Zeitung für Schland

Der Fall Israel – und warum die Vorwürfe der Kriegsverbrechen verlogen sind

Posted in Empfehlungen by Don Homer on Januar 24, 2009

Alan M. Dershowitz* hat einen Artikel veröffentlicht, in dem er sich mit den in den letzten Tagen vermehrt aufkommenden Beschuldigungen auseinandersetzt, Israel habe in Gaza Kriegsverbrechen begangen. Als Beispiel hierfür mögen zwei am heutigen Tage auf der zweiten Seite der F.A.Z. erschienene Artikel dienen. Gleichwohl Dershowitz‘ Text für sich allein stehend keine ausreichende Argumentation oder Entlastung Israels darstellt, zeigt er dennoch die unterschiedlichen Maßstäbe auf, mit denen der jüdische Staat im Verhältnis zu allen anderen Staaten nach wie vor gemessen wird. Don Homer hat den Text daher dankenswerterweise ins Deutsche übersetzt, wobei Lila von Letters from Rungholthelfend zur Seite stand, wofür ihr herzlich gedankt sei.

Alan M. Dershowitz, Huffington Post, 22. Januar 2009.

Der Fall Israel – und warum die Vorwürfe der Kriegsverbrechen verlogen sind

Jedes Mal, wenn Israel Maßnahmen zur Verteidigung seiner Bürger gegen terroristische Angriffe ergreift, wird es von verschiedenen Agenturen der Vereinten Nationen, linksextremen Elfenbeinturm-Bewohnern und einigen Medienvertretern der Kriegsverbrechen beschuldigt. Diese heuchlerische Anklage gehört zur Strategie der Hamas, den jüdischen Staat zu delegitimieren und zu dämonisieren, und wird von radikalen Linken weltweit aktiv unterstützt. Israel ist die einzige Demokratie auf der Welt, die jemals der Kriegsverbrechen beschuldigt wurde, wenn es einen Verteidigungskrieg führt, um seine Bürger zu schützen. Dies ist besonders bemerkenswert angesichts der Tatsache, dass Israel weitaus weniger Zivilisten getötet hat als jedes andere Land auf der Welt, das sich vergleichbaren Bedrohungen ausgesetzt sah. Im jüngsten Krieg in Gaza wurden – sogar nach der verzerrten Zählung der Hamas – weniger als tausend Zivilisten getötet. Und das trotz der klar zu Tage liegenden Strategie der Hamas, Kinder, Schulen, Moscheen, Wohngebäude und andere zivile Einrichtungen als Schutzschilde zu nutzen, hinter denen sie ihre tödlichen Raketen auf Zivilisten abfeuert. Von diesen Kriegsverbrechen der Hamas hat die israelische Luftwaffe unwiderlegbare Videobeweise erbracht.

Nur zum Vergleich bedenke man die jüngsten von Russland gegen Tschetschenien geführten Kriege. In diesen Kriegen haben russische Truppen zehntausende tschetschenischer Zivilisten getötet; einige davon vorsätzlich, aus nächster Nähe und aus kalter Berechnung heraus. Doch dieselben empörten Gelehrten, die Zeter und Mordio gegen Israel schreien (besonders in England), haben niemals verlangt, Strafgerichte gegen Russland einzuberufen. Sie haben auch niemals gefordert, dass Anklagen wegen Kriegsverbrechen gegen irgendein anderes der vielen Länder eingereicht werden, die regelmäßig Zivilisten töten, und zwar nicht in der Bemühung feindliche Terroristen aufzuhalten, sondern einfach weil es ein Teil ihrer Politik ist.

Auch als in Ruanda, Darfur und anderen Orten der Welt Hunderttausende von Zivilisten ermordet wurden, sah man keine der gegen Israel gerichteten Massendemonstrationen im Stile der Nürnberger Parteitage. Diese verlogenen Hassorgien sind ausschließlich Israel vorbehalten.

Der Vorwurf der Kriegsverbrechen ist nichts weiter als eine nur gegen Israel eingesetzte Waffe der Feinde dieses Landes. Dieselben Stimmen, die sich über israelische „Kriegsverbrechen“ unmäßig aufregen, legen anderen Verbrechen gegenüber Gleichmut an den Tag, ja unterstützen diese sogar, solange sie von Ländern begangen werden, die sie mögen. Was auch immer Israel tut ist falsch, ungeachtet der Tatsache, dass so viele andere Länder Schlimmeres tun.

