Zeitung für Schland

Und wieder einmal: Die Lust am Einknicken

Posted in Zwei mal Drei macht Vier by Mr. Moe on August 12, 2008

Wie bereits am vergangenen Sonntag auf Zettels Raum berichtet wurde, hat der dem deutschen Konzern Bertelsmann zugehörige Verlag Random House die Veröffentlichung des Buches „Jewel of Medina“ der amerikanischen Journalistin Sherry Jones zurückgezogen. Am heutigen Dienstag hat das Thema nun auch Einzug in die Feuilletons deutscher Tageszeitungen Einzug erhalten (nebenbei: soviel zu der vom SPIEGEL geführten Diskussion über die mangelnde Qualität deutscher Weblogs).Während die F.A.Z. weitestgehend neutral berichtet, schreibt Eva Schweitzer in der Frankfurter Rundschau über die Reaktionen auf den Fall:

Als aber die Vertragsauflösung bekannt wurde, brach erst recht Ärger los – diesmal von amerikanischen Bloggern. „Hat Random House es zugelassen, dass die Terroristen gewinnen?“, fragt Mediabistro.com. Gawker.com, ebenfalls ein Medienblog, meinte, offenbar sei es heute sehr einfach, ein Buch „umzubringen“. Noch mehr Kritik kam allerdings von Rechten: Das zionistische Blog Frontpagemagazine.com nannte Randoms Entscheidung „reaktionär und anti-demokratisch“. Und auf der Website Stoptheaclu.com hieß es, die Moslems sollten sich lieber darüber aufregen, dass Mohammed Sex mit einer Minderjährigen hatte. [Hervorhebungen nicht im Original, Mr. Moe]

Doch worüber überhaupt die ganze Aufregung? Thema des Buches „Jewel of Medina“ ist die Heirat des Propheten Mohammeds und seiner dritten Ehefrau Aischa, die bei der Hochzeit sechs Jahre alt und beim ersten Geschlechtsverkehr neun Jahre alt gewesen sein soll. Die Selbstzensur des Verlages Random House basiert unter anderem auf der Einschätzung von Denise Spellberg, Professorin für islamische Geschichte an der University of Texas, die das Buch nicht nur für „dumm und pornographisch, sondern auch für gefährlich“ hält. Nachdem Asra Q. Nomani im Wall Street Journal auf die ganze Angelegenheit aufmerksam gemacht hatte, verteidigte sich Spellberg in einer Stellungnahme wie folgt gegen die Vorwürfe:

I felt it my duty to warn the press of the novel’s potential to provoke anger among some Muslims.

Die – auf die Veröffentlichung von „Jewel of Medina“ möglicherweise folgende – Wut der Muslime könne Spellberg zudem nachvollziehen:

There is a long history of anti-Islamic polemic that uses sex and violence to attack the Prophet and his faith.This novel follows in that oft-trodden path, one first pioneered in medieval Christian writings. The novel provides no new reading of Aisha’s life, but actually expands upon provocative themes regarding Muhammad’s wives first found in an earlier novel by Salman Rushdie, „The Satanic Verses,“ which I teach. I do not espouse censorship of any kind, but I do value my right to critique those who abuse the past without regard for its richness or resonance in the present.

Interessant ist auch die Reaktion des Online-Magazins „altmuslim.com“, deren Herausgeber Shahed Amanullah bezüglich „Jewel of Medina“ zwar einerseits schreibt:

Watching this exchange over time has taught me that the best response to free speech is simply more speech in return. Anyone should have the right to publish whatever they want about Islam or Muslims – even if their views are offensive – without fear of censorship or retribution.

Andererseits gelte aber auch, dass:

Muslims, however, shouldn’t be expected to be passive consumers of these views. An offended Muslim has the right – indeed, the responsibility – to vigorously critique anything written about them or their religion, provided they do not cross the line into intimidation and coercion. In an ideal world, both parties would open their minds enough to understand the other point of view. [Hervorhebungen nicht im Original, Mr. Moe]

Ernüchterung bringt jedoch gleich der erste Kommentar zu dem Beitrag: Der Blog „Ethnic Ashkenazim Against Zionist Israel“ ruft zur Solidarität mit Denise Spellberg auf:

The issue is not free expression. We do not have free expression in the USA.How many Palestinian sympathetic Hollywood films have been produced?

Interessierte können den Prolog von „Jewel of Medina“ auf „Smart, Bitches, Trashy Books“ online lesen.

Quelle: Oliver Jungen: „Überfüllte Prophezeiungen: Zwei Jahre nach „Idomeneo“ trifft die vorauseilende Selbstzensur nun einen Mohammed-Roman“, in: F.A.Z. vom 12. August 2008.

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