Zeitung für Schland

Kind ist nicht gleich Kind

Posted in SPIEGEL & SPIEGEL ONLINE by Mr. Moe on Januar 3, 2009

Ulrike Putz hat wieder zugeschlagen! Auf unnachahmliche Art und Weise skizziert sie auf SPIEGEL ONLINE das Leiden der Zivilbevölkerung in Kriegszeiten. Zudem weist sie darauf hin, dass sich auch Deutsche unter den Opfern im Gazastreifen befänden. Aber sind in Gaza lebende Deutsche nicht ohnehin geradezu dazu prädestiniert, Opfer auf Lebenszeit zu sein – immer und egal um was es geht? Zu Beginn schildert Putz das Leiden der im Gazastreifen lebenden Deutschen Ute El Ankah jedenfalls wie folgt:

Jerusalem – Ihre Jüngste schläft nicht mehr einfach ein, „sie quält sich in den Schlaf“, sagt Ute El Ankah. Elf Monate alt ist ihre Tochter erst, doch eines hat die Kleine in der vergangene Woche gelernt: Kaum ist sie weggenickt, kommt auch schon wieder dieser furchtbare Lärm, der sie alle paar Minuten hochschrecken lässt. Egal, ob Tag oder Nacht.

„Wenn die Bomben fallen, hüpft das ganze Kinderbett in die Luft“. Die Angst, die sie als Mutter aussteht, kann die Deutsche kaum in Worte fassen. „Es zerreißt mir das Herz, die Kinder so leiden zu sehen.“

Mit ihrem palästinensischen Ehemann und vier Kindern zwischen elf Monaten und zwölf Jahren lebt Ute El Ankah in einem Dorf im Norden des Gaza-Streifens: Mitten drin im Krieg. „Hinter Saladin sind nur noch Felder und nach fünf Kilometern die israelische Grenze“, erzählt Ute El Ankah.

Was sich zeitweilig wie eine Beschreibung des jahrelangen Leidens der Bevölkerung in Sderot liest, handelt natürlich von „wirklichen“, also nicht-jüdischen Opfern. Zudem lässt auch die Nachbarschaft von Frau El Ankah doch zu einiges wünschen übrig:

Das genau sei das Problem: Direkt hinter ihrem Haus beginne die Fläche, von der aus militante Palästinenser Raketen zündeten und die deshalb erstes Ziel der israelische Angriffe sei. „Hier kracht es mal alle fünf, zehn Minuten, mal jede halbe Stunde. Dann wackelt das Haus wie bei einem Erdbeben“ , sagt Ute El Ankah am Telefon.

Frau El Ankah ist hingegen der Ansicht, dass es sich in „Friedenszeiten“ ganz ganz gut mit den „militanten Palästinensern“ aushalte lasse:

„Wenn kein Krieg ist, kann man hier gut leben“, sagt Ute El Ankah. Sie mag es, dass ihre Kinder „mit Murmeln und Fußball“ groß werden, dass die Nachbarskinder sie nett grüßen und mit „Tante“ anreden. Auch die Kinder liebten das Leben hier.

Mit anderen Worten: sofern die Raketen nur in die eine Richtung fliegen (sprich: in die richtige Richtung, gen Israel), dann ist für Frau El Ankah alles in Butter! Hauptsache, die eigenen Kinder leben in Sicherheit; wen vermögen denn da schon die paar schießwütigen Nachbarn zu stören, die versuchen israelische Kinder umzubringen? Frau El Ankah und mit ihr Ulrike Putz scheint dieser Umstand jedenfalls keine Probleme zu bereiten. Schockiert ist Frau El Ankah dafür von der deutschen Regierung:

Deutschlands Haltung gegenüber dem Gaza-Krieg empört Ute El Ankah. Wenn es mal Strom gibt, schaut die Familie über Satellit ARD, ZDF oder RTL. Kürzlich sahen sie Bundeskanzlerin Angela Merkel im Fernsehen, als diese sich zum Gaza-Konflikt äußerte. Merkel macht „eindeutig und ausschließlich“ die islamistische Hamas für die gegenwärtige Gewalt im Nahen Osten verantwortlich.

„Wie soll ich meinem Sohn das nun erklären?“, sagt Ute El Ankah ratlos, „nämlich dass die Bundeskanzlerin der Ansicht ist, dass er verdient, was er gerade erlebt?“ Hätte Ute El Ankah einen einzigen Wunsch frei, sie wüsste, welcher das wäre. „Frau Merkel soll uns mal eine Woche besuchen kommen und mit uns leben. Danach würde sie anders reden.“

Vielleicht sollte Frau El Ankah sich einfach an der Aktion „Eine Tasse Blut für die Bundeskanzlerin“ beteiligen (Hattip: Spirtit of Entebbe und Castollux). Aber nur, wenn sichergestellt wird, dass auch ja kein Tropfen jüdischen Bluts ins Tässchen gegossen wird.

(Edit: Lesenswert in diesem Zusammenhang ist auch „Der Jude unter den Staaten oder: Mit zweierlei Maß“ von Stefanie Galla.)

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7 Antworten

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  1. […] Castollux nimmt sie kräftig auseinander. Allerdings putzt sie so unverschämt weiter, dass die Zeitung für Schland noch einmal hinterherwischen […]

  2. […] Kind ist nicht gleich Kind (Mr. Moe, Zeitung für Schland) – Die putzige Ulrike hat wieder zugeschlagen und zeigt auf: Wenn […]

  3. Stefan said, on Januar 4, 2009 at 5:02 am

    Im Norden würde man sagen: „Mutter, mach mal das Tor auf, der Krieg kommt nach Hause“.
    Für die Kinder könnte das gleich ein gutes Lehrbeispiel für das Thema „Actio – Reactio“ sein.

  4. Bernd Dahlenburg said, on Januar 4, 2009 at 1:33 pm

    Mit dem Publizisten Meir Shalev hat sich Ulrike Putz auch gleich den passenden Interviewpartner ins Boot geholt.

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,599049,00.html

  5. R said, on Januar 5, 2009 at 11:09 am

    Man merkt, dass der Autor selbst wohl keine Kinder hat. Es ist egal woher ein Kind kommt, ob Gaza oder Israel, es sollte KEINES leiden. Wenn Sie hier die zitierte Dame mit Ihren Äusserungen hinterfragt wird, wohl zurecht, müsste sich der Autor mit dem ständigen „und wir?“ etwas zurück halten, um nicht zum genauen Gegenpol von ihr zu werden.

  6. Netzklempnerin said, on Januar 5, 2009 at 8:11 pm

    Die armen Kinder, die solche Eltern haben. Es ist mir ohnehin ein Rätsel, warum diese Person ihre Kinder in einem autoritären Gottestaat aufwachsen lässt, anstatt, wie dank ihre Staatsangehörigkeit ja wohl problemlos möglich, in einem demokratischen Rechtsstaat.

    Ihre Tochter wird mit dem Wissen aufwachsen, dass Frauen Menschen zweiter Klasse sind, ihr Sohn wird lernen dürfen, dass es das erstrebenswerteste im Leben ist, als Märtyrer zu sterben und möglicht viele Juden dabei mitzunehmen.

    Und so was nennt sich Mutter.

  7. […] zwar über die zu erwartenden medialen Ausfälle in der Süddeutschen Zeitung und auf SPIEGEL ONLINE berichtet wurde, die F.A.Z. hingegen keine Erwähnung fand. Da die F.A.Z. das von der Zeitung für […]


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