Zeitung für Schland

Anmerkungen zur Süddeutschen Zeitung

Posted in SZ by Mr. Moe on Mai 9, 2009

Wer wirklich einmal richtig leiden will braucht dafür noch nicht einmal zu bezahlen: Ein Test-Abonnement der Süddeutschen Zeitung, der „Nr. 1 unter den überregionalen Qualitäts-Tageszeitungen Deutschlands“ (Quelle: Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse 2008), beschert dem geneigten Masochisten zwei Wochen lang jede Menge schlechte Laune – kostenlos und unverbindlich. Darüber hinaus verstünde es die SZ gemäß ihrer Selbstzuschreibung zufolge, „ausgezeichneten Journalismus mit bester Unterhaltung“ zu verbinden. Darüber hinaus sei sie auch noch in der Lage, ihren Leser „immer bestens“ zu informieren.

Um es kurz zu machen: Auf jeden Schund einzugehen, der sich bereits nach einer einzigen Woche qualvoller Lektüre der SZ angesammelt hat, würde den Rahmen eines jeden Blog-Eintrages sprengen. Daher seien im Folgenden lediglich drei Fälle dokumentiert:

  • Anlässlich der jährlichen Konferenz des American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) titelt die SZ zeitgemäß:

    „Die Regierung wechselt, der Einfluss bleibt“

    Und hebt extra noch hervor, wie abartig doch das Verhältnis der Amerikaner zu Israel sei:

    „80 Prozent der Amerikaner sehen Israel als engen Freund der USA.“

    Die Schweine!

  • Dass der Papst Israel besucht, nutzt die SZ zur Gelegenheit, endlich einmal über die Unterdrückung der Christen in Israel [!] berichten zu können:

    Der Großteil der arabischen Christen gehört der gebildeten Mittelschicht an. Deren beruflichen Perspektiven sind – diesseits und jensseits der israelischen Sperranlagen – beschränkt. Während sie im Westjordanland eine zunehmende Islamisierung fürchten, fühlen sich die Christen im jüdischen Staat benachteiligt. Araber, egal welchen Glaubens, gelten dort als Palästinenser und haben trotz der israelischen Staatsbürgerschaft nicht dieselben Rechte wie die jüdische Bevölkerung.

    Erneut „beste Informationen“ für die nach Fakten gierenden Leser der SZ. Israel ist ein christen- und araber feindlicher Apartheidsstaat, wir haben’s doch schon immer gewusst!

  • Zum Besuch des israelischen Außenministers Lieberman in Deutschland schreibt die SZ:

    Der 50-jährige Lieberman, Führer der Partei Unser Haus Israel, steht im Ruf eines ultra-nationalistischen Friedensfeindes.

    Das ist in der Tat „ausgezeichneter Journalismus mit bester Unterhaltung“! Und weiter geht’s:

    Das schlechte Image hat er nicht zuletzt in seiner polternden Antrittsrede Anfang April untermauert, in der er die Welt verstörte mit der Ankündigung einer Kehrtwende bei den Verhandlungen mit den Palästinensern.

    Karl Kraus lässt grüßen: „Keinen Gedanken haben und ihn ausdrücken können – das macht den Journalisten“. Und die SZ informiert munter weiter drauf los:

    In der Regierung von Premierminister Benjamin Netanjahu ist die in allen internationalen Initiativen geforderte Zwei-Staaten-Lösung zum Tabu erklärt worden. Befürchtet wird also eine bleiernde Zeit israelischer Blockadepolitik.

    Und als ob das alles noch nicht genug sei, erfährt der Leser der „Nr. 1“ unter den deutschen Tageszeitungen am Ende auch noch folgendes:

    Und so versucht er [Lieberman, Mr. Moe], wo immer er gerade unter Druck kommt, das Thema zu wechseln – weg von den Palästinensern und ihrem Staat, hin zu Iran. Denn wenn es um die Gefahren geht, kann man wenigstens einmal den diplomatischen Schulterschluss proben.

    In der Tat eine echte Unverschämtheit, dass sich der israelische Außenminister um die Sicherheit des Staates Israel sorgt.

Es reicht. Die SZ wird die kommende Woche dorthin verfrachtet, wo sie hingehört: in den Mülleimer. Gefreut werden darf sich derweil auf den Anruf und das Gespräch nach Ablauf des Abonnements, ob die Lektüre denn gefallen hätte und ein regulärer Bezug erwünscht sei.

Ach ja, der Sportteil ist übrigens ganz gut.

