Zeitung für Schland

Worte der Woche (25)

Posted in Worte der Woche by Mr. Moe on Juni 7, 2009

Dieser Wahlkampf in Iran ist alles, was Wahlkampf in Europa nicht ist: spannend, temperamentvoll, unterhaltsam, bejubelt von einer jungen leidenschaftlichen Anhängerschaft.

Man ist geneigt zu ergänzen, dass Wahlen in Europa dafür frei und demokratisch sind, aber das ist natürlich nicht ganz so wichtig wie Spiel, Spaß und Spannung. Die obige Laudatio auf die „Wahlen“ im Iran stammt von Christiane Hoffmann. Genau, das ist die Frau Hoffmann, die – sofern sie ihre Zeit nicht gerade damit verbringt, deutsche Zeitungsleser für noch dümmer zu verkaufen, als sie ohnehin schon sind – gerne auch Hamas-Führer Khaled Meschal in Form unkritischer Interviews hofiert. Dass es sich bei Hoffmann aber doch um eine wahrhaft „kritische“ Journalistin handelt, zeigt sich gegen Ende des Artikels, wenn Hoffmann geradezu provozierend investigativ und aufklärerisch fragt: „Werden die Wahlen fair verlaufen“? Wenn Frau Hoffmann von ihnen berichtet, mit Sicherheit.

Ansonsten bringt Michael Ledeen alles, was über die „Wahlen“ im Iran zu wissen ist, auf den Punkt:

Of course Iran doesn’t have elections, as we understand the term.  It has circuses.  Most people don’t bother to vote, since they think–with good reason–that the outcome simply reflects the wishes of the only voter whose opinion matters:  Supreme Leader Ali Khamenei.

Ebenfalls lesenswert ist Wahied Wahdat-Haghs Artikel über die „Säkulare Kritik der iranischen Präsidentschaftswahl“.

Quelle: Christiane Hoffmann: „Das Volk verlangt nach politischer Erregung“, in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 7. Juni 2009, S. 7.

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49 Antworten

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  1. Mr. Moe said, on Juni 7, 2009 at 7:05 am

    Und um es von vornherein klarzumachen:
    Jegliche Verteidigung und Rechtfertigung dessen, was nicht zu verteidigen und rechtfertigen ist – des Mullah Regimes – wird ebenso kommentarlos gelöscht, wie Vergleiche dieses Regimes mit demokratischen Staaten.

  2. Parsa Kakashanian said, on Juni 7, 2009 at 9:36 am

    Die Wahlen im Iran sind in etwa so, wie wenn in Deutschland allein aus den Kandidaten einer Partei ausgewählt werden könnte. Koch oder Merkel oder Wulff. Steinmeier wäre schon verboten. Auch in Teheran sind alle Kandidaten natürlich Anhänger des islamistischen Regimes.

    Es wäre nun aber blödsinnig zu schlußfolgern, es machte keinen Unterschied ob Kandidate X oder Kandidat Y gewinnen würde – weil Khamenei ja sowieso alles entscheide. Die Islamische Republik ist aus einer Revolution hervorgegangen, die Millionen Menschen mobilisiert hat. Insofern ist sie auch heute noch auf Unterstützung angewiesen. Auch wenn jemand wie Bush immer fein säuberlich unterschieden hat zwischen „den Mullahs“/dem „Regime“ und „dem iranischen Volk“, so ist es dennoch so, dass das Regime in weiten Teilen des Volkes Legitimität genießt.

    Dieses Volk kann auch anders, als das Regime es will. So hat Khatami 1997 gewonnen, obwohl die konservative Elite und Khameini einen anderen Kandidaten präferierten. Khatami hat vieles versucht. Er wollte die Pressefreiheit stärken, er wollte die Frauen stärken, er wollte die öffentliche Debatte befreien. Iran hatte seine Teheraner Frühling, aber heute hört man oft dies: „Khatami, das waren doch nur Worte. Er hat nichts geschafft, was er wollte.“ Khatami ist gescheitert an den Konservativen. Das ist bedauerlich, und das hat die Unreformierbarkeit der Islamischen Republik gezeigt.

    Wenn sich heute wieder Hunderttausende für Mousavi begeistern, dann zeigt das, dass das Volk Reformen will. Ob Mousavi, auf dessen Wahl ich hoffe, liefern kann, steht auf einem anderen Blatt. Unmöglich ist es nicht – wenn denn die Volksbewegung hinter ihm stark bleibt. Aber unwahrscheinlich ist es schon.

    Be omide pirouziye mir hossein. azadi – demokrasi – esteghlal.

  3. willow said, on Juni 7, 2009 at 4:04 pm

    Nun, angemessen wär wohl eher ein Vergleich mit den Wahlen damals im Ostblock – auch damals war es ja unter gewissen westlichen Journalisten üblich, diesen Urnengängen eine demokratische Legitimität zugestehen, die sie eindeutig nicht hatten.

    Und auch damals gab es jede Menge Astrologen, die auf wundersame Weise spürbare Unterschiede bei den einzelnen Kandidaten erkennen wollten… womit wir bei dem Beispiel Khatami wären. Haben unsere Qualitätsmedien jemals thematisiert, welche politischen Positionen dieser freundliche Herr tatsächlich umgesetzt hat? Immerhin fallen in seine Zeit sowohl der eigentliche Start des Atomprogramms als auch erhebliche Verschärfungen im Kampf gegen unzufriede Bürger – und nicht zu vergessen, unter seiner Herrschaft wurden die eh schon strengen Regelungen zum tugendhaften Verhalten nochmals verschärft. Soviel zu den moderaten Kandidaten… und auch seine Äußerungen der letzten Zeit sind alles andere als moderat.

    Ob das Regime tatsächlich im Volke eine Legitimität genießt dürfte äußerst schwer einzuschätzen sein – vermutlich verabscheut ein großer Teil der Bevölkerung seine Führung, was allerdings nicht bedeutet, daß sie sich einen westlichen Staat wünschen.
    Aber wenn der Grad der staatlichen Repression ein Gradmesser für die Zufriedenheit der Bevölkerung ist, dann muß im Iran schon einiges brodeln. Es bleibt abzuwarten, ob der Wahlzirkus zumindest kurzzeitig eitwas Druck abbaut.

  4. Mr. Moe said, on Juni 7, 2009 at 9:07 pm

    @Parsa Kakashanian:

    Mir geht es im obigen Beitrag vornehmlich nicht darum, was die „Wahlen“ im Iran bewirken können oder nicht. Mir geht es an dieser Stelle darum, dass die „Wahlen“ in deutschen Medien fälschlicherweise als echte, d.h. freie und demokratische, Wahlen dargestellt werden (Frau Hoffmann ist da ja leider kein Einzelfall). Dass es in bestimmten Punkten (wenngleich in meinen Augen gewiss nicht den entscheidenden) nicht völlig egal ist, wer die „Wahl“ „gewinnt“, ist ebenso klar wie die von Ihnen ebenfalls erwähnte Tatsache, dass das Mullah-Regime nicht reformierbar ist.

  5. Parsa Kakashanian said, on Juni 7, 2009 at 11:08 pm

    @ Willow

    Der Vergleich mit dem Ostblock ist insofern Quatsch, als dass es da bereits von Beginn an feststand, wer gewählt werden würde. In der DDR gabs ja gar nicht die Möglichkeit, Kandidaten anzukreuzen, sondern nur dem „Wahlvorschlag der Nationalen Front“ zuzustimmen, oder eben abzulehnen. Wobei letzteres kaum möglich war, da der gute sozialistische Staatsbürger niemals in eine Wahlkabine gegangen wäre… Sie können behaupten, was sie wollen: Das islamische Regime inszeniert die Wahlen wesentlich besser. Allein schon so etwas wie Wahlkampf wäre im Osten undenkbar gewesen. Zu den Veranstaltungen von Mousavi, Ahmadinedschad, Karroubi hingegen kommen Zehntausende. Und ja, obwohl es nur Islamisten zu wählen gibt, ist es tatsächlich spannend – und die Kandidaten beleidigen sich persönlich und kritisieren sich gegenseitig. Das wäre in der DDR undenkbar gewesen.

    Was Khatami angeht: er selbst ist nicht verantwortlich für die Verschlechterungen seit ca. 2000 – 2001. Er hat versucht, Veränderungen herbeizuführen, er hat mitsamt dem Parlament auch Gesetzesinitiativen auf den Weg gebracht, die Iran mehr Demokratie, mehr Freiheit gebracht hätten. Dies wurde allerdings alles von den Konservativen gestoppt.

    Das Regime genießt sicherlich keine Legitimität bei einer Mehrheit. Allerdings bei einer engagierten Minderheit – zumeist in den kleineren Städten, auf dem Land und im Süden der Hauptstadt. Es sind eher die Armen und Ungebildeten. Ahmadinedschad wird hier Probleme bekommen, weil er deren ökonomische Probleme nicht gelöst hat.

  6. Parsa Kakashanian said, on Juni 7, 2009 at 11:17 pm

    @ Moe

    Ich finde es schon gut, dass deutsche Medien überhaupt was aus Iran berichten, was nicht mit Terrorismus, Krieg, Antisemitismus oder Scharia zu tun hat. Das Iran-Bild der deutschen Öffentlichkeit ist himmelschreiend stereotyp. Von daher begrüße ich Artikel über die Wahl – und finde eigentlich, dass meist sehr gut dargestellt wird, dass es keine „lupenreine“ Demokratie ist – fern davon.

