Zeitung für Schland

Alles hat zwei Seiten

Posted in SZ by Mr. Moe on Juli 16, 2008

Thomas Avenarius von der Süddeutschen Zeitung ist ernsthaft der Ansicht, dass die moralische Bewertung Samir Kuntars vom Blickwinkel des Betrachters abhängig sei:

Samir Kuntar, verurteilt zu 542 Jahren Gefängnis, ist wegen des Anschlags von 1979 seit fast drei Jahrzehnten für die Israelis die Ausgeburt eines arabischen Terroristen. Für die Libanesen hingegen ist er der am längsten in Israel einsitzende Gefangene und ein Volksheld. Nachdem die Israelis ihn jetzt am Grenzposten Naqura übergeben hatten, wurden er und vier ebenfalls freigelassene Hisbollah-Kämpfer in Beirut empfangen wie Staatsgäste: Die Staatsführung des Libanon stand am Flughafen, der Tag selbst war zuvor zu einem Feiertag erklärt worden, auf den Straßen Beiruts gab es am Abend Feuerwerk.

Wie so häufig im Nahostkonflikt ist die Wahrnehmung in Kuntars Fall eine Frage der Perspektive. Daran aber, dass der Libanese den Vater und das Kind ermordet hat, bestehen nach dem Gerichtsurteil keine wirklich begründbaren Zweifel. Obwohl er selbst diese Tat bis heute bestreitet.

Festzuhalten bleibt: Wer angesichts des Tauschs der sterblichen Überreste zweier Soldaten gegen einen verurteilten Kindermörder schreibt, dass die anschließende Glorifizierung jenes Mörders doch von der Perspektive der Wahrnehmung abhängig sei, lässt hinsichtlich der Beurteilung seines eigenen Handelns keinen Spielraum: menschliche Niedertracht in reinster Form.

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