Zeitung für Schland

Schmitz auf Bremers Spuren

Posted in SZ by Mr. Moe on Januar 19, 2009

Wenn Israel noch einen weiteren Anlass für die Fortsetzung des Kampfs gegen die Hamas bräuchte, lieferte ihn Thorsten Schmitz, Nahostkorrespondent der Süddeutschen Zeitung. Äußerst widerwärtig ist es jedenfalls, wenn Schmitz angesichts des vorläufigen Endes der Kampfhandlungen hämisch triumphierend fragt:

Was eigentlich hat Israels Vergeltungsoffensive, was hat der Gaza-Krieg gebracht – außer mehr als 1300 Tote, mehr als 5300 Verletzte und eine relativ unergiebige Krisendiplomatie?

Selbstverständlich beantwortet Schmitz die – ohnehin rhetorische – Frage selbst:

Hamas mag zerstritten sein und mehrere hundert Kämpfer verloren haben, doch die Mehrheit der 1,5 Millionen Menschen im Gaza-Streifen sieht Israel als den Schuldigen an Verwüstung und Zerstörung.

Man ist geneigt zu ergänzen: Die Mehrheit der 1,5 Millionen Menschen im Gaza-Streifen sowie die Mehrheit der restlichen Welt, die Mehrheit der deutschen Journaille und Thorsten Schmitz an erster Stelle:

Die Offensive hat Hass und Wut gesät und Israel Unsicherheit gebracht.

Auch hundert- und tausendfach wiederholt wird dieser Satz nicht wahrer: Der jüdische Staat wurde bereits vor der „Offensive“ gehasst und „Sicherheit“ ist für die Menschen etwa in Sderot nicht erst seit dem 27. Dezember ein Fremdwort. Vor diesem Hintergrund ist Schmitz Kommentar an Zynismus nicht zu überbieten. Und natürlich weiß Schmitz zudem, wie auch sein Kollege Bremer von der F.A.Z., was für ein Krieg in Gaza wirklich stattgefunden habe:

Anstatt sich darauf zu beschränken, die Tunnel zwischen Ägypten und Gaza zu bombardieren und dadurch die Versorgung der Hamas mit Waffen und Munition zu stoppen, hat Israel den Gaza-Streifen flächendeckend mit einem Krieg überzogen, der auch ein Krieg gegen die Zivilbevölkerung war.

Israel habe in Gaza also einen „Krieg gegen die Zivilbevölkerung“ geführt – der dieser Aussage zu Grunde liegende Antisemitismus offenbart sich vollends in seiner auch auf deutschen Straßen tausendfach in die Welt gebrüllten parolenartigen Formulierung: „Kindermörder – Israel“. Von diesem Narrativ ausgehend vermag es nicht zu überraschen, dass Schmitz selbst den notorisch israelfeindlichen Dreckshaufen der UN noch als zu israelfreundlich bewertet:

Israels Offensive führt auch die Machtlosigkeit der internationalen Staatengemeinschaft vor Augen. Sie besitzt keine einheitliche Strategie im Nahost-Konflikt, reagiert immer nur dann, wenn es längst brennt, und verfügt noch nicht einmal über den Einfluss, Ägypten zur wirksamen Kontrolle seiner Grenze zu zwingen.

„Brennen“ tut es für jemanden wie Schmitz naturgemäß immer erst dann, wenn Israel es wagt, sich gegen Angriffe zu Wehr zu setzen (letzteres wird daher auch gerne als „Offensive“ bezeichnet) Ach wie schön wäre diese Welt doch, wenn die Vereinten Nationen Israel nicht nur verbal angriffen, sondern es auch unmittelbar an seiner Verteidigung hindern könnten!

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5 Antworten

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  1. Manfred said, on Januar 19, 2009 at 9:14 pm

    Immer, wenn davon die Rede ist, Israel würde „den Hass schüren“, wenn es sich verteidigt, frage ich mich nur eines:

    Wie soll man eigentlich einen Hass „schüren“, der sich jetzt schon die komplette Vernichtung Israels einschließlich seiner Bewohner zum Ziel gesetzt hat? Wie soll die Steigerung eines solchen Hasses denn aussehen?

