Zeitung für Schland

Broder vs. Hecht-Galinski oder: Die F.A.Z. vs. Zentralrat der Juden

Posted in F.A.Z. by Mr. Moe on August 21, 2008

Der Fall Broder gegen Hecht-Galinski zieht immer größere Bahnen. Nun hat sich Patrick Bahners, Leiter des Feuilletons der F.A.Z., mit einem Kommentar mit der reißerischen Überschrift „Was darf eine Jüdin in Deutschland gegen Israel sagen?“ in die Diskussion eingeschaltet. Dass die von Bahners gestellte Frage rhetorischer Natur ist, versteht sich dabei von selbst. Wie es sich für einen gut ausgebildeten Journalisten gehört beginnt Bahners zunächst mit der wichtigsten dem Sachverhalt zugrunde liegenden Tatsache:

Evelyn Hecht-Galinski ist die Tochter von Heinz Galinski, dem verstorbenen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Berlin und des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Nachdem der Leser so bereits weiß, wie er Frau Hecht-Galinskis moralische Integrität einzuschätzen hat, fährt Bahners mit einer kurzen Beschreibung der bisherigen Ereignisse fort. (Lobenswerterweise hat die F.A.Z. in diesem Zusammenhang auch endlich sowohl Shimon Steins Artikel „Ein Kampf für Sicherheit und Frieden“ als auch Frau Hecht-Galinskis Antwort in Form eines Leserbriefes in der F.A.Z. online gestellt.) Stein des Anstoßes sei Bahners zufolge, dass Frau Hecht-Galinski, die sich wiederholt mit „kritischen Meinungsäußerungen zur israelischen Politik und Staatsräson“ zu Wort gemeldet habe, Steins Ausführungen kritisiert habe:

So veröffentlichte diese Zeitung am 26. Juli einen Leserbrief, in dem Frau Hecht-Galinski dem früheren Botschafter Israels in Berlin Shimon Stein vorwarf, sein Artikel zum sechzigsten Geburtstag seines Staates biete „Geschichtsverdrehung und Mystifizierung“, da er von der „Vertreibung und Enteignung der Palästinenser“ schweige, „die mit der Gründung des Staates Israel einherging“.

Die Autorin appellierte an die deutsche und internationale Öffentlichkeit: „Wo bleibt der Aufschrei der Welt, wo der Hinweis auf die Verpflichtung Israels, nach internationalem Recht ohne Diskriminierung für die öffentliche Ordnung und Sicherheit in den besetzten Gebieten zu sorgen?“ Der letzte Satz des Briefes lautet: „Gerade im Angesicht unserer gemeinsamen Vergangenheit müssen kritische Anmerkungen zu begangenem Unrecht möglich sein, auch wenn sie Israel betreffen.“

Als eine Reaktion auf diese Worte hat Henryk M. Broder Frau Hecht-Galinski „antisemitische und antizionistische Aussagen“ bescheinigt, was diese Broder durch eine einstweilige Verfügung gerichtlich untersagen lassen hat. Soweit die Sachlage, über die u.a. auch mehrfach in diesem Blog, bei heplev und zuletzt auch in der Jerusalem Post berichtet wurde.

Patrick Bahners hat der Diskussion nun folgendes hinzuzufügen:

Der Antisemitismusvorwurf eignet sich zum moralischen Totschlag. Wer die Beschreibung eines Gegners als eines Antisemiten durchsetzen kann, hat ihn aus dem öffentlichen Diskurs ausgeschlossen. Das ist zu bedenken, wenn die Richter entscheiden, ob Frau Hecht-Galinski es in der Härte des Meinungskampfes hinnehmen muss, als notorische Antisemitin bezeichnet zu werden.

An dieser Argumentation sind zwei Dinge zu hinterfragen: Erstens, stimmt es wirklich, dass als Antisemiten diskreditierte Personen aus öffentlichen Diskussionen in Deutschland ausgeschlossen werden? Und selbst wenn dem so wäre: Liegt die Grenze, ab derer in Deutschland jemand als Antisemit geächtet wird nicht nach wie vor an den Toren von Auschwitz? Haben denn nicht zuletzt Broders Ausführungen vor dem Bundestag nichts, aber auch gar nichts erreicht? Zweitens, ist die vermeintliche Härte des Antisemitismusvorwurfes gegenüber der Angeklagten ein guter Grund, den Vorwurf gerichtlich zu verbieten? Darf das, was ist nicht mehr gesagt werden, nur weil es negative Auswirkungen für Betroffene haben könnte?

Insbesondere die Frage nach Bahners Definition von Antisemitismus erscheint hier als großes Problem, heißt es doch im weiteren Verlauf:

Bei den ihr [Frau Hecht-Galinski, Mr. Moe] vorgehaltenen Äußerungen handelt es sich nicht um Sätze des Typus, die Juden seien ja alle geldgierig. Es geht ausschließlich um Kommentare zur israelischen Politik und zu deren Verteidigern. Ein Sieg Broders vor Gericht wäre daher nicht einfach als Sieg der Meinungsfreiheit einzustufen. Seine preisgekrönte publizistische Strategie der verbalen Aggression nutzt den Spielraum der Meinungsfreiheit, um ihn einzuschränken: Kritiker Israels sollen eingeschüchtert werden.

Diese Worte verstärken den Eindruck, dass Antisemitismus in Bahners Kopf immer noch auf dem Stand der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stehen geblieben ist. Bemerkenswert ist zudem, dass Bahners den Streit zwischen Broder und Hecht-Galinski auf den Zentralrat der Juden ausweitet:

Die politische Bedeutung des Streits zwischen Broder und Frau Hecht-Galinski wird manifest im Engagement des Zentralrats der Juden. Stephan Kramer, der Generalsekretär des Zentralrats, beschrieb Frau Hecht-Galinski gegenüber der „Jerusalem Post“ als eine der „führenden Vertreterinnen“ eines jüdischen Antizionismus, „die offensichtlich ihren Selbsthass in antisemitischen und antizionistischen Äußerungen zu bewältigen versucht“.

[…]

Auf welche Belege kann Kramer seine Belege stützen? In einem Interview mit dem Deutschlandfunk hat Frau Hecht-Galinski den Zentralrat vor zwei Jahren als „Sprachrohr der israelischen Regierung“ kritisiert. Glaubt Kramer ernsthaft, dass dieser Äußerung im Urteil der Öffentlichkeit jeder sachliche Anhalt in so eklatanter Weise abgeht, dass die Person, die die Äußerung getan hat, als pathologischer Fall behandelt werden kann? Man betrachte zwei Interventionen des Zentralrats aus jüngster Zeit.

Die zwei Beispiele Bahners sind erstens der Streit über die antisemitischen Äußerungen des Göttinger Sportwissenschaftlers Arnd Krüger, die Bahners zufolge nicht antisemitisch seien, da die Universität Göttingen dies befunden habe. Dieter Graumann, Vizepräsident des Zentralrats, wolle Krüger aber dennoch zur „Unperson“ machen. Als zweiten Punkt führt Bahners die Diskussion über Faruk Sen, Leiter des Essener Zentrums für Türkeistudien an, in dem sich der Zentralrat aufgrund Israels „stiller Verbundenheit“ mit der türkischen Republik im Sinne Sens ausgesprochen habe. Und so gerät Bahners Kommentar vollends zu einer Anklage gegen den Zentralrat der Juden in Deutschland:

Es sind Stimmen aus der israelischen Friedensbewegung, die die Einzäunung des Westjordanlands mit der Mauer des Warschauer Gettos vergleichen. Durch Redeverbote und Beleidigungen in Deutschland ist dieser Vergleich nicht aus der Welt zu schaffen. Die im Zentralrat vertretenen deutschen Juden haben gute Gründe, die Sache Israels als ihre eigene zu behandeln. Aber wenn sie das tun, müssen sie es sich auch sagen lassen.

Juden vorzuschreiben was sie zu tun oder zu lassen haben ist eine spezifisch deutsche Krankheit. Dass weder Broder noch der Zentralrat der Juden Redeverbote gerichtlich eingeklagt haben, vermag Bahners in seinen Ausführungen nicht zu stören. Dass Bahners selbst Redeverbote für Menschen fordert, die einen Esel einen Esel schimpfen und so einen Freifahrtschein für jeden antisemitischen Ausfluss ausstellt, zeigt hingegen zum wiederholten Male, wie die Uhren auch in den vermeintlich klügsten deutschen Köpfen ticken.

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17 Antworten

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  1. […] https://zeitungfuerdeutschland.wordpress.com/2008/08/21/broder-vs-galinski-oder-die-faz-vs-zentralrat…. Nicht unerwähnt sei der Hinweis, dass Kommentator Dangerous Beans den Bahner-Artikel hier […]

  2. Ruth Spicker said, on August 21, 2008 at 11:38 am

    ….deutsche-nichtjüdische Gutmenschen scheinen sich vorzustellen, daß Juden grund-
    sätzliche eine einzige verbalisierende Masse sein müssen; d.h. es darf unter den Juden keine unterschiedlichen-, divergierenden Ansichten und Meinungen geben und schon garnicht öffentlich geäußert werden.
    Genau das aber gibt es nicht! Zum Glück bin ich als Tochter eines jüdischen Vaters nicht so aufgewachsen. Gerade weil er nach seiner Befreiung in Germany blieb (ich bin Jg.1947), gab es bis zu seinem Tod Diskussionen und es wäre uns Beiden nie eingefal- len deshalb zu schweigen.
    Wenn Juden in der heutigen BRD für Israel parteilich auftreten, geschieht es sehr wohl unter der Historie, mit der Vorstellung verbunden, daß die ermordete-, unbekannte Verwandtschaft vielleicht Israelis geworden wären.
    Wie es sich wirklich mit einer tatsächlichen betonierten Mauer „lebt“, das habe ich mit
    13 bzw. fast 14 Jahren erfahren und so war mein familiärer Halt im damaligen West-
    berlin unerreichbar.
    EHG scheint sich zu irren, wenn sie den Sack anstatt des Esels hat bzw.umgekehrt.
    Der FAZ-Schreiber scheint sich in der eigenen Familiegeschichte nicht informiert zu
    haben, ansonsten hätte er erst nachgedacht und dann weniger Unsinn verfaßt.
    Ruth Spicker, Berlin

  3. Jan van der Belt said, on August 21, 2008 at 2:32 pm

    Patrick Bahners schreibt: „Die im Zentralrat vertretenen deutschen Juden haben gute Gründe, die Sache Israels als ihre eigene zu behandeln. Aber wenn sie das tun, müssen sie es sich auch sagen lassen.“

    Sie kommentieren: „Juden vorzuschreiben was sie zu tun oder zu lassen haben ist eine spezifisch deutsche Krankheit.“

    Sind Sie also der Meinung, dass elementare Diskursregeln – X tut A, muss sich also auch gefallen lassen, dass gesagt wird, dass er A tut – im Gespräch mit Juden nicht gelten? Solche Konsistenzanforderungen gelten meines Erachtens grundsätzlich zwischen allen Teilnehmern eines Gespräches gleichermaßen. Insofern darf jeder sie an jeden richten. Mehr steht offensichtlich hinter dem „muss“ von Patrick Bahners nicht. Entscheiden lassen sich solche Fragen am Ende immer nur mit Rückgriff auf die Tatsachen: Stimmt es, dass X A tut? Auch diese Frage müsste sich unabhängig davon klären lassen, ob ein Diskursteilnehmer Jude, jüdischer oder nichtjüdischer Deutscher oder was auch immer ist. Alles andere ist entweder Antisemitismus-Keule – oder Antisemitismus.

