Zeitung für Schland

Übersetzungsfehler und Kriegstreiberei

Posted in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe on Mai 28, 2008

F.A.Z.-Autor Wolfgang Günter Lerch zufolge seien die von der iranischen Regierung unterstützten Gespräche führender iranischer und katholischer Theologen nicht mit den Vernichtungsdrohungen des iranischen Präsidenten Ahmadineschads gegenüber Israels vereinbar. Dies wiederum nimmt F.A.Z.-Leser Prof. Em. Dr. Nikolaus Läufer als Anlass, der F.A.Z. in der Ausgabe vom 28. Mai 2008 zu vorzuwerfen, dass sie sich an der Vorbereitung eines Krieges gegen Iran beteilige. Denn:

Ich meine dagegen, dass man sich fragen sollte, wie Lerch das Unmögliche schafft, sich in den Phantasien des iranischen Präsidenten auszukennen?

Nun ist hinreichend bekannt, dass Ahmadineschad seine Phantasien zum einen eben nicht für sich behält, sondern vielmehr zu jeder sich bietenden Gelegenheit in die Welt hinausposaunt (vgl. etwa seine Rede anlässlich des 60. Jahrestages Israels sowie Matthias Küntzels Kommentar zu Ahmadieschads Terminologie) . Zum anderen – und das wiegt ungleich schwerer – handelt es sich bei Ahmadineschads Äußerungen eben gerade nicht um bloß abstrakte Phantasien, sondern um einen ideologisch begründeteten Kampf, der jeder Zeit konkret werden kann bzw. sich in Form der Unterstützungen von Hisbollah und Hamas bereits manifestiert. Prof. Läufer hingegen beruft sich in seiner Argumentation auf die in Deutschland populäre Behauptung, dass es sich bei Ahmadineschads Äußerungen doch lediglich um Übersetzungsfehler handle:

Denn es ist längst bekannt, dass die Vernichtungsgeschichte durch einen Übersetzungsfehler zustande gekommen ist.

Der einzige Vorwurf der Ahmadineschad demnach gemacht werden könnte sei, dass sich der ehrenwerte iranische Präsident nicht gegen die haltlosen Anschuldigungen des Westens gewehrt habe:

Man wirft dem iranischen Präsidenten nur noch vor, dass er sich nicht durch eine Richtigstellung gegen den Übersetzungsfehler gewehrt hat. Als ob ein Präsident Irans nichts Besseres zu tun hätte, als den Verleumdungen durch westliche Medien hinterherzulaufen.

Auch wenn eigentlich hireichend bekannt ist, was Ahmadineschad „Besseres zu tun hat“, sieht Prof. Läufer in den unangebrachten Anschuldigungen des Westens als Teil eines perfiden Plans:

Bei den Vernichtungsphantasien des iranischen Präsidenten handelt es sich um eine jener Fiktionen westlicher Medien über die Achse des Bösen, mit denen der nächste militärische Schlag gegen die islamische Welt begründet und medial vorbereitet wird.

Vielleicht auch aus diesem Grund befasst sich Prof. Läufers Blog „Seestrasse“ nicht zuletzt mit „amerikanischer Agression“ (sic!) und dem Einfluss der „Israel-Lobby“ auf die Iran-Politik der USA.

Quelle: F.A.Z. vom 28. Mai 2008, S. 8.

Eine Antwort

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  1. […] dem Blog Zeitung für Schland wird unter der Überschrift Übersetzungsfehler und Kriegstreiberei ein Leserbrief in der FAZ von dem emeritierten Professor Dr. Nikolaus Läufer (Professor an der […]


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