Zeitung für Schland

Unverschämt: Netanyahu fordert Anerkennung Israels!

Posted in SPIEGEL & SPIEGEL ONLINE by Mr. Moe on August 27, 2009

Bei SPIEGEL ONLINE ist man offenbar der Ansicht, dass Israels Existenz kein dauerhafter Zustand, sondern Gegenstand von Verhandlungen ist. So heißt es in einem Bericht über das Treffen des israelischen Ministerpräsidenten Netanyahus mit der deutschen Bundeskanzlerin Merkel im Ton der üblichen Empörung:

Netanjahu will mit den Palästinensern verhandeln – verlangt von ihnen aber die Anerkennung Israels.

Wahrlich eine allzu dreiste Forderung Netanyahus, die Anerkennung Israels zu verlangen! Weiß doch jeder Leser von SPON, dass es eine Anerkennung Israels – wenn überhaupt – nur unter zahlreichen Bedingungen geben kann.

Warum die Anerkennung Israels als jüdischer Staat seitens der Palästinenser unabdingbar und eher eine Vorbedingung, denn ein Ergebnis von Verhandlungen sein sollte, erklärt Robert O. Freedman:

It is necessary for the Palestinians to recognize Israel as a Jewish state to replace the image of the Jew as dhimmi, or second class citizen, with the image of the Jew as a member of a national group exercising legitimate national rights, just as the Palestinians themselves do. Once this is done, the chances for a long-lasting peace between Israel and a Palestinian state will be greatly enhanced.

8 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Stimme der Vernunft said, on August 27, 2009 at 11:14 pm

    So wie Sie kann man es natürlich auch sehen. Und richtig ist natürlich, dass die palästinensische Seite Israel vor dem Abschluss eines Friedensabkommens anerkennen muss (allerdings nicht als „jüdischen Staat“, was ja letztlich heißen würde, dass der künftige Staat Palästina die Vertreibung der autochthonen Bevölkerung anerkennen würde – was nicht passieren wird). Aber eine Anerkennung kann nur am Ende des Friedensprozesses stehen und nicht als Bedingung für die Aufnahme von Verhandlungen mit den Palästinensern formuliert werden. Aber das verlangt ja auch niemand. Mit dieser Forderung steht die Regierung Netanyahu/Lieberman in der Welt völlig isoliert da. Aber die wird bald Geschichte sein und pragmatischeren Kräften in Israel Platz machen. Es führt kein Weg daran vorbei, dass Israel als ersten Schritt zum Frieden und zur Zweistaatlichkeit jegliche illegale Siedlungsaktivität einstellen muss. Erst dann kann über Grenzziehungen und die Ausgestaltung der Staatenwerdung Palästinas verhandelt werden. Das ist die Bedingung der Amerikaner, der Europäer, der Russen, der arabischen Staaten und aller maßgeblichen internationalen Institutionen. Selbst die deutsche Bundeskanzlerin hat das in seltener Deutlichkeit dem israelischen Regierungschef noch einmal ins Stammbuch geschrieben. Auch in der israelischen Öffentlichkeit beginnt sich ja allmählich die Einsicht durchzusetzen, dass alles andere letzlich einem Selbstmord des Staates Israel auf Raten gleichkäme. Und wenn Europa (besonders die Deutschen) es wirklich ernst meint mit seiner Verantwortung für Israel, dann darf es das nicht zulassen.

  2. Mr. Moe said, on August 28, 2009 at 6:44 am

    @Stimme der Vernunft:

    Und richtig ist natürlich, dass die palästinensische Seite Israel vor dem Abschluss eines Friedensabkommens anerkennen muss (allerdings nicht als „jüdischen Staat”, was ja letztlich heißen würde, dass der künftige Staat Palästina die Vertreibung der autochthonen Bevölkerung anerkennen würde – was nicht passieren wird).

