Zeitung für Schland

Über „Spannungen“ zwischen Juden und Muslimen

Posted in Die üblichen Verdächtigen by Mr. Moe on Januar 13, 2009

Selbst in Zeiten wie diesen schlägt die folgende Überschrift aus der NZZ dem Fass den Boden aus:

Jüdisch-muslimische Spannungen in Frankreich

Gemäß dieser Überschrift würde man einen Artikel über gleichermaßen von Juden und Muslimen ausgehende Aggressionen, Pöbeleien und dergleichen erwarten. Der zu der Überschrift gehörige Artikel enthält hingegen folgende „Spannungen“ zwischen „Juden und Muslimen“:

Unbekannte haben am Sonntagabend einen Molotow-Cocktail auf die Synagoge Beth Habad Ohr Menachem in Saint-Denis geworfen. […]

Der jüdische Studentenbund Frankreichs spricht von insgesamt 30 Vorfällen seit dem 27. Dezember, dem Beginn der militärischen Operationen gegen die Hamas. Vor einer Woche war in Toulouse eine Synagoge mit einem in Brand gesteckten Auto attackiert worden. In Paris und im Vorort Villiers-le-Bel wurden mehrere jüdische Schüler von anderen Jugendlichen angepöbelt und tätlich angegriffen. In der jüdischen Mittelschule von Villiers-le-Bel wird den Jugendlichen deswegen geraten, nach dem Unterricht sofort und gruppiert nach Hause zu gehen und möglichst keine sichtbaren Symbole wie den Davidstern oder die Kippa zu tragen. […]

Manche der annähernd 100 000 Demonstranten machen keinen Unterschied zwischen Israel und den französischen Juden. Verschiedene Slogans, Transparente und vor allem Gespräche mit Teilnehmern bewiesen, dass der Protest gegen die militärische Aktion sehr schnell und nuancenlos in antijüdischen Hass umschlagen kann. Die Wut über die Leiden der palästinensischen Zivilbevölkerung verleitet auch zu provozierenden Vergleichen mit dem Holocaust. «Gaza = Auschwitz Nr. 2» oder «Israel = SS» war auf einzelnen Schildern geschrieben.

Mit anderen Worten: Es gab eine Vielzahl von (nicht nur) Muslimen verübte antisemitische Handlungen und keine einzige von einem Juden ausgehende Provokation, Gewalttat oder ähnliches (von eventuell getragenen Israelfahnen einmal abgesehen, die neuerdings ja auch als Provoation gelten). Nebst der folglich in die Irre führenden Titulierung des Artikels bezeichnet die NZZ die antisemitischen Vorfälle zudem zwar zurecht als antisemitisch, begründet – und zugleich: entschuldigt – sie jedoch mit dem Krieg in Gaza:

Die Proteste gegen die israelische Offensive im Gazastreifen schüren antisemitische Ressentiments.

So bequem dieser Satz auch sein mag und so häufig er auch geschrieben wurde und noch geschrieben wird: Er ist schlichtweg falsch.

Antisemitismus war zu keiner Zeit und ist auch jetzt keine Reaktion auf das Verhalten von Juden. Antisemitismus war und ist einzig und allein das Problem der Antisemiten, sich nicht mit der Existenz von Juden abfinden zu können, völlig unabhängig davon, was diese tun oder nicht tun. Wer jetzt Brandbomben auf Synagogen wirft, Juden auf der Straße angreift oder beschimpft, Israel mit dem Dritten Reich gleichsetzt oder meint in Gaza einen Holocaust vorzufinden, ist daher nicht nur ein Antisemit – er war dies mit Sicherheit auch schon vor dem 27. Dezember 2008.

Lesetip: Daniel Schwammenthal: Europe Reimports Jew Hatred:

Mr. Sarkozy’s comments also suggest that the fighting in Gaza is the cause for attacks on Jews in France — that is, that the Mideast conflict is fueling anti-Semitism in Europe. It is exactly the other way around.

The rage against the Jews that is exploding in Europe has been carefully nurtured; it is not spontaneous sympathy for fellow Muslims in Gaza. How else to explain the silence when Muslims in other conflicts, from Darfur to Chechnya, are being killed?

The depth of anti-Semitic propaganda in Palestinian and other Muslim societies is one of the most underreported facts about the Middle East. It is this anti-Semitism that predisposes Muslims in Europe to attack Jews and fuels the Mideast conflict. The hatred predates Israel’s creation. [… weiterlesen]

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2 Antworten

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  1. peet said, on Januar 14, 2009 at 4:31 pm

    sehr gut und treffend!

  2. beer7 said, on Januar 15, 2009 at 2:08 pm

    Danke, dass Du das geschrieben hast. Mir war die Schlagzeile auch unangenehm ins Auge gestochen.


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