Zeitung für Schland

Pronunciation

Posted in Zwei mal Drei macht Vier by Mr. Moe on Oktober 6, 2008

Die Schwierigkeit der Franzosen, ein „h“ auszusprechen brachte Kouchner während seines Nahost-Besuchs in Bedrängnis. Die israelische Zeitung „Haaretz“ zitierte ihn mit den Worten, Israel werde den Iran „essen“, wenn letzterer in den Besitz der Atomwaffe käme. Das französische Außenministerium verbreitet am Sonntag eigens eine Pressemitteilung, um das Missverständnis aufzuklären. Kouchner, der das Interview auf Englisch gab, habe sagen wollen, dass Israel den Iran „angreifen“ (englisch: hit) werde, falls der Iran Atomwaffen entwickle, heißt es darin. Die Journalisten verstanden statt „hit“ jedoch „eat“. Kouchner bedaure das Missverständnis zutiefst, hieß es weiter. (APA/dpa)

Quelle: Der Standard.

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Totenruhe oder: Kausalität für Anfänger

Posted in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe on Oktober 6, 2008

F.A.Z.-Leser Willi Reuver räsoniert über die Ermordung 14 italienischer Zivilisten durch deutsche Hand anno 1944:

Ich selbst kann bei diesem bedauerlichem Drama in Italien nicht die Massenmorde an deutschen Zivilisten bei Terrorangriffen der Royal Air Force ausblenden. So haben im März 1945 kurz vor der Kapitulation britische Piloten mit ihren Bombern bei einem Angriff auf Würzburg fünftausend Zivilisten bei lebendigem Leib verbrannt. Viele deutsche Städte erteilte der gleiche Wahnsinn. Wer wurde dafür in England je vor ein Tribunal gestellt und zur Verantwortung gezogen?

Wieso die Bombardierung deutscher Städte 1945 für die Beurteilung des „bedauerlichen Drama[s]“ im Jahr 1944 eine Rolle spielen soll, verrät Herr Reuver leider nicht. Und dafür, dass er die Verurteilung britischer Generäle fordert, gibt sich Herr Reuver dann auch erstaunlich versöhnlich:

Lassen wir die Toten ruhen.

Einmal ganz davon abgesehen, dass Reuver in seinem Leserbrief selbst Totengräber spielt, drängt sich die Frage auf: Hat da jemand Leichen im Keller?

Quelle: F.A.Z. vom 6. Oktober 2008, S. 18.

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Don Homer Recommends

Posted in Hausmitteilungen by Don Homer on Oktober 5, 2008

Aufmerksame Leser verschiedener Blogs werden es bemerkt haben: Viele Weblogs nerven beglücken ihre Leser mit der Verlinkung der klugen Worte Anderer. Da Mr. Moe zahlreichen solcher Verweise gefolgt ist und so eine Menge Zeit verloren Interessantes gelesen hat, wird auch die Zeitung für Schland künftig in loser Folge auf lesenswerte Beiträge von Fremdautoren aufmerksam machen. In Anbetracht der Tatsache, dass die in der Blogroll verlinkten Blogs per se empfehlenswert sind, wird sich die neue Rubrik „Don Homer Recommends“ auf Beiträge aus Zeitungen, Zeitschriften, Instituten, etc. beschränken.

Pitzke did it once again

Posted in SPIEGEL & SPIEGEL ONLINE by Mr. Moe on Oktober 3, 2008

Wie nicht anders zu erwarten, glänzt Marc Pitzke auf SPIEGEL-ONLINE mit einer erstklassigen Analyse des TV-Duells zwischen Sarah Palin und Joe Biden:

Es sind die allerersten Worte, die den Ton dieses Abends prägen. Worte, die außer Hörweite des Saalpublikums fallen, noch bevor das Streitgespräch eröffnet ist. Sarah Palin und Joe Biden treten aus der Kulisse, gehen aufeinander zu, geben sich die Hand. „Schön, Sie kennenzulernen“, zwitschert Palin ihrem Rivalen ins Ohr. „Hey, kann ich Sie Joe nennen?“ Der guckt etwas irritiert, gibt dann aber perfekt-charmant zurück: „Sie können.“

Fällt irgendjemand etwas auf? Genau: Palin zwitschert blöd daher, gibt sich ergo künstlich. Biden hingegen ist höflich und galant – und das obwohl das Monster Palin ihm eine so gemeine Falle gestellt hat. Dieser Grundtenor – Palin ist verlogen, Biden ehrlich – zieht sich durch Pitzkes gesamten Artikel:

Und so beginnt die wichtigste TV-Debatte, die sich zwei US-Vizepräsidentschaftskandidaten wohl je geliefert haben: volkstümelnd, jovial, respektvoll, fast freundschaftlich – und doch mit einem unterschwelligen Gefühl der Bedrohung. Das zeigt sich wenig später, als Palin offenbart, wofür sie den Duz-Gruß wirklich braucht: als Messer gegen Biden.

