Zeitung für Schland

Wie er’s macht, er macht es richtig

Posted in DIE ZEIT by Mr. Moe on Juni 18, 2009

Während der allseits gescholtene ehemalige US-Präsident George W. Bush im Jahr 2003 pro-demokratische Demonstrationen im Iran unterstützte und das Mullah-Regime für die gegenüber den Demonstranten ausgeübte Gewalt kritisierte, hat sich der derzeitige US-Präsident Barack Hussein Obama anlässlich der Unruhen im Iran bislang bekanntermaßen mehr als zurückhaltend geäußert. Doch während Demonstranten im Iran Obama verzweifelt auffordern, ihnen im Kampf um die Freiheit endlich zur Seite zu stehen, findet es die ZEIT offenbar angemessen, auf der Titelseite einen Artikel mit der frechen Überschrift „Mit Obamas Hilfe“ abzudrucken (noch dazu unter jenem fantastischen Foto einer die Faust in den Himmel streckenden iranischen Protestlerin). Jan Ross, Autor des Artikels und ein Vorzeigeexemplar der gefühlten 80 Millionen deutschen Obama-Groupies, schreibt:

Entschieden wird der Machtkampf in Iran selbst. Aber die Demokraten der ganzen Welt stehen an der Seite der Demonstranten.

In Gedanken womöglich, aber so formuliert ist die im letzten Satz getätigte Aussage eine derart dreiste Lüge, dass es eine Unverschämtheit ist, sie auf der Titelseite eines Blattes mit hunderttausenden von Lesern abzudrucken. Insbesondere Obama hat ein großes Interesse daran, dass im Iran alles beim Alten bleibt, gefährdete doch jede Veränderung im Iran seine heißgeliebte Appeasement-Politik gegenüber den Mullahs. Obama-Liebhaber Ross schreibt indes:

Die Wiederherstellung des amerikanischen Ansehens und das Gesprächsangebot an die Muslime sind eine unschätzbare Hilfe für die Kräfte der Veränderung in den islamischen Ländern.

Hier übernimmt Ross, welch‘ Wunder, unkritisch die narzisstische Auffassung der Obama-Regierung, gemäß derer alles Gute auf Erden unmittelbar auf Obama zurückzuführen sei. So schreibt Ross weiter:

Barack Obama hat in nicht einmal fünf Monaten mehr für den Widerstand in Iran getan als der Kreuzzügler George W. Bush in acht Jahren.

Faszinierend ist, dass ausgerechnet Journalisten wie Ross, die alles an Bush verteufeln und alles an Obama loben, Bush vorzuwerfen pflegen, die Welt simplizistisch in „gut“ und „böse“ einzuteilen. Let’s face it: Landeten morgen Außerirdische auf der Erde – ZEIT-Journalisten und andere Obama-Jünger huldigten ihren Messias für die Kontaktaufnahme. Es sein denn, es stellte sich heraus, dass die Außerirdischen in kriegerischer Absicht kämen: dann hätte den Schlamassel selbstverständlich Bush zu verantworten.

Quelle: Jan Ross: „Mit Obamas Hilfe“, in: DIE ZEIT vom 18. Juni 2009, S. 1.

9 Antworten

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  1. Paul13 said, on Juni 18, 2009 at 4:23 pm

    Ja, das ist wirklich widerlich, wie sie jetzt alle so tun, als ob Obama hier auf der richtigen Seite steht. Im SPIEGEL ist’s auch ganz schlimm, da wird Obamas kriecherisches Appeasement noch als clevere Taktik dargestellt:

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,630839,00.html

  2. Mr. Moe said, on Juni 18, 2009 at 4:28 pm

    Ich gestehe, dass ich den von Dir verlinkten Artikel bewusst nicht gelesen habe, da Schmitz mir bereits im US-Präsidentschaftswahlkampf mehr als einmal negativ aufgefallen ist. Prinzipiell gebe ich mir solche Leute ja mit Vergnügen, aber dieser Tage ist dafür einfach zu wenig Zeit.

  3. Editor said, on Juni 18, 2009 at 9:18 pm

    […] Auch wenn die Strategie des US-Präsidenten noch so verwerflich ist, läge es gleichwohl an den europäischen Regierungen, dem etwas entgegenzusetzen – die Instrumente dafür hätten sie. Doch ist es wie so oft: dort, wo die wirtschaftlichen Interessen anfangen, ist es mit der Solidarität vorbei. […]

  4. Popeye said, on Juni 19, 2009 at 8:31 am

    HEIDELBERG
    19.06, 17 Uhr
    Universitätsplatz

    HEIDELBERG
    20.06, 12 – 15 Uhr
    Bismarckplatz

    DÜSSELDORF
    19.06, 17 Uhr
    vorm Martktplatz (Rathaus-Altstadt)

    KÖLN
    19.06, 19 Uhr
    Treffpunkt: Rudolfplatz,
    dann Richtung Heumarkt
    –> Kerzen und Bilder mitbringen

    HANNOVER
    19.06, 17 Uhr
    vorm Hauptbahnhof

    HANNOVER
    20.06, 13 Uhr
    in der City –> gegenüber von C&A

    DORTMUND
    20.06, 13 Uhr
    Reinoldikirche
    –> bitte alle schwarz tragen

    HAMBURG
    20.06, 13 Uhr
    vorm Hbf am Hachmannplatz

    MÜNSTER
    20.06, 15:30 Uhr
    Domplatz

    NÜRNBERG
    20.06, 17 Uhr
    Ludwigsplatz 25

    MÜNCHEN
    20.06, 15 Uhr
    Marienplatz

    [[FRANKFURT]
    20.06, 11 Uhr
    vorm HR-Gebäude,
    von da aus wird dann zum iranischen Konsulat gegangen.
    Wegbeschreibung:
    http://www.hr-online.de/website/derhr/home/
    index. jsp?rubrik=2718&key=standard_document
    _1161760 (achtet darauf, dass der link keine leerzeichen hat)

    –> stattfinden der frankfurt demo noch nicht ganz sicher.]

    BERLIN
    21.06, 14 – 18 Uhr
    Großdemo
    14:00 Uhr – Stuttgarter Platz (S Berlin-Charlottenburg / U7 Wilmersdorfer Straße)
    14:00 – 15:00 Ankündigung und Demonstration auf dem Stuttgarter Platz
    15:00 Demozug in Richtung Gedächtniskirche (Berlin-Zoo) via Savignyplatz
    16:00-17:15 Kundgebung auf dem Savignyplatz (verschiedene Sprecher aus Politik, NGOs, etc.)
    17:15-18:00 Weiterzug in Richtung Gedächtniskirche (Breitenscheid Platz)

    Organisator: freie, unabhängige, parteilose Studenten und Bürger
    Es werden Kundgebungen auf Deutsch, Persisch und Englisch verlesen.

    Quelle zur Berlin Demo: http://demoberlin.blogspot.com/

    BOCHUM
    täglich von 17 – 20 Uhr
    Ruhr-Universität Bochum

    Den Haag
    täglich ab 13 Uhr
    vor der iranischen Botschaft (Scheveningen)

  5. Mr. Moe said, on Juni 19, 2009 at 8:43 am

    Besten Dank für die (erneuten) Hinweise!

  6. lalibertine said, on Juni 19, 2009 at 7:01 pm

    Mist, muss leider arbeiten😦
    Ich schaffs vielleicht morgen in München auf die Demo.

  7. […] 21. Juni 2009 — Mr. Moe Die ZEIT hat es in der Ausgabe vom Donnerstag auf der Titelseite geschrieben und BBC und die New York Times behaupten es auch: Die sich derzeit im Iran vollziehende Entwicklung […]

  8. […] by Mr. Moe on Juni 21, 2009 Die ZEIT hat es in der Ausgabe vom Donnerstag auf der Titelseite geschrieben und BBC und die New York Times behaupten es auch: Die sich derzeit im Iran vollziehende Entwicklung […]

  9. […] der moralischen Pflicht eines jeden US-Präsidenten das einstmals so verhasste Mullahregime mit Samthandschuhen anfasst und damit jede Aussicht auf einen demokratischen Wandel im Keim ersticken hilft: er baut auf eben […]


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