Zeitung für Schland

Grenzen der Zurückhaltung

Posted in Empfehlungen by Don Homer on Januar 25, 2009

Dan Schueftan* hat schon vor einigen Tagen einen Artikel veröffentlicht, in dem er noch einmal deutlich macht, warum Israel den Krieg in Gaza führen musste. Don Homer hat den Text dankenswerterweise ins Deutsche übersetzt, wobei Heplev mit Rat und Tat zur Seite stand, wofür ihm herzlich gedankt sei.

Dan Schueftan, Ynet, 17. Januar 2009.

Grenzen der Zurückhaltung

Der Krieg im Gaza-Streifen sollte zeigen, dass die Bedrohung durch Raketen nicht die ultimative Waffe gegen Israel ist

Weder die Hamas noch der Gaza-Streifen oder die Kassams sind das Ziel des Krieges in Gaza oder die Kriterien für seinen Erfolg. Beim Krieg in Gaza geht es um das Schicksal des regionalen Radikalismus und den Mythos der Muqawama („Widerstand“). Dies wird in Teheran, Beirut und Damaskus, und auch in Kairo und Amman, sehr wohl verstanden. Es wäre gut für uns in Israel, auch unsere Schritte im Rahmen dieses umfassenden Blickwinkels abzuwägen.

In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ist der militärische Kampf gegen Israel an einem toten Punkt angelangt. Diese Erkenntnis begann im Sechs-Tage-Krieg in das Bewusstsein der arabischen Öffentlichkeiten einzusickern. Sie wurde institutionalisiert, als der Friedensvertrag Ägypten aus dem Kreis der aktiven Konfrontation entfernte, als die Supermacht, die die Araber bewaffnete, zusammenbrach. und als Iraks Militärmacht beseitigt wurde. Seitdem haben die radikalen Bestandteile der Region ständig einen Ersatz gesucht, sowohl „oberhalb“ der herkömmlichen Schwelle (Nuklearwaffen) als auch „unterhalb“ (Terrorismus). Sie nehmen an, dass die Heimatfront Israels Achilles Ferse ist.

Als eine passende Erwiderung auf die Selbstmordattentate gefunden worden war, in Form des Sicherheitszauns und der Operation Defensive Shield, wendeten sich die Radikalen den Raketen zu. Der zweite Libanon-Krieg verdeutlichte, dass es keine militärische Lösung für Raketenangriffe auf die Heimatfront gibt, mit Ausnahme einer dauerhaften israelischen Präsenz innerhalb des Gebietes und der Bevölkerung, die die Gefährdung beherbergen. Da Israel Libanon und Gaza, geschweige denn Syrien und die arabischen Staaten, nicht kontrollieren kann und auch nicht möchte, sind die Radikalen zu dem Schluss gekommen, dass sie die ultimative Waffe besitzen, die Israels Existenz verschlimmern würde und es als hilflos darstellt.

Die Verankerung einer solchen Sichtweise in der arabischen Welt stellt eine strategische Bedrohung für Israel und die Region dar. Verantwortungsbewusste regionale Regime, die Konfrontationen mit Israel vermeiden möchten, können ihre Politik nur verteidigen, wenn sie der arabischen Öffentlichkeit und ihren radikalen Eliten die untragbaren Folgen einer solchen Konfrontation zeigen können. Hat Israel das Image der Hilflosigkeit, dann könnte das diese Regime zwingen, wie es in der Vergangenheit geschehen ist, bei Provokationen mitzumachen, die in ihrer Kumulation dazu tendieren in einem Krieg zu eskalieren.

Der Krieg in Gaza hatte zum Ziel, die Verankerung der Auffassung zu verhindern, dass der Raketenwiderstand in Verbindung mit islamischem Fanatismus die ultimative Waffe ist, mit der Israel nicht klar kommt. Doch wir können und sollten beweisen, dass Israel, obgleich es keine wirksame Lösung dafür hat, doch über eine strategische Antwort auf diese Herausforderung verfügt.

Diese strategische Antwort ist die politische Bereitschaft (zusätzlich zu den militärischen Fähigkeiten), unverhältnismäßige Zerstörung zu säen und den Aktivposten Schaden zuzufügen, die denjenigen, die Raketen auf israelische Bevölkerungszentren feuern, wichtig sind. Das Hauptanliegen ist nicht, die letzte Rakete zu treffen, sondern eher, eine grundlegende Änderung in der Kosten-Nutzen-Rechnung der Muqawama zu erzwingen, indem die Kosten dramatisch erhöht werden.

Die moderne Sage bezüglich der grenzenlosen Entschlossenheit der arabischen Radikalen wurde durch die Operation Defensive Shield von 2002 zerschlagen, ebenso durch das Zurückschrecken der Hisbollah vor der Konfrontation als Folge des verpatzten Libanon-Krieges. Jetzt ist die Zeit, die Wertlosigkeit dieses Mythos auch in Gaza nachzuweisen.

Die Ergebnisse des Krieges werden nicht von der Art der diplomatischen Vereinbarungen abhängig sein, sondern eher von Israels Bereitschaft, die Hamas während des Krieges zu zermalmen und insbesondere wild entschlossen auf die ersten nach dem Krieg abgeschossen Raketen zu reagieren, etwa durch die Ermordung von Führern der Hamas, nachdem diese aus ihren Löchern aufgetaucht sind.

Die Zerstörung in Gaza trägt zu der Verhinderung von Kriegen mit Libanon und Syrien bei, hilft Ägypten und Jordanien bei der Bekämpfung radikaler Elemente und signalisiert Israels Grenzen der Zurückhaltung gegenüber Iran.

*) Dr. Dan Schueftan leitet das National Security Studies Center an der Universität Haifa.

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