Zeitung für Schland

Christoph Bertram umarmt den „Beelzebub“

Posted in DIE ZEIT by Mr. Moe on November 21, 2008

Christoph Bertram, Deutschlands Vorzeige-Appeaser, plädiert in der neuen Ausgabe der ZEIT mit alten Argumenten für „Diplomatie im Umgang mit Iran“:

In der öffentlichen Diskussion des Westens erscheint Iran als der internationale Beelzebub schlechthin. Seine Führung möchte angeblich so rasch wie möglich eigene Atomwaffen entwickeln und damit Israel ausradieren, zur beherrschenden Macht des Nahen und Mittleren Ostens werden und alle westlichen Bemühungen um Stabilität und Konfliktlösung konterkarieren.

Den hysterischen Spinnern, die es wagen Iran unlautere Motive zu unterstellen, entgegnet Bertram mit der Forderung nach „Besonnenheit“:

Das gilt zunächst für das Ausmaß der Gefahr: Zwar hat die Regierung in Teheran lange kritische Atombemühungen verheimlicht und eine Zeit lang sogar an einem militärischen Programm gearbeitet. Aber noch ist Iran vom Besitz der Bombe weit entfernt und beteuert, ihn auch nicht anzustreben.

Iran sagt, dass es keine Bombe will, also will es auch keine – die Welt kann so einfach sein wenn man mit Schaufel und Backförmchen im Sandkasten sitzt. Wobei ein klitzekleines Bömbchen doch auch gar nicht so schlimm wäre…:

Und selbst wenn Iran eines Tages über eine einsatzfähige Atombombe verfügen sollte, blieben die USA und Israel ihm haushoch überlegen. Die Drohung mit nuklearer Vergeltung würde auch die Mullahs vom Einsatz der Bombe abhalten.

Eigentlich nicht der Rede wert, dass Bertram die letztgenannte Behauptung wie üblich nicht belegt. Fassen wir das bisher Gesagte aber doch kurz zusammen: Iran will keine Bombe, Iran ist auch nicht in der Nähe einer Bombe und eine iranische Bombe wäre sowieso nicht schlimm. Was könnte einer solchen Argumentation wohl folgen?

Dennoch bleiben Anstrengungen geboten, eine solche Entwicklung aufzuhalten.

Nichts an Bertrams bisherigen Ausführungen erfordert ein solches Gebot. Und richtig, die vermeintlich „notwendigen Anstrengungen“ dienen Bertram lediglich als Vorwand, seine Kritik am Westen zu äußern:

Doch auch hier ist Nüchternheit am Platz. Die Mittel, die der Westen seit sechs Jahren anwendet, haben nichts gefruchtet, im Gegenteil: Der Anreicherungsprozess wurde beschleunigt, die Vetomacht Irans bei der Lösung der wichtigsten Konflikte (der Stabilisierung Afghanistans, des Iraks und des Libanons sowie der Suche nach einer Einigung zwischen Israel und den Palästinensern) ist stetig gewachsen. Wirtschaftssanktionsdrohungen wie militärische Drohungen blieben folgenlos.

Man traut seinen Augen kaum: eine Folge von Sätzen aus Bertrams Feder, der uneingeschränkt zugestimmt werden kann. Doch Bertram wäre nicht Bertram, wenn er draus nicht die völlig falschen Schlüsse zöge:

Wenn auch Verhandlungen kaum vorangekommen sind, trifft die Schuld nicht vorrangig die Islamische Republik. Im Mai 2003 legte Iran den USA ein umfassendes Gesprächsangebot vor, das sogar die indirekte Anerkennung Israels in Aussicht stellte – die Bush-Regierung wischte es vom Tisch.

Nicht nur das die USA das allzu großherzige Angebot der „indirekten Anerkennung Israels“ nicht angenommen hätten:

Später unterbrach Iran vorübergehend die Anreicherung und gewährte der IAEA zusätzliche Inspektionen. Nennenswerte Gegenleistungen, vor allem seitens der USA, blieben aus, und der Iran zog seine Konzessionen zurück. Seither blockiert der Westen Verhandlungen mit der Forderung, zuvor müsse Iran die Anreicherung aussetzen.

Doch zum Glück verfügt der Westen ja über einen Querdenker wie Christoph Bertram, der dem ZEIT-Leser gegen Ende seines Traktats seine bekannten Vorschläge zur Lösung des Problems, das es seinen eigenen Aussagen zufolge eigentlich gar nicht gibt, natürlich nicht vorenthalten mag:

Wie soll es weitergehen? Zwei Schritte des Westens sind notwendig: Erstens muss er die Vorleistungsforderung fallen lassen. Zweitens muss er erkennen, dass Fortschritte in der nuklearen Frage von solchen in der Gesamtbeziehung zu Iran abhängen. Das verlangt einen massiven Bewusstseinsschub – weg von der Dämonisierung des Regimes zu seiner Anerkennung, weg von der Konfrontation zum Angebot der Entspannung.

Fast ist man geneigt zu ergänzen: Drittens müssen die klügsten Denker des Westens in die Dienste des Mullah-Regimes gestellt werden und Christoph Bertram demnach in die nächste Maschine nach Teheran gesetzt werden. Dort könnte dann solch weisen Worten gelauscht werden:

Aber da die bisherige Strategie versagt hat, ist eine neue zu versuchen ein Gebot der Klugheit. Einer wenigstens scheint das verstanden zu haben.

Na, wer mag sich dieser Tage wohl hinter der nebulösen Formulierung „einem“, der das „Gebot der Klugheit“ erkannt habe, zu verbergen? Richtig geraten:

Schon im Wahlkampf hatte Barack Obama seine Bereitschaft angekündigt, als US-Präsident Verhandlungen mit Iran zu führen – ohne Vorbedingungen und nicht nur über die Atomfrage. Spätestens nach den iranischen Präsidentschaftswahlen im Juni 2009 könnte er die Probe aufs Exempel riskieren.

Amen.

Quelle: Christoph Bertram: „Reden mit dem Beelzebub“, in: DIE ZEIT vom 20. November 2008, S. 23.

Tagged with: , ,

5 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. […] wird die Sammlung zur Einordnung der Sachkompetenz der Heuchler und Propagandisten noch durch Mr. Moe von der Zeitung für Schland mit seiner Kommentierung eines Geschreibsels von Christoph Bertram in der ZEIT. „Deutschlands […]

  2. […] – im Wesentlichen gerechtfertigten – Fokussierung auf den Krieg in Gaza in den letzten Tagen darf Christoph Bertrams Lobpreisung neuster wissenschaftlicher Erkenntnisse in der ZEIT nicht ungehört verhallen. Die […]

  3. […] jenem Christoph Bertram, Deutschlands größtem Fürsprecher der Islamischen Republik und erbittertsten Gegner gegenüber einem auch nur ansatzweise druckvollen Vorgängen gegen das iranische […]

  4. […] vorgelegt hat, zieht Christoph Bertram, Deutschlands größter „Iran-Experte“ und als solcher Chef-Appeaser, nach. In einem Interview mit n-tv erklärt Bertram dem geneigten Leser, dass der Westen bislang […]

  5. […] vorgelegt hat, zieht Christoph Bertram, Deutschlands größter „Iran-Experte“ und als solcher Chef-Appeaser, nach. In einem Interview mit n-tv erklärt Bertram dem geneigten Leser, dass der Westen bislang […]


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: