Zeitung für Schland

Israel, der SPIEGEL und der drohende Krieg

Posted in SPIEGEL & SPIEGEL ONLINE by Mr. Moe on Juni 23, 2008

An Widerwärtigkeit schwerlich zu überbieten ist die andauernde Beschwörung eines israelischen Angriffs auf die iranischen Atomanlagen seitens des SPIEGELs. Unter dem reißerischen Titel „Plan zum Angriff“ schreibt der SPIEGEL, dass in Israel „lediglich über den richtigen Zeitpunkt eines Militärschlags“ nachgedacht werde:

Die Tauben plädieren dafür, den diplomatischen Bemühungen der Vereinten Nationen so lange Zeit zu geben, bis Iran kurz vor Vollendung der Bombe steht. So könnte Israel immerhin überzeugend argumentieren, dass alle nichtmilitärischen Möglichkeiten ausgeschöpft seien.

Es liegt auf der Hand, dass derjenige, der „immerhin überzeugend argumentieren“ könnte, in Wahrheit niemals im Recht sein kann. Demgemäß hält es der SPIEGEL dann auch mit der militärischen Verteidigung Israels:

Der israelische Historiker Benni Morris, sonst nicht als Hardliner bekannt, forderte kürzlich gar, sie [die israelische Atombombe, Mr. Moe] einzusetzen: „Wenn es darum geht, ob Israel sterben soll oder Iran, sollte Iran sterben“.

Ungeachtet der Tatsache, dass Benny Morris nicht Benni Morris heißt, ist dem SPIEGEL zufolge demnach also schon die reinste Form der Notwehr, denn um nichts anderes geht es in dem Kontext von Morris Zitat – abzulehnen. Und es wird noch besser:

Während die Europäer weiterhin auf Diplomatie setzen und überzeugt sind, dass eine für Teheran gesichtswahrende [!] Verhandlungslösung immer noch möglich ist, gilt den Israelis die Sanktionspolitik im Rahmen der Vereinten Nationen bereits [!!] als gescheitert.

Unabhängig davon, dass eine „gesichtswahrende Verhandlungslösung“ für Iran das letzte ist was von  Relevanz ist, ist es äußerst zynisch nicht zu erwähnen, dass die „Sanktionspolitik“ sich seit Jahren als vollkommen wirkungslos erwiesen hat und infolgedessen von Iran zurecht verhöhnt wird. Der SPIEGEL hingegen weiß lediglich festzustellen, dass die ewig nörgelnden und ungeduldigen Israelis die Sanktionspolitik „bereits“, im Sinne von: „ungerechtfertigterweise“, als gescheitert ansehen. Verantwortlich machte Israel dafür nicht zuletzt auch die Europäer

Russland und China hätten den Boykott von Anfang an torpediert. Auch in Europa werde der Sanktionskurs nur halbherzig mitgetragen. Firmen aus Österreich und der Schweiz unterschrieben sogar noch in jüngster Zeit Gaslieferungsabkommen mit Teheran, und selbst [!] die deutsche Bundesregierung habe den Handel mit dem Mullah-Regime nur geringfügig eingeschränkt.

Wieso schreibt der SPIEGEL, dass Österreich und die Schweiz Abkommen unterschrieben haben, bemüht sich der im Falle der Bundesregierung aber des Konjunktivs? So entsteht der Eindruck , die Bundesregierung verhalte sich tadellos und es sei eine böswillige Unterstellung seitens Israels, dass Deutschland weiterhin umfangreiche Handelsbeziehungen zu Iran unterhält. In die gleiche Richtung geht es, wenn der SPIEGEL Ruprecht Polenz, Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, zu Wort kommen lässt, der im Atomkonflikt bereits auf sich aufmerksam gemacht hat (vgl. auch „Der beste Freund Israels“ auf Lizas Welt):

Der Eindruck, dass Israel mit der Möglichkeit einer iranischen Atombombe alleingelassen würde darf auf keinen Fall entstehen.

Unfreiwilligerweise trifft Polenz den Nagel auf den Kopf: Dass Problem besteht für die Europäer nicht darin, dass Israel alleingelassen wird. Das Problem Europas besteht ausschließlich darin, dass der Eindruck, dass Europa Israel alleine lässt doch um Himmels Willen nicht entstehen soll. Der SPIEGEL wiederum tut sein Bestes, dieser Maxime zu entsprechen.

Das perfide daran ist, dass der SPIEGEL dadurch, ebenso wie Europa, selbst dazu beiträgt, dass Israel in naher Zukunft gezwungen sein könnte, die militärische – weil in Folge der Appeasementpolitik Europas und der Vereinten Nationen einzig verbliebene – Option zu wählen. Dass dies dann jedoch nicht Israel zuzurechnen sein wird, sondern denjenigen, die die Gefahr einer iranischen Bombe nach wie vor kleinreden oder das Streben Irans nach selbiger gar bestreiten und so dazu beitragen, dass es keine wirksamen Sanktionen gegen Iran gibt, wird selbige nicht daran zu hindern vermögen, wenn Israel dann zum Äußersten gezwungen sein sollte, in gewohnt selbstgerechter Manier zu verkünden: „Wir haben es doch gewusst“.

Quelle: Ralf Beste, Cordula Meyer und Christoph Schult: „Plan zum Angriff“, in: SPIEGEL vom 16. Juni 200, S. 112-115.

Siehe auch: Clemens Wergin: „Teherans Bombe hat viele Väter – einer heißt Mohammed al-Baradei“.

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Eine Antwort

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  1. Iran (part 2) « Raumzeit said, on Juni 24, 2008 at 7:47 pm

    […] … ,sein Atomprogramm und die journailistischen Appeaser-Hofschranzen […]


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