Zeitung für Schland

Armes kleines Deutschland

Posted in F.A.Z. by Mr. Moe on Dezember 12, 2008

Klaus-Dieter Frankenberger, verantwortlich für die Abteilung Außenpolitik in der F.A.Z., beklagt, dass Deutschland weltpolitisch „fast schon am Pranger“ stünde. Dieses äußere sich u.a. darin, dass sich die Regierung der Vereinigten Staaten der deutschen Regierungschefin nicht mehr bedingungslos – wie es sich gefälligst gehört! – unterwerfe. So wie in den guten, alten Zeiten:

Als Angela Merkel im Januar 2006 erstmals als Kanzlerin in Washington auftrat, rollten ihr die Amerikaner rote Teppiche aus – so groß war die Erleichterung über den Regierungswechsel in Berlin, und groß war die Hoffnung, dass Merkels Deutschland fortan wieder fest an der Seite der Vereinigten Staaten stehen werde – an allen Fronten.

Da die Deutschen es an vielen Fronten nun einmal besser wissen als die Amerikaner – denn das ist ihr Metier – seien letztere nun beleidigt:

Knapp drei Jahre später läge der Kanzlerin in Washington niemand mehr zu Füßen, wenn sie käme. Es gibt hämisch-bittere öffentliche und inoffizielle Kommentare; Deutschland, so scheint es, hat das übliche Lieblingsfeindbild der Amerikaner abgelöst: Nicht mehr Frankreich ist der grobe Spielverderber, sondern Deutschland, auf das einzuprügeln Mode der Saison geworden ist.

Oh, wie ungerecht die Welt doch ist: Gerade das knuffige und liebenswerte Deutschland, dessen Bewohner den Vereinigten Staaten stets wohlgesonnen gegenüberstehen, bekommt von der Liebe und Anerkennung, die es über den Atlantik sendet, nichts zurück. Neben (natürlich: unberechtigter und böswilliger) Kritik an der deutschen Politik zur Bekämpfung der Finanzkrise ginge es dabei auch um die deutsche Politik gegenüber Iran:

In Amerika kommen noch andere Themen hinzu, welche die Begeisterung für die Frau im Kanzleramt und die große Koalition haben abklingen lassen: Da ist nach wie vor die Kritik an der deutschen Iran-Politik, an der angeblichen Weigerung Berlins, sich schärferen Sanktionen anzuschließen.

Und das, wo doch jeder weiß, dass Frank-Walter Steinmeier & Co. gegenüber widerwärtigen Regimen weltweit unnachgiebig sind, und dass der deutsche Handel mit Iran stetig abnimmt! Die bösen, fiesen Amerikaner verstünden Frankenberger zufolge Deutschland hingegen nicht nur falsch, nein: sie verdrehten auch noch die Wahrheit:

Manches, was beanstandet wird, ist schlicht falsch, etwa die Behauptung, Deutschland übe nicht genug Druck auf Iran aus: Berlin hat auf informellem Wege deutsche Unternehmen angehalten, ihr Engagement in Iran abzubauen – mit spürbaren Ergebnissen.

Das ist wahrlich Journalismus auf ganz, ganz hohem Niveau: knallharte und nachprüfbare Fakten! Wen stört es da, dass diese an der Konfrontation mit der Realität kläglich scheitern? Und wie zynisch liest sich vor diesem Hintergrund Frankenbergers Fazit:

Deutsche Positionen könnten offensiver vertreten werden – ohne wankelmütig zu wirken.

Hier hat Frankenberger absolut recht: wieso eigentlich öffentlich Solidarität mit Israel bekunden, wenn einem der Handel mit Iran doch ungleich wichtiger als die Existenz des jüdischen Staates ist?

Quelle: Klaus-Dieter Frankenberger: „Fast schon am Pranger. In Amerika und bei den europäischen Partnern wächst die Kritik an Deutschland“, in: F.A.Z. vom 11. Dezember 2008, S. 12.

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