    Wenn Sie Israel anerkennt sehen wollen, aber auf der (falschen) Auffassung bestehen, dass Israel die „autochthone Bevölkerung“ vertrieben habe und dies wiederum nicht anerkannt werden dürfe: sehen Sie da nicht einen kleinen, einen klitzekleinen Widerspruch? Oder meinen Sie mit „Anerkennung“ Israels, dass die Palästinenser Israel dann, und nur dann anerkennen sollten, wenn Israel Millionen von „Flüchtlingen“ aufnimmt?

    Mit dieser Forderung steht die Regierung Netanyahu/Lieberman in der Welt völlig isoliert da. Aber die wird bald Geschichte sein und pragmatischeren Kräften in Israel Platz machen.

    Die israelische Regierung ist demokratisch legitimiert und vertritt in den wesentlichen Punkten die Ansichten, die in Israel Konsens sind. Darauf zu hoffen, dass sie bald Geschichte sein wird, ist ebenso unsinnig wie moralisch fragwürdig.

    Es führt kein Weg daran vorbei, dass Israel als ersten Schritt zum Frieden und zur Zweistaatlichkeit jegliche illegale Siedlungsaktivität einstellen muss. Erst dann kann über Grenzziehungen und die Ausgestaltung der Staatenwerdung Palästinas verhandelt werden. Das ist die Bedingung der Amerikaner, der Europäer, der Russen, der arabischen Staaten und aller maßgeblichen internationalen Institutionen. Selbst die deutsche Bundeskanzlerin hat das in seltener Deutlichkeit dem israelischen Regierungschef noch einmal ins Stammbuch geschrieben.

    Gerade Sie als „Stimme der Vernunft“ sollten doch wissen, dass nicht immer das richtig ist, was die Mehrheit behauptet (und schon gar nicht, weil es die Mehrheit behauptet). Zudem unterschlagen Sie zwei für Sie offenbar nebensächliche Variablen in ihrer Argumentation: die fehlende Bereitschaft der Palästinenser, Israel anzuerkennen und der Gewalt abzuschwören einerseits sowie das Fehlen eines verlässlichen und handlungsstarken Verhandlungspartners auf palästinensischer Seite andererseits. Rechnen Sie sich selbst aus, was das für den Friedensprozesses bedeutet und an wem es wäre, grundlegenden Schritte zu unternehmen.

    Und wenn Europa (besonders die Deutschen) es wirklich ernst meint mit seiner Verantwortung für Israel, dann darf es das nicht zulassen.

    Verzeihen Sie mein Misstrauen, aber wer sich selbst als „Stimme der Vernunft“ bezeichnet und davon spricht, dass Deutschland „es wirklich ernst mit seiner Verantwortung für Israel“ meinen sollte und gerade deshalb Israel – auch unabhängig vom Willen der israelischen Bevölkerung und Israels demokratisch gewählter Regierung – vor sich selbst schützen müsse, hat in der Regel nichts Gutes im Sinn. Daher Hand aufs Herz: Sie sind nicht die „Stimme der Vernunft“, sondern die „Stimme Deutschlands“. Sie wissen wie so viele Ihrer Landsleute, was Juden zu tun oder lassen haben, und dass man Sie – als Deutscher, aus Gründen der moralischen Verantwortung, versteht sich! – dazu zwingen sollte, wenn die bösen Juden mal wieder uneinsichtig sind und der „Stimme der Vernunft“ nicht andächtig lauschen und ihre Befehle Ratschläge befolgen wollen.

  3. willow said, on August 28, 2009 at 6:54 am

    „Stimme der Vernunft“!?

    Sie sprechen sich also einerseits für einen rein muslimisch-arabischen Staat Palästina aus – empfinden es aber als Zumutung, wenn die Israelis den jüdischen Charakter ihres Landes erhalten wollen… interessant. Was ist denn für sie die Alternative zu einem jüdischen und demokratischen Staat Israel? Ein mehrheitlich arabisches Israel? Oder soll der Nahe Ostaen gar komplett judenrein werden?

    PS: Israel hat schon viele „erste Schritte“ getan – Israel hat aber für einseitige Zugeständnisse bisher immer nur mehr Probleme, mehr Terror bekommen… vermutlich werden gerade deshalb weitