Zeitung für Schland

Dumm ist die, die dummes schreibt

Posted in DIE ZEIT by Mr. Moe on September 18, 2008

Die beste und vermutlich eine der kürzesten Antworten auf die Frage „Was ist links?“ lautet: Arroganz. (Zettels Raum)

Zumindest Andrea Böhm gibt sich in der ZEIT vom 18. September 2008 alle Mühe, die oben zitierte These zu bestätigen. Dabei beginnt ihre auf der Titelseite der ZEIT vorgetragenen Analyse des amerikanischen Wahlkampfs durchaus vielversprechend:

Liebe Amerikaner, das darf doch nicht wahr sein! Gerade hatten wir uns wieder mit euch versöhnt, hatten Cheney, Rumsfeld und Co vergessen und gehofft, dass Obama mit euch endlich vom Mars zu uns auf die Venus zieht. Da springt diese Elchjägerin aus Alaska auf die Bühne und macht alles kaputt.

So etwa klingt das Klagelied von Lissabon bis Lüneburg, seit Barack Obama im Präsidentschaftswahlkampf von Sarah Palin in die Enge getrieben wird. Das böse Amerika, jammern die Europäer, war nur eben mal Bier holen, nun ist es wieder da mit seinem messianischen Machismo und trägt auch noch Kostüm und hochhackige Schuhe. Gemeiner geht’s nicht.

Von der sinnfreien Alliteration einmal abgesehen – anscheinend eine Voraussetzung für das Erlangen von Journalistenpreisen – eine wahrlich treffende Beschreibung der Gedankenwelt des gemeinen europäischen Obama-Jüngers.

Weniger geglückt sind hingegen Böhms Interpretationen der Geschehnisse am anderen Ufer des Atlantiks. Besonders über die Nominierung Sarah Palins als Vizepräsidenschaftskandidatin weiß sich Böhm zu echauffieren. Nebst üblichen Gemeinplätzen à la „nicht die politischen Programme stehen im Vordergrund“ behauptet Böhm etwa:

Übrigens: Wäre Barack Obama mit einer schwangeren Teenagertochter auf die Bühne des Parteitags getreten, sein Absturz wäre besiegelt gewesen. Was die Palins als Happy End inszenieren konnten, hätte man den Obamas als „typisch schwarzes“ Versagen bei der Kindererziehung ausgelegt.“

Abgesehen davon, dass die Schwangerschaft von Palins Tochter – nichtzuletzt in Deutschland – durchaus mit Häme aufgenommen wurde: Bislang wurde noch jedes erfolgreiche Naseschneuzen Obamas als Ausdruck seiner „Yes, we can!“-Mentalität verstanden, so dass Böhms Annahme reichlich aus der Luft gegriffen ist.

Ähnlich scharfsinnig argumentiert Böhm, wenn sie gewichtige Gründe nennt, warum ein Wahlsieg McCains Palin zutrotz noch nicht feststehe:

Erstens stehen McCain noch mehrere Fernsehdebatten mit Barack Obama bevor, die er ohne seine Wunderwaffe Sarah Palin bestehen muss.

Kürzer: Bis zum Wahltag ist noch Zeit, Gratulation zu dieser Erkenntnis.

Zweitens verliert Palins „Yes, I Can“-Image schnell an Charme, wenn es um Börsenkrise oder den Kaukasus geht.

Warum selbiges für Obama nicht gelten solle, verrät Böhm indes nicht.

Und drittens könnten ihre außenpolitischen Hardliner-Phrasen zum Bumerang für die Republikaner werden. Denn in diesem Punkt spielt Sarah Palin tatsächlich George W. Bush mit Lippenstift: Sie kopiert dessen pubertär anmutende Politik des Machismo.

Ohne Worte.

Die Krone der Arroganz setzt sich Böhm abschließend durch ihre Schlussworte selbst auf:

Wenn Hillary Clinton Obama ins Weiße Haus trägt, bekommt sie wenigstens den Trostpreis der ersten Königsmacherin Amerikas. Wenn sie es nicht schafft und ihre Anhängerinnen tatsächlich ins republikanische Lager überlaufen, bleibt nur die einfache Feststellung: Frauen sind nicht qua Geschlecht die klügeren Menschen. Hat auch nie jemand behauptet.

Zumindest nicht in dieser Zeitung.

In einfachen Worten: Frauen, die McCain wählen sind dumm – Andrea Böhm hat gesprochen.

Quelle: Mrs. America, in: DIE ZEIT vom 18. September 2008.

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3 Antworten

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  1. S1IG said, on September 18, 2008 at 5:42 pm

    Danke für dieses „Funstück“ und das elegante „Sezieren“ des Inhalts. Interessant zu sehen, wie die Obamaniacs ticken.

  2. heplev said, on September 19, 2008 at 3:24 pm

    „In einfachen Worten: Frauen, die McCain wählen sind dumm – Andrea Böhm hat gesprochen.“
    Das geht dann mit The One weiter, wie inzwischen unterschwellig, aber auch schon offener vermittelt wird: Wer Obama nicht wählt, ist Rassist.
    Und so weiter.
    Mit anderen Worten: Die Obamanicas haben die Intelligenz gepachtet. Alle anderen werden übel abqualifiziert und verleumdet. Warum? Weil sie nicht in der Lage sind mit Fakten zu streiten. (Zu viel Angst, sie könnten dabei unterliegen.)
    Gegen die Phrasendrescherei von Obama war selbst Gazprom-Schröder fast schon ein Waisenknabe.

    Edit: Irgendwie ist dieser Kommentar als Spam eingeordnet worden, was ich erst jetzt bemerkt habe (Mr. Moe)

  3. […] als Aushängeschild von dummer Arroganz und verbreitet antiamerikanische Sülze. Mr. Moe von der Zeitung für Schland hat einen Titelseiten-Blödsinn […]


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