  4. Mr. Moe said, on August 21, 2008 at 4:02 pm

    Ich gestehe ein, dass Sie in diesem Punkt nicht gänzlich unrecht haben. Jedoch gebe ich zu bedenken, dass Bahners eben nicht einfach nur schreibt, dass der Zentralrat der Juden die Interessen des Staates Israels vertrete. Denn, wie auch aus dem Kommentar von Frau Spicker hervorgeht, bezieht sich Bahners eben gerade nicht auf eine einzelne Person X oder eine Organisation Z, sondern auf „die im Zentralrat vertretenen deutschen Juden“ – also eine anonyme Masse. Folglich unterschlägt Bahners, dass die deutschen Juden keineswegs eine einheitliche Meinung bezüglich der genannten Sachverhalte vertreten.

  5. George Barth said, on August 21, 2008 at 6:43 pm

    Patrick Bahner hat offenbar noch immer nicht den Unterschied zwischen dem „alten”, dem “klassischen” Antisemitismus („alle Juden sind geldgierig“) und dem neuen Antisemitismus begriffen, der sich gerade deshalb unter dem Deckmantel des Antizionismus und der haltlosen Kritik Israels verbirgt, weil der „alte“ Antisemitismus mit der „Geldgier“ der Juden nicht mehr salonfähig erscheint. Kein Mensch würde sich mit den Ansichten von Frau Evelyn Hecht befassen – egal ob sie antisemitisch oder „nur“ israelfeindlich sind, weil Frau Hecht eine Nonperson wäre, wenn sie nicht den Namen ihres Vaters Heinz Galinski übel missbrauchen würde. Natürlich ist Israelkritik legitim. Aber wenn gewisse Individuen – darunter Frau Evelyn Hecht – Israelkritik quasi zu ihrem Hauptberuf machen, müssen sie sich den Vorwurf des jüdischen Selbsthasses und Antisemitismus-Manie gefallen lassen. Frau Hecht verklagte Henryk Broder nicht, weil sie sich gekränkt fühlt, sondern weil sie die Aufmerksamkeit der Medien geniesst. Und sie geniesst sie nur so lange, bis sie Israel kritisiert.

  6. Jan van der Belt said, on August 21, 2008 at 7:05 pm

    Hm. Also das Zentralkomitee der deutschen Katholiken vertritt nicht die deutschen Katholiken? Dann wird Öffentlichkeit in einem 80-Millionen-Volk mühsam. Ich werde jedem einzelnen Katholiken zubilligen, dass er nicht in jdem Fall die Stellungnahmen des Zentralkomitees billigt. Aber insgesamt werde ich es als Stimme des deutschen Katholizismus anhören – bevor sich nicht erheblicher Widerstand aus den eigenen Reihen dagegen regt. So wie ich es mir als Deutscher im Ausland gefallen lassen muss, auf das Tun meiner Regierung angesprochen zu werden. Darum fühlen sich ja, um das Beispiel ein drittes Mal zu wechseln, derzeit so viele Bürger der Vereinigten Staaten in Europa so unwohl: Sie gehören einem Volk an, das George W. Bush auch nach Abu Ghraib und Guantanamo wiedergewählt hat.

  7. butterfly effect said, on August 21, 2008 at 7:57 pm

    vgl. dazu den artikel von dead wall reveries / hedonistische mitte

  8. Top Posts « WordPress.com said, on August 22, 2008 at 12:10 am

    […] Broder vs. Galinski oder: Die F.A.Z. vs. Zentralrat der Juden Der Fall Broder gegen Galinski zieht immer größere Bahnen. Nun hat sich Patrick Bahners, Leiter des Feuilletons der […] […]

  9. genussdenker said, on August 22, 2008 at 11:10 pm

    Seit ich von diesem „Fall“ las, kommt er mir suspekt vor. Fest steht, das sowohl Broder als auch Hecht-Galinski nicht mit skandalträchtigen Worten sparen. Einerseits die Israelkritik von Hecht-Kalisnki, andererseits der Antisemitismusvorwurf Broder’s an ihre Adresse.

    Auch die Welt der Akademiker scheint ihre Skandälchen zu brauchen. Anders kann man es kaum sagen. Zwei völlig übertriebene Ansichten stehen gegeneinander. Einzig der Tatbestand einer Persönlichkeitsverletzung kann da legitimer Grund für eine gerichtliche Klage sein.

    Am bedenklichsten finde ich die Rolle der FAZ. Dass das Ganze überhaupt öffentlich wurde, erklärt den Umstand, dass es für beide Seiten kein Zurück mehr gibt. Man will schliesslich sein Gesicht wahren und nicht weichen müssen. Hätten die beiden ihren Meinungsaustausch wohl mal an einem Wochenende in einer Bar ausgetragen, so wäre es bei einem Streit geblieben. Nun sind dadurch aber die Leute „gezwungen“, Stellung zu nehmen. Sonst private weltanschauliche Fragen werden zur Ideologie gemacht. Betroffen davon ist insbesondere die jüdische Bevölkerung Deutschlands.
    Wenn Juden sich gegenseitig antisemitisch schimpfen, so finde ich das sehr bedenklich und ist auf eine ungesunde Entwicklung zurückzuführen. Dass es einige Juden gibt, welche die Politik Israels kritisieren, ist weder etwas Neues noch kann und sollte man dies werten. Denn da geht es um realpolitische Gedanken. Doch andererseits sollte man sich auch nicht dem Vokabular der tatsächlichen Antisemiten, den ideologischen Antisemiten bedienen. Den diese warten nur darauf, bis jemand die Palästina-Politik Israel’s mit der Shoa gleichsetzt. Ist es dann noch Jemand mit jüdischer Herkunft, umso besser für diese, die Schadenfreude deren gross.

    Broder und Hecht-Kalinski täten gut daran, sich inoffiziell zu einigen. Beide begingen Fehler, beide meinten es aber ursprünglich gut in der Sache. Sowas kann passieren und gehört zum Alltag. Aber daraus gleich eine Staatsaffäre zu machen halte ich für zwecklos und kontraproduktiv!
    Im heutigen Journalismus wird mit harten Bandagen gekämpft. Dazu gehören offenbar auch künstlich geförderte Skandale bei welchen mit übertriebenen Worten nicht gespart wird! Statt eine Vermittlerrolle zu spielen, goss man seitens der FAZ noch Öl in’s Feuer. Dabei muss man denen nicht einmal üble Absicht nachsagen. Auch das wäre unverhältnismässig und vermutlich unbegründet.

    Traurig ist, dass die aufgeworfenen Grundsatzfragen nun mittels diesem Streit diskutiert werden. Fragen welche für betroffene Personen wichtig sind. Aber durch die Öffentlichkeit werden die Argumente aus der Hand gegeben und am Schluss ist es keine inhaltlich-thematische Auseinandersetzung mehr, sondern ein argumentatives Tauziehen, ein blosses beziehen von irgendwelchen Positionen. Bedauernswert.

  10. genussdenker said, on August 23, 2008 at 11:39 am

    ps
    Berichtigung :
    Vertippte mich beim Schreiben des obigen Kommentars. Statt wie einige Male „Hecht-Kalinski“ hätte es „Hecht-Galinski“ heissen müssen.
    pardon

  11. Mr. Moe said, on August 25, 2008 at 10:28 am

    @Jan van der Belt:
    Ich schreibe nicht, dass der Zentralrat der Juden in Deutschland die Juden in Deutschland nicht – zu einem bedeutenden Anteil zumindest – vertreten würde. Mich stört jedoch Bahners oberlehrhafter Ton, mit dem er den Disput zwischen Hecht-Galinski und Broder zu einer generellen Anklage gegenüber Juden in Deutschland aufbauscht, die sich kritisch mit jüdischen Israel-Hassern auseinandersetzen („was dürfen Juden in Deutschland gegen Israel sagen?“).

