Zeitung für Schland

Wie die New York Times Ahmadinedschad und das Mullah-Regime hofiert

Posted in Die üblichen Verdächtigen by Mr. Moe on Februar 25, 2009

Was hat es zu bedeuten, wenn unter der Rubrik „Meinung“ auf den Seiten der  New York Times ein Artikel mit dem Titel „Our friend in Theran“ veröffentlicht wird, und damit allen Ernstes Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad gemeint ist? Handelt es sich um eine gekonnte Satire-Aktion? Oder hat gar Gerhard Schröder klammheimlich die Redaktion der Gray Lady übernommen?

Nichts dergleichen liegt vor. Die NY Times tut ganz einfach das, was westliche Medien und vermeintliche Experten seit geraumer Zeit tun: Sie geben Vertretern einer barbarischen Ideologie und deren Apologeten ein Forum, in einer medialen Öffentlichkeit um Verständnis für ihre abscheulichen Ansichten zu buhlen. Denn was Ali Reza Eshragi unter dem oben genannten Titel in der NY Times veröffentlicht, ist nichts anderes als Propaganda für das Mullah-Regime und dessen Präsidenten.

„Unser Freund in Teheran“

Bereits im ersten Satz beschreibt Eshraghi Ahmadinedschad als „the Iranian leader Washington loves to hate“ und legt damit nahe, dass die USA geradezu dankbar für den Irren von Teheran sein müssten. Diese Wirklichkeitsverdrehung in Form von haarsträubenden Behauptungen einerseits und bewussten Auslassungen von Tatsachen andererseits zieht sich durch Eshraghis gesamten Text:

In a speech earlier this month commemorating the Islamic revolution’s anniversary, an event normally reserved for anti-American rhetoric, Mr. Ahmadinejad declared Iran’s readiness to talk to the United States. The election of a new president in June could slam shut a rare window of opportunity.

Mit keinem Wort erwähnt Eshraghi die Verlogenheit von Ahmadinedschad, etwa wenn er als Präsident des größten Förderers des Terrorismus in seiner Rede Unterstützung im „Kampf gegen den Terrorismus“ anbietet. Oder dass Ahmadinedschad auch davon sprach, dass die Islamische Revolution nicht auf iranische Grenzen beschränkt sei. Auch Ahmadinedschads vorherigen Äußerungen, die nicht auf eine ernsthafte Dialogbereitschaft schließen lassen, verschweigt Eshraghi geflissentlich. Stattdessen wirbt Eshraghi lieber um Sympathien für einen Holocaust-Leugner und Antisemiten.

Von Briefen, Heldentaten und edlen Absichten

Das grundsätzliche Argument Eshraghis lautet wie folgt: Ahmadinedschad wird die kommenden Wahlen im Juni möglicherweise nicht gewinnen. Die Hoffnungen und das Warten auf einen gemäßigteren Präsidenten seien jedoch unsinnig, da Ahmadinedschad womöglich am Besten geeignet sei, Teherans „Hard-Linern“ zu trotzen, ganz so, als ob Ahmadinedschad selbst nicht zu jenen Hardlinern gehöre. In Eshraghis Märchenwelt jedenfalls wird Ahmadinedschad dafür gerühmt, Zugeständnisse gemacht zu haben wie kein anderer iranischer Präsident vor ihm. Wie auch in Deutschland üblich, wird hierzu eine Unterscheidung zwischen Ahmadinedschads „harten Worten“ und diesen angeblich gegenüberstehenden Taten getroffen:

Mr. Ahmadinejad has, after all, boldly gone where no Iranian president has ventured before. His harsh rhetoric belies his willingness to reach out to those with differing views. In 2006, he wrote his famous 18-page letter to President George W. Bush discussing religious values, history and international relations.

Wie Ahmadinedschad in seinem Brief „religiöse Werte, die Geschichte und internationale Beziehungen“ diskutiert, kann nachlesen, wer das für notwendig hält. Ebenso, dass Ahmadinedschads Diskussion über Geschichte natürlich auf eine antiisraelische Umschreibung selbiger hinausläuft. Laut Eshraghi hingegen habe Ahmadinedschad seinen Edelmut nicht nur in Briefen gezeigt, sondern auch im Nahen Osten wahre Wunder vollbracht:

He was the first Iranian head of state to visit the United Arab Emirates, a country that has a longstanding conflict with Iran over the ownership of some small but strategically important islands. He was also the first Iranian president to participate in the summit of the Gulf Cooperation Council — an organization that is frowned upon by Iranians for its use of “Arabian Gulf” instead of “Persian Gulf.”

Angesichts solch diplomatischen Eifers fragt man sich ja glatt, warum der gute Mahmud noch nicht für den Friedensnobelpreis nominiert wurde! Wobei: Was nicht ist, kann ja noch werden. Sollte er seine „harsh rhetoric belies“ jedenfalls in die Tat umsetzen, wäre ihm der Nobelpreis wohl gewiss – hätte er den Nahostkonflikt und die Judenfrage doch auf einen Schlag einer Endlösung zugeführt, der weite Teile der Welt bedenkenlos zustimmen dürften.

