Zeitung für Schland

Neues vom Immergleichen

Posted in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe on August 26, 2008

Es war zu erwarten, dass Patrick Bahners scheinheilige Frage „Was darf eine Jüdin in Deutschland gegen Israel sagen?“ auch auf der Leserbriefseite der F.A.Z. Anklang finden würde (vgl. für die Debatte auch den Kommentar der Hedonistischen Mitte). Das Spiel eröffnen darf Dieter Neuhaus, der bereits in der Vergangenheit durch geistreiche Bemerkungen auf sich Aufmerksam machen konnte. So schrieb er damals etwa:

Der angebliche demokratische Saubermann Israel betreibt bekanntermaßen Landraub großen Ausmaßes an den Palästinensern, seine Armee tötet in den besetzten Gebieten jährlich mehrere hundert Zivilisten, ohne dass es zu Anklagen gegen die Täter käme, hat Tausende Palästinenser verhaftet und inhaftiert (die meist vergeblich auf die Prozesse warten), schikaniert und drangsaliert tagtäglich die Bewohner der besetzten Gebiete. Die Liste der hässlichen Flecken auf Israels weißer Demokratie-Weste ließe sich noch verlängern.

Wie mag ein solch kluger Kopf den Streit zwischen Hecht-Galinski und Broder bewerten?

Zunächst beginnt Neuhaus naheliegenderweise mit einer Kritik an der Bundeszentrale für politische Bildung:

Der jüdische Schriftsteller Henryk M. Broder, der der deutschen Jüdin Evelyn Hecht-Galinski wegen ihrer scharfen und wiederholten Kritik an Israel Diskriminierungs- Besatzungs- und Unrechtspolitik „Antisemitismus- und Antizionismus“ vorwirft, weißt wovon er spricht. In seinem Buch, „Hurra, wir kapitulieren“, das erstaunlicherweise mit Subventionen der Bundeszentrale für politische Bildung vertrieben wird, spricht er zum Beispiel von „Nazi-Islamismus“ und nennt anerkannte, israelkritische Nah-ost-Experten wie Peter Scholl-Latour „Terrorismusversteher“.

Einmal in Fahrt gekommen, wetterte Neuhaus weiter:

Untaten muslimischer Jugendlicher wertet Broder als geradezu muslimimmanente Eigenschaften. Dagegen verschließt er vor den Untaten der israelischen Armee in Palästina und vor den beschämenden Ungerechtigkeiten des Staates Israel gegenüber den Palästinensern die Augen, oder er will die grässlichen Missstände, die die Besatzung verursacht, nicht sehen.

Und schließlich – endlich – rückt Neuhaus mit dem finalen Anklagepunkt heraus:

Wer – wie Broder – wegschaut, macht sich mitschuldig an einem Verbrechen, das in dieser Zeit unter demokratischen Staaten einzigartig ist.

Und nachher sagten sie dann, sie hätten nichts gewusst.

Es endet, wie es immer enden muss: mit den Hinweis auf die vermeintliche Freundschaft:

Dem jüdischen Volk ist zu wünschen, dass es endlich den Weg eines gerechten und friedlichen Zusammenlebens mit seinen palästinensischen Nachbarn findet.

Quelle: F.A.Z. vom 26. August, S. 8.

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3 Antworten

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  1. alex said, on August 26, 2008 at 4:20 pm

    was darueberhinaus die unangenehme parteinahme der FAZ an dieser „meinungsfreiheitsposse“ illustriert, ist die tatsache dass sie leserkommentare selektiv veroeffentlicht, wohl um den eindruck zu vermitteln die leser stuenden geschlossen hinter ihr:
    ich habe selber am tag der veroeffentlichung einen kurzen kommentar geschrieben und dabei lediglich mein bedauern darueber ausdrueckt, dass hr. bahners es geschickt so aussehen laesst, als ob hr.broder derjenige ist, welcher hier einen maulkorb verhaengen will.
    und? nie erschienen.
    da ich mich grundsaetzlich der infamie enthalte und eine gepflegte schreibweise an den tag lege, kann man also der FAZ getrost andere motive unterstellen.

    die ganze geschichte ist sowieso ein armutszeugnis fuer „die Tochter“: wer will kann gerne im Netz ihre aussage in der ue-wagen sendung bei fr. muench lesen, zitat:
    „jüdischer Antisemit oder jüdische Selbsthasserin.. Kann ich sehr gut mit leben, ich weiß ja, von welcher Seite diese Angriffe kommen.“
    wenn dem so ist, warum unlogischerweise sich davor jetzt gerichtlich wehren?.

  2. Mr. Moe said, on August 26, 2008 at 5:07 pm

    Hinsichtlich Ihres Urteils über die Einseitigkeit auf der Leserbriefseite der F.A.Z. wäre ich etwas vorsichtiger: Nach meinem Empfinden bemüht sich die F.A.Z. im Regelfall durchaus um eine halbwegs ausgeglichene Veröffentlichung von Leserbriefen. Auch zum Thema Israel gab es in jüngster Vergangenheit durchaus vernünftige Leserbriefe. Ich frage mich jedoch, warum zunehmend Leserbriefe von äußerst geringer Qualität veröffentlicht werden, die völlig offensichtlich Widersinniges und/oder auf schlichtweg falschen Prämissen beruhende Meinungsäußerungen verbreiten.

    Nachtrag:
    Als Beleg für meine These seien die Leserbriefe aus der F.A.Z. vom 29. August herangezogen: Zwei Beiträge nehmen Bezug auf Bahners Artikel und beide setzen sich kritisch mit ihm auseinander.

  3. […] der stets “im Interesse des Judentums und seiner Heimat Israel” agiert. Denn natürlich wünscht Neuhaus “dem jüdischen Volk […], dass es endlich den Weg eines gerechten und friedlichen […]


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