Offline-Quelle: „Julia Amalia Heyer: Alles nur Glaubenssache. Die Lage der Christen in Israel“, in: SZ vom 8. Mai 2009, S. 2.

15 Antworten

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  1. lalibertine said, on Mai 9, 2009 at 10:16 pm

    Ach ja, die gute alte Tante SZ. *seufz*
    Mit diesem linken Spießerblättchen bin ich aufgewachsen und ich hätte noch vor 4-5 Jahren dieses Medium als Lieblingszeitung genannt.
    Tja, man entwickelt sich zum Glück weiter😉

  2. Mr. Moe said, on Mai 10, 2009 at 2:28 pm

    Tja, man entwickelt sich zum Glück weiter😉

    Wenn’s doch nur so wäre!

  3. d.j. deutschland said, on Mai 11, 2009 at 3:13 pm

    berichtigend: der sz-sport, print wie online, ist das hinterletzte. das war die bild, die mit dem guten sportteil.

  4. willow said, on Mai 11, 2009 at 5:56 pm

    Immerhin hat die SZ einen gewaltigen Vorteil – ich werde (noch?) nicht gezwungen, sie zu abonieren. Bezahl-Rundfunk und -Fernsehen dagegen kann ich nicht abbestellen, auch wenn ich z.B. die Lügen von Bettina Marx und Clemens Verenkotte soetwas von satt habe! Heute zum Beispiel Verenkotte über Unterdrückung und Diskriminierung von Christen in Israel… und das in meinem ehemaligen Lieblingssender DLF!

  5. Parsa Kakahshanian said, on Mai 11, 2009 at 8:00 pm

    „Unterdrückung und Diskriminierung von Christen in Israel“

    Genauso manisch! Unterdrückung und Diskriminierung – das KANN es in Israel NICHT geben! Nein, niemals!

    Ich kenne ein Beispiel. Wenn ein Christ aus Nazareth eine Christin aus Bethlehem heiratet, dann bekommt diese kein Aufenthaltsrecht für Israel. Das heisst, die dürfen dann nicht zusammen in Nazareth leben. Die könnten auch nicht einfach in Haifa Grund und Boden erwerben und dort nen Haus bauen. Alles nicht möglich. Diskriminierung? Ach Quatsch! Wo denn? Und selbst wenn! Die Hamas ist ja viel schlimmer!

  6. willow said, on Mai 12, 2009 at 5:56 am

    @Parsa Kakahshanian

    Kennen sie die Personen aus ihrem Beispiel persönlich? Oder haben sie da etwas zitiert, was unter Israelkritikern als Konsens gilt?

    Ihr Satz sollte leicht abgewandelt werden:

    „Wenn ein Christ aus Nazareth eine Christin aus Bethlehem heiratet, dann bekommt diese nicht automatisch ein Aufenthaltsrecht für Israel.“

    aber das würde dann ja nicht mehr so dramatisch klingen. Auch mit dem Grunderwerb ist das so eine Sache in Israel – es wird gerne behauptet, Araber dürfen das nicht. Mag sein, aber fast immer würde „Grund und Boden“ auch nicht an einen Juden verkauft – schlicht und ergreifend, weil ein großer Teil nicht verkauft werden darf (egal an wen) sondern nur verpachtet… aber wer will schon so klienlich sein!

    Im Übrigen … was hat ihr Kommentar mit dem Eingangsbeitrag zu tun?

  7. Parsa Kakashanian said, on Mai 12, 2009 at 6:44 am

    Der abgewandelte Satz ist falsch. Mit „nicht automatisch“ verdecken Sie, dass es in in der absoluten Mehrzahl der Fälle so ist. Da ist ein bisschen Behördenwillkür dabei, aber die rechtliche Grundlage gibt her, die Aufenthaltsberechtigung völlig zu verwehren. Und es ist ja bekannt, dass behördliche Willkür dazu beiträgt, dass die arabische Bevölkerung in Israel auch ökonomisch und sozial deklassiert bleibt.

    An dem ‚Verkaufsverbot‘ merkt man übrigens, dass die Israelis heute genau das verhindern wollen, was den Arabern im 19. und 20. Jahrhundert ihr Land gekostet hat. Damals haben die jüdischen Einwanderer dies ja von arabischen Großgrundbesitzern gekauft. Sowas möchte man natürlich heute in Bezug auf Araber verhindern.

