Zeitung für Schland

Die Ausgewogenheit der Deutschen Presse-Agentur

Posted in Die üblichen Verdächtigen by Mr. Moe on Dezember 20, 2008

Waffenruhe gilt nicht mehr. Wechselseitige Drohungen Israels und der Hamas

So betitelt die F.A.Z. eine von der Deutschen Presse-Agentur (dpa), die im Übrigen auch von etliche weiteren deutschen Tageszeitungen wie etwa dem Tagesspiegel, dem Hamburger Abendblatt, der Saarbrücker Zeitung oder der Münsterschen Zeitung mehr oder weniger unverändert übernommen wurde (wenn auch, so sei der Fairness halber ergänzt, mit durchaus unterschiedlichen Überschriften versehen). Die in der Unterüberschrift angekündigten „wechselseitigen“ Drohungen lesen sich dabei wie folgt:

Das israelische Militär drohte den militanten Palästinensergruppen mit den Worten, Israel werde im Falle eines fortwährenden Beschusses „angemessen“ militärisch reagieren.

Wahrlich eine niederträchtige Drohung, sich den fortdauernden Raketen-Terror nicht bis ans Ende aller Tage gefallen zu lassen! Wo doch nicht zuletzt Dank Jörg Bremer jedes Kind jeder F.A.Z.-Leser weiß, dass Israel den Beschuss seines Territoriums widerstandslos zu akzeptieren hat! Und in der Tat: Wo kämen wir denn hin, antwortete Israel auf jede der gestern drei und heute elf aus dem nördlichen Gazastreifen auf den Süden Israels abgefeuerten Kassam-Raketen? Von den mehr als 2.900 Raketen im Jahr 2008 und den über 10.000 Rakten in diesem noch jungen Jahrhundert einmal ganz zu schweigen!

Sollte Israel dennoch irgendwann einmal ernsthaft zurückschlagen, sei es zudem doch auch selbstverständlich, dass die Hamas dann reagieren müsse:

Für den Fall einer israelischen Militäroperation im Gazastreifen drohte die Hamas mit einer „harten und schmerzhaften Antwort“.

Ja, so kennt man die Hamas: An und für sich kuschelig-friedlich, im Falle eines Angriffs auf sie jedoch durchaus verteidigungsfähig! Zumal ja auch Israel die Schuld für das Ende der „Waffenruhe“ trage:

Die von Ägypten vermittelte Waffenruhe zwischen Israel und zwölf militanten Palästinenserorganisationen war am Freitagmorgen nach sechs Monaten abgelaufen. Der militante Flügel der Hamas, die rund 20 000 Mann starken Al-Kassem-Brigaden, machte dafür Israel verantwortlich. „Israel hat den grundlegenden Punkt in der Vereinbarung ignoriert. Und das ist das Ende der Blockade und eine Öffnung der Grenzübergänge“, heißt es in einer Erklärung.

Dass diese Erklärung der Hamas zitiert wird, entspricht dem journalistischen Standard stets alle Parteien eines Konfliktes zu Wort kommen zu lassen. Allerdings obliege es ebenfalls journalistischem Anstand, für den Leser nicht ohne weiteres nachprüfbare Behauptungen in einen angemessenen Sinnzusammenhang zu stellen. Letztere Maxime tritt die dpa (und mit ihr die F.A.Z.) hingegen mit Füßen, indem sie dem Leser die nicht unwesentliche Tatsache verschweigt, dass es sich bei der Erklärung der Hamas um nicht als Lügen handelt. Darüber hinaus macht sich die dpa unvermittelt zum Propaganda-Sprachrohr der Hamas, wenn sie schreibt:

Ein Vertreter des politischen Flügels der Hamas signalisierte jedoch, dass eine Rückkehr zur Waffenruhe möglich sei. Sollte Israel ein neues Angebot auf den Tisch legen, werde die Hamas es aufgeschlossen studieren, sagte der Hamas-Sprecher Taher al Nunu dem israelischen Rundfunk.

Anstatt diese Worte als das zu entlarven, was sie sind: ein schlechter Witz, verbreitet die dpa den Irrglauben, dass die Hamas – allen anderweitigen Worten und Taten zum Trotz – ernsthaft am Frieden mit Israel interessiert sei und ein entsprechendes Abkommen nur an Israel scheitere. Ach ja, Israel: dem journalistischen Anstand gemäß wird selbstverständlich auch Israels Position dargestellt:

Israel hat wegen des fortwährenden Beschusses durch militante Palästinenser nach einem Boykott der Hamas zusätzlich eine Handels- und Wirtschaftsblockade über den Gazastreifen verhängt. Die Vereinbarung über die Waffenruhe sah vor, dass Israel schrittweise mehr Waren in den Gazastreifen lässt. Israel wirft der Hamas vor, den Beschuss Israels nicht vollständig gestoppt zu haben.

Von der impliziten Wertung nach dem Muster Israel-hat-nicht-das-gemacht-was-es -der-Vereinbarung-gemäß-hätte-tun-sollen, einmal abgesehen: Auch nur ein Wort darüber, dass Israels „Vorwurf „, die Hamas habe den Beschuss nicht „vollständig gestoppt“, nicht aus der Luft gegriffen ist, sondern im Gegensatz zu den Lügen der Hamas vielmehr eine simple Tatsache darstellt? Fehlanzeige.

Vor dem Hintergrund einer solchen Berichterstattung erscheint Claudio Casulas Prognose angesichts der Reaktionen vornehmlich deutscher Medien im Falle einer möglicherweise nahenden israelischen Militäroperation im Gazastreifen nur allzu treffend:

So still wie die Welt zu den Raketenangriffen auf israelische Städte schweigt, so laut wird der schrille Schrei der Empörung ausfallen, sobald eine israelische Militäroperation anrollt. Die Hamas wird sich, wie die Hisbollah, hinter den palästinensischen Zivilisten verschanzen, und zahllose Kameraleute werden begierig jeden einzelnen Toten und Verletzten abfilmen, dazu die Klagen der Angehörigen und das Jammern der Hamas-Offiziellen, die sich als Opfer einer erneuten zionistischen Aggression gerieren und auf ihren “legitimen Widerstand” verweisen werden. So war es immer und so wird es wieder sein.

Anders ausgedrückt: Die Hamas und mit ihr die deutschen Medien haben die Saat wieder einmal gesät; jetzt wird auf die Ernte gewartet.

Quelle: „Waffen ruhe gilt nicht mehr“, in: F.A.Z. vom 20. Dezember 2008, S. 6.

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Eine Antwort

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  1. […] Die deutsche Medienlandschaft hat den Boden für die „Kritik“ (= Verunglimpfung und Beschimpfung) Israels für den Fall eines ernsthaften Vorgehens gegen die Terroristen im Gazastreifen bereitet. Wie, das beschreibt Mr. Moe in der Zeitung für Schland. […]


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