Hier suggeriert Pitzke, dass Palin das TV-Duell hinterlistigerweise als Chance nutzen will, ihren Kontrahenten schlecht aussehen zu lassen. Was erwartet Pitzke eigentlich von einer solchen Debatte? Glaubt Pitzke ernsthaft, dass Biden den Abend mit Palin als kuscheliges tête-à-tête betrachtet? Ebenso objektiv liest sich Pitzkes Zusammenfassung von Palins Auftritt:

Palin vermied es, über die enorm niedrigen Erwartungshürden zu stolpern, die ihr Camp in den letzten Tagen immer tiefer gelegt hatte. Sie schaffte es, alle populistischen „talking points“, die man ihr eingebläut hatte, wie ein Wasserfall herunterzurasseln, direkt in die Kamera, von Augenzwinkern begleitet – und konnte sich so retten, ohne dabei wirklich Substantielles (oder Peinliches) zu sagen.

Dahingegen Biden:

Biden verstieg sich derweil zu keiner dummen Bemerkung, war ganz Kavalier, brillierte mit Fachkenntnis und wurde einmal sogar emotional.

Dass Biden West Bank und Gaza-Streifen verwechselte und behauptete, die USA und Frankreich hätten Hisbollah aus dem Libanon vertrieben, vermag Pitzkes Urteil über Bidens Brillanz erwartungsgemäß nicht zu trüben. Wirklich putzig wirkt Pitzke jedoch, wenn er seine eigene Meinung derart brüskiert und anklagend hinausposaunt, dass dem Leser der Schaum vor Pitzkes Mund durch den Monitor hindurch ins Gesicht zu spritzen droht:

Viele dieser Wortkanonaden [Palins, Mr. Moe] hatten mit den Fragen gar nichts mehr zu tun. Palin war stolz darauf: „Wenn ich will, beantworte ich die Fragen einfach nicht“, sagte sie. „Ich werde das amerikanische Volk direkt ansprechen.“ Diese außerordentlich dreiste Bemerkung, die im Redeschwall etwas unterging, erinnerte einen an die starre Haltung der Bush-Regierung: Wir scheren uns nicht um die Regeln, basta.

Ebenso schön ist, wenn Pitzke Biden dafür lobt, dass er Palin beim Thema Außenpolitik nicht bloßgestellt habe, obwohl er doch dazu aufgrund seiner Kenntnisse in der Lage gewesen sei:

Bei außenpolitischen Themen kam Palin jedoch schwer ins Schwimmen: Irak, Iran, Pakistan, Afghanistan, Nahost, nukleare Proliferation. Hier stachen ihre ausweichenden Worthülsen am krassesten hervor, und einmal begann sie kurz hilflos zu stottern. Biden, der sie damit einfach hätte auseinandernehmen können, verschonte sie aber und griff lieber McCain an.

Fehlt nur noch, dass Pitzke Biden für den Friedensnobelpreis vorschlagen würde. Zumal Biden auch eine menschliche Seite hat:

Biden dagegen hatte einen Glanzmoment, bei dem seine Person durchbrach. Das war, als er vom Tod seiner ersten Frau und seiner Tochter sprach, 1972 bei einem Autounfall, bei dem seine zwei Söhne schwer verletzt wurden. „Ich weiß, wie es ist als alleinerziehender Vater“, sagte er und schluckte schwer, den Tränen nahe. „Ich weiß, wie es ist, wenn du dich als Eltern fragen musst, ob dein Kind überlebt.

Über die Frage, ob Pitzke vergleichbare Äußerungen von Sarah Palin ähnlich mitfühlend kommentiert hätte, kann an dieser Stelle leider nicht spekuliert werden.

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Abwasch

Posted in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe on Oktober 2, 2008

Dass sich ein Berg von Abwasch bei nachlässiger Haushaltsführung auf geheimnisvolle Weise vermehrt, ist ein altbekanntes Phänomen. Ähnliches kann der regelmäßige F.A.Z.-Leser beobachten, wenn er die Leserbriefseite einmal einige Tage unbeachtet gelassen hat. Höchste Zeit also aufzuräumen, wobei wir uns zunächst dem gröbsten Dreck widmen werden und einige nicht ganz so stark verschmutzte Teller in einem Anflug von Faulheit einmal beiseite lassen wollen.

Wie nicht anders zu erwarten, bleiben Henryk M. Broder und Arno Lustiger aufgrund ihrer verlinkten Artikel die beliebtesten Reizpersonen der F.A.Z.-Leser. Wie üblich sagen die Leserbriefe allerdings mehr über ihre Verfasser denn über Broder oder Lustiger aus. So schreibt etwa Helmut Schwarzer in der F.A.Z. vom 30. September:

Ganz zu schweigen von dem lobend ins Feld geführten Scharfmacher Henryk Broder, dessen Tiraden eher dem Antisemitismus Vorschub leisten, als dass sie das Gegenteil bewirkten.

