Zeitung für Schland

Stefan Quandt und der freie Wille

Posted in Deutsche Zustände by Mr. Moe on August 4, 2008

Stefan Quandt, Sohn des deutschen Industriellen Herbert Quandt, hat in seiner – von der Öffentlichkeit wenig zur Kenntnis genommenen – Rede anlässlich der jährlichen Verleihung des „Herbert Quandt Medienpreises“ Stellung hinsichtlich der Rolle seiner Familie im Dritten Reich genommen:

Aber wir wissen, dass die von der Allmacht des Regimes getragene Propaganda, Brutalität und Unterdrückung das Leben und Handeln, ja das Überleben im „Dritten Reich“ nicht so einfach machte, wie es sich mancher Vertreter meiner – mit der Gnade der späten Geburt gesegneten – Nachkriegsgeneration vorstellt. Nein, es war eine Zeit ohne Meinungs- und Handlungsfreiheit, in der jeder – sei es Arbeiter, Beamter oder Unternehmer – für sich und für seine Angehörigen einen Weg finden musste. Manche, und mit der Zeit auch viele, folgten dem Nationalsozialismus aus Überzeugung. Viele andere gingen jedoch kleine und große Kompromisse ein, oder wurden zu ihnen gezwungen. In einem Klima der Angst und Verunsicherung erging es Günther und Herbert Quandt als Unternehmer nicht anders.

Unabhängig davon, ob man geneigt ist der üblichen „ihr-hättet-doch-nicht-anders-gehandelt“-Argumentation zu folgen: In Deutschland im Jahr 2008 kann sich Stefan Quandt nicht auf fehlende „Meinungs- und Handlungsfreiheit“ berufen. Demnach wird selbst Quandt nicht bestreiten können, dass er für die folgenden Ausführungen voll und ganz verantwortlich ist:

So ist in der Tat historisch erwiesen, dass Fremdarbeiter, Zwangsarbeiter und auch Häftlinge aus Konzentrationslagern in Werken unserer Gesellschaften gearbeitet haben. Und ich sage auch: Wir bedauern als Familie zutiefst die Bedingungen, unter denen diese Menschen fern der Heimat leben, arbeiten und auch leiden mussten. Und unsere Trauer gilt all denen, die das Ende des Krieges nicht mehr erlebt haben.

Es ist menschlich, für dieses Schicksal einen Schuldigen finden zu wollen. Doch in Anbetracht des Systems, das damals herrschte, stellen sich bei dieser Suche nach individueller Verantwortung viele Fragen, die nicht leicht zu beantworten sind: Fragen nach Freiwilligkeit oder Zwang. Fragen nach dem Folgen aus innerer Überzeugung oder dem Leisten zumutbaren Widerstands. Fragen nach dem wirtschaftlichen Vorteil billiger Arbeitskraft oder der Ineffizienz erzwungener Kriegsproduktion. [Hervorhebungen nicht im Original, Mr. Moe]

Wenn schon die Individuen nicht für ihr Handeln verantwortlich ist, wer dann? Ist Stefan Quandt etwa der Ansicht, dass eine Kollektivschuld des Deutschen Volkes bestünde? Installierte sich das „System, das damals herrschte“ unabhängig von den Menschen? Und würde Stefan Quant die selben Thesen vertreten, wäre seine Familie jüdischer Herkunft gewesen und von den Nazis enteignet worden?

Fragen über Fragen, die gewiss nicht leicht zu beantworten sind.

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