    Die Reformfähigkeit des Regimes halte ich selbst für begrenzt. Allerdings hat auch die Sowjetunion einen Gorbatschow hervorgebracht. Das lässt hoffen. Das Problem in Iran ist, dass die Mehrheit der Menschen eben keine zweite Iranische Revolution wünscht. Die Erste war derart schrecklich – insbesondere mit ihrer Konsequenz der Unterdrückung und Verfolgung eines Großteils der Revolutionäre und Andersdenkenden – und nicht zu vergessen: der grausame Krieg, den Saddam mit Unterstützung der Welt gegen ein schwaches Land geführt hat, und der Hunderttausenden das Leben gekostet hat – dass eine Zweite Revolution keine Option ist. 1997 als Khatami gewählt wurde, haben die Menschen gesagt: Reformen, das ist doch viel revolutionärer als eine Revolution. Abwarten, was nun passiert. Ich hoffe nur, dass ein Desaster wie 1979-1988 verhindert werden kann.

  7. S1IG said, on Juni 8, 2009 at 3:25 am

    Das islamische Regime inszeniert die Wahlen wesentlich besser.

    Stimmt – der Rest wird durch die Mullahs weiter bestimmt, wie anschließend ganz richtig bemerkt wird:

    obwohl es nur Islamisten zu wählen gibt […]

    Obwohl der Vergleich mit der DDR hinkt – es bleibt wie Mr. Moe richtig feststellt:

    […] die “Wahlen” in deutschen Medien fälschlicherweise als
    echte, d.h. freie und demokratische, Wahlen dargestellt werden […]

    Ein inszinierter Wahlkampf in einer Diktatur – Brot und Spiele für die Unterdrückten…

  8. Mr. Moe said, on Juni 8, 2009 at 7:28 am

    @Parsa Kakashanian:
    Sie sind ebenso wie ich der Meinung, dass das Regime nicht reformierbar ist und die „Wahlen“ keine echten Wahlen sind. Der in diesem Zusammenhang relevante Unterschied zwischen Ihnen und mir besteht vor allem darin, dass Sie Ihren eigenen Worten nach „schon gut“ finden, wenn deutsche/ausländische Medien dem Regime positive Presse verschaffen. Wie Sie das mit Ihrer grundsätzlichen Ablehnung des Mullah-Regimes vereinbaren können, kann ich mir ehrlich gesagt nicht so recht erklären.

    Zudem würde ich hier zur Abwechslung einmal Ihre mediale Wahrnehmung anzweifeln: die deutsche Berichterstattung über den Iran mag von Stereotypen geprägt sein, doch das ist die deutsche Berichterstattung über die USA, über Israel und über (fast) alle anderen Länder auch. Außerdem sehe ich nicht, dass die iranische Bevölkerung in deutschen Medien durchweg als antisemitisch und/oder rückständig oder dergleichen beschrieben wird, eher (zu Recht) im Gegenteil. Allerdings kommt das Regime in meinen Augen häufig noch viel zu gut weg: Sei es dadurch, dass, wie im vorliegenden Fall, die Inszenierung der „Wahlen“ weitestgehend unkritisch übernommen wird, oder dadurch, dass führende iranische Politiker, die keinesfalls als moderat zu bezeichnen sind, interviewt und/oder in ein positives Licht gerückt werden.

  9. Parsa Kakashanian said, on Juni 8, 2009 at 8:46 am

    @ S1lG

    Es gibt allerdings auch innerhalb des Islamismus durchaus Unterschiede. Der Iran war das erste muslimische Land, das sich offen gegen die Taliban-Barbarei gestellt hat. Der saudische Staatsislamismus ist ebenfalls anderer Art als der von Khomeini inspirierte iranische. Und der türkische Islamismus à la Erdogan hat bisher sogar seine Kompatibilität mit der Demokratie bewiesen.

    @ Moe

    Bei der Presse geht es mir nicht um das „Regime“, sondern um das Land. Ich will, dass man auch im deutschsprachigen Europa merkt, dass die Menschen dort sehr liebenswürdig sind, und es eben nicht nur das Regime gibt.

    Und was das Regime angeht, ist die Presse einfach immer wieder überrascht. Persische Paradoxe, Iranische Inkompatibilitäten. Man hat ein Bild vom Iran – zumeist stereotyp völlig rückständig, völlig barbarisch, als ob dort dauernd Krieg auf den Straßen wäre. Und dann geht man, oder man beschäftigt sich eingehender, und huch, man stellt fest, es ist doch ein bisschen anders. Es gibt Synagogen in Teheran, 60% der Studenten sind Frauen, seit der Revolution hat die Alphabetisierung Sprünge gemacht, es gibt Wahlkampf, die Jungs rennen alle in Dolce & Armani Klamotten rum, die Mädchen haben dauernd NasenOPs, Amerika wird vergöttert, Shirin Ebadi erhält den Nobelpreis ohne umgebracht zu werden, Geschlechtsumwandlungen dürfen vollzogen werden, Iran kooperiert mit der UNO um sein eingestandenes Drogenproblem in den Griff zu bekommen… Gleichzeitig werden öfter mal Schwule gehängt, Frauen gesteinigt, kurdische Dörfer bombadiert, die Azeri komplett als Esel bezeichnet (obwohl Khamenei einer ist! oder: weil😉, Israel die Auslöschung herbeigewünscht, die Hamas unterstützt etc.. Gleichzeitig unterhält man gute Beziehungen zu Bagdad und Kabul, ist in den Golfstaaten hoch willkommen usw..

    Iran ist nunmal extrem komplex. Extrem anders als diese SteinzeitDiktatur in Nordkorea oder die brutale Gewaltdespotie Saddams. Es ist natürlich trotzdem eine Dikatur und encha’allah wird sich das irgendwann ändern. Trotzdem sollte man das komplette Bild berücksichtigen, und Iran nicht stereotyp zeichnen. Ich kann Sie alle nur einladen mal nach Iran zu reisen und sich vor Ort ein Bild zu machen. Sie werden keine Probleme haben mit der Bevölkerung in Kontakt zu treten. Vom Taxifahrer bis zum Uniprofessor – allen werden Sie ständig einladen und mit Kabab vollstopfen😉

  10. Parsa Kakashanian said, on Juni 8, 2009 at 8:51 am

    Wenn ich mir einen Literaturtip erlauben darf: Lesen Sie mal SOFTCORE von Tirdad Zolghadr. Ist auch auf deutsch erschienen, ziemlich kurz und vermittelt ihnen – neben einer bizarren Story – einen guten Einblick in die Beklopptheiten des modernen Molochs Teheran.

  11. willow said, on Juni 8, 2009 at 9:14 am

    @Parsa

    Ihnen würde ich Persepolis empfehlen… darin wird u.a. erklärt, warum so viele Perser zu uns gekommen sind – obwohl der Irand doch so ein lebendiges und wundervolles Land ist😉

    Und nein, trotz aller Anstrengungen Ihrerseits und Seitens unserer Medien – ich werde nicht ein Land bereisen, in dem Minderjährige und Schwule aufgehängt werden, Andersdenkende brutal verfolgt werden und selbst Besucherinnen sich verhüllen müssen. Da verzichte ich gern auf irgendwelche bunten Basare… vielleicht bin ich nicht ganz so leicht hinters Licht zu führen, wie die von ihnen erwähnten Journalisten – aber ich suche ja auch nicht krampfhaft nach Begründungen, die Verhältnisse im Iran schönzulügen.

    PS: Selbstverständlich käme ich auch nie auf die Idee, Saudi Arabien zu besuchen, obwohl unsere Medien von diesem Land ein noch unkritischeres Bild vorgaukeln.

  12. Carl said, on Juni 8, 2009 at 11:32 am

    Geschlechtsumwandlungen werden im Iran häufig an homosexuellen Männern vorgenommen.
    Durch diese „freiwillige“ Entscheidung, als Frau weiter zu leben, kann man nämlich der Strafverfolgung und Ermordung am Galgen durch den Staat entgehen, der man als Homosexueller zwangsläufig ausgesetzt wäre.

    Soviel zu der Bemerkung von Parsa Kakashanian’s Zitat: …Geschlechtsumwandlungen dürfen vollzogen werden… Zitat Ende

    http://www.belikeothers.com/

  13. beer7 said, on Juni 8, 2009 at 1:12 pm

    Ich muss gestehen, dass ich allmaehlich Interesse an Parsa entwickle.

    Hallo Parsa Kakashanian

    Wenn ich Ihre verschiedenen Kommentare auf diversen Blogs richtig zusammensetze, sind Sie Exiliraner. Wie alt waren Sie, als Sie den Iran verliessen? Nach Ihrem ausgezeichneten Deutsch zu schliessen, waren Sie moeglicherweise noch Kind.

    Ihre Einschaetzung der iranischen “Wahlen” hier finde ich sehr ausgereift und passend.

    Gleichzeitig hatte ich natuerlich auch schon Gelegenheit zu beobachten, dass Sie einige antisemitische (pardon antizionistische) Klischees unreflektiert verbreiten.

