Zeitung für Schland

Mumbai und Kaschmir

Posted in DIE ZEIT by Mr. Moe on Dezember 9, 2008

Ulrich Ladurners „Mumbai-Analyse“ in der ZEIT kann als Paradebeispiel für die in den letzten Tagen häufig zu beobachtende Blindheit westlicher Kommentatoren gegenüber islamistischen Gräueltaten dienen. Liegt den Anschlägen von Mumbai etwa eine menschenverachtende Ideologie, ein „war against civilisation“ (Melanie Phillips; deutsche Übersetzung via heplev) zugrunde? Waren die Anschläge nicht offenkundig antisemitischer Natur? Aber nicht doch!

Es wird derzeit viel über die Drahtzieher dieser Anschläge spekuliert, und die indische Regierung scheint davon überzeugt zu sein, dass sie in Pakistan sitzen. Neu-Delhi gestikuliert zornig in Richtung Islamabad. Jenseits aller Indizien über die Hintermänner ist es freilich so, dass islamistisch begründete Anschläge quasi zwangsläufig einen pakistanischen „Hintergrund“ haben, allerdings nicht in einem polizeilichen Sinne. Jeder muslimische Attentäter bezieht sich auf die eine oder andere Weise auf Kaschmir, die seit 1947 zwischen Pakistan und Indien umstrittene Region. Wann immer es aber um diese Region geht, ist auch Pakistan mit im Spiel. Denn dieser Staat begreift sich als Schutzherr der Muslime auf dem gesamten Subkontinent. Indien und Pakistan haben drei Kriege geführt, und immer ging es auch um Kaschmir.

Es geht also um einen regionalen Konflikt. Doch wie kann eine solche Annahme erklären, dass von über 20 Millionen Menschen in Mumbai gezielt Juden ausgewählt und überdies vor ihrer Ermordung noch grausam gefoltert wurden? Ganz einfach:

Kaschmir ist für den Subkontinent das, was der Palästinakonflikt für den Nahen Osten ist. Er ist das Symbol für die Ausgrenzung und Unterdrückung der Muslime.

Mit anderen Worten: ein Teil der Opfer der Anschläge von Mumbai waren halt Juden und die sind ja – qua Gleichsetzung mit Israel – bekanntermaßen Sinnbild für „die Ausgrenzung und Unterdrückung der Muslime“. Na, klingelt’s?

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2 Antworten

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  1. […] Ulrich Ladurner über diese grobe Ungerechtigkeit äußerst verstimmt. Ladurner, bekannt für messerscharfe politische Analysen, hat aus diesem Grund in der ZEIT freundlicherweise eine mögliche Antwort Obamas formuliert, was […]

  2. […] jene beiden Journalisten, die sich in der Vergangenheit wahlweise als „Israelkritiker“, Terrorismusversteher und Apologeten des iranischen Regimes betätigt haben sowie – im Falle Thumanns – der […]


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