Zeitung für Schland

Antisemitismus in der NZZ

Posted in Die üblichen Verdächtigen by Mr. Moe on April 24, 2009

Die europäische Berichterstattung über Israel als voreingenommen zu kritisieren, bedeutete Eulen nach Athen zu tragen. Was die Neue Züricher Zeitung (NZZ) heute hingegen veröffentlicht hat, ist nicht mehr allein als voreingenommen zu bezeichnen, sondern überschreitet die ohnehin kaum auszumachende Grenze zur offen artikulierten Israelfeindschaft und eo ipso zum Antisemitismus. Dass der Antisemiten-Anteil in der NZZ-Leserschaft entsprechend hoch ist, vermag daher nicht zu überraschen, wird sich in dem Artikel „Israels neue Regierung gibt sich hart“ doch nicht einmal bemüht, den Hass auf Israel zu verbergen, was angesichts der sich häufig im Mantel der Objektivität kleidenden „Israelkritik“ deutschsprachiger Medien beinahe lobenswert hervorzuheben ist. So verkündet die NZZ voller Empörung:

Die neue, rechtsgerichtete israelische Regierung ist offenbar nicht bereit, Flexibilität in Bezug auf den Prozess eines Friedens mit den Palästinensern zu zeigen.

Was die NZZ von einer israelischen Regierung erwartet, ganz gleich ob diese „rechtsgerichtet“ oder – was auf die derzeitige Regierung eher zutrifft –  eine Regierung der Mitte ist, wird ganz offen ausgesprochen:

Bei einer Unterredung am Donnerstag mit dem tschechischen Ministerpräsidenten Mirek Topolanek, dessen Land zurzeit den EU-Vorsitz innehat, machte Ministerpräsident Benjamin Netanyahu klar, dass sich Israel von der EU keine Leitlinien – etwa eine Verpflichtung auf die Zweistaatenlösung – diktieren lassen werde. Die forsche Linie ist umso erstaunlicher, als sich Israel gerade jetzt um eine Aufwertung der wirtschaftlichen Beziehungen zur EU bemüht.

Nicht nur, dass die NZZ aus dem jüdischen Staat offenbar einen Schoßhund der Europäer machen möchte; überdies weiß man bei der NZZ augenscheinlich auch, wie mit frech gewordenen Juden, die sich weigern sich selbst ans Messer zu liefern, umzugehen ist:

Innerhalb der Staatengemeinschaft werden immer mehr Stimmen laut, die Israel die Rechnung für seine politische Unbeweglichkeit präsentieren wollen.

Na, wie soll diese Rechnung denn aussehen? Noch mehr Aufforderungen europäischer Politiker, dass mit der antisemitischen Mörderbande der Hamas verhandelt werden müsse? Noch mehr mediale Meinungsmache und Hetze gegen Israel? Oder etwa gleich ein Geschenk-Jahresabo der NZZ für den israelischen Ministerpräsidenten Netanyahu? Dass letzteres in der Tat der Höchsstrafe gleichkäme, zeigen folgende Zeilen, die sich – wäre man es nicht gewohnt, man wagte es kaum zu glauben – so im Original in der NZZ finden lassen:

Doch Netanyahu belehrte seinen Gast, dass ein Nahostfrieden auch in Israels Interesse liege und die EU die Aufwertung der wirtschaftlichen Beziehungen deshalb nicht von politischen Fortschritten abhängig machen solle. In einer demagogisch anmutenden Verdrehung der Tatsachen erklärte Netanyahu dem tschechischen Gast, dass auch den Palästinensern verboten werden sollte, Wohnheime in ihren Heimatdörfern zu bauen, falls in den jüdischen Ortschaften in Cisjordanien keine Siedlungserweiterungen gestattet würden. Er selber werde zwar keine neuen Siedlungen gründen, sagte er, doch den Ausbau bestehender Siedlungen werde er nicht verbieten.

Doch was wäre ein zünftiger anti-israelischer Hetzartikel ohne einen Verweis auf den „ultrarechtsnationalextrempopulistischen“ israelischen Außenminister Avigdor Lieberman?

Aussenminister Avigdor Lieberman hat der englischsprachigen «Jerusalem Post» das erste Interview mit einer israelischen Tageszeitung seit seinem Amtsantritt gewährt. In dem Gespräch, das kommende Woche veröffentlicht werden soll, erklärte er, dass Phrasen wie Zweistaatenlösung, Besatzung, Siedler bloss Schlagworte seien, die den Friedensprozess nicht weiterbrächten. Einzig Sicherheit, Stabilität und eine bessere Wirtschaft könnten Bewegung in die verfahrene Situation bringen, sagte er, und fiel dabei selber in die Falle nichtssagender Phrasendrescherei.

