Zeitung für Schland

Was die F.A.Z. kann, kann die New York Times schon lange

Posted in Die üblichen Verdächtigen by Mr. Moe on Mai 5, 2009

Hamas-Führer Khaled Meschal ist nicht nur beim Guardian oder der F.A.Z. (siehe auch hier und hier) ein viel gefragter Mann. Jetzt hat Meschal auch der New York Times ein Interview geben dürfen, in dem er u.a. Israel scheinbar eine zehn Jahre lange „Waffenruhe“ – das Wort kann in Bezug auf die Hamas nur in Anführungszeichen gesetzt ausgeschrieben werden – anbietet:

On the two-state solution sought by the Americans, he [Meschal, Mr. Moe] said: “We are with a state on the 1967 borders, based on a long-term truce. This includes East Jerusalem, the dismantling of settlements and the right of return of the Palestinian refugees.” Asked what “long-term” meant, he said 10 years.

Apart from the time restriction and the refusal to accept Israel’s existence, Mr. Meshal’s terms approximate the Arab League peace plan and what the Palestinian Authority of President Mahmoud Abbas says it is seeking. Israel rejects a full return to the 1967 borders, as well as a Palestinian right of return to Israel itself. [Hervorhebungen nicht im Original, Mr. Moe]

Während die Reaktionen der Mainstream-Medien noch ausstehen (Prognose: überschwänglich), hat sich bereits ein zumindest nicht vollends verblendeter Kopf wie Jörg Lau vorsichtig optimistisch geäußert:

Dieses Angebot Meshals ist bemerkenswert, obwohl es viele Hürden enthält. Es wird keinen vollständigen Rückbau aller Siedlungen geben können, sondern höchstens einen Deal, bei dem Land gegen einige wenige verbleibende Siedlungen getauscht wird. Und das vollständige Rückkehrrecht aller Flüchtlinge nach Israel ist schlicht nicht durchsetzbar, weil es das Ende des jüdischen Staates bedeuten würde. Hier wird es eine Kompensationslösung geben müssen.
Aber das Angebot eines langen Friedens ist schon bedeutsam. Es ist eine für den Hamas-Chef diplomatisch vertretbare Form der Anerkennung. Ein Land, mit dem man 10 Jahre Frieden hätte, wäre eine Realität, mit der man schließlich auch leben könnte/müsste.
Die Äusserungen können natürlich auch vorwiegend taktisch bedingt sein. Aber dass Hamas sich genötigt sieht, überhaupt Bewegungsfähigkeit zu demonstrieren, ist interessant.
Im übrigen sucht Meshal seine Ernsthaftigkeit zu untermauern, indem er auf den nahezu völligen Stopp der Raketenangriffe auf Israel im April hinweist. [Hervorhebungen nicht im Original, Mr. Moe]

Realistischer erscheint bisweilen jedoch die Einschätzung von Elder of Zyion:

So Meshal wants to see Israel destroyed, he wants all Jews in the Middle East murdered, and he might be willing to offer a ten year pause for Israel to get destroyed demographically. The prestigious NYT, however, characterizes this as being virtually indistinguishable with the most moderate Arabs, and casts Israel as the intransigent party for not wanting to joyfully accept suicide.

Eine wichtige Frage in Zukunft lautet demnach, ob sich westliche Intellektuelle und Politiker von der Hamas blenden lassen werden (um die Medien ist es seit langer Zeit geschehen). Die Aussichten sind alles andere als rosig.

hat tip: Yaacov Lozowick, Soccer Dad.

7 Antworten

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  1. Bernd Dahlenburg said, on Mai 5, 2009 at 6:50 pm

    Es geht um Waffenruhe (Hudna), nicht um Waffenstillstand.

    Eine Waffenruhe verpflichtet die Hamas zu nichts. Im Gegenteil – sie dient nach koranischer Lesart dazu (Und die Hamas besteht darauf), die Kräfte zu bündeln und dann umso härter zuzuschlagen.

    Truth ist nicht Ceasefire, auch wenn es oft gleich übersetzt wird.

    Jörg Lau hat das noch nicht gecheckt.

  2. Bernd Dahlenburg said, on Mai 5, 2009 at 6:52 pm

    Kleiner Lapsus:

    Nicht „Truth“ sondern „Truce“ muss es heißen.

  3. Mr. Moe said, on Mai 5, 2009 at 7:10 pm

    Danke für den Hinweis. Habe es korrigiert.

  4. Bernd Dahlenburg said, on Mai 5, 2009 at 8:28 pm

    Mr. Moe said, on Mai 5, 2009 at 7:10

    Danke für den Hinweis. Habe es korrigiert.

    —————

    Eigentlich wollte ich nicht korrigieren. Das steht mir nicht zu.

    Ich dachte nur, dass man den Begriff „Hudna“ ins Spiel führen sollte, wenn man „Waffenruhe“ oder „Waffenstillstand“ anspricht.

    Bei Jörg Lau bin ich mir nicht so sicher, dass er der Begriffe unterscheiden kann.

  5. Mr. Moe said, on Mai 5, 2009 at 9:03 pm

    Jedem steht es zu, auf Fehler oder relevante Aspekte hinzuweisen. Ich selbst habe den Unterschied im obigen Text zunächst ja auch nicht getroffen bzw. von einem „Waffenstillstand“ geschrieben.

  6. Lila said, on Mai 6, 2009 at 2:52 am

    Das ist auch keine neue Idee. Mit einer zehnjährigen Hudna wedelt die Hamas schon seit einiger Zeit. Sie verspricht sich davon eine Phase internationalen Drucks auf Israel, Zeit zur Bewaffnung in großem Stile und last not least die iranischen Kernwaffen als ultimative Waffe im Hinterhalt.

    Was tut die Welt? Findet das toll und droht Israel mit Konsequenzen, wenn es sich dem Zeitplan der Hamas-Iran-Connection nicht unterwirft. Dabei sagen die ganz offen, was sie eigentlich wollen.

  7. Bernd Dahlenburg said, on Mai 6, 2009 at 3:26 am

    Lila said, on Mai 6, 2009 at 2:52

    Das ist auch keine neue Idee. Mit einer zehnjährigen Hudna wedelt die Hamas schon seit einiger Zeit. Sie verspricht sich davon eine Phase internationalen Drucks auf Israel, Zeit zur Bewaffnung in großem Stile und last not least die iranischen Kernwaffen als ultimative Waffe im Hinterhalt.

    ———————–

    …. wie Haniyeh 2006.

    man könnte es Wort für Wort abschreiben.

    Noch einmal: Jörg Laus Interpretation ist ziemlich naiv.

    Da hat er wohl einen Kommentar „aus dem Knie geschossen“, was bei ihm übrigens nicht allzu selten vorkommt.

    Wenn ich auf Kommentare von Jörg Lau einigermaßen vorbereitet bin, packe ich mein Fahrrad, rufe meine Freundin und ihren Sohn an, und dann nehmen wir Reißaus, um es einmal überspitzt zu formulieren.

    Da ich ein Fahrrad- und Naturfreak bin, liegen mir Jörg Lau und andere Geisterfahrer höchstens dann „am Herzen“, wenn meine Feundin schläft und der Sohn auch.

    Am nächsten Tag bekomme ich sowieso Probleme, wenn ich von Nahost spreche…..


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