Als ich diese Bedenken neulich in Diskussion äußerte, beschuldigte mich mein Gegner, vom Thema abzulenken. Er sagte, dass wir jetzt über Israel und nicht über Tschetschenien oder Darfur sprächen. Dies erinnerte mich an einen bekannten Wortwechsel zwischen Harvards rassistischem Präsidenten Abbott Lawrence Lowell und dem großen amerikanischen Richter Leonard Hand. Lowell kündigte an, dass er die Anzahl an Juden in Havard verringern wollte, da „Juden betrügen“. Richter Hand entgegnete, dass „auch Christen betrügen“. Lowell antwortete: „Sie lenken vom Thema ab. Wir reden über Juden“.

Aber man kann nicht nur über Juden sprechen, und man darf auch nicht nur über den jüdischen Staat sprechen. Jede Debatte über Kriegsverbrechen muss vergleichend und kontextabhängig sein. Wenn Russland keine Kriegsverbrechen begangen hat, als seine Soldaten zehntausende Tschetschenen niedermetzelten – auf welcher Grundlage kann dann Israel beschuldigt werden, ohne Absicht und bei der Verteidigung israelischer Zivilisten eine weitaus geringere Zahl menschlicher Schutzschilde zu töten? Was sind die Maßstäbe? Warum werden sie nicht in gleicher Weise und auf alle angewendet? Können die universalen Menschenrechte angesichts einer derart ungleichen und einseitigen Anwendung Bestand haben? Das sind die Fragen, die die internationale Gemeinschaft diskutieren sollte, und nicht, ob Israel, und allein Israel, gegen die vage „internationales Recht“ oder „Kriegsrecht“ genannten Regeln verstoßen hat.

Wenn von all den Demokratien, die sich zur Selbstverteidigung genötigt sehen, Israel und ganz allein Israel der „Kriegsverbrechen“ beschuldigt wird, dann bedeutet dies das Ende des internationalen Menschenrechts als neutralem Verhaltensmaßstab. Jeder internationale Gerichtshof, der allein Israel verurteilt, andere Nationen aber frei ausgehen lässt, auch wenn diese viel Schlimmeres begangen haben, beraubt sich jeder noch verbleibenden Berechtigung, zumindest in den Augen objektiver und fairer Beobachter.

Wenn das Kriegsrecht im Besonderen und internationale Menschenrechte im Allgemeinen Bestand haben sollen, müssen sie nach dem jeweiligen Ausmaß der Verstöße einer Nation gegen sie angewendet werden, und nicht etwa nach der politischer Unbeliebtheit der entsprechenden Nation. Würde das Kriegsrecht auf diese Weise zum Einsatz kommen, wäre Israel gewiss nicht unter den ersten Angeklagten, sondern unter den letzten.

*) Alan M. Dershowitz ist Juraprofessor an der Universität Harvard und Autor zahlreicher Bücher. Seine jüngstes Buch ist The Case Against Israel’s Enemies: Exposing Jimmy Carter and Others Who Stand in the Way of Peace.

Tagged with: , ,

3 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. […] auseinander, Israel habe Kriegsverbrechen begangen. Er nennt diese Vorwürfe verlogen. Die Zeitung für Schland hat eine Übersetzung […]

  2. Heiri Müller said, on Januar 26, 2009 at 8:57 am

    Zuerst mal möchte ich vorausschicken, dass ich überzeugt bin, dass sich Israel grosse Mühe gibt, keine Kriegsverbrechen zu begehen. Dass es absolut dazu gezwungen ist, mit allen legalen und auch weniger legalen Mitteln, sich zu verteidigen. D. h. wenn man das Existenzrecht Israels nicht abstreitet, dann werfe ich Israel NICHTS vor! Einem Gegner, wie der Hamas, für die es Gewohnheit ist, Waffenlager, Raketenbasen und Soldaten in Kindergärten, Spitälern und Krankenwagen zu stationieren, bzw. zu transportieren, die politische Dissonanz mit dem sofortigen Tod bestraft, ist leider schwierig beizukommen. Und ich bewundere die Geduld und Friedlibigkeit Israels.
    Aber nun zur Sache: Ich finde, die Beispiele da oben hinken deshalb, weil all die aufgezählten Vergleiche, Konflikte sind, die, im Vergleich zum Nahostkonflikt, nur kurze Zeit gedauert haben oder dauern. Während der Nahostkonflikt immer und immer wieder in den Medien erscheint. Auch als die Medien noch israelfreundlicher waren. Und wieder einen Friedensprozess und wieder einen Waffenstillstand und wieder eine Intifada und, und, und…
    Bei den anderen Konflikten haben die Leute gar keine Zeit sich eine Meinung zu bilden. Jeden Tag kommen neue Fakten aus und jedesmal ändert der Böse. Da können sich die Leute gar nicht organisieren.
    Wahrenddessen beim Nahostkonflikt jedermann nach all diesen Jahren eine Meinung sich gebildet hat.
    Für eine israelfeindliche Einstellung hilft natürlich auch die Islamisierung Europas. Dagegen würde nur helfen, all diese Rassismus-Maulkorb-Gesinnungsgesetze, die ja vor allem zum Schutze der Juden uns aufgezwungen wurden, wieder durch die freie Meinungsäusserung zu ersetzen. Im Moment profitieren nämlich zu 99% die Moslems davon.

    Genauso wie den Europäern wünsch ich den Israelis viel, viel Glück! (Wir können’s brauchen.)

  3. Mr. Moe said, on Januar 26, 2009 at 9:34 pm

    Ich finde, die Beispiele da oben hinken deshalb, weil all die aufgezählten Vergleiche, Konflikte sind, die, im Vergleich zum Nahostkonflikt, nur kurze Zeit gedauert haben oder dauern. Während der Nahostkonflikt immer und immer wieder in den Medien erscheint. Auch als die Medien noch israelfreundlicher waren. Und wieder einen Friedensprozess und wieder einen Waffenstillstand und wieder eine Intifada und, und, und…
    Bei den anderen Konflikten haben die Leute gar keine Zeit sich eine Meinung zu bilden. Jeden Tag kommen neue Fakten aus und jedesmal ändert der Böse. Da können sich die Leute gar nicht organisieren.
    Wahrenddessen beim Nahostkonflikt jedermann nach all diesen Jahren eine Meinung sich gebildet hat.

    Ich stimmte Ihnen zu, dass der Nahostkonflikt natürlich von (fast) keinem Menschen neutral und ohne vorherige Einstellungen bewertet wird (wobei ich der Meinung bin, dass der Krieg zwischen Israel und der Hamas mit den Kategorien des genuinen Nahostkonflikt nicht ohne weiteres gefasst werden kann, da es handelt sich vielmehr um einen (Stellvertreter-)Krieg mit Iran handelt) .
    Bezüglich der Beispiele: Natürlich hinken Beispiele und Vergleiche auf einer solchen Ebene immer, da jeder Konflikt einzigartig und (mehr oder weniger) komplex ist. Aber auch wenn die anderen Kriege und Konflikte nicht so alt sein mögen wie der Nahostkonflikt, handelt es sich doch keinesfalls um nur einige Wochen andauernde Scharmützel, über die man sich aufgrund ihrer Kürze keine Meinung bilden könnte. Und selbst wenn dem so wäre: Wieso sollten dann andere Regeln für solche Konflikte gelten?

    Dagegen würde nur helfen, all diese Rassismus-Maulkorb-Gesinnungsgesetze, die ja vor allem zum Schutze der Juden uns aufgezwungen wurden, wieder durch die freie Meinungsäusserung zu ersetzen. Im Moment profitieren nämlich zu 99% die Moslems davon.

    Ich weiß beim besten Willen nicht, was Sie mit „Rassismus-Maulkorb-Gesinnungsgesetzen“ meinen – soweit ich weiß gibt es Meinungsfreiheit. Und mit Aussagen vom Typ „wurden uns zum Schutz der Juden aufgezwungen“ wäre ich äußerst vorsichtig; es wäre gut möglich, dass Sie jemand nach Belegen für eine solche Aussage fragt (abgesehen davon: wer ist „wir“ und wer sind „die Juden“?). Folglich weiß ich auch nicht, was Sie mit den „99% der Moslems“ meinen, die von den vermeintlichen „Gesinnungsgesetzen“ profitieren sollen.


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: