Zeitung für Schland

Wer Iran sagt, muss auch Israel sagen

Posted in F.A.Z. by Mr. Moe on Oktober 15, 2008

Dass Volker Perthes von der Stiftung Wissenschaft und Politik für eine freundschaftliche Politik gegenüber Iran plädiert, ist altbekannt (vgl. etwa Wind in the Wires oder transatlantic forum). Gleiches gilt offenbar für Wolfgang Günter Lerch, der in der Literaturbeilage der F.A.Z. anlässlich der Frankfurter Buchmesse das Buch „Iran – eine politische Herausforderung“ von Volker Perthes rezensiert. Was der Titel des Buches in Gestalt des Euphemismus „Herausforderung“ bereits erahnen lässt, bewahrheitet sich in Lerchs Unterüberschrift, derzufolge Perthes die iranische Politik „nüchtern“ analysiere. Um eben dieses zu zeigen, beschreibt Lerch zunächst George W. Bush und Mahmud Ahmadineschad als zwei gegenüberstehende Protagonisten, die jeweils einem verqueren Weltbild verfallen seien:

Folgt man den verbalen Kundgaben der jeweiligen Führer der Vereinigten Staaten von Amerika und der Islamischen Republik Iran, so kann es keine zwei erbitterteren Feinde geben als diese beiden Länder. Nach George W. Bush, dem scheidenden Präsidenten, führt das Iran der Mullahs noch immer die „Achse des Bösen“ an und ist die „größte Bedrohung für Amerika“ überhaupt. Und nach Präsident Mahmut Ahmadineschad gehört Iran längst zum Kreis der „Großmächte“:Schon sein Nuklearprogramm, an dem man festhalten werde, mache dies ja deutlich.

Ach welch‘ Glück gibt es Volker Perthes, der den beiden Irren die Vernunft entgegensetzt:

Volker Perthes von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin führt den Leser auf den Boden der Tatsachen zurück, auf die Verhältnisse, wie sie sich jenseits der Propaganda beider Seiten darstellen.

Und natürlich verrät Lerch auch, wie diese „Tatsachen“ aussehen:

Weder ist Iran […] eine wirkliche Großmacht oder gar die größte Bedrohung Amerikas, noch ist es angesichts der Ausgangslagen und Kalküle unmöglich, dass sich Teheran und Washington vernünftig über ihre Schwierigkeiten miteinander unterhalten  – das Nuklearprogramm als der größten Brocken eingeschlossen. […]

In der ihm eigenen nüchternen Art mahnt Perthes zur Besonnenheit. Das ist umso nötiger, als er die Drohung eines Militärschlages seitens der Amerikaner (oder Israelis), an dem die Iraner zweifeln mögen, durchaus nicht ausschließen kann.

So sieht es also aus: Iran wird von Amerika respektive Israel bedroht und einen Militärschlag gegen Iran zu verhindern sei daher das Primärziel. Dass korrekterweise von einem Militärschlag gegen das iranische Atomprogramm und nicht von einem scheinbar willkürlichen Angriff auf den Iran die Rede sein müsste, ignoriert Lerch geflissentlich. Überflüssig auch zu erwähnen, dass Lerch den Einsatz einer iranischen Atombombe hingegen kategorisch auszuschließen scheint und die Vernichtungsdrohungen gen Israel daher folgerichtig nicht einmal erwähnt. Immerhin räumt Lerch ein, dass es da doch mal etwas war…

Natürlich kennt er [Perthes, Mr. Moe] die Stellungnahmen des nach außen so bizarr wirkenden iranischen Präsidenten, doch nimmt er dessen verbale Ausfälle nicht zum Nennwert. Ahmadineschad mag ein Mann sein, der von religiös unterfütterten eschatologischen Visionen gefangen ist, die seinen verbalen Radikalismus fördern. Doch repräsentativ ist er nach Auffassung von Perthes nicht für das System der Islamischen Republik.

So, so: Was Antisemiten von sich geben stellt also nicht den „Nennwert“ dar. Warum sollte es auch, wirkt Ahmadineschad doch auch nur nach außen bizarr, ist aber eigentlich, vermutlich wenn man ihn besser kennenlernt, doch ein ganz netter Typ. Und überhaupt: Er ist halt leicht religiös angehaucht, vergleichbar mit den freundlichen Menschen, die einen Sonntagmorgens aus dem Bett klingeln um über Jesus zu sprechen… Sparen wir uns an dieser Stelle die weiteren Ausführungen (Grundtenor: Iran ist ein „logisch handelnder Akteur“ und verfolgt berechtigte Sicherheitsinteressen; natürlich kein Sterbenswörtchen über das Aufhängen Homosexueller an Baukränen oder ähnlichen Gräueltaten) und springen direkt zu Perthes Schlussfolgerung:

Die internationale Diplomatie, Amerika und Europa, die IAEA in Wien müssen erreichen, dass Irans Zutrauen zur Weltgemeinschaft ebenso wächst, wie das Sicherheitsbedürfnis der Nachbarstaaten und des Westens befriedigt wird. Washington muss Iran als Mitspieler ohne Wenn und Aber akzeptieren.

Es bleibt der geringe Trost, dass weder Wolfgang Günter Lerch noch Volker Perthes bei den US-Präsidentschaftswahlen stimmberechtigt sind.

Quelle: Wolfgang Günther Lerch: „Logisch handelnder Akteur“, in: Literaturbeilage zur F.A.Z. vom 15. Oktober 2008, S. 36.

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2 Antworten

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  1. Mumbai und Gaza « Zeitung für Schland said, on Dezember 26, 2008 at 10:50 am

    […] Dass F.A.Z.-Autor Wolfgang Günter Lerch ein sogenannter “Israel-Kritiker” sowie ein Apologet des Mullah-Regimes ist, dürfte regelmäßigen Lesern der Zeitung für Schland bekannt sein. Folglich vermag es auch […]

  2. […] ein Buch fällig, jedoch braucht Ladurners Brief sich dem Grad seiner Widerwärtigkeit nach vor Volker Perthes und Christoph Bertrams Auswürfen nun wirklich nicht zu verstecken. Insbesondere hinsichtlich […]


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