Analog zum Mädchen mit dem kurzen Rock, das den Vergewaltiger so zu seiner Tat angeregt habe, sei der Jud‘ also Schuld am Antisemitismus. In Anbetracht solchen Schundes wirkt der Kommentar von Dr. Clemens Tewes zunächst erfrischend, beschränkt er sich doch zunächst auf belehrende Anmerkungen zu der von Broder behandelten Bahai-Religion. Wessen Geistes Kind Dr. Tewes ist, zeigt jedoch folgendes Zitat:

Broder fällt neben den Bahai noch Srebrenica, Ruanda, Kambodscha und Darfur ein. Das muss wohl so sein, denn die Zuständigkeit für ein anderes, in sehr wohl vergleichbarer Unterdrückungssituation befindliches Volk – sie liegt nun mal in Händen, die Broder laut richterlichem Beschlusse einstweilen nicht weiter des Antisemitismus zeihen darf.

Da Srebrenica, Ruanda, Kambodscha und Darfur gemeinhin nicht für Unterdrückung, sondern für Völkermord stehen, ist die Aussage klar: Israel verübt einen Völkermord an den Palästinensern. In der Schule hieße es jetzt: Falsch, Sechs, setzen.

Doch leider sind wir nicht in der Schule, auch wenn Sigurd Schmidts Leserbrief in der F.A.Z. vom 1. Oktober dies aufgrund seiner offenkundigen Unkenntnis nahe legt:

Die These Arno Lustigers, wonach sich „hinter der Maske des Antizionismus“ heute der Antisemitismus verberge, kann nicht unwidersprochen bleiben. Das würde ja bedeuten, das jegliche Politik des jüdischen Staates grundsätzlich der Kritik enthoben sei.

Um sich zu verdeutlichen wie widersinnig diese Behauptung ist, reicht ein simples Gedankenexperiment: Angenommen, Herr Schmidt wäre mit der Politik des schwedischen Staates nicht einverstanden – würde er dafür einen eigenen Begriff brauchen? Natürlich nicht, könnte er die Handlungen Schwedens ja auch einfach kritisieren. Doch beim Antizionismus geht es um vieles (etwa: eigene Ressentiments), aber um eines ganz gewiss nicht: das konkrete Handeln des Staates Israel. Antizionisten bräuchten sich daher eigentlich gar nicht die Mühe zu machen, die Politik Israels zu kritisieren, da schon die bloße Existenz Israels der Anlass für ihren Unmut ist. Ein Antizionist, der Israels Politik als Legitimation für seinen Antizionismus heranzieht, argumentiert demnach ebenso glaubhaft wie ein Rassist, der seinen Rassismus darauf begründet, dass sein ausländischer Nachbar zu laut Musik hört.

Neben solch offenkundigen Fällen bewusster oder – vermeintlich? – unbewusster Ablehung Israels gibt es das gerade in Deutschland häufig zu beobachtende Phänomen des „guten Freundes“ Israels. Ein Beispiel für diesen Typ ist Dieter Neuhaus, der treuen Lesern der Zeitung für Schland bereits bekannt sein dürfte (vgl. hier und hier). In der F.A.Z. vom 2. Oktober zeigt Herr Neuhaus, dass er immer noch mit Argusaugen über Israels Wohlergehen wacht:

Viele deutsche Nichtjuden wünschen dem Staat Israel von ganzem Herzen, dass er zu einer sicheren Heimstatt für die Juden an der Seite eines friedlichen Staates Palästina werden möge.

Was die Mehrheit der Deutschen von Israel hält sollte eigentlich hinreichend bekannt sein: 64% beurteilen den Einfluss Israels negativ und 65% sehen sich gar von Israel bedroht. Die Behauptung, dass „viele deutsche Nichtjuden“ dem Staat Israel „von ganzem Herzen“ auch nur irgendetwas Positives wünschen, kann also getrost ins Reich der Phantasie verwiesen werden. Für Herr Neuhaus sind solch‘ kritische Deutsche jedoch die wahren Freunde Israels:

Sie halten es aber im Gegensatz zu Broder eher mit dem südafrikanischen Bischof Desmond Tutu, der 2002 nach einem Besuch im Heiligen Land geschrieben hat, dass Israel niemals sicher sein werde, solange es das palästinensische Volk unterdrücke. Es sei ihm unbegreiflich, dass sich ausgerechnet Israel einer solchen Unterdrückungspolitik schuldig mache. Die Frage die er am Schluss des Interviews stellt, hat bis heute an Aktualität nichts verloren: „Haben unsere jüdischen Brüder und Schwestern ihre eigene Demütigung vergessen?“

Wie glücklich darf Israel sich schätzen, angesichts solche Freunde wie Desmond Tutu, der Israel als Apartheids-Regime bezeichnet, und dem sich stets um Israel sorgenden Herrn Neuhaus.

Quellen:
F.A.Z. vom 30. September 2008, S. 21.
F.A.Z. vom 1. Oktober 2008, S. 10.
F.A.Z. vom 2. Oktober 2008, S. 45.