritikerphsäre) und anderer Extremkatastrophen, vielleicht weil er sich theorie-immanent geweigert hat einen eigenen Ismus auf die Beine zu stellen; dabei erweiterte er mir mit seinem Doppelband lange vor´m Kennenlernen der antideutschen Position oder jungdemokratischer Adorniten, die Möglichkeiten meiner Kritik und rationaler Entschlüsse, ohne der verheerend falschen Parole „das Private ist politisch“ ( i. S. v. gleich dem Politischen) mit faschistoiden Latenzen anheimzufallen . . .
    – Allein solche Erweiterung des geistigen „Waffen“arsenals und des Begreifens schon sollte den vielen amateur-, semi- und professionellen Herren der Kritik Anreiz genug sein, sich mit Theweleits Kritik vertraut zu machen, selbst wenn sich eins der Werke auf die er sich teilweise bezieht, wie auch von M.Foucault, Deleuze/Guaretti, E. Canetti , Norbert Elias, W. Benjamin, Sohn-Rethel, Freud, Lucas, M. Mahler und andere teilweise falsch sein sollte.

    Auch der antiwestlich/antijüdische und aktuell mobilisierende Kampf der „Kultur“en gegen die Internationalisierung und Auflösung der Be-Grenzung ist nicht Theweleits Thema (gewesen), doch zeigt er gerade bei dem jetzt mehr als Nation, Heer, Rasse usw. zentralen deutschen Begriff der Kultur dessen auch antifortschrittlich aber positiv empfundene Verwurzelung beim deutschen Mittelstandindividuum auf – samt seiner Entsprechung zum Rassenbegriff, der doch zunächst nicht biologistisch daherkam. – So vergessen die allermeisten oder haben es nie gewußt, dass Antisemitismus nicht eine Sonderfall des „Rassismus“ ist, sondern Rasse von diversen den Judenhass- und Angst modernisierende und politisierende Antisemiten unters Volk gebracht wurde. . .auch das mit aktuell brennendem Bezug zum Djihad und indbesondere zur Verteidigung ISRAEL (Wikipedia gibt da eine gute Überdicht, auch über linke Rassen-Antisemiten…).

    Aber es gibt Erkenntnisse, die auch einem wichtigen Teil wirklich Gutwilliger so unangenehm unter die Haut gehen, daß sie tatsächlich das Instrumentarien samt der Veröffentlichung dazu lieber zurückweisen, lächerlich machen oder verschweigen, – insbesondere wenn nolens volens „das Eigene“, das verwurzelte Sosein empfindlich berührt wird, Gedanken bis in die „Eingeweide“ gehen. (- Nie erlebt ?1) – Von daher ist Klaus Th. nur zuzustimmen, entgegen des hier doppeldeutigen Häme-Drehs.
    Ein „theweleitscher“ Fehler wäre allerdings, und so wollte er damals jedenfalls nicht verstanden werden, dass seine „Faschismus-Theorie“ die der theoriebeherrschenden anderen ersetzen sollte : Genau diesen doppelbödigen Eindruck – und das ausgerechnet am heikelsten da extremsten Faschismus-Gegenstand der Massenvernichtungslager — scheint der Kritiker auch durch die Auswahl
    der Zitate aus dem FAZ-Artikel über den belgischen Führer Leon Degrelle vergräzt ifunktional dem Leser nahezulegen.

    Wie geistig(-körperlich ?) abgeschottet Faschisten-Analytiker und Holocaust-Historiker sind, abgesehen von dem eher massen- und individual-psychologisch/herrschaftsgeschichtlichen Ansatz sind, zeigt sich ausgerechnet in Beispielen und am Beispiel der Arbeit von Gunnar Heinsohn von vor 10 Jahren, WARUM AUSCHWITZ ? über die „rationale“ „kultur-politische“ Kernidee A. Hitlers und führender Antisemiten aus der Intelligenzia zur letztendlichen Durchführung der Totalvernichtung : Diese Macht der Idee aus der erlangten Über-Macht, wie die Idee, die sie gebar und rationalisiert-fanatisiert ermöglichte, die sog. „Protokolle der Weisen von Zion“ scheint auch die Anti-theweleitianer so wenig zu interessieren, die ( die versammelten Kulturredaktionen sich für die ) Zerstörungskraft, die aus der Formierung des pervertierten „Über-Lebens“-Lustkampfes kam.

    Wer anhand noch anderer Arbeiten Gehalt Theweleit´scher Ideen und die erschreckende Oberflächlichkeit der üblichen Nazi-Faschismus-Erklärung überprüfen möchte, lese/sehe neben G. Heinsohns WARUM AUSCHWITZ ? von Christel Neusüss DIE KOPFGEBURTEN DER ARBEITERBEWEGUNG – ODER GEN. LUXEMBURG WIRF ALLES DURCHEINANDER, von Antonia Grunenberg ANTIFASCHSIMUS — EIN DEUTSCHER MYTHOS ; von Rene Freund BRAUNE MAGIE ? ; Diverses von Dr. Wilh. Reich ; Schüller/van der Let RASSE MENSCH ; ein Video MEIN KRAMPF über Adolf Lanz, Strinberg und Co. , oder eine DVD etw. Mythos der sSchwarzen Sonne ,


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