Zeitung für Schland

Journalisten böse – China gut

Posted in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe on August 14, 2008

In unruhigen – und zu allem Überfluß auch noch olympischen – Zeiten weiß Tilman Kienle mithilfe seines Leserbriefes „Zersetzende China-Berichterstattung“ aufzuheitern:

Zu den Artikeln über China: Ich schäme mich für unsere Medien. Die Berichterstattung in unseren Medien im Vorfeld der Olympischen Spiele finde ich skandalös.

Wahre Worte. Unerwartet jedoch die Begründung:

Statt über den Beginn der Spiele, die Freude der Teilnehmer, die einzigartige Stadt Peking, die Spitzenleistung chinesischer Olympiaorganisation zu berichten, stellen sich die Journalisten – offensichtlich sich als die oberste Instanz der Welt empfindend – mit den kleinen Einschränkungen in den Vordergrund.

Über Kleinigkeiten meckern um den Glanz des vollkommenen Ganzen zu schmälern? Das kann Herr Kienle, als oberste Instanz der Welt, den Journalisten natürlich nicht durchgehen lassen. Und so stellt er mit bestechender Logik eine allzu berechtigte Frage:

Können die Einschränkungen und die Zensur wirklich so elementar sein, wenn im Frühstücksfernsehen ein Reporter live darüber herziehen kann, wie übel die Diktatur, wie miserabel die Unterstützung, wie unzulänglich die Arbeitsumgebung ist und wie das Dasein durch Tausende von Polizisten kontrolliert wird, ohne sofort festgenommen und ausgewiesen zu werden?

Und erschossen wurde der Frühstücksreporter auch nicht – wo ist also das Problem? Doch weiter im Text:

Kann man wirklich von Zensur sprechen, wenn China sich mit der Sperrung des Zugangs zu sportunbedeutenden Plattformen gegen die Unfairness unserer Medien wehrt?

Nur ein Unmensch kann angesichts solch himmelschreiende Ungerechtigkeit die Tränen zurückhalten. Das kleine China muss sich doch gegen die bösartigen Attacken der Medien wehren. Denn:

Ganz offensichtlich haben diese Journalisten Maß und Ziel verloren und vergnügen sich in ihrer zersetzenden, unkritischen Berichterstattung. Sie sprechen von Einschränkung der Pressefreiheit und können sich offensichtlich nicht vorstellen, dass zur Berichterstattung über die Spiele eingeladen wurden. Vielleicht sind von den 25.000 Journalisten in Peking doch einige zu viel.

Das Problem der zu hohen Anzahl an Journalisten ließe sich nun wahrlich gut lösen – als Reaktion auf die Bedrohung, versteht sich. Allerdings gebe es eine von Herr Kienle präferierte Möglichkeit:

Ich wäre begeistert, wenn die kritischen Journalisten die Oberhand in der Berichterstattung bekämen.

Doch was haben „kritische Journalisten“ zu denken um das Prädikat „kritisch“ zu erhalten? Richtig geraten:

China, Peking, die Menschen und die Kultur sind wunderbar. Akzeptieren wir doch einfach, dass das Land erhebliche Anstrengungen hinter sich und die Entwicklung zu noch mehr Freiheit hin zur Demokratie vor sich hat.

Bleibt nur noch eine Frage offen: Warum schreibt Gerhard Schröder nicht mehr unter seinem echten Namen?

Quelle: F.A.Z. vom 14. August, S. 8.

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Eine Antwort

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  1. mrpresident said, on August 14, 2008 at 7:50 pm

    Die Tatsache dass die chinesische KP das deutsche Frühstücksfernsehen nicht weiter behindert scheint ihr von Herrn Kienle/Schröder hoch angerechnet zu werden. Dann muss es dem chinesischen Frühstücksfernsehen ja wohl genauso gut gehen!


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