Zeitung für Schland

Märchenstunde mit Ulrich Ladurner

Posted in DIE ZEIT by Mr. Moe on Dezember 26, 2008

Der designierte US-Präsident Barack Obama hat bislang nicht auf den Brief des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad geantwortet. Naturgemäß sind sind Sympathisanten der islamischen Republik Iran wie ZEIT-Autor Ulrich Ladurner über diese grobe Ungerechtigkeit äußerst verstimmt. Ladurner, bekannt für messerscharfe politische Analysen, hat aus diesem Grund in der ZEIT freundlicherweise eine mögliche Antwort Obamas formuliert, was zweifelsohne als Versuch gedeutet werden kann, in die oberste Liga der Apologeten des iranischen Regimes aufzusteigen. Um in der Oberklasse der Appeaser mitzuspielen ist zwar eigentlich ein Buch fällig, jedoch braucht Ladurners Brief sich dem Grad seiner Widerwärtigkeit nach vor Volker Perthes und Christoph Bertrams Auswürfen nun wirklich nicht zu verstecken. Insbesondere hinsichtlich seiner nahezu pathologischen Unterwürfigkeit gegenüber dem menschenverachtenden iranischen Regime weiß Ladurner die Konkurrenz gar um Meilen hinter sich zu lassen.

Ladurner fordert in seinem fiktiven Brief an Ahmadineschad direkte Gespräche mit Iran, gefolgt von einer kleinen Geschichtsstunde, die sich jedoch schnell als Märchenstunde entpuppt:

Sehr geehrter Herr Präsident,

ich danke Ihnen für Ihren Brief, in dem Sie mir zur Wahl gratulieren. Ich habe Ihre Zeilen sehr aufmerksam gelesen und bin nach langem Überlegen zu dem Schluss gekommen, dass es unseren beiden Ländern nur nutzen kann, wenn wir miteinander sprechen.

Die USA und die Islamische Republik Iran sind seit 30 Jahren verfeindet. Lassen Sie uns daher nicht das betonen, was uns trennt, sondern das, was uns verbindet. Das amerikanische Volk erinnert sich sehr gut daran, dass Iraner nach den Attentaten vom 11. September 2001 in Teheran öffentlich ihr Mitgefühl mit den Opfern dieses Verbrechens geäußert haben. Der Schock über die Grausamkeit der Terrororganisation al-Qaida sitzt bei unseren beiden Völkern tief.

Ich möchte Sie auch daran erinnern, dass die sunnitische al-Qaida zwar Tausende Amerikaner getötet hat, doch unter den Schiiten im Irak haben diese Terroristen ein noch viel größeres Blutbad angerichtet. Al-Qaida ist unser gemeinsamer Feind.

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben den Kampf gegen den Terror aufgenommen. Nicht alles, was wir dabei unternommen haben, war richtig und nützlich. Ja, wir haben sogar schwere Fehler begangen, die unser Ansehen in der Welt und unsere Glaubwürdigkeit beschädigt haben. Trotzdem, der Kampf gegen den Terror muss geführt werden, und wir werden das mit aller Entschlossenheit weiter tun.

Den Kampf gegen Terror „mit aller Entschlossenheit“ führen und gleichzeitig mit dem größten finanziellen Unterstützers des Terrors gemütlich bei einer Tasse Tee parlieren – ein Widerspruch? Nicht sofern man, wie es sich in einem reumütigen Brief gehört, eigene Fehler unterstreicht und unter keinen Umständen Anklage erhebt. Ladurner weiß die ohnehin nur schwer zu ertragende Unterwürfigkeit gegenüber dem menschenverachtenden iranischen Regime indes noch zu toppen:

Ihr Land hat eine große und lange Geschichte, es ist einflussreich und mächtig, doch glauben Sie nicht, dass es die Probleme seiner Nachbarschaft allein lösen kann. Überschätzen Sie Ihre Kraft nicht. Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich rede. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben in den letzten Jahren schmerzhaft die Grenzen ihrer Macht erfahren müssen. Wir brauchen Verbündete. Daraus aber sollten Sie nicht schließen, dass wir schwach oder gar unentschlossen sind.

Das liest sich beinah so, als wolle der größte Außenseiter der Schule – verpickelt und hässlich- in einem Akt der Verzweiflung das beliebteste Mädchen der Schule nach einem Date zum Abschlussball bitten. Die Frage, warum das schöne Mädchen auf die Offerte eines solchen Losers eingehen sollte, stellt sich Ladurner dabei sogar selbst:

Sie werden sich vielleicht fragen: Wozu brauchen wir die Freundschaft der USA? Sind wir nicht 30 Jahre lang gut ohne sie ausgekommen? Bestimmt, Ihr Land kann doch auch ohne unsere Hilfe weiterbestehen, doch wird es nicht das Potenzial ausschöpfen können, dass in ihm steckt. Und Sie, Herr Präsident, wollen mit Sicherheit, dass die Menschen in Ihrem Land alle ihre Möglichkeiten nutzen können.

Gewiss kann es als selbstverständlich angesehen werden, dass Ahmadineschad daran interessiert ist, dass die Menschen im Iran „alle ihre Möglichkeiten“ nutzen können: sofern man die Hälfte der Bevölkerung, Frauen, abzieht. Und die Bahai. Und Homosexuelle. Aber ansonsten sind die Mullahs natürlich am Wohlergehen aller Menschen im Iran interessiert. Darüber hinaus sei Iran ein starkes Land, dass sich durch seine Politik gegenüber eines bestimmten Landes jedoch unnötigerweise selbst schaden würde:

Iran ist ein Riese in der Region, ein Riese, der sich mitunter selbst am Boden fesselt. Zu diesen Fesseln gehört Ihre Politik gegenüber Israel. Ich begreife Ihre Verbundenheit mit den Palästinensern, und ich versichere Ihnen, dass wir an einer Lösung der Palästinafrage hart arbeiten werden. Wir glauben nämlich – genau wie Sie -, dass dies einer der zentralen Konflikte unserer Zeit ist. Doch wir werden nur eine Lösung finden können, wenn sich Israel sicher fühlen kann. Wer Israel offen droht, wer Israel mit Waffen bekämpft, der untergräbt auch die Sache der Palästinenser. Ich wünsche mir, dass Sie in diesem Lichte Ihre Unterstützung der libanesischen Hisbollah überdenken.

Ach ja richtig: das leidliche Thema Israel. Hier fallen gleich mehrere Punkte auf:

  1. Ladurner scheint allen Ernstes zu glauben, dass Irans Politik gegenüber Israel von einer „Lösung der Palästinafrage“ abhinge. Demnach sei ergo nicht der fanatischer Hass auf Israel, sondern der Nahostkonflikt der Grund für Irans Streben nach Nuklearwaffen.
  2. Ladurner erwähnt zudem mit keiner Silbe, dass Ahmadineschad Israel in einer antisemitischen Hetzrede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen im September diesen Jahres nicht nur für das Palästinenserproblem, sondern für nahezu jeden Konflikt auf der Welt verantwortlich gemacht hat (vgl. zu der Rede auch Matthias Küntzel). Folgerichtig erwähnt Ladurner auch die wiederholt geäußerten Vernichtungsdrohungen Irans gegenüber Israels nicht.
  3. Folglich scheint Ladurner den Atomkonflikt als iranisches und nicht als israelisches Problem anzusehen. Das genuine Problem der iranische Bombe sei daher auch nicht die Bedrohung Israels Existenz, sondern dass sie eine Lösung des Nahostkonflikts zu Gunsten der Palästinenser verhindere.
  4. Infolgedessen verwundert es auch nicht, dass Ladurner von Iran lediglich fordert, dass Israel sich sicher fühlen können müsse und nicht offen bedroht oder mit Waffen bekämpft werden dürfe. Ladurner fordert daher auch nicht von Iran, aufzuhören die Terrororganisation Hisbollah zu unterstützen, sondern die Unterstützung lediglich zu überdenken.
  5. Auch ohne Ladurner unterstellen zu müssen, dass diese doppeldeutigen Formulierungen bewusst gewählt sind: seine Sprache offenbart, dass er direkte Gespräche mit Iran über die Existenz des jüdischen Staats stellt.

Aber vielleicht gibt es ja auch eine denkbar einfache Lösung für das Problem: das zionistische Regime Israel einfach von der Landkarte den Seiten der Geschichte tilgen streichen. Na dann: Auf gute Zusammenarbeit! Und damit die auch wirklich glückt, noch einmal tief hinunter auf die Knie und den Mullahs die Füße geküsst:

Ich habe eine klare Vorstellung von Ihrem Land und Ihrem Volk. Ich sehe kraftvolle, offene Menschen. Ich sehe Menschen, die sich nicht fürchten müssen, weder vor der eigenen Regierung noch vor einer ausländischen Macht. Ich sehe ein Land, das in Frieden mit seinen Nachbarn lebt und keine Atombombe braucht, um sich sicher zu fühlen.

Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten.

Kein Iraner müsse sich „vor der eigenen Regierung“ fürchten, ein wahrlich würdiger Abschluss für Ladurners Märchen: Und wenn sie nicht gestorben sind, dann lachen sie noch heute.

Quelle: DIE ZEIT vom 23. Dezember 2008, S. 12.

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3 Antworten

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  1. Wullenwever said, on Dezember 26, 2008 at 10:49 pm

    So langsam graben sich die antiamerikanischen Maulwürfe wieder zum Sauerstoff. Natürlich wird Obama (trotz allem ist er kein Carter) so etwas nicht schreiben. Dann wird zwar nicht er selbst, zumindest aber die mächtige Israel-Lobby in den USA für den verachtenswerten Status Quo verantwortlich gemacht – und die Welt ist wieder in Ordnung.

  2. […] er einen fiktiven Brief Barack Obamas an den Teheran-Adolf, mit dem der Deutsche offenbart, wie bescheuert und weltfremd (sprich: faktenfrei) seine Sicht des Iran […]

  3. […] die vollkommene Wahrheit zu verkünden. Im Übrigen zeigen Ladurners folgenden Ausführungen einmal mehr, dass er sich einen feuchten Kehricht um Menschenrechte schert: Die Taliban sind eine […]


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