Zeitung für Schland

Quak-quak quakel di quak

Posted in Briefe an die Herausgeber by Mr. Moe on Februar 4, 2009

Es war eigentlich nicht anders zu erwarten: Während seinerzeit kein kritischer Leserbrief über die „fremde Feder“ des iranischen Außenministers Mottaki in F.A.Z.-Leser veröffentlicht wurde, gibt Robert B. Goldmanns Artikel „Hass als Politik“ natürlich Anlass zur Beschwerde. Leider ist Goldmanns Artikel online nicht kostenfrei verfügbar, daher eine kurze Zusammenfassung aus dem Gedächtnis: Goldmann hat am 22. Januar, also vier Tage nach (!) Verkündung des „Waffenstillstands“ in Gaza, einen der wenigen hamas- und nicht zugleich auch israelkritischen Artikel in der F.A.Z. veröffentlicht, in dem er etwa die Finanzierung des Terroristenpacks durch westliche Regierungen moniert. Solche offenen und wahren Worte kann F.A.Z.-Leserin Ruth Asfour, einschlägig bekannt für ihre kruden Ansichten, anscheinend nicht akzeptieren und schreibt:

Bringen Sie in Ihren nächsten „Fremden Federn“ den israelischen Professor Ilan Pappe, Autor des Buches „Die ethnische Säuberung Palästinas“. Er lebt in Exeter, nicht in Israel, er wurde dort boykottiert.

Dass Israelfeinde jedweder Couleur sich für Pappes Traktate begeistern, ist bekannt (wer meint es tun zu müssen, kann eine Rezension von Seth J. Franzman für Middle East Quarterly über das von Frau Asfour angesprochene Buch lesen). Ebenso wie Pappe nehmen es seine Jünger und Jüngerinnen dabei mit der Wahrheit nicht allzu genau: Pappe wird in Israel nicht boykottiert, sondern fordert selbst vielmehr den akademischen Boykott Israels, so dass sein Entschluss die Universität Haifa zu verlassen und einem Ruf der Universität Exeter zu folgen doch nur konsequent war (seine ehemalige Universität hat in im übrigen trotz seiner Forderung sie zu boykottieren eben nicht rausgeschmissen) . Frau Asfour hingegen schreibt:

Oder wollen Sie [die F.A.Z., Mr. Moe] ihn auch boykottieren und stattdessen Goldmann bevorzugen, der sagt, die Palästinenser würden auf Kosten der Welt versorgt?

Erneut der Wahrheit willen: Erstens schreibt Robert B. Goldmann in regelmäßigen Abständen für die F.A.Z. und ist bislang nicht als einseitiger Kommentator hervorgetreten. Folglich ist es weder verwunderlich noch verwerflich, dass die F.A.Z. einen Text von Goldmann über die Hamas veröffentlicht wird. Vor dem Hintergrund, dass die Berichterstattung der F.A.Z. über die Operation „Gegossenes Blei“ alles andere als ausgewogen war, ist es vielmehr zu begrüßen, wenngleich es die Berichterstattung natürlich nicht ungeschehen macht. Zweitens „boykottiert“ die F.A.Z. Ilan Pappe ebensowenig wie „Israel“ dies tut, wobei Israel in Anführungszeichen steht, um den Schwachsinn der Aussage, dass eine Person durch ein ganzes Land kollektiv boykottiert werde, zu verdeutlichen. Und drittens: Der von Frau Asfour bemängelte Satz Goldmanns, dass die Welt – man ist geneigt hinzuzufügen: und nicht zuletzt auch Deutschland – die Palästinenser mit Geld versorge ist nichts als die reine Wahrheit – und zudem eine äußerst schlechte Idee, wie etwa Daniel Pipes deutlich macht.

Quelle: F.A.Z. vom 4. Februar 2009, S. 8.

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Eine Antwort

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  1. […] F.A.Z.-Leserin Ruth Asfour hatte sich über die “Fremde Feder” von Robert B. Goldmann aufgeregt, da die F.A.Z. es gewagt hatte diesen kritischen Artikel über die weltweite Finanzierung der […]


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