Zeitung für Schland

Was darf die Satire?

Posted in Deutsche Zustände by Mr. Moe on Oktober 16, 2008

Kurt Tucholsky beantwortete die Frage, was die Satire dürfe, einst mit einem eindeutigen „Alles“. Eine zeitgemäße Antwort auf die Frage hat jetzt das Museum für komische Kunst Caricatura gegeben und den vom Satiremagazin Titanic für den 18. Oktober ausgerufenen Mohammed-Ähnlichkeitswettbewerb aufgrund nicht ausreichender „Platzkapazitäten“ sowie Sicherheitsbedenken abgesagt. Stefan Behr kommentiert dies in der Frankfurter Rundschau lapidar:

Es hat halt nicht sollen sein.

Was sich so anhört, als habe ein Fußballverein in der letzten Minute ein unglückliches Tor kassiert, verdeutlicht die allseitig vorherrschende Freude über die Absage der Veranstaltung.

Die Polizei:

Die ersten Reaktionen klingen meist nach Erleichterung. Etwa bei Polizeisprecher Jürgen Linker: „Wir hätten das mit abdecken können, sind aber erleichtert, weil es so nicht zu möglichen Protestaktionen kommt.“ Vorfälle, wie sie sich ereignet haben, nachdem Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung Jyllands Posten erschienen sind, hätte man in jedem Fall unterbinden wollen. Vermutlich wäre also die Frankfurter Polizei in massiver Präsenz angerückt.

Die Staatsanwaltschaft:

Auch Doris Möller-Scheu, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, ist über die Entwicklung alles andere als unglücklich. „Wir können das nur begrüßen, es hätte sonst sicher Probleme gegeben.“ Es sei ja nicht so, dass die Veranstalter sich alleine in Gefahr brächten, sondern auch andere, völlig Unbeteiligte.

Genau so ist es: Nicht potentielle Attentäter gefährden die Öffentlichkeit, sondern Titanic-Redakteure. Ganz so, als ob Extremisten aufgrund des Einknickens eines Museums vom Glauben abfiehlen und ihre mörderischen Ziele nicht mehr verfolgten. Aber eigentlich geht es bei der ganzen Angelegenheit ja gar nicht um Islamismus oder Sicherheit:

Hauptgrund seien die Kunstwerke gewesen, die in der Caricatura hängen und um deren Sicherheit man sich Sorgen gemacht habe. „Das ist ja an und für sich kein Veranstaltungsort“ – die Lesebühne befindet sich im Erdgeschoss des Museums, wo auch die Kurzausstellungen gezeigt werden, derzeit Bilder von Bernd Pfarr. Dass alles in so einem Schlamassel endet, hätte er nicht geglaubt: „Ich hätte nicht gedacht, dass das so ein Ding wird.“

Dass das Museum „kein Veranstaltungsort“ sei und das zwei Tage vor der Veranstaltung plötzlich jemandem auffällt, lassen wir einmal so stehen. Schlimmer wiegt ohnehin, dass die Terroristen Titanic-Redakteure in ihrem Wahn weiter rücksichtslos die Öffentlichkeit gefährdeten:

Noch ist aber nicht endgültig klar, ob es nicht doch ein Ding werden könnte. Die Redakteure der Titanic halten nämlich nach wie vor den geplanten Schabernack für eine gute Sache und denken nicht ans Aufgeben.

Diese Monster!

Nachtrag: Es soll dem Leser nicht vorenthalten werden, dass Stefan Behr von der Frankfurter Rundschau die Absage der Veranstaltung in einem Leitartikel mittlerweile als „falsch“ bezeichnet hat.

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