Zeitung für Schland

Über den Krieg oder: „Israels Zorn“

Posted in DIE ZEIT by Mr. Moe on Juli 16, 2008

Ulrich Ladurner widmet sich im Rahmen des wöchentlichen „ZEIT-Bildungskanons“ dem Thema Krieg. Und welches Beispiel könnte sich am Besten für die Darstellung des „schmutzigen Geschäftes“, der „Bestie“ des Krieges eignen? Viele Kandidaten böten sich an: Der erste Weltkrieg. Der zweite Weltkrieg. Der Vietnam-Krieg. Der Irak-Krieg. Oder doch einfach nur irgendeiner der zahlreichen andauernden Kriege überalle auf der Welt?

Ladurner hingegen fällr als Beispiel für die Brutalität des Krieges nur der Libanonkrieg von 2006 ein. Denn dort habe Israel Streubomben eingesetzt, was u.a. zu Folgendem geführt habe:

Die Möglichkeit, eines Tages im Bett des eigenen Kindes ein hoch gefährliches Ding namens M85 zu finden oder im Waschbecken eine BLU63, symbolisiert den modernen Krieg. Er macht nicht nur keinen Unterschied zwischen Zivilisten und Soldaten, vielmehr will er sogar die Bevölkerung terrorisieren.

Die hier bereits angedeutete Gleichsetzung der Kriegsführung des israelischen Militärs mit Terrororganisationen wie Hamas oder Hisbollah vollendet Ladurner einige Zeilen später gekonnt:

Während Streubomben auf den Süden des Libanons fielen, feuerte die libanesische Hisbollah Raketen auf Städte im Norden Israels. Da es ihr nicht möglich ist, den Gegner Israel militärisch zu besiegen, war das Ziel der Raketen, Schrecken unter den Zivilisten zu verbreiten. Beide Parteien taten dies im Namen der Selbstverteidigung. Dabei ging es um Terror, auf beiden Seiten der Front. Streubomben verbreiten unter den Zivilisten einen besonderen Schrecken, denn sie können nicht nur überall sein, sondern sie wirken auch noch Jahre weiter.

Doch nicht nur, dass es keinen Unterschied zwischen Israel und Hisbollah gebe. Zudem gelte für Krieg im Allgemeinen auch noch Folgendes:

Die Geschichte des Völkerrechts lässt sich lesen als ein einziger großer Versuch, Kriege zu verhindern, sie gar obsolet zu machen. Doch die Grundeigenschaft der Bestie hat sich nie geändert. Sie hält sich an keine Regeln, folgt nur ihrer Gier nach Vernichtung. Sie will jedes Gesetz brechen und die Zäune niederreißen, die man errichtet hat, um sie einzusperren.

Zusammenfassend lässt sich bis dahin festhalten: Israel unterscheidet nicht zwischen Zivilisten und Soldaten. Israel terrorisiert die (unschuldige) Bevölkerung. Israel ging es im Libanonkrieg nur darum Terror auszuüben. Israel führt Krieg was wiederum gleichbedeutend mit der „Gier nach Vernichtung“ sei. Um was geht es in dem Artikel nochmal? Und fehlt da nicht noch was? Ach ja, denn was wäre ein antiisraelischer Artikel ohne eine zünftige Verschwörungstheorie:

Viele Experten im Libanon vermuten, dass die israelische Armee den schon zu Ende gehenden Krieg nutzte, um ihre alten, in den siebziger Jahren hergestellten Bestände günstig loszuwerden – der Süden des Libanons als Müllhalde für explosives Material. Beweise für diese These gibt es nicht, denn die israelische Armee gibt keinerlei Erklärungen für ihr Verhalten ab

Was Ladurner hier veranstaltet ist äußerst beeindruckend: Zunächst wird eine krude und nicht begründete These ominöser „Experten im Libanon“ vorgestellt. Anschließend wird die Essenz dieser These als polemische Aussage formuliert, nur um abschließend einzugestehen, dass es keine Beweise für diese These gebe. Der Effekt dieser gezielten Verwirrung liegt auf der Hand.

Gegen Ende schildert Ladurner noch die Flucht einer libanesischen Familie vor dem unmenschlichen Israel:

Die Familie Gaffal floh, wie Hunderttausende andere Libanesen, im Sommer 2006 vor der heranrückenden israelischen Armee. Sie suchten Schutz vor den feuerspeienden Raketenwerfern, dem ohrenbetäubenden Lärm der Kampfbomber, der stahlspuckenden Artillerie.Sie machten sich damals auf in Richtung Küste, nach Tyrus, oder sie schleppten sich bis in die Hauptstadt Beirut. Nur weg von Al Bazourieh, weg von diesem Ort, der den Zorn Israels zu spüren bekam.

Die Rede vom „Zorn Israels“ gegenüber dem Libanon vermag angesichts der heutigen Ereignisse einer makaberen Ironie nicht zu entbehren.

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Eine Antwort

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  1. […] zu untersuchen, als jene beiden Journalisten, die sich in der Vergangenheit wahlweise als „Israelkritiker“, Terrorismusversteher und Apologeten des iranischen Regimes betätigt haben sowie – im Falle […]


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