Zeitung für Schland

Ein guter Rat fürs neue Jahr

Posted in DIE ZEIT by Mr. Moe on Januar 2, 2009

Aus einem nicht ersichtlichen Grund werden in der ZEIT in den letzten Monaten mit schöner Regelmäßigkeit die immergleichen Abgesänge auf die Vormachtstellung der USA von Parag Khanna, Direktor der New America Foundation, abgedruckt. Anlässlich des Jahreswechsels hält es die ZEIT für angebracht, Khanna auf einer ganzen Seite seine Meinung zu jedem politischen Problem der Welt hinauszuposaunen. Wahrlich erheiternd ist vor dem Hintergrund der jüngsten Geschehnisse in Gaza, was Khanna über den Nahostkonflikt schreibt:

Wenn der jetzt dramatisch losgebrochene Konflikt zwischen Israel und der Hamas über die Palästinensergebiete hinaus die Menschen und Mächte der Region erfasst, kann die ganze Nahostpolitik des kommenden Jahres davon bestimmt werden. Wenn aber das Schlimmste verhindert werden kann, hätte Europa die Chance, die Koexistenz Israels mit einem neuen Palästinenserstaat wirklich zu seiner Sache zu machen. Die Regierung Bush hatte den Bürgerkrieg zwischen Hamas und der Fatah-Organisation befeuert, der den Gaza-Streifen und was Westjordanland zu verfeindeten Gebieten gemacht hat.

Zunächst ist äußerst unklar, was Khanna zufolge „das Schlimmste“ sei, das es zu verhindern gelte. Darüber  hinaus stellt sich die Frage, mit welchem „neuen“ Palästinenserstaat Israel koexistieren soll. Khannas folgende Ausführungen legen nahe, dass er nicht nur auf eine Vereinigung der Hamas und der Fatah hofft, sondern in selbiger gar die Lösung des Nahostkonflikts zu sehen scheint:

Europa könnte den Bau einer Verbindung zwischen beiden Territorien finanzieren. Dies wäre der entscheidende erste Schritt zu einem lebensfähigen palästinensischen Staat.

Warum sollte der „entscheidende erste Schritt“ zu einem palästinensischen Staat zur Abwechslung eigentlich nicht  endlich einmal von denjenigen ausgehen, die angeblich so sehr nach einem eigenen Staat strebten? Sollte das Verhalten der Hamas in den letzten Wochen und Monaten nicht auch „führende Köpfe US-amerikanischer Thinktanks“ (ZEIT über Khanna) davon überzeugt haben, dass ein viel zu großer Teil der Palästinenser den Judenmord einem eigenen Staat weiterhin vorzieht? Zu Herrn Khanna jedenfalls ist diese Erkenntnis noch nicht durchgedrungen und so phantasiert er munter weiter:

Europa kann in Unternehmen investieren, die Arbeitsplätze schaffen; es kann zivilgesellschaftliche Organisationen unterstützen; und es ist eher als Amerika bereit, auch Druck auf Israel auszuüben.

Angesichts dieser auf offensichtlicher Unkenntnis basierenden Blauäugigkeit sei der ZEIT und Khanna an dieser Stelle mit den unnachahmlichen Worten Dieter Nuhrs ein ratsamer Vorsatz fürs neue Jahr übermittelt: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten.

Quelle: Parag Khanna: „Ein Himmel ohne Sonne“, in: DIE ZEIT vom 31. Dezember 2008.

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