Schließlich weiß man bei der NZZ, dass Phrasendrescherei den Friedensprozess sehr wohl weiterbringt. Und wenn nicht, dann wäre in Zürich ja auch nichts verloren. Aber mit den aufmüpfigen Israelis, die es wagen sich für ihr Leben zu interessieren, sind Gespräche oder gar Kompromisse ja bekanntermaßen ohnehin nicht zu haben:

Auch bei seinem Antrittsbesuch bei Präsident Obama in Washington in einigen Wochen gedenkt Netanyahu offenbar keine Abstriche an der neuen, harten Linie zu machen, insbesondere was die Sicherheit des jüdischen Staates anbelangt.

In diesem Punkt ist der NZZ ohne Zweifel zuzustimmen: Dass der israelische Ministerpräsident keine Abstriche bezüglich der Sicherheit des jüdischen Staates macht, ist an Unverfrorenheit nun wahrlich nicht mehr zu überbieten! Was ist nur aus dieser Welt geworden, dass man Juden nicht einfach mehr wahllos abschlachten kann? Ach, hätten die Nazis nicht so hässliche Uniformen gehabt, fast wünschte man sie sich zurück! Doch genug der Ironie, ist die Wahrheit je nach Betrachtungsweise traurig oder erheiternd genug:

Beobachter fragen sich, ob sich die neue Regierung in völliger Verblendung als eine Art Supermacht betrachte oder ob sie mit verdeckten Karten um eine bessere Ausgangsposition für kommende Verhandlungen pokere. Doch viele Anzeichen deuten darauf hin, dass sich zwischen der EU und den Vereinigten Staaten einerseits und Israel andererseits eine Konfrontation anbahnt.

Jeder weiß, dass das Wort „Beobachter“ im Journalistenjargon für niemand geringeren zu stehen pflegt, als für die Journalisten selbst. Ebenso offensichtlich wie die Wichtigtuerei der Möchtegern-Nahostexperten der NZZ ist, dass sich der Verfasser des NZZ-Artikels nichts mehr zu wünschen scheint, als den von ihm sehnlich herbeigeschriebenen Konflikt zwischen der EU, den Vereinigten Staaten sowie dem Rest der Welt – und in vorderster Front der NZZ – auf der einen, und Israel auf der anderen Seite. Angesichts eines derart offen zur Schau gestellten Judenhasses drängt sich der abschließende Kalauer auf: Der Weg von Genf nach Zürich ist kurz, und umgekehrt.

11 Antworten

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  1. Bea said, on April 25, 2009 at 8:42 am

    Sehr gut ausgelegt!

  2. tw_24 said, on April 25, 2009 at 9:38 am

    Die Befassung mit der Positionierung der israelischen Regierung zu einer Zwei-Staaten-Lösung, die jene ja gar nicht ablehnt, wirkt in der Tat mehr als seltsam. Gegenwärtig müßten die Palästinenser es ja erstmal schaffen, sich untereinander zu einigen, was die aber nun schon seit einigen Monaten nicht hinbekommen – eine palästinensische „Einheitsregierung“ sollte Ende März stehen, bisher ist von einer solchen weit und breit nichts zu sehen.

    Wenn überhaupt, dann könnte man von Israel irgendwelche Zugeständnisse ernsthaft wohl erst dann erwarten, wenn die Palästinenser untereinander eine „Einstaatenlösung“ nebst „Einheitsregierung“gefunden haben. Aber Forderungen an Palästinenser zu stellen, das würde die wohl beleidigen, so daß sich alles auf die israelische Regierung stürzt, was ungemein einfacher ist, aber da diese gar nicht agieren kann ohne Verhandlungspartner, eben doch nur Vorwand für „Israelkritik“.

  3. Mr. Moe said, on April 25, 2009 at 9:57 am

    Dazu passend:

    ‚Even if Binyamin Netanyahu were to offer us a Palestinian state tomorrow morning, I’m not sure that we are prepared to meet such a huge challenge.“
    These were the words of a Palestinian Authority official who briefed reporters hours after US special Middle East envoy George Mitchell held talks with PA President Mahmoud Abbas in Ramallah last week.

    Quelle: Ein äußerst lesenswerter Artikel von Khaled Abu Toameh in der Jerusalem Post.

  4. […] Noch ein bisschen Schwachsinn, mit Antisemitismus versetzt, gefällig? Von einem Qualitätsmedium? Mr. Moe hat mal wieder seziert, diesmal etwas von der NZZ. […]

  5. lalibertine said, on April 25, 2009 at 8:42 pm

    „Einzig Sicherheit, Stabilität und eine bessere Wirtschaft könnten Bewegung in die verfahrene Situation bringen“

    Meine Güte, dieser Lieberman ist wirklich ein ultrarechter Radikalinski-Brutalo😉

  6. beer7 said, on April 26, 2009 at 6:08 am

    Mr. Moe,

    der Clue an dem Artikel ist, dass er nicht aus der Feder von Victor Koch und Konsorten stammt, sondern von George Szpiro, der selber Jude ist und in Jerusalem lebt. Ob er die israelische Staatsbuergerschaft angenommen hat oder nicht, kann ich nicht beantworten.