    Handelt es sich hier um eine Frage der Identitaet? Es muss schwierig sein, gleichzeitig das Mullahregime als haesslich erkennen, den groessten Teil des Lebens im Ausland zu verbringen, und sich gleichzeitig mit dem Iran verbunden zu fuehlen. Irgendetwas muss man da wohl von der durch den Iran vertriebenen Propaganda uebernehmen. In Europa bietet sich sicher der “israel-kritische” Teil an. Schliesslich sehen die “progressiven” Deutschen das nicht viel anders.

    Was Juden im Iran angeht. Ich sass 1994 im Ulpan (Hebraeischunterricht fuer Neueinwanderer) neben einem 17jaehrigen Juden aus Iran. Er war mit seiner Schwester ueber die Berge in die Tuerkei geflohen, von dort nach Deutschland geflogen, wo sie dann Einwanderung nach Israel machten. Ihre Eltern waren zu alt und gesundheitlich nicht in der Lage, diesen Fluchtweg mitzumachen. Die aelteren Geschwister waren schon verheiratet und hatten kleine Kinder, die sie ebenfalls nicht auf einer solchen Flucht gefaehrden wollten.

    Eine aehnliche Flucht wird in diesem weitgehend autobiographischen Buch beschrieben: https://zeitungfuerdeutschland.wordpress.com/2009/06/07/worte-der-woche-25/#comment-926

    Haben Sie Lust auf ein Gastspiel auf meinem Blog?

  14. Parsa Kakashanian said, on Juni 8, 2009 at 1:14 pm

    @ Willow

    Es geht mir nicht darum, das Regime schönzuzeichnen, es geht mir darum, die Komplexität des Landes herauszustellen, die sich eben nicht in Schwarz-Weiß-Bildern erschöpft. Dass Millionen Iraner geflohen sind, weiß ich selbst. Meine Familie gehörte auch dazu. Es gab und gibt weiterhin gute Gründe dies zu tun. Die meisten Iraner, die heute weggehen (und es sind viele) tun das aus Mangel an sozialen und ökonomischen Aufstiegschancen.
    Ihre Entscheidung, Iran nicht zu bereisen – allein aufgrund des Regimes – halte ich für borniert. Einerseits beschweren Sie sich, die Medien würden ein falsches Bild zeichnen, andererseits sehen sie sich selbst nicht in der Lage, dieses Bild zu überprüfen. Ist das die Angst, die eigenen Gewissheiten könnten beim Reality Check verlustigt gehen? Erinnert mich jedenfalls stark an die pseudolinken Spinner, die bis vor nem Jahr Amerika mieden, weil da ja Bush war… Haben Sie vielleicht schon mal darüber nachgedacht, dass es der inneren Opposition auch helfen könnte, wenn mal mehr Input von außen käme? Eine akzeptierte Exil-Opposition haben wir ja leider nicht.

  15. Parsa Kakashanian said, on Juni 8, 2009 at 1:19 pm

    @ Carl

    Der Film scheint interessant zu sein.

    Ich bezog mich darauf: „In the Islamic Republic of Iran, a country with strict social mores and traditional values, sex-change operations are legal. Over twenty years ago, Ayatollah Khomeini issued a fatwa (religious edict) making sex change permissible for „diagnosed transsexuals.“

    Dass Homosexualität legal sein würde, habe ich nie behauptet. Und es ist in der Tat schrecklich, wenn Homosexuelle jetzt Geschlechtsumwandlungen vollziehen. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass dies ein Massenphänomen ist. Ich kenne selbst Schwule im Iran. Die Situation ist gelinde gesagt, kompliziert. Weniger aufgrund der staatlichen Repression, als vielmehr aufgrund der Tatsache, dass Homosexualität in vielen Bevölkerungsschichten als anrüchig gilt (was keineswegs heisst, dass sie nicht stattfindet!). Ein Leben als offen geouteter Schwuler ist gänzlich unmöglich.

  16. S1IG said, on Juni 8, 2009 at 1:32 pm

    @Parsa Kakashanian
    Es ist schon klar, dass es innerhalb des Islamismus Unterschiede gibt – das ändert aber nichts an der Tatsache:

    […] es nur Islamisten zu wählen gibt […]

    und

    Iran ist […] eine Dikatur […]

    Ihre Forderung

    Trotzdem sollte man das komplette Bild berücksichtigen, und Iran nicht stereotyp zeichnen.

    ist verständlich – muss aber in Richtung deutsche Presse gehen – so wie im Ausgangsbeitrag in Bezug auf die „Wahlen“ geschehen.

    Gleichzeitig werden öfter mal Schwule gehängt, Frauen gesteinigt, kurdische Dörfer bombadiert, […]

    Mit Ihrer Wortwahl stilisieren Sie die Verbrechen einer Diktatoren-Clique zu einer Art Folklore – so redet man Dikaturen schön. Das haben die Linken immer wieder in Bezug auf die DDR versucht – für solche Leute war die DDR eine kommode Diktatur.

  17. Parsa Kakashanian said, on Juni 8, 2009 at 1:43 pm

    @ Beer

    Ich bin in Europa geboren, meine Familie ist persisch. In Deutschland gibt es jede Menge Perser. Wir sind ihr Arzt, ihr Abgeordneter, ihr Fernsehmoderator, ihre Lieblingsschauspielerin, und sogar ihre kommunistische Plattform. Mal ganz abgesehen von der Frau ihres Ex-Außenministers. Sehen Sie sich vor😉

    Meine vermeintliche „Identitätskrise“ als Iraner in Europa kann nicht viel schlimmer sein als die Ihre als Angehörige des Volks der Täter im Land der Opfer – um es mal ganz platt zu formulieren. Wie ist das so als Deutsche in Israel? Sicherlich nicht immer angenehm. Als Laienpsychologe könnte ich nun argumentieren, dass sie aus „Drang dazuzugehören wollen“ „israelischer“ als die Israelis werden. Sprich: sich schön rechtsaußen bei Likud&Lieberman einordnen, damit auch ja keiner auf die Idee kommt, sie würden mit den Arabs gemeinsame Sache machen. Aber gut, ich kenne sie nicht, daher unterstelle ich dies ihnen nicht. Es wäre halt nur möglich – aus laienpsychologischer Sicht.

    Was ihre „israel-kritischen“ deutschen Freunde angeht, so bieten die mir mitnichten eine Heimat. Sie verwechseln hier leider Perser mit Arabern. Wir Perser haben weder eine generelle oder historische Prädisposition zum Antisemitismus (wie die Deutschen und die Araber), noch das ständige Bedürfnis uns mit den Palästinensern zu solidarisieren (wie die Deutschen und die Araber). Sie wissen ja, wir Perser sind furchtbar nationalistisch (es gibt uns immerhin schon seit 3000 Jahren – damals saßt ihr Deutschen noch auf dem Baum und habt von Bananen geträumt), und Araber und noch dazu Sunniten, und das sind die Palis ja, das ist uns zutiefst suspekt. Die Zwangsislamisierung und -arabisierung vor der Ihr Israelis ja soviel Angst habt, die ist uns bereits vor über 1000 Jahren passiert. Wir hoffen inständig, dass Ahmadinedschad nicht der Schlußpunkt dieser Entwicklung sein wird.

    Glücklicherweise übrigens ist es möglich sich von nationalen Stereotypen zu emanzipieren und als aufgeklärter Mensch dem „Volksgeist“ ein Stück weit zu entfliehen.

  18. Parsa Kakashanian said, on Juni 8, 2009 at 1:50 pm

    @ S1lG

    Ich schreibe häufiger mal im saloppen Ton, man muss ja nicht ständig die ritualisierte Empörung (*Schweiß* *Trauer* *Entsetzen*) parat haben, sonst krepiert man noch an den Unzulänglichkeiten dieser Welt.

    Was das Thema angeht: Ich finde nicht, dass die deutsche Presse ein euphemistisches Bild des Iran zeichnet. Ich argumentiere selbst für eine kritische Sichtweise des Iran, aber eben keine Dämonisierung, wie sie in diesem Teil der Bloggosphäre stattfindet. Ich empfehle Ihnen die monatlichen Iran-Reporte der Heinrich-Böll-Stiftung, die vom pöhsen Appeaser, aber wahrscheinlich besten deutschen Irankenner, Bahman Nirumand, verfasst werden.

  19. willow said, on Juni 8, 2009 at 2:07 pm

    @Parsa

    Sie mögen es borniert finden, aber ich vermeide es tunlichst, unmenschliche Diktaturen zu unterstützen – und um eine solche handelt es sich beim Iran zweifellos.

    Und nein, ich verstehe nicht, wie man versuchen kann, das herunterzuspielen, zu relativieren…

  20. S1IG said, on Juni 8, 2009 at 2:17 pm

    @Parsa Kakashanian
    Der „saloppe Ton“ ist in Beziehung auf so traurige Themen eher unpassend. Oder besser : Er sorgt für Missverständnisse und Antipathie. Damit haben Sie hier scheinbar ein kleines Problem – wenn ich die Diskussionen hier in letzter Zeit verfolge.

    Was die deutsche Presse angeht, bin ich nicht Ihrer Meinung. Hier sehe ich viele Parallelen zur Zeit vor dem Mauerfall. Nach dem Motto: Es ist doch nicht so schlimm. Dämonisierung ist in meinen Augen auch eine Übertreibung. Und es geht den meisten Leuten um die Mullah-Clique – nicht um die Iraner selbst. Letztere sind bestimmt nicht das Problem.

    P.S. Danke für den Lesetipp – aber bitte nicht Personen immer gleich das Negative unterstellen. Ihre versuchte „Kollektivierung“ ist unpassend.

  21. Parsa Kakashanian said, on Juni 8, 2009 at 4:02 pm

    @ Willow

    „unmenschliche Diktaturen“

    Gibt es auch ‚menschliche‘, oder ist das ne Tautologie?

    Inwiefern unterstütze ich denn die Diktatur, wenn ich nach Iran fahre? Das müssen Sie mir erklären!

    @ S1lG

    Ich halte Dämonisierung für keine Übertreibung. Ich beziehe mich nicht speziell auf diesen Blog, aber auf Personen, die im erweiterten ideologischen Umfeld agieren. Osten-Sacken, oder Küntzel beispielsweise, oder die sog. Achse des Guten (sind ja alle hier verlinkt), inklusive dem Rechtsableger PI-news. Dort wird eben nicht differenziert, sondern dämonisiert. Die antideutschen Kollegen um Küntzel sind auch ganz schnell beim Nazivergleich, und der Nazigleichsetzung. Und das ist eben völlig unseriös, auch wenn die sich mit pseudowissenschaftlichem Geplänkel umgeben. Da wird nicht aufgeklärt – weil Wahrheit gar nicht das Ziel ist – da wird dämonisiert, weil eine ideologische Agenda verfolgt wird.

  22. Mr. Moe said, on Juni 8, 2009 at 5:43 pm

    @Parsa Kakashanian:

    Ich argumentiere selbst für eine kritische Sichtweise des Iran, aber eben keine Dämonisierung, wie sie in diesem Teil der Bloggosphäre stattfindet.

    Ich sehe nach wie vor nicht, warum es eine „Dämonisierung“ sein soll, das Mullah-Regime als widerwärtiges und menschenverachtendes Regime zu bezeichnen. Sie selbst fordern ständig für alles Belege: Wie wäre es, wenn Sie Belege dafür liefern, dass die von Ihnen kritisierten Personen und Seiten „Dämonisierung“ betreiben?

    Ich beziehe mich nicht speziell auf diesen Blog, aber auf Personen, die im erweiterten ideologischen Umfeld agieren. Osten-Sacken, oder Küntzel beispielsweise, oder die sog. Achse des Guten (sind ja alle hier verlinkt), inklusive dem Rechtsableger PI-news. Dort wird eben nicht differenziert, sondern dämonisiert. Die antideutschen Kollegen um Küntzel sind auch ganz schnell beim Nazivergleich, und der Nazigleichsetzung.

    Wenn Sie schon fordern, immer alles differenziert zu betrachten, dann seien Sie bitte auch konsequent: Weder bei der „Achse des Guten“ noch bei den „Antideutschen“ handelt es sich um eine homogene Gruppe. Zumal zumindest meiner Wenigkeit auch nicht bekannt ist, dass Küntzel, von der Osten-Sacken oder die „Antideutschen“ Nazigleichsetzung betrieben (im Gegenteil).

  23. Arne Wetzstein said, on Juni 8, 2009 at 6:03 pm

    Hallo Parsa Kakashanian,

    in wenigstens einem Punkt muss ich mich Beer anschließen: Ich finde Ihre Beiträge außerordentlich interessant. Ich staune auch, wie es Ihnen gelingt, gegenüber dummen, beleidigenden und prahlerischen Äußerungen anderer Diskussionsteilnehmer (wie im Stream zum vorherigen Thema), die hinterher den Betreiber dieses Blogs auch noch weinerlich auffordern, Sie aus der Diskussion auszuschließen, die Ruhe zu bewahren und jedes der hier vorgebrachten Argumente ruhig auf seine stichhaltigkeit abzuklopfen. Neben den Arbeiten der Heinrich-Böll-Stiftung finde ich übrigens auch Iran-Dossiers der Uni Kassel sehr hilfreich zum Verständnis von Politik und Gesellschaft im Iran.

    Manchmal verstehe ich diese glaubenskriegartige Hitzigkeit der Diskussion zum Thema Persien nicht. Ich denke, es gibt hier keinen, der das Regime der Ayatollahs goutiert (und auch das in „Worte der Woche“ von Mr. Moe aufgepickte Pressezitat ist wirklich eines kritischen Kommentars würdig), andererseits will mir nicht in den Kopf (ecce Willow), warum man ein Land wie den Iran nicht bereisen sollte und es ablehnen kann, mit den Menschen dort ins Gespräch kommen zu wollen, nur weil einem die politischen Verhältnisse dort nicht passen. Wenn man danach ginge, würde man seine Bewegungsfreiheit doch bedenklich einschränken.

    Noch etwas zu unserer „deutschen Lieblingsschauspielerin“: War Ihr Vater nicht mal Botschafter und später in eine etwas undurchsichtige Korruptionsaffäre verwickelt, deren Ausgang irgendwo im Nebel des Kleingedruckten versandete?

    Den von Ihnen empfohlenen Roman habe ich mir übrigens bestellt, um ihn in fünf Tagen am Strand zu lesen. In einem nicht so weit entfernten Land, dessen politisches System ich ebenfalls strikt ablehne. Arreviderci, ciao! :o)

  24. Parsa Kakashanian said, on Juni 8, 2009 at 6:39 pm

    @ Moe

    Dämonisierung ist, wenn man im Anderen das absolut Böse erkennt, und sich selbst zum alleinigen Verwalter der absoluten Wahrheit stilisiert. Wer die iranische Geschichte kennt, der weiß, dass es etwas komplexer ist. Der hochgelobte Westen hat sich des öfteren die Finger schmutzig gemacht – so schmutzig, dass seine vermeintlich unangreifbare moralische Position kaum haltbar ist.

    Der Iran – schlechthin das absolut Böse – wird für politikunfähig erklärt. Mit solchen Schmuddelkindern redet man nicht, die gehören isoliert. Mal ganz abgesehen davon, ob der Westen/Amerika damit seinen Zielen irgendwie näher kommt (wie erfolgreich war die amerikanische Konfrontationspolitik der letzten 30 Jahre?), ist doch fraglich, wieso man auf andere Staaten/Regime nicht die gleichen Standards anwendet. Was ist mit China, mit Saudi Arabien, mit Ägypten, mit Russland, mit Algerien, mit Pakistan? Sind das ganz objektiv betrachtet „menschlichere“ Diktaturen? Was ist mit der jahrelangen Unterstützung der Amerikaner für die Taliban? Glauben Sie wirklich, es ginge dem Westen um den Kampf gegen den „Islamismus“?

    „Weder bei der “Achse des Guten” noch bei den “Antideutschen” handelt es sich um eine homogene Gruppe.“

    Da haben Sie recht. Die sind nicht völlig homogen, sie müssten eigentlich gegensätzlich sein. Sie haben unter „Nachrichten“ auch die Jungle World und das Wall Street Journal verlinkt. Also selbsternannte radikale Antikapitalisten und – platt ausgedrückt – das Zentralorgan des Börsenkapitalismus. Widerspruch? Eigentlich ja, allerdings vereint beide ja eine ideologische Stoßrichtung, die ihrerseits noch keinen allgemein akzeptierten Namen trägt. Nennen wir sie Demokratismus, alternativ auch Neokonservatismus, wobei sich die Antideutschen daran stören würden. Es ist die Ideologie eines radikalen Fortschrittsglaubens, der in der bürgerlichen Demokratie und im Kapitalismus das allein seligmachende Ende der Geschichte erkennt, und zu deren Herbeiführung alle Mittel, d.h. auch Gewalt, auch Krieg legitimiert. Sie mögen einwenden, dass die Antideutschen den Kapitalismus nicht als das Ende sehen, jedoch ist er für sie eine Naturnotwendigkeit, die erst durchgesetzt werden muss – auch mit Gewalt (deshalb jubelte Bahamas&Jungle World ja über den Irak-Krieg), um Nationalismus und ‚Volksgemeinschaft‘, traditionelle Strukturen und alle Arten der kollektivistischen Rückständigkeiten zu überwinden, ehe an seine Stelle eine nirgends genauer definierte kommunistische Gesellschaftsordnung tritt.

    „die “Antideutschen” Nazigleichsetzung betrieben (im Gegenteil).“

    Die betreiben sie ständig. Ihre ganze ideologische Verfasstheit ist ja darauf aufgebaut, den Nationalsozialismus (und seinen Kern: den Antisemitismus) stets aufs neue zu erkennen und zu bekämpfen.

    Küntzel selbst spricht mit Bezugnahme auf die Palästinenser von „Industrie des Todes“ (Anspielung auf den industriellen Völkermord der Nazis), er bezeichnet die Hamas als „islamfaschistisch“ (merke: Islamismus und Nationalsozialismus sind eins). Die angeblich „faschistisch durchsetzte Homogenität“ stellt er mit dem „islamistischen Homogenitätsideal“ gleich. Ebenso schreibt er, dass der Antisemitismus den ideologischen Kern, schlechthin das Wesensmerkmal des „modernen Dschihadismus“ darstellt (merke: Antisemitismus war auch das Wesensmerkmal des Nationalsozialismus.). Sehr häufig erwähnt er auch den „atomaren Holocaust“, der bei einer iranischen Bombe drohe.

    Quellen: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/politischeliteratur/131678/
    http://www.perlentaucher.de/buch/16048.html
    http://www.ndrinfo.de/interviews/interviews1314.html

    Küntzel spricht weder arabisch, noch persisch. Er hat nie länger in einem muslimischen Land gelebt. Er wird von der Islamwissenschaft – ob in Deutschland oder Amerika – nicht ernstgenommen. Er betreibt keine wissenschaftliche Analyse des Islamismus, sondern er hat die ideologische Mission, diesen unter Heranziehungen historischer Analogien mit dem Nationalsozialismus gleichzusetzen. Ziel ist – und darauf läuft auch die Diffamierung Andersdenkender als „Appeaser“ hinaus – einen Krieg vom Zaun zu brechen. Um zu testen, wie weit man da gehen kann, laden Küntzels Kollegen zur „Iran-Konferenz“ des sog. Mideast Freedom Forum auch schon mal jemanden wie den israelischen Historiker Benny Morris ein. Der plädiert ganz nonchalant und in einer großen deutschen Zeitung für den NUKLEAREN ERSTSCHLAG gegen Teheran. Natürlich nur um dem nuklearen Holocaust zu entgehen. Wenn solche Leute irgendwann Politik machen, dann gnade uns Gott. Die demokratistische Ideologie wird nicht nur die Freiheit – ihr angeblich hehrstes Ziel – vernichten, sondern die Welt gleich mit.

    Die Iran-Konferenz gibt (gabs) hier: http://www.mideastfreedomforum.org/de/node/38
    Benny Morris‘ aufbauende Gedanken zum nuklearen Erstschlag hier: http://www.welt.de/wams_print/article2231087/Der_kommende_Atomkrieg_zwischen_Iran_und_Israel.html

  25. Parsa Kakashanian said, on Juni 8, 2009 at 6:47 pm

    @ Arne Wetzstein

    Spielen Sie auf Sadegh Tabatabai an? Der ist dereinst mit Khomeini und dem ollen Scholl-Latour zusammen im Flugzeug nach Teheran zurückgekehrt. Er war ein Vertrauer Khomeinis und wurde später mal mit ziemlichen Mengen Opium auf einem deutschen Flughafen erwischt. Unter dubiosen Bedingungen hat man ihn nach Einschaltung der Bundesregierung dann wieder ziehen lassen. Ich weiß aber nicht, ob er der Vater von Jasmin ist. Ich glaube eher nicht, obwohl er meines Wissens nach auch gut deutsch sprach/spricht und hier studiert hat.

  26. S1IG said, on Juni 8, 2009 at 7:03 pm

    @Parsa Kakashanian

    Der Iran – schlechthin das absolut Böse – wird für politikunfähig erklärt.

    Falsch! Das gilt für die Mullah-Dikatur! Ich glaube darauf wurde schon mehrfach hingewiesen. Sie verdrehen immer wieder diese beiden Punkte – es geht nicht um das Land oder die Bevölkerung – es geht um die Unterdrücker. Entweder wollen Sie mit Macht von diesem Fakt ablenken oder Sie stellen sich nur ungeschickt an (s. salopper Ton).

    Was die doppelten Standards bezüglich China usw. angeht haben Sie im gewissen Maß recht – doch diese Länder haben noch nie damit gedroht Israel nuklear von der Landkarte zu radieren!

    P.S. Hinweis: Es gibt einen Unterschied zwischen Mushahadeen und Taliban. Eine Diskussion darüber würde ablenken und soll kein Thema sein (s. Hausregeln v. Mr. Moe!).

  27. willow said, on Juni 8, 2009 at 7:15 pm

    andererseits will mir nicht in den Kopf (ecce Willow), warum man ein Land wie den Iran nicht bereisen sollte und es ablehnen kann, mit den Menschen dort ins Gespräch kommen zu wollen, nur weil einem die politischen Verhältnisse dort nicht passen.

    Sie hatten nie das zweifelhafte „Vergnügen“ in einem totalitär regierten Staat zu leben? Aber zumindest die DDR dürften sie aus Erzählungen kennen … glauben sie, daß DDR-Besucher „einfach so“ eine Chance hatten, sich ein realistisches Bild von den Zuständen zu machen!?

    Meiner Stasiakte konnte ich entnehmen, daß etliche der interessierten, neugierigen, progressiven Besucher aus der Bundesrepublik nicht ganz das waren, was ich erhoffte – und ich kenne Gegenbeispiele, daß interessierte Westbesucher ganz gezielt von ausgewählten „linientreuen“ Genossen betreut wurden.

    Sie können davon ausgehen, daß jeder Taxifahrer, jeder Teestubenbetreiber, jeder Herbergsvater zumindest angehalten ist -unter androhung drakonischer Strafen- Besuchern das richtige Bild vom Lande zu vermitteln. Schlimmer noch, wenn sie „vor Ort“ tatsächlich eine Beziehung zu ganz normalen Leuten aufbauen, dann bringen sie diese sehr schnell in eine fürchterliche Gefahr… oder glauben sie im Ernst, Besucher aus der westlichen Welt werden im Iran nicht observiert!?

    Mal ganz davon abgesehen, daß ich mit meinen israelischen Stempeln im Paß vermutlich nicht mal in das Land gelassen würde…

  28. Parsa Kakashanian said, on Juni 8, 2009 at 7:22 pm

    @ S1lG

    „Falsch! Das gilt für die Mullah-Dikatur!“

    In dem Fall spreche ich aber vom Iran als Staat und nicht als Gesamtheit seiner Bevölkerung. Und der Iran als Staat ist nunmal die „Mullahdiktatur“.
    Übrigens unterstelle ich Ihnen oder jemand anders hier keineswegs, das Regime mit der Bevölkerung gleichzusetzen.

    „nie damit gedroht Israel nuklear von der Landkarte zu radieren!“

    Die Leute, die dies behaupten, berufen sich auf ein einziges (!) Zitat. Rafsandschani hat in einem Freitagsgebet im Jahre 2001 folgendes gesagt:

    „If one day … Of course, that is very important. If one day, the Islamic world is also equipped with weapons like those that Israel possesses now, then the imperialists‘ strategy will reach a standstill because the use of even one nuclear bomb inside Israel will destroy everything. However, it will only harm the Islamic world. It is not irrational to contemplate such an eventuality.“

    Ohne Zweifel beängstigend. Allerdings konstruiert sich der Satz nach dem logischen Muster: Wenn eines Tages – dann könnten sie nicht mehr – denn wir könnten ihnen viel mehr Leid zufügen, als sie uns. Über den Einsatz der Atombombe (gegen Iran) haben sehr ähnlich auch schon Jacques Chirac und Hillary Clinton laut kontempliert. Rafsandschani spricht jedenfalls in Eventualitäten und nicht davon so schnellst als möglich Israel atomar zu vernichten.

    Im übrigen spricht sich sonst jeder iranische Politiker gegen die Atombombe aus. Allen voran Khamenei, der wie Khomeini meint, sie wäre nicht mit dem Islam zu vereinen. Der Iran müsste zumindest ideologische Strechübungen machen, wenn er sie eines Tages doch besitzen sollte. Ein einziges Zitat eines hochrangigen Politikers definiert bis jetzt aber noch kein Staatsziel. Staatsziel ist die Beseitigung des „zionistischen Gebildes“, allerdings hat kein iranischer Politiker davon gesprochen alle Juden umzubringen. Iran strebt gewissermaßen für Israel dasselbe an, wie Bushs Amerika für Iran: einen Regime Change, der zu einem Staat führt, in dem Juden und Araber (+Flüchtlinge) gemeinsam leben – am liebsten natürlich einen Islamischen Staat, aber das überlässt Teheran dann doch den Palästinensern (die nicht-islamische Fatah hat man ja dereinst genauso unterstützt, und der säkulare Arafat wurde in Teheran schon kurz nach der Revolution hofiert.).

    „Unterschied zwischen Mushahadeen und Taliban“

    Da haben Sie recht. Die Taliban sind aus paschtunischen Mudjaheddin hervorgegangen. Sie wurden trotz ihrer Ideologie von den Amerikanern und den Pakistanis unterstützt. Zumindest bis 1999. Und selbst unter Bush wurde vor dem 11.09. nachgedacht, sie zu hofieren (Zentralasien-Pipeline).

  29. Parsa Kakashanian said, on Juni 8, 2009 at 7:33 pm

    @ Willow

    Die DDR war zwar ein Überwachungsstaat, allerdings gab es sehr wohl auch Kontakte, bei denen die Stasi nicht dabei war. Ich persönlich kenne Leute, die mit Westlern befreundet waren, und die auch besucht wurden. Immerhin war das ein Land – eine Sprache. Da konnte man sich als Westdeutscher, und viele hatten freundschaftliche odr familiäre Kontakte, schon ein genaues Bild von der DDR machen.