Doch da dieses Unternehmen bislang nicht in die Tat umgesetzt wurde, kann Eshraghi munter mit seiner Aufzählung real existierender Leistungen des Freundes aus Teheran fortfahren. Ganz besonders verwegen sei Eshranghi zufolge dessen Annäherungen an die Vereinigten Staaten gewesen:

Shortly after the American presidential election, Mr. Ahmadinejad wrote a letter to Mr. Obama congratulating him on his historic victory. This marked the first time, at least since the revolution, that an Iranian leader congratulated the winner of an election in the United States. To be sure, some wonder if this friendly gesture reflected official sentiment in Tehran. Mr. Ahmadinejad is, after all, not the most powerful or influential person in his country. Supreme Leader Ayatollah Ali Khamenei basically steers Iran’s foreign policy. But it is foolish to believe that Mr. Ahmadinejad was truly acting alone. He could not have sent a congratulatory letter to Mr. Obama without at least the tacit permission of the supreme leader.

Die zahlreiche diesem Brief vorangegangene und folgende antiamerikanische Rhetorik lässt Eshraghi gekonnt unter den Tisch fallen.Vielleicht ja deswegen, weil es sich dabei ja bloß um „Worte“ gehandelt habe, wohingegen ein längerer Brief natürlich ein eindeutiger Beweis für edle Absichten darstellt.

Die abschließenden Empfehlungen Eshraghis in Richtung Obama lesen sich erwarteterweise wie von Ahmadinedschad diktiert:

Mr. Obama has expressed interest in engaging in dialogue with Iran, and there is no time to waste. Over the next few months he should initiate negotiations without preconditions and establish formal diplomatic ties with Iran. Mr. Ahmadinejad, for all his faults, has taken unprecedented steps to reach out to the United States. Iran’s next leader may not be able to do the same. Mr. Obama must seize the opportunity to shake the Iranian president’s outstretched hand.

Das Traurige daran: So wird es vermutlich geschehen. Und die westlichen Medien werden ihren Teil dazu beitragen haben, indem sie Propaganda für das Mullah-Regime oder das Terroristenpack der Hamas abdrucken.

Kein Einzelfall

In diesem Zusammenhang sei auch auf die Anzeige hingewiesen, die die NY Times, ebenso wie die F.A.Z., die Washington Post, die Times und der International Herold Tribune abgedruckt hat.

Zudem befindet sich ebenfalls auf den Seiten der NY Times ein Bericht von Roger Cohen über die jüdische Gemeinschaft im Iran. Cohen schreibt etwa:

Still a mystery hovers over Iran’s Jews. It’s important to decide what’s more significant: the annihilationist anti-Israel ranting, the Holocaust denial and other Iranian provocations — or the fact of a Jewish community living, working and worshipping in relative tranquillity.

Perhaps I have a bias toward facts over words, but I say the reality of Iranian civility toward Jews tells us more about Iran — its sophistication and culture — than all the inflammatory rhetoric.

Der Tenor von Cohens Artikel ist demnach eindeutig: So lange Juden im Iran nicht totgeschlagen werden, ist doch alles in Ordnung! Sehr interessant ist auch, wer Cohen zufolge Mitschuld am iranischen Nuklearprogramm hat:

Double standards don’t work anymore; the Middle East has become too sophisticated. One way to look at Iran’s scurrilous anti-Israel tirades is as a provocation to focus people on Israel’s bomb, its 41-year occupation of the West Bank, its Hamas denial, its repetitive use of overwhelming force. Iranian language can be vile, but any Middle East peace — and engagement with Tehran — will have to take account of these points.

„Hamas denial“ verhält sich zu „Holocaust denial“ wie „Islamophobie“ zu „Antisemitismus“. Doch wen vermögen begriffliche Differenzierungen schon zu interessieren, wenn es um „Tatsachen“ und nicht um „Worte“ geht. Dass Tatsachen in der Regel aus Worten folgen, scheint für Cohen & Co kein Grund zu sein, bis auf Weiteres darauf zu verzichten, um Verständnis für das Mullah-Regime zu werben.

4 Antworten

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  1. aron2201sperber said, on Februar 25, 2009 at 9:57 pm

    Im Unterschied zur NY Times brauchen unsere österreichen Qualitätsmedien keine Vetreter einer „Barbarischen Ideologie“, um Popaganda für das Mullah Regime zu machen

    bei uns übernehmen das biedere Vetreter der eigentlich harmlosen 68er Ideologie wie Georg Hoffmann-Ostenhof vom Profil (Österreichs wichtigste Wochenzeitung):

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2009/02/17/georg-hoffmann-ostenhof-und-die-demokratische-volksrevolution/

    oder die Chefin des Außenressorts beim Standard (die „Qualitätszeitung“ in Österreich) – Gudrun Harrer:

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2009/02/10/neocon-bashing-und-change/

    oder die Außenpolitik Chefin des Kuriers (immerhin Österreichs größte halbwegs seriöse Tageszeitung) – Livia Klingl:

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2008/11/12/stop-the-bomb-or-appease-the-mullahs/

  2. Mr. Moe said, on Februar 25, 2009 at 11:15 pm

    Nun ja, im Falle der NY Times machen die Propaganda ja auch keine Islamisten, sondern „normale“ Journalisten.

  3. Antipalästinismus « Jetzt rede ich said, on März 4, 2009 at 9:30 am

    […] mehr als schlechtes und abschreckendes Beispiel taugt. Um dann Anderen Antisemitismus vor zuwerfen nur weil man nicht, komme was wolle, pro Israel ist, sondern pro […]

  4. […] die neuerlichen Auswürfe des NY Times Kolumnisten Roger Cohen, der sich jetzt nicht nur als Propagandist der Mullahs, sondern auch als Sympathisant der Hamas und der Hisbollah zu erkennen gegeben hat, und dafür in […]


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