    (Nebenbei: Ich bin nicht der Meinung, dass ich mich im Ausland „als Deutscher“ für das Handeln einer Regierung rechtfertigen müsste, die ich im Zweifel gar nicht gewählt habe. Und warum sich US-Bürger, die Bush erneut gewählt haben, gegenüber Europäern unwohl fühlen sollten, erschließt sich mir ebenfalls nicht.)

    @Genussdenker:
    Sie schreiben: „Wenn Juden sich gegenseitig antisemitisch schimpfen, so finde ich das sehr bedenklich und ist auf eine ungesunde Entwicklung zurückzuführen. Dass es einige Juden gibt, welche die Politik Israels kritisieren, ist weder etwas Neues noch kann und sollte man dies werten“
    Zwei Dinge: Erstens, warum sollte es per se bedenklich sein, wenn ein Jude einen anderen als Antisemit bezeichnet? Können Juden keine Antisemiten sein? Zweitens, geht es nicht um „jüdische Kritik an Israel“. Ansonsten müsste ja jede israelische Tageszeitungen als antisemitisch gelten. Frau Hecht-Galinskis Kritik richtet sich eben in erster Linie gerade nicht an „die Politik Israels“, sondern an „Israel“ an und für sich.

    Den Versuch sich inoffiziell – in Form eines Vergleichs – zu einigen hat es im Übrigen gegeben: Broder lehnt dies jedoch ab.

  12. Franke said, on August 25, 2008 at 2:55 pm

    Mr. Moe schrieb:
    „Juden vorzuschreiben was sie zu tun oder zu lassen haben ist eine spezifisch deutsche Krankheit.“

    Weil -also- Deutsche den Juden etwas vorschreiben?!?

    Als ob diie Aussage -jedenfalls im Ergebnis- nicht den alten Antisemitismus bezeichnen würde, d.h. die (völkische) Unterscheidung zwischen Deutschen und Juden. Diese Sichtweise gibt es leider immer noch, und ich teile sie nicht. Sebastian Haffner hat es beschrieben: Vor den Nazis gab es eben nicht die Unterscheidung zwischen Juden und Deutschen.

    Broders Unterscheidung zwischen altem und neuem Antisemitismus halte ich für nicht so hilfreich. Abgesehen davon, dass ich seine Auffassung, dass es den alten Antsemitismus nicht mehr gäbe(?), nicht teile, setzt er den neuen Antisemitismus mit einer antiisraelischen Ansicht gleich. Dem ist zwar durchaus im Ergebnis weitgehend zuzustimmen, denn die Kritik an Israel ist auch oftmals überzogen. (Ein Land, das ständig in seine Existzenz bedroht wird, muss sich fraglos verteidigen.) Aber das heißt doch nicht, dass die Gleichsetzung der Begriffe immer zutreffen dürfte.

    Franke

  13. Mr. Moe said, on August 25, 2008 at 3:09 pm

    Meine Anmerkung bezüglich der „spezifisch deutschen Krankheit“ bezog sich darauf, dass vor allem in Deutschland die Neigung besteht, das Handeln von Juden und/oder dem Staat Israel nach besonderen Maßstäben zu beurteilen (frei nach dem Motto: „haben die denn etwa nichts gelernt“ oder „die müssten es doch wissen“).
    Die Unterscheidung zwischen alten und neuen Antisemitismus halte ich für hilfreich. Ich glaube auch nicht, dass Broder die Existenz des alten Antisemitismus in Frage stellt. Er weist jedoch – und dies meiner Meinung nach zurecht – darauf hin, dass der „neue“ Antisemitismus in der Bundesrepublik Deutschland ein weitaus größeres Problem darstellt. Als ein Beleg hierfür kann nicht zuletzt Bahners Artikel herangezogen werden.

  14. genussdenker said, on August 26, 2008 at 11:42 am

    @Mr. Moe :

    Ihre Argumente sind gewiss stichhaltig. Und selbstverständlich gehört das Differenzieren zur Vernunft.
    So nannten Sie die Tatsache, dass ja auch eine beträchtliche Anzahl Israelis und Juden in der Diasppra die Politik Israels kritisieren würden. Dabei handelt es sich selbstvertändlich nicht um innerjüdischen Antisemitismus, gleichwohl nicht, wenn ein Jude einen anderen kritisiert oder diesem gar Schlimmeres antut!

    Das Problem welches auf dem „Fall“ Hecht-Galinski – Broder beruht, ist ein anderes :
    Der grundsätzliche Unterschied ob man Jemand niedere Absicht unterstellt oder dessen Umsetzung kritisert.
    Hecht-Galinski scheint diesen Unterschied nicht bemerkt zu haben. So unterstellt sie der isaelischen Politik niedere Absichten. Und genau dies ist der wunde Punkt auf den Broder zu Recht einging.
    Denn ihre rhetorische Argumetation spielt denen in die Hände, welche das Selbige aus ideologischen Gründen tut. Die populistischen Antisemiten.

    Dieses Phänomen ist gar nicht mal so neu, wie man es sich denken würde, sondern besteht schon seit Anbeginn des Bestehens Israels. Neu daran ist lediglich dass sich die Fronten der Populisten aufgeweicht hat. Dies erkennt man leichtens darin, dass einstige ideologisch-politische Gegner gemeinsam ihre Rhetorik betreiben. So wird die Politik Israel’s sowohl von extrem-islamischer Seite, als auch von Neonazi’s und gar von LinksAktivisten in gleicher Rhetorik angegriffen. Stets mit dem Argument, Israel handle aus niederen Absichten. Dabei geht man sogar soweit, die Geschichte der Juden gegen sie selber auszuspielen! Die Umkehrung der historischen Opferrolle.
    Solche Argumentation ist antisemitisch.

    Israel und gar dem jüdischem Volk niedere Absichten zu unterstellen ist also nicht mehr alleinige Sache der Rechtsextremen und den radikalen Islamisten. Auch wenn linksorientierte Intellektuelle aus ideologisch ganz anderer Perspektive die Politik Israel’s kritisieren : rhetorisch fallen die Argumente gleich aus. Dies sollten sich Israelkritiker vermehrt bewusst sein.
    Dies ist insbesondere dann nicht zu unterschätzen, wenn Solche zudem noch in politischen und sonstigen institutionellen Ämtern tätig sind und somit direkten Einfluss besitzen. Wie etwa der schweizer UNO-Abgeordnete Jean-Ziegler.

    Antijüdische Kreise hören es nur zu gerne, wenn Israel der Ungerechtigkeit bezichtigt wird. Denn Israel bedeutet für diese diesbezüglich nichts anderes das jüdische Kollektiv. So frage ich mich manchmal wie es wäre, wen es zwei oder gar mehrere jüdisch-orientierte Staaten gäbe. Denn der Umstand dass es nur ein jüdisch-orientierter Staat gibt lässt die Kritik an Staat Israel rhetorisch leicht mit ideologischer Kritik an Juden gleichsetzen!
    Diesen Umstand nannte bereits schon Friedrich Dürrenmatt in seinem Werk „Nachgedanken“; ein Plädoyer zum Staat Israel.

  15. gabi said, on September 4, 2008 at 7:32 pm

    Schämt euch, dass ihr in einer Zeit, in der Krebs und Aids immer noch nicht geheilt sind, eure Zeit vergeudet mit sinnlosen juristisch-publizistisch-monetären PR-Spielchen mit veralteten Hitlerschen Begriffen wie “die Juden”, “antisemtisch”, “Mohammedaner” etc.

    Shame on you all!

  16. […] in Russland gefallenen Leutnant der Wehrmacht abdruckte oder berechtigte Antisemitismusvorwürfe als “moralischen Totschlag” […]

  17. […] in Russland gefallenen Leutnant der Wehrmacht abdruckte oder berechtigte Antisemitismusvorwürfe als “moralischen Totschlag” […]


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