    Was ebenfalls unsinnig ist, ist eine Gleichsetzung der Zustände im Iran mit denen in der DDR. Die Iraner wären zwar gerne wie ihr vemeintlich arisches Brudervolk, die Deutschen, allerdings ist es mit der Effizienz doch nicht so weit. Sprich: die geheimdienstliche Durchdringung der Gesellschaft ist viel geringer. Ich kann ihnen versichern, dass es durchaus möglich ist, freundschaftlichen Kontakt zu Iranern aufzubauen, ohne dass alles vom Geheimdienst mitgeschnitten wird. Die Leute sind erstaunlich offen und sagen gerade Ihnen als Ausländern ständig wie schrottig die Zustände im Lande sind. Keinem Ausländer wurde da ein rosiges Bild vorgegaukelt. Wenn Sie Brite oder Amerikaner sind, dann schmeißen sie die Behörden auch ganz gerne mal raus – wobei denen völlig egal ist, was sie denken. Als Deutscher ist man relativ unbehelligt. Natürlich gilt es auch hier, sich nicht völlig daneben zu benehmen. Wer in Shorts oder mit God-bless-the-USA-TShirt durch Teheran flitzt und weithin vernehmbar über die Mullahdiktatur schimpft, der wird auch Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

    „israelischen Stempeln im Paß“

    Der Trend geht zum Zweitpaß. Ich habe meinen gerade beantragt. Das ist überhaupt kein Problem.

  30. Mr. Moe said, on Juni 8, 2009 at 7:59 pm

    @Parsa Kakashanian:

    die Leute, die dies behaupten, berufen sich auf ein einziges (!) Zitat

    Bezüglich dieses Satzes und ihren darauf folgenden Ausführungen: Sofern Sie hier weiter kommentieren möchten, rate ich Ihnen, zu diesem Thema nichts mehr zu schreiben. Gegen solch‘ offensichtlichen Schwachsinn reagiere ich allergisch, vor allem auf folgendes:

    Staatsziel ist die Beseitigung des „zionistischen Gebildes“, allerdings hat kein iranischer Politiker davon gesprochen alle Juden umzubringen. Iran strebt gewissermaßen für Israel dasselbe an, wie Bushs Amerika für Iran: einen Regime Change, der zu einem Staat führt, in dem Juden und Araber (+Flüchtlinge) gemeinsam leben

    Um es klipp und klar zu sagen: Noch ein Zitat solcher Güte, und Sie sind raus. Und nein, da ich angekündigt habe, solche Äußerungen hier nicht zu tolerieren, wird in diesem Punkt ausnahmsweise auch einmal nicht diskutiert. Und um es transparent für alle Beteiligten zu machen: Alles, was Sie zu diesem Thema schreiben, wird kommentarlos gelöscht. Ich werde hier auch keine Diskussion über dieses Vorgehen dulden.
    Ich bitte demnach auch andere Kommentatoren, nicht auf diese Äußerungen Parsa Kakashanians zu antworten.

  31. […] – siehe Algerien – autoritäre Staaten. Durch die islamische Revolution ist der Iran zu einem totalitären Staat geworden – aber für romantische 68er-Totalitarismus-Fans war […]

  32. Mr. Moe said, on Juni 8, 2009 at 9:19 pm

    @Parsa Kakashanian:

    Der Iran – schlechthin das absolut Böse – wird für politikunfähig erklärt. Mit solchen Schmuddelkindern redet man nicht, die gehören isoliert.

    Oder besser noch: abgeschafft.

    Was ist mit China, mit Saudi Arabien, mit Ägypten, mit Russland, mit Algerien, mit Pakistan? Sind das ganz objektiv betrachtet „menschlichere“ Diktaturen?

    Die von Ihnen angesprochene Doppelmoral ist zu kritisieren, so es sie denn gibt. Bei den von ihnen genannten Autoren und den meisten „Antideutschen“ kann ich sie jedoch nicht feststellen. Abgesehen davon hat S1IG ja auf den kleinen, aber in Augen, die nicht die Ihrigen sind, nicht unbedeutenden Umstand der angekündigten Vernichtung Israels seitens der Mullahs hingewiesen (über den jedoch, siehe oben, hier nicht mehr diskutiert wird).

    Sie haben unter „Nachrichten“ auch die Jungle World und das Wall Street Journal verlinkt. Also selbsternannte radikale Antikapitalisten und – platt ausgedrückt – das Zentralorgan des Börsenkapitalismus. Widerspruch? Eigentlich ja, allerdings vereint beide ja eine ideologische Stoßrichtung, die ihrerseits noch keinen allgemein akzeptierten Namen trägt. Nennen wir sie Demokratismus, alternativ auch Neokonservatismus, wobei sich die Antideutschen daran stören würden.

    Es ist fast schon rührend zu sehen, wie Sie sich um eine Einordnung meines Blogs in eine passende Schublade bemühen.

    Ihre [die Antideutschen, Mr. Moe] ganze ideologische Verfasstheit ist ja darauf aufgebaut, den Nationalsozialismus (und seinen Kern: den Antisemitismus) stets aufs neue zu erkennen und zu bekämpfen.

    Antisemitismus ist ein weltweit verbreitetes Phänomen und braucht demnach nicht erst noch von „Antideutschen“ „stets aufs neue“ erkannt werden.

    Küntzel selbst spricht mit Bezugnahme auf die Palästinenser von „Industrie des Todes“ (Anspielung auf den industriellen Völkermord der Nazis), er bezeichnet die Hamas als „islamfaschistisch“ (merke: Islamismus und Nationalsozialismus sind eins). Die angeblich „faschistisch durchsetzte Homogenität“ stellt er mit dem „islamistischen Homogenitätsideal“ gleich. Ebenso schreibt er, dass der Antisemitismus den ideologischen Kern, schlechthin das Wesensmerkmal des „modernen Dschihadismus“ darstellt (merke: Antisemitismus war auch das Wesensmerkmal des Nationalsozialismus.). Sehr häufig erwähnt er auch den „atomaren Holocaust“, der bei einer iranischen Bombe drohe.

    Ich habe eigentlich weder Zeit noch Lust, eine zusammenhangslose Zitateansammlung aus Küntzels Feder zu kommentieren. Insbesondere dann nicht, wenn Sie die Zitate auch noch falsch umschreiben (z.B. spielt die „Industrie des Todes“, deren Begriff Küntzel übrigens vom Gründer der Muslimbrüder übernimmt, nicht auf den „industriellen Völkermord der Nazis“ an, sondern die „Todessehnsucht der Märtyrer“). Über den Begriff „Islamofaschismus“ habe ich mit Ihnen bereits andernorts diskutiert (übrigens sind Nationalsozialismus und Faschismus nicht, wie von Ihnen hier impliziert, das Gleiche). Es ist zudem bezeichnend, dass Sie sich auf Küntzel konzentrieren. Haben Sie auf die Schnelle keine entsprechenden Zitate von anderen Autoren gefunden? (Anmerkung: diese Frage ist rhetorisch und sollte daher nicht als Aufforderung zu einer weiteren Google-Recherche missverstanden werden)

    Küntzel spricht weder arabisch, noch persisch. Er hat nie länger in einem muslimischen Land gelebt.

    Ein fantastisches Argument, das sämtliche seiner Analysen natürlich auf einen Schlag untauglich macht.

    Ziel ist – und darauf läuft auch die Diffamierung Andersdenkender als „Appeaser“ hinaus – einen Krieg vom Zaun zu brechen.

    Gratuliere, Sie haben Küntzel, die „Antideutschen“, die „Neocons“, die „Zeitung für Schland“ und alle anderen durchschaut, die die Welt nicht durch ihre rosa Obama-Brille sehen.

    Um zu testen, wie weit man da gehen kann, laden Küntzels Kollegen zur „Iran-Konferenz“ des sog. Mideast Freedom Forum auch schon mal jemanden wie den israelischen Historiker Benny Morris ein. Der plädiert ganz nonchalant und in einer großen deutschen Zeitung für den NUKLEAREN ERSTSCHLAG gegen Teheran.

    Es ist schon faszinierend: In Bezug auf das Mullah-Regime wird bis ins kleinste differenziert und jede Äußerung sogleich relativiert und/oder entschuldigt respektive (v)erklärt (siehe oben). Was hat Morris gesagt? Folgendes:

    Das alles bedeutet, dass Israels Politiker die Wahl haben zwischen Pest und Cholera: Entweder sie erlauben den Iranern, in den Besitz der Bombe zu kommen, und hoffen das Beste (nämlich auf ein atomares Patt, bei dem die garantierte gegenseitige Zerstörung die Iraner davon abhält, die Bombe tatsächlich einzusetzen), oder sie greifen an und beantworten die iranischen Gegenschläge, die den Einsatz chemischer und biologischer Sprengköpfe enthalten könnten, mit der Eskalation des Konflikts. Dann könnte Israel mit dem einzigen Mittel zuschlagen, das die Ausschaltung des iranischen Atomprojekts sicherstellt, nämlich seinem Nukleararsenal.

    Angesichts der fundamentalistischen, zur Selbstaufopferung bereiten Haltung der Mullahs wird die Abschreckung vielleicht nicht funktionieren. Folglich ist ein israelischer Atomschlag wahrscheinlich. Bleibt die israelische Präventivaktion aus, dürfte ein nuklearer Angriff des Irans auf Israel erfolgen, sei es aus ideologischen Gründen, sei es aus Angst vor einem israelischen Erstschlag. Das wiederum ließe eine israelische (oder amerikanische) Vergeltung erwarten. So oder so aber droht in Nahost ein nuklearer Holocaust.