  8. tw_24 said, on Mai 12, 2009 at 8:24 am

    „Und es ist ja bekannt, dass behördliche Willkür dazu beiträgt, dass die arabische Bevölkerung in Israel auch ökonomisch und sozial deklassiert bleibt.“

    Es scheint aber durchaus so zu sein, daß die Araber (oder eben eine Mehrheit von ihnen) nicht das geringste Interesse daran hat, an diesen Umständen in Israel etwas mit den in einer Demokratie üblichen Mitteln zu ändern. Und das entging nichtmal dem Clemens Verenkotte etwa aus Anlaß der jüngsten Bürgermeisterwahl in Jerusalem:

    „Die arabische Bevölkerung Jerusalems – die rund 250.000 Menschen umfasst – boykottiert die Kommunalwahlen weitestgehend, weil sie die Besatzung des Ostteils der Stadt durch Israel ablehnt.“

    So reproduzieren die Araber mit einigem Vorsatz die Zustände, über die sie Krokodilstränen vergießen, immer wieder selbst – israelische Anstrengungen für eine Integration, die es – angefangen mit dem (weitgehend abgelehnten) Angebot von 1967, israelische Bürger zu werden – gibt, werden standardmäßig boykottiert.

    Und damit sind es wohl eher die Araber als irgendwelche „Behördenwillkür“, die verantwortlich sind für das, was sie beklagen.

  9. willow said, on Mai 12, 2009 at 9:27 am

    Und es ist ja bekannt, dass behördliche Willkür dazu beiträgt, dass die arabische Bevölkerung in Israel auch ökonomisch und sozial deklassiert bleibt.

    Ist es das wirklich? Und stimmt immer, was alle zu wissen glauben?

    Wie sind dann Statistiken zu verstehen, die besagen, daß israelische Araber pro Kopf fast 10% mehr Wohnraum haben als der durchschnittliche Israeli? Eine Aussage, die sich auch mit den Beobachtungen „vor Ort“ deckt – die Bautätigkei im Umm al Fahm Gebiet z.B. ist absolut faszinierend, jede Menge neugebaute Häuser, viele davon regelrechte Villen.

    (Natürlich nicht in einer Reihe entlang der Wege sondern durcheinander, als hätte jemand Legosteine ausgekippt. Und selbstverständlich ohne Rasenflächen, Büsche, Bäume – stattdessen ein übergroßer Pickup-Jeep vor dem Haus. Sozusagen alle Klischees erfüllt.)

    Informiere dich einfach mal, extrem viele Handwerker und Bauarbeiter (aber eben auch Handwerks- und Baubetriebe) sind „arabisch“ – und das sind nicht die schlechtbezahltesten und sozial geächteten Jobs.

  10. Parsa Kakashanian said, on Mai 12, 2009 at 5:40 pm

    „Wie sind dann Statistiken zu verstehen, die besagen, daß israelische Araber pro Kopf fast 10% mehr Wohnraum haben als der durchschnittliche Israeli?“

    Haben Sie Quellen dafür? Und Quellen für Ihre Behauptung, die Araber in Israel wären sozial und ökonomisch nicht wesentlich schlechter gestellt als die Juden? Mit Quellen meine ich hier nicht den Pickup aus Umm el-Fahm😉

    „Es scheint aber durchaus so zu sein, daß die Araber (oder eben eine Mehrheit von ihnen) nicht das geringste Interesse daran hat, an diesen Umständen in Israel etwas mit den in einer Demokratie üblichen Mitteln zu ändern.“

    Das würde ich bezweifeln. Es gibt ja durchaus Araber, die sich politisch engagieren. Die Wahlbeteiligung der Araber ist zwar meines Wissens zumeist unterdurchschnittlich, aber sie ist nicht marginal. Allerdings wählen sie mitlerweile fast nur noch die drei arabischen Parteien, was auf die tiefe gesellschaftliche Spaltung hinweist.

    Die zionistischen Parteien sind ideologisch dagegen, die Araber an einer Regierung zu beteiligen. Das ist noch nie passiert. Und natürlich schwerwiegend, weil die Klientel dieser Parteien in einem recht kleintelistischen Parteiensystem wie dem israelischen dann praktisch nie an die Geldtöpfe rankommt. So erklärt sich auch die de facto Benachteiligung der arabischen Gemeinden bei Infrastruktur oder Bildung. Das verschärft die sozialen Probleme.

    „So reproduzieren die Araber mit einigem Vorsatz die Zustände“

    Jerusalem ist ein Sonderfall. Die Annektion von Ostjerusalem ist international nicht anerkannt. Für die Araber hiesse der Gang zur Wahl somit die Anerkennung dieses Unrechtszustandes. Deshalb gehen sie nicht. Unabhängig davon, wäre es zumal in Jerusalem fraglich, ob ihnen eine Repräsentation nützen könnte. Gerade dort würden die zionistischen Parteien rigoros zusammenarbeiten, wie sie es bisher ohnehin tun, um den arabischen Einfluss zurückzudrängen. Erklärtes Ziel ist ja, die arabische Bevölkerung nicht anwachsen zu lassen. Die Diskriminierung in Jerusalem ist enorm. Die Araber verlieren schnell ihr Aufenthaltsrecht wenn sie mal woanders hinziehen, dürfen dann nicht wieder zurück. Und auch Baugrund wird fast nie genehmigt, womit ein Großteil der Häuser bereits jetzt illegal sind. Und illegale Häuser dürfen dann ja ganz legal abgerissen werden, wenn Platz für neue Siedlungen geschafft wird. Das ist die ganz reale Diskriminierung. In Jerusalem kulminiert die Situation. Anderswo ist es sicherlich weitaus erträglicher.

  11. Lejzorek Rojtszwanz said, on Mai 12, 2009 at 7:51 pm

    @Mr. Moe

    Du weißt und ich weiß dass der Typ mit Nick Kakasoundso einfach nervt und blondzt. So einen nennt man bei uns Nudnik. A kluger waist wos er sogt, a nar sogt wos er waist.
    Warum nimmst Du ihn in ein Spamfilter? Du kennst das: Az me lost a chazzir aruf af’n bank, wil er af’n tish. Weg mit dem Dreck!

  12. […] die kommenden “Wahlen” im Iran Posted in SZ by Mr. Moe on Mai 12, 2009 Entgegen aller Vorsätze wurde die SZ auch gestern nicht ihrem angemessenem Bestimmungsort zugeführt, sondern frühmorgens […]

  13. Parsa Kakashanian said, on Mai 12, 2009 at 8:25 pm

    @ Rojtszwanz

    Ihr Verständnis von Meinungsfreiheit ist ja herzallerliebst😉

    @ Tschuldigung an alle, dass ich den Club der Bekehrten störe!

  14. Lejzorek Rojtszwanz said, on Mai 13, 2009 at 8:10 am

    @Kaka so und so,

    „Ihr Verständnis von Meinungsfreiheit ist ja herzallerliebst“

    Ja, meine Meinungsfreiheit erlaubt mir zu sagen: Weg mit dem Dreck!

    Ihre Freunde berufen sich auf die Meinungsfreiheit:

    http://www.terrorism-info.org.il/malam_multimedia/English/eng_n/html/as_e004.htm

    Ich nenne das Rassismus. In reinster Form.

    Es macht Ihnen Spaß einen Antisemit rauszuhängenn und Juden zu ärgern? Dann amüsieren Sie sich weiter. Anscheiend haben die Arschlöcher nichts besseres zu tun.

  15. willow said, on Mai 13, 2009 at 10:38 am

    Nun, wenn sie schon keine Quellen bringen…

    „Makor/HZO (S. 6, Edi Gal) Studie: Israelische Araber werden in
    Wohnungsangelegenheiten nicht benachteiligt
    … Jahre lang wurde behauptet, dass israelische Araber benachteiligt würden, was die
    Wohnfläche anbelangt, die ihnen zur Verfügung steht. Doch kürzlich wurde eine neue
    Studie veröffentlicht, die von Dr. Tal Shahor vom Emek Izrael College durchgeführt
    wurde, und aus der hervorgeht, dass die Behauptung der Diskriminierung nur ein
    Mythos ist. Jedem Araber in Israel werden 97 m² zugeteilt. Jedem Juden werden jedoch
    nur 90 m² zugeteilt. Dazu kommt, dass wenn man die Fläche überprüft, die den
    Sektoren für Wohnzwecke und öffentliche Dienste (Erziehung, Kultur, Handel usw.)
    zuteilt, den Arabern 103 m² pro Kopf und den Juden 104 m² pro Kopf zugeteilt werden.
    Bei den Drusen übertrifft man übrigens diese Zahlen in beiden Bereichen.“

    http://www.tel-aviv.diplo.de/Vertretung/telaviv/de/Medienspiegel/MS__170209,property=Daten.pdf

    aber vermutlich ist ihnen der Medienspiegel der deutschen Botschaft nicht seriös genug….

    Zum Wahlverhalten der nichtjüdischen Israelis haben sie wohl auch nur die üblichen Klischees im Kopf… wußten sie z.B., daß 50% der drusischen Israelis Lieberman gewählt haben? Oder viele jüdische Israelis eine arabische Öko-Partei? ( Naja, zumindest vertreten die einige grüne Inhalte…😉 )


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