    Aus ihm spricht nicht der Hass auf Israel, sondern die Wut und Enttaeuschung der israelichen Linken, die eine Mitte-Rechts Regierung nicht akzeptieren will. Diese Art der Linken sehen in jedem Israeli, der eine Meinung rechts von ihnen vertritte einen groesseren Feind als in den Palaestinensern und traeumen immer wieder davon, dass auslaendische Maechte ihre Politik mit Gewalt durchsetzen helfen.

    Siehe hier: http://beer7.wordpress.com/2008/03/19/ich-halte-nicht-viel-von-tom-segev/
    Tom Segev traeumt davon, Merkel zu instrumentalisiern, und David Landau haette gern Condoleeza Rice als Instrument gebraucht.

  7. Mr. Moe said, on April 26, 2009 at 8:59 am

    @Ruth:
    Hatte mich gerade gefragt, woher du weißt, dass Szpiro den Artikel geschrieben hat, bevor ich das Kürzel gesehen habe. Ich lese die NZZ nicht regelmäßig und hab’s daher schlicht übersehen. Da ich Szpiro nicht kannte, hätte ich ihm das Kürzel ohnehin nicht zuordnen können. Ich danke dir auf jeden Fall für die Anmerkung, da einige Passagen des Textes für mich so etwas verständlicher (wenngleich auch nicht besser) werden. Blöd ist allerdings, dass die Pointe mit Zürich und Genf dann nicht mehr so ohne weiteres funktioniert…

    Nachtrag:

    Ich habe kurz überlegt, ob ich das, was ich vorher nicht wusste (und vielleicht: hätte wissen bzw. herausfinden müssen), in den Text einarbeite. Ich habe mich aber dagegen entschieden, da ich nicht viel davon halte, bereits erschienene Texte zu redigieren. Außerdem bleibt die geäußerte Kritik an dem Artikel von den neuen Kenntnissen unberührt, wenngleich sie vielleicht anders vorgetragen worden wäre.

  8. Lila said, on April 26, 2009 at 12:50 pm

    Mir reicht der Artikel – ich habe nicht die seelische Stärke, mir die Leserbriefe in der NZZ zu Gemüte zu führen.

    Ich meine, es sollte doch jedem inzwischen klar sein, daß die Palästinenser die Zweistaatenlösung eben NICHT wollen. Sie wollen die Einstaatenlösung. Daß sich die Europäer nicht zu schade dafür sind, den explizit angedrohten Vernichtungskrieg gegen Israel (der bisher ja eher kümmerlich als Terror daherkommt) aktiv zu unterstützen, kann Zyniker nicht wundern. Leider bin ich keine Zynikerin. Ich finde es einfach nur widerlich.

    Ich bitte übrigens darum, Linke und Linke nicht in einen Topf zu werfen. Ich zähle mich und meine Umgebung eher zum linken „Lager“, aber zum linken zionistischen. Die antizionistische Linke ist weiter von mir entfernt als die zionistische Rechte.

  9. […] über Israel als voreingenommen zu kritisieren, bedeutete Eulen nach Athen zu tragen. Mr. Moe, Zeitung für Schland, 24.04.09 – wem sagst du das, […]

  10. Mr. Moe said, on April 26, 2009 at 8:22 pm

    @Lila:
    Ich finde es teilweise erträglicher, Leserbriefe zu lesen, da diese – zumindest in der Regel – gar nicht erst aufklärerischen oder gar „objektiven“ Anspruch besitzen. Eben jener Anspruch und die vermeintliche „Objektivität“ und Besserwisserei der Medien stört mich weitaus mehr als die Leserbriefe von Spinnern, vor allem, da sie ihm Gegensatz zu letzteren unmittelbar zur Entstehung und Verfestigung von Meinungen beitragen dürften. Andererseits hast du natürlich Recht, dass viele Leserbriefe nicht zu ertragen sind.

    Dass die Palästinenser die Zwei-Staaten-Lösung nicht wollen, ist in Deutschland leider längst nicht jedem bewusst. Auch in Kreisen, die Israel positiv gegenüberstehen, erscheint mir die Zwei-Staaten-Lösung häufig als heilige Kuh, die nicht geschlachtet werden darf, ganz gleich, wie die Realität auch aussehen mag.

    Übrigens finde ich nicht, dass hier alle Linken in einen Topf geworfen werden. Ruth schrieb ja von „dieser Art von Linken“.

  11. beer7 said, on April 27, 2009 at 5:51 am

    Lila,

    ich glaube nicht, dass Szpiro der antizionistischen Linken zugeordnet werden kann. Auch bei David Landau und nicht einmal bei Tom Segev bin ich da sicher.

    Das Problem ist, dass sehr viele Linke und Linke nicht nur davon ueberzeugt sind, dass ihre Ansichten zutreffender sind als andere (das meint vermutlich jeder Mensch), sondern dass sie moralisch ueberlegen sind. Deswegen passiert ihnen leicht so leicht, dass sie ueber einen politischen Gegner in einer Weise schreiben oder sprechen, als sei dieser boese…


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