    Aus alledem folgt, dass die politischen Führer des Iran gut daran täten, ihr Vabanquespiel zu überdenken und ihr Atomprogramm ruhen zu lassen. Tun sie das nicht, sollten sie alles unternehmen, damit Israels konventioneller Luftangriff auf die Atomanlagen ihres Landes erfolgreich ist. Ohne Frage wird ein solcher israelischer Militärschlag Tausende Opfer fordern und mit einer internationalen Demütigung Teherans einhergehen. Doch die Alternative besteht in einem zu atomarem Ödland reduzierten Iran. Manche Iraner mögen der Meinung sein, dass die Aussicht auf den Untergang Israels diesen Preis wert ist. Die Mehrheit der Iraner indes dürfte das anders sehen.

    Daraus abzuleiten, dass Morris einen – Ihren Ausführungen nach zudem offenbar willkürlichen – nuklearen Erstschlag befürwortet, ist mehr als absurd. Und, um mich zur Abwechslung auch mal auf das Niveau eines Hobby-Psychologen zu begeben: vermutlich dadurch erklärbar, dass Morris in Ihren Augen ein „Verräter“ ist.

    Eine Antwort auf diesen Kommentar können Sie sich übrigens getrost sparen, da die Diskussion einmal mehr abgedriftet ist (wofür ich, so viel Fairness muss sein, mitverantwortlich bin) und daher an dieser Stelle nicht mehr fortgeführt werden sollte. Zumal Sie sich auch in diesem Kommentar heftigst im Ton vergriffen haben, weshalb ich Sie ein zweites Mal verwarne: dass Sie die Vernichtungsdrohungen der Mullahs hier herunterspielen und gleichzeitig Morris fälschlicherweise unterstellen, für einen nuklearen Angriff auf den Iran zu sein, werde ich hier nicht weiter tolerieren. Angesichts dessen werden Sie gewiss Verständnis dafür aufbringen, dass ich eventuell heute Nacht verfasste Kommentare von Ihnen erst im Laufe des morgigen Tages freischalten kann.

  33. Bernd Dahlenburg said, on Juni 8, 2009 at 10:05 pm

    @Parsa:

    Sie schreiben:

    Küntzel spricht weder arabisch, noch persisch. Er hat nie länger in einem muslimischen Land gelebt.

    Sprechen Sie Hebräisch oder Ivrith? Und haben Sie schon länger in Israel gelebt? Und trifft das auch auf Ihre Gesinnungsgenossen zu?

    Wo Sie Ihre „Argumente“ immer hernehmen. Abenteuerlich!

    Ich habe übrigens auch noch nie in einem muslimischen Land gelebt – auch nicht in Israel. Auch spreche ich nicht Arabisch und nur sehr mittelmäßig Hebräisch oder Ivrith, auch wenn ich Althebräisch einmal (einigermaßen) gelernt hatte.

    Bin ich jetzt in Ihren Augen disqualifiziert?

    P.S.: Ich bewundere Mr. Moes Geduld!

    Überprüfen Sie doch bitte einmal, ob Sie dieser Aufmerksamkeit auch in gebührender Weise gerecht werden.

  34. Parsa Kakashanian said, on Juni 8, 2009 at 10:14 pm

    „gleichzeitig Morris fälschlicherweise unterstellen, für einen nuklearen Angriff auf den Iran zu sein“

    Sie argumentieren hier gegen die Realität. Ich zitiere aus der Titelzeile eines Interviews, das Benny Morris dem österreichischen Standard gegeben hat:

    „Der israelische Historiker Morris sagt im Interview mit derStandard.at, nur ein atomarer Präventivschlag könne das Atomprogramm des Iran stoppen.“

    http://derstandard.at/?url=/?id=3325698%26sap=2%26_pid=9470796

    Aus seiner Sicht kann es keine diplomatische Lösung geben (so sagt er), es könne auch nichts den Iran abhalten, sich die Bombe zu besorgen, da das ja alles irrationale Irre seien (so argumentiert er).
    Rein logisch müsste es dann gleich losgehen, wenn Morris am roten Knopf säße. Bleibt nur noch das klitzekleine Problem, dass ja keiner so genau weiß wo das vermeintlich geheime iranische Atomprogramm nun wirklich so steckt. Aber gut, wenn der ganze Iran auf „atomares Ödland“ reduziert ist, dann wird man schon auch das Nuklearprogramm getroffen haben – neben Millionen Kollateralschäden.

  35. Arne Wetzstein said, on Juni 8, 2009 at 10:34 pm

    @ Moe

    Ich äußere mich normalerweise nie in solchen Blogs und habe es vorhin überhaupt das allererste mal getan. Und was ich Ihnen jetzt schreibe, ist ohnehin nicht zur Freigabe bestimmt, aber angesichts Ihrer Reaktion auf den letzten Betrag von Parsa K., frage ich mich: Was stört Sie ausgerechnet an DIESEM einen Zitat? Ich bin zwar durchaus nicht mit allen Sichtweisen des Parsa K. einverstanden. Aber in den von Ihnen inkriminierten Sätzen ist nicht eine einzige Unrichtigkeit zu finden. Gehen wirs doch mal einzeln durch:

    „Staatsziel ist die Beseitigung des “zionistischen Gebildes”
    (richtig; steht im 2. Verfassungszusatz)

    „Allerdings hat kein iranischer Politiker davon gesprochen alle Juden umzubringen“

    (jedenfalls keiner , den man kennt – nicht mal Achmachmirden…)

    „Iran strebt gewissermaßen für Israel dasselbe an, wie Bushs Amerika für Iran: einen Regime Change, der zu einem Staat führt, in dem Juden und Araber (+Flüchtlinge) gemeinsam leben“

    (auch richtig: Bush, Rice und der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte haben sich mehrfach für einen notfalls gewaltsamen Regime Change in Iran ausgesprochen. Und Iran will eine Ein-Staaten-Lösung für „Palästina“. Zwar ist unerheblich, was der Iran sich für Israel wünscht, aber auch dieser Satz entspricht absolut den Tatsachen. Wenn ich Parsa K. richtig verstanden habe, identifiziert er sich aber gar nicht mit dieser Position.

    Warum Ihnen also augerechnet an diesem Punkt die Gäule durchgehen und sie darüber ein allgemeines Denk- und Redeverbot verhängen, bleibt mir rätselhaft. Obendrein gehört es zum von Ihnen angeschnittenen Thema. Stattdessen dulden Sie Äußerungen eines notorischen primitiven Pöbelheinis wie Herrn Cassula, der unablässig Diskussionsteilnehmer mit schon an Joseph G. gemahnende Lieblichkeiten beglückt. Kleine Auswahl: „Ihr Niveau liegt nur einen Millimeter über der Grasnabe“; „Sie machen sich lächerlich“; „Sie arme Wurst“; „Typen wie Sie“ usw. usf. Schließlich prahlt er mit seinem albernen Presseausweis herum, raunt bedeutungsvoll , dass er ganz wichtige Leute kenne und reagiert auf die zurückschwappende Ironie wie ein bei seiner Mama schreiend Schutz suchendes Kind, indem er Ihnen schreibt „Ich glaube übrigens nicht, dass sich hier irgendjemand ausgerechnet FtC oder Parsa K. gegenüber legitimieren muss. Oder bist du hier nicht mehr der Hausherr?“

    Der Hausherr reagierte wie auf Kommando und schloss den String.

    Wahrhaft eine moralische Großtat!

  36. Bernd Dahlenburg said, on Juni 8, 2009 at 10:57 pm

    @Arne Wetzstein:

    “Allerdings hat kein iranischer Politiker davon gesprochen alle Juden umzubringen”

    (jedenfalls keiner , den man kennt – nicht mal Achmachmirden…)

    Und wie ist es mit Rafsanjani?

    Der hat 2001 gsagt, dass ein atomarer Angriff auf Tel Aviv oder Haifa zu verschmerzen sei, weil die israelische Reaktion „nur“ etwa 15 Mio. Iraner das Leben kosten würde?

    Das Googeln überlasse ich Ihnen, weil ich keine Lust habe, auch noch diese Aufgabe für Sie zu übernehmen.

    Aber glauben Sie mir – es stimmt.

  37. Bernd Dahlenburg said, on Juni 8, 2009 at 11:00 pm

    @Nachtrag an Arne Wetzstein:

    Suchen Sie bitte im Kontext mit Daniel Goldhagen.

    Ich finde es auch, wenn es sein muss, weil ich das selbst schon verasrbeitet hatte, hoffe aber darauf, das mir jemand hier die Arbeit abnimmt.

    Sie verstehen sicher, dass ich mir meine Zeit etwas anders einplane als Sie weil ich drei Blogs zu führen habe.

  38. Bernd Dahlenburg said, on Juni 8, 2009 at 11:07 pm

    @Nachtrag zu Arne Wetzstein (II):

    Stattdessen dulden Sie Äußerungen eines notorischen primitiven Pöbelheinis wie Herrn Cassula, der unablässig Diskussionsteilnehmer mit schon an Joseph G. gemahnende Lieblichkeiten beglückt. Kleine Auswahl: “Ihr Niveau liegt nur einen Millimeter über der Grasnabe”; “Sie machen sich lächerlich”; “Sie arme Wurst”; “Typen wie Sie” usw. usf.

    Nun hat Claudio Casula (Übrigens mit einem „s“, oder war das Absicht?) es wahrlich nicht nötig, von mir in Schutz genommen zu werden, aber wie würden Sie reagieren, wenn man Sie tagtäglich mit antisemitischen Unverbindlichkeiten traktiert – ob versteckt über die „antizionistische“ Tour oder nicht?

    Abgesehen zeigt Ihr Göbbels-Vergleich, wie Sie ticken.

    Sie könnten bei diesem Witzbold aus Dortmund abgeschrieben haben:
    http://www.arendt-art.de/deutsch/palestina/

  39. beer7 said, on Juni 9, 2009 at 5:29 am

    Parsa,

    Sie ziehen Schluesse ohne Daten. Ich bin nicht Deutsche, sondern Schweizerin und Juedin obendrein. Damit faellt Ihr psychologisches Kartenhaus in sich zusammen. Und die ganze Litananei „ihr Arzt usw.“ ebenfalls.

    Meines Wissens stammt der Antisemitismus des durchschnittliches Arabers auch aus dem Islam. Von daher kann ich mir vorstellen, dass auch der durchschnittliche Perser eine antisemitische Grundhaltung von Kind an erlebt.

    Aber ich lasse mich gern von Ihnen eines anderen belehren.

  40. Swing said, on Juni 9, 2009 at 7:17 am

    @ Arne Witzgestalt

    „Warum Ihnen also augerechnet an diesem Punkt die Gäule durchgehen und sie darüber ein allgemeines Denk- und Redeverbot verhängen, bleibt mir rätselhaft.“

    Das mit den Denkverboten hätten sie gern, oder? Denn es steht hier an keiner Stelle. Im Gegenteil wäre ein wenig Denken genau das, was Sie darauf bringen könnte, was mit den kleinen Bemerkungen über Zionisten gemeint ist. Und sein wir doch mal ehrlich: was wäre denn wohl das realistische Ergebnis des harmlosen Regime Change?

  41. Mr. Moe said, on Juni 9, 2009 at 7:52 am

    @Arne Wetzstein:
    Ich schrieb zwar, dass ich über diesen Punkt hier keine Diskussion zulassen werde, aber da Sie offenbar größere Probleme mit dem Lesen und Verstehen einfachster Aussagen haben, Sei Ihnen einmalig geantwortet:

    angesichts Ihrer Reaktion auf den letzten Betrag von Parsa K., frage ich mich: Was stört Sie ausgerechnet an DIESEM einen Zitat?

    Da Sie, wie ich Ihren Ausführungen entnehmen kann, auch die letzten Diskussionen hier verfolgt haben, wissen Sie, dass ich zuletzt mehrfach darauf hingewiesen habe, dass ich Relativierungen des Mullah-Regimes sowie unsinnige und böswillige mit Israel angestellte Vergleiche hier nicht mehr dulden werde. Ich werde das jetzt gewiss nicht mit Ihnen „einzeln durchgehen“, aber Parsa Kakashanians jüngste Aussagen beinhalten beide von mir zum Tabu erklärten Punkte: Erstens wird das Mullah-Regime verharmlost und zweitens wird ein israelischer Historiker nicht nur mit den Mullahs verglichen, sondern sogar für schlimmer befunden. Ich brauche eigentlich nicht zu erwähnen, dass beide Thesen mit der Realität nichts zu tun haben.

    Warum Ihnen also augerechnet an diesem Punkt die Gäule durchgehen und sie darüber ein allgemeines Denk- und Redeverbot verhängen, bleibt mir rätselhaft.

    Lassen Sie die Kirche bitte im Dorf: Wie Sie selbst nachlesen können, habe ich hier nie ein „Denk- und Redeverbot“ verhängt, sondern jeden, meiner eigenen Meinung noch so sehr widersprechenden, Kommentar freigeschaltet und mich in den allermeisten Fällen argumentativ mit den entsprechenden Kommentatoren auseinandergesetzt.

    Stattdessen dulden Sie Äußerungen eines notorischen primitiven Pöbelheinis wie Herrn Cassula, der unablässig Diskussionsteilnehmer mit schon an Joseph G. gemahnende Lieblichkeiten beglückt.

    Mit Verlaub: Ich muss mir hier nicht alles gefallen lassen. Und, da Sie danach schreien haben Sie jetzt Ihr ganz privates eigenes Redeverbot: Aufgrund des Vergleiches der Herren Casula und Joseph G. werden Sie hier nie wieder kommentieren. Da Sie ja offenbar ohnehin andere Diskussionen still und aufmerksam verfolgt haben, wissen Sie ja, wie so etwas geht.

  42. beer7 said, on Juni 9, 2009 at 8:12 am

    „Meinungsfreiheit“

    Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass so viele Menschen derart diffuse Vorstellungen vom Konzept der Meinungsfreiheit haben.

    Meinungsfreiheit bedeutet, dass jeder das Recht hat, seine eigene Meinung zu vertreten, so sie nicht in Widerspruch zu Gesetzen steht. Der Staat hat kein Recht, jemanden per Zensur oder mit der Androhung von Sanktionen daran zu hindern.

    Sie bedeutet nicht, dass jedem Beliebigen die Mittel zur Verfuegung gestellt muessen, damit er seine Meinung moeglichst bequem vertreten kann. Zeitungen veroeffentlichen nicht alle Leserbriefe. Ich habe keinen Grund, Papier und Bleistifte zu liefern, wenn jemand gern auf die altmodische Art schreibt. Genauso wenig hat jemand Anspruch auf das virtuelle Papier auf einem Blog!

  43. Mr. Moe said, on Juni 9, 2009 at 8:30 am

    Bevor ich mich anderen Dingen widme (widmen muss), eine kurze Ankündigung:
    Ich werde heute oder morgen einen kurzen grundsätzlichen Text über die (künftige) Kommentierungspolitik verfassen. Dieser Schritt ist leider offenbar überfällig geworden.

  44. Bernd Dahlenburg said, on Juni 9, 2009 at 8:45 am

    Ich habe keinen Grund, Papier und Bleistifte zu liefern, wenn jemand gern auf die altmodische Art schreibt. Genauso wenig hat jemand Anspruch auf das virtuelle Papier auf einem Blog!

    Sehe ich auch so, Beer7

  45. Christoph said, on Juni 9, 2009 at 12:35 pm

    ganz schöner Kindergarten hier
    @Parsa
    bin eher durch Zufall hier gelandet und hab gelegentlich die Diskussion verfolgt, eigentlich nur deiner Beiträge wegen. hat sich wohl erledigt.
    @Rest
    viel Spaß im eigenen Saft

  46. Mr. Moe said, on Juni 9, 2009 at 4:50 pm

    So, der Kommentarstrang ist jetzt zu, da es zum Thema nichts mehr zu sagen gibt. Entgegen meiner eigenen provisorischen Kommentierungsregeln habe ich mich entschlossen, auch Parsa Kakashanians Antwort freizugeben (siehe oben). Da er diesen Kommentar geschrieben hat, obwohl ich schrieb, dass ich ihm darauf nicht antworten würde, werte ich als eindeutiges Zeichen dafür, dass er selbst möchte, das der Kommentar erscheint, auch wenn dieser ein extrem schlechtes Bild auf seine Person wirft.

    Meine abschließende Antwort auf Parsa Kakashanians unsäglichen Kommentar:

    Das Interview aus dem Standard ist eine neue Quelle, die Sie in Ihrer Verzweiflung offenbar herangezogen haben. Oben ging es nicht um das Interview. Das Interview dennoch heranzuziehen ist mehr als unklug, da es Ihre Ansicht eindeutig widerlegt: Morris sagt in dem Interview mehr als eindeutig, dass er sich andere Lösungen wünschen würde und bezeichnet einen nuklearen Schlag als absolut letztes Mittel, einen nuklear bewaffneten Iran aufzuhalten. Dies mit den Vernichtungsdrohungen der Mullahs auf eine Stufe zu stellen bzw. gar für noch schlimmer zu befinden, ist wahlweise böswillig oder einer extremen Verblendung geschuldet. Zudem entlarven Sie sich selbst, wenn Sie jede Aussage der Mullahs relativieren und/oder entschuldigen, bei Morris aber jedes Wort auf die Goldwaage heben und noch dazu mit falschen Gewichten beladen.

    Nachtrag: Die Kommentar-Richtlinien sind erstellt und einsehbar.

  47. […] Für Christiane Hoffmann von der F.A.Z., die im Vorfeld der “Wahlen” noch ein Loblied auf selbige gesungen hatte, eine ihrer leichtesten Übungen: Den von Präsident Obama angestrebten […]

  48. Iran ohne Islam? « FREE IRAN NOW! said, on Januar 3, 2010 at 4:14 pm

    […] in der deutschen Öffentlichkeit verbreitet sind. Diese Ideen kommen nicht von ungefähr. Hoffmans Berichterstattung zu den „spannenden Wahlen“ in Iran und ihre Begeisterungsfähgikeit für Hamas-Terroristen sind leider keine Ausnahme, vielmehr stehen […]

  49. […] in der deutschen Öffentlichkeit verbreitet sind. Diese Ideen kommen nicht von ungefähr. Hoffmans Berichterstattung zu den „spannenden Wahlen“ in Iran und ihre Begeisterungsfähgikeit für Hamas-Terroristen sind leider keine Ausnahme, vielmehr stehen […]


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