Zeitung für Schland

Deutsche Medien und Netanyahus Rede

Posted in Die üblichen Verdächtigen by Mr. Moe on Juni 16, 2009

Er hat gesagt, was alle hören wollten und von ihm verlangten: Der israelisch Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat in seiner Rede an der Bar-Ilan-Universität von einem palästinensischen Staat gesprochen. Und ganz nebenbei auch noch, wie Jennifer Rubin treffend anmerkt, dem „Geschichtsstudenten“ Barack Hussein Obama eine mehr als überfällige Geschichtsstunde bezüglich des Nahostkonflikts erteilt.

Deutsche Medien sind sich indes einmal mehr einig, wie fast immer eigentlich, wenn es um Israel geht. Während Obamas Kairo-Rede trotz (oder: aufgrund) zahlreicher inhaltlicher Fehler, eines absurden Verständnis der Verhältnisse im Nahen Osten und inhaltsloser Weltfriedensrhetorik allerorts überschwänglich gelobt wurde, wird Netanyahu, wie nicht anders zu erwarten, aufs heftigste kritisiert. So fordert Christoph Schult, dem Netanyahus Rede nicht weit genug geht, auf SPIEGEL ONLINE, dass Israel doch endlich die Daumenschrauben angelegt und festgezogen werden müssten:

Aber mit seinem vorsichtigen Bekenntnis zu einem entmilitarisierten Palästinenserstaat hat Israels Premier immerhin eines bewiesen: Wenn die Amerikaner Druck ausüben, bewegt er sich. Nicht gleich, aber irgendwann doch. Nicht viel, aber ein Stück.

Wann der Druck auf Israel nachzulassen hat, beschreibt Schult mehr als deutlich:

Vor zehn Jahren war Benni Begin schon einmal Minister unter Netanjahu. Damals trat er zurück, als Netanjahu einen Teil Hebrons an die Palästinenser zurückgab. Erst wenn Begin sich erneut zum Rücktritt gezwungen sieht, hat Obama im Nahen Osten etwas erreicht.

Und als sei das noch nicht genug, gibt’s noch einen Apartheids-Vergleich gratis obendrauf:

Aber Netanjahu ist kein Frederik Willem de Klerk wie in Südafrika, der seine alten Glaubenssätze über Bord warf. Er ist nicht einmal ein Ariel Scharon, der 2005 immerhin alle Siedler aus dem Gaza-Streifen abzog.

Ähnlich wie Schult moniert Christiane Schlötzer von der Süddeutschen Zeitung, dass Netanyahu ohnehin nicht kompromissbereit sei:

Israels Regierungschef spricht erstmals von einem Palästinenser-Staat und erweckt so den Eindruck, er wolle sich bewegen. Bei genauem Hinhören wird klar: Er ist dazu nicht wirklich bereit.

Zur Erinnerung: Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat vor etwa zwei Wochen verkündet, sich keinen Millimeter zu bewegen. Die Empörung darüber in deutschen Medien blieb erwartungsgemäß aus, es wurde in der Regel nicht einmal der Erwähnung wert befunden.

Dass deutsche Kommentatoren häufig offenbar überhaupt nicht wissen, wovon sie schreiben, beweist Charles Landsmann vom Tagesspiegel:

Denn Netanjahu hat seine Zustimmung zu Palästina in altbewährter Manier von einer ganzen Reihe von Vorbedingungen abhängig gemacht, von denen ein Großteil für die palästinensische Seite unakzeptabel sind.

Was erwartet Landsmann? Dass ein palästinensischer Staat gegründet wird, und trotzdem sämtliche palästinensischen „Flüchtlinge“ in Israel angesiedelt werden? Und würde Landsmann je auf die Idee kommen, die Maximalforderungen der Palästinenser als „für die israelische Seite unakzeptabel“ zu bezeichnen? Zumal dies alles doch eigentlich auch gar keine Rolle spielen dürfte, denn Landsmann weiß ja:

Wer deshalb von Netanjahu aufgrund dieser Rede erwartet, dass er Frieden mit den Palästinensern schließen werde oder auch nur will, der glaubt an Wunder.

So sind sie die Juden, an Frieden nicht interessiert. Und als sei damit nicht bereits alles gesagt, was der Antisemit von heute zu sagen hätte, legt Landsmann heute gleich noch einmal nach und „analysiert“, „was Netanyahu eigentlich will“, ganz so, als ob das für ihn (Landsmann), nicht ohnehin schon feststünde. Sich auf den Saudi-Friedensplan beziehend, gibt Landsmann zu erkennen, was er von Israel – ohne Gegenleistung der Palästinenser, versteht sich – verlangt:

Die arabischen Staaten haben sich in dieser Initiative zur Anerkennung Israels und zur Aufnahme normaler zwischenstaatlicher Beziehungen bereit erklärt, US-Präsident Barack Obama will noch vor Verhandlungen erste Normalisierungsschritte arabischerseits sehen. Netanjahu ging in seiner Rede nicht auf die Initiative ein – offenbar weil er, so vermuten nicht nur die Palästinenser, nicht bereit ist, den von Israel geforderten Preis für einen umfassenden Nahostfrieden zu zahlen: nämlich die Räumung aller Siedlungen und den Rückzug aus allen seit 42 Jahren besetzten Gebieten, von den Golan-Höhen und aus dem Westjordanland, genauso wie im Gazastreifen geschehen.

Triebe eine israelische Regierung die Juden eigenhändig ins Meer – deutsche Kommentatoren beschwerten sich, das das Ganze nicht schnell genug vonstatten ginge.

Weitere lesenswerte Beiträge zu diesem Thema:

Blick auf die Welt – von Beer Sheva aus: „Netanyahu hat seine Rede gehalten“ sowie „Reaktionen in Europa“

Freunde der offenen Gesellschaft„Netanjahu exposed!“

Lizas Welt„Geduld! Respekt! Dialog!“

No Blood for Sauerkraut!„Ich schieße, also bin ich“

10 Antworten

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  1. […] deutsche Blätter gegenseitig mit unverhältnismässiger Israelkritik. Hierzu haben lalibertine und Mr.Moe Lesenswertes […]

  2. dr.allesklar said, on Juni 16, 2009 at 11:17 am

    Nun, der isaraelische Historiker Moshe Zimmermann sieht das ein wenig anders.
    http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0616/feuilleton/0021/index.html

  3. yael1 said, on Juni 16, 2009 at 12:24 pm

    Dafür heißt er ja Moshe ZImmermann.😀

  4. Mr. Moe said, on Juni 16, 2009 at 7:30 pm

    @dr.allesklar:
    Ihr Kommentar beschränkt sich auf die Aussage, dass es Menschen gibt, die das ganze anders bewerten als ich. Schön und gut, besonders wenn es sich dabei um jemanden wie Moshe Zimmermann handelt.

  5. dr.allesklar said, on Juni 16, 2009 at 8:38 pm

    Naja, den Eindruck eines Ahnungslosen macht der gute Mann jedenfalls nicht gerade.

  6. Mr. Moe said, on Juni 16, 2009 at 9:00 pm

    Ich bitte Sie…eigentlich ist mir meine Zeit für solche Spielchen zu schade, aber nun gut. Zimmermann bezeichnet die Siedlungen als „akute[s] Grundübel“, was absoluter Humbug ist. Man kann von den Siedlungen halten, was man will, aber die Ursache oder auch nur das Hauptproblem des arabisch-israelischen Konfliktes sind sie nicht. Zudem schreibt er:

    Das ist ja ohnehin die israelische Politik seit Jahrzehnten: Man redet unaufhörlich über den Frieden, schiebt harte Entscheidungen auf die lange Bank und setzt währenddessen die Siedlungspolitik fort. Wenn die Palästinenser aus Verzweiflung oder aus Dummheit zur Gewalt greifen, wird man wieder auf den mörderischen Charakter des Islams oder des Arabertums hinweisen und die Siedlungstätigkeit intensivieren.

    Ach Gottchen, die armen Palästinenser: Gewalt aus Verzweiflung und Dummheit, da kommen mir ja glatt die Tränen. Von Antisemitismus keine Rede. Davon, dass die Ermordung von Zivilisten weder mit Verzweiflung, noch mit Dummheit zu tun hat, keine Rede.
    Das waren im Übrigen meine abschließenden Worte hierzu. Erstens sind sind Schwachmaten wie Zimmermann hier nicht das Thema und zweitens haben Sie selbst bislang nur (Sinnlos-)Aussagen gepostet, ohne sie näher zu begründen.

  7. dr.allesklar said, on Juni 16, 2009 at 11:34 pm

    „Ach Gottchen, die armen Palästinenser: Gewalt aus Verzweiflung und Dummheit, da kommen mir ja glatt die Tränen. Von Antisemitismus keine Rede. Davon, dass die Ermordung von Zivilisten weder mit Verzweiflung, noch mit Dummheit zu tun hat, keine Rede.“ Ermordungen, egal ob von Zivilisten oder sonstwem, haben stets mit Dummheit und Verzweiflung zu tun. Womit denn sonst, bitte sehr?

  8. Mr. Moe said, on Juni 17, 2009 at 7:00 am

    Und damit sind Sie raus: Erstens, weil ich schrieb, dass dieser Teil der Diskussion hier beendet ist. Zweitens und ungleich wichtiger: weil ich die widerwärtige Rechtfertigung der Ermordung von Zivilisten hier nicht dulde.

  9. […] Schult, DER SPIEGEL (und hier) – Netanyahu stellt er als unbelehrbaren Apartheid-Fan hin, „der alle Araber in die Arme eines […]

  10. […] – deutsche Kommentatoren beschwerten sich, das das Ganze nicht schnell genug vonstatten ginge. Zeitung für Schland, 16.06.09 über die deutschen Medien-Kommentare zur Rede […]


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