  2. Mr. Moe said, on Januar 19, 2009 at 10:05 pm

    Die in meinen Augen naheliegenste mögliche Erklärung hierfür: Es wird bestritten, dass die Hams Israel vernichten will. Jedoch vermute ich, dass es sich oft auch um eine Schludrigkeit hinsichtlich der genauen Bedeutung des Wortes „schüren“ handelt, da diese Argumentation in der Regel ja auch mit dem (vermeintlich) neu entstehenden Hass argumentiert.

  3. Flash said, on Januar 19, 2009 at 10:17 pm

    Es kann einfach nicht genug Blogartikel geben, die die Bogotterie und Dummheit der Zeitungsfritzen entlarven. Auch wenn es oft wie der Kampf gegen Windmühlenflügel wirkt, es muß sein.

    Man stelle sich vor, es gäbe nichts als die Pali-Propaganda, keiner würde widersprechen. Unerträglich.

  4. John E. said, on März 29, 2009 at 2:32 pm

    Können Sie mir erklären, was daran antisemitisch sein soll, wenn man behauptet, Israels Armee habe einen „Krieg gegen die Zivilbevölkerung“ geführt? Man kann diese Aussage ja für falsch halten, antisemitisch ist daran aber rein gar nichts.

  5. Mr. Moe said, on März 30, 2009 at 7:26 am

    Können Sie mir erklären, was daran antisemitisch sein soll, wenn man behauptet, Israels Armee habe einen “Krieg gegen die Zivilbevölkerung” geführt? Man kann diese Aussage ja für falsch halten, antisemitisch ist daran aber rein gar nichts.

    Ganz so einfach ist es nicht: Natürlich kann prinzipiell jede x-beliebige Aussage für „richtig“ oder „falsch“ gehalten werden. Im obigen Beispiel handelt es sich jedoch, und das ist wichtig, um eine Tatsachenbehauptung, was beinhaltet, dass der Wahrheitsgehalt der Aussage vom Wahrheitsgehalt der ihr zu Grunde liegenden Tatsachen abhängt. Oder anders formuliert: es handelt sich eben nicht um eine Meinungsäußerung. Bleibt folglich die Frage, warum Schmitz seinen Lesern falsche „Tatsachen“ unterjubelt.

    Bezüglich des Verhältnisses von „Israelkritik“ und Antisemitismus kann Nathan Sharanskys „3-D-Test“ angewendet werden. Ich sehe in dem Beitrag von Schmitz zwei der drei D erfüllt: Dämonisierung und Doppelstandard, auch wenn über Dämonisierung vielleicht gestritten werden kann. Für den Doppelstandard gilt jedoch:

    Seit tausenden von Jahren ist ein klares Zeichen von Antisemitismus, die Juden anders als andere Menschen zu behandeln, angefangen von den diskriminierenden Gesetzen, die viele Nationen gegen sie erlassen haben, bis hin zu der Neigung, ihr Verhalten mit einer anderen Messlatte zu messen.

    Auf ähnliche Weise müssen wir heute fragen, ob die Kritik an Israel selektiv angewendet wird. Mit anderen Worten, erzeugt ähnliche Politik anderer Regierungen die gleiche Kritik, oder wird hier ein doppelter Standard eingesetzt?

    Die Behauptung, Israel führe in Gaza „einen Krieg gegen die Zivilbevölkerung“, mit anderen Worten: Israel töte absichtlich und systematisch Zivilisten, kann nur dann getroffen werden, wenn ein entsprechender Doppelstandard angelegt wird. Und wenn ich es mir recht betrachte kann demnach auch das dritte „D“, Delegitimierung (des Staates Israel) geltend gemacht werden: Denn wie soll gemäß Schmitz Forderungen denn die Selbstverteidigung des jüdischen Staates aussehen? Ich kann zu keinem anderen Schluss gelangen, als dass Schmitz Israel jegliche Form der Selbstverteidigung abspricht (selbst wenn sie noch so berechtigt ist und sich noch so sehr bemüht wird, das Leben von Zivilisten zu schonen, wie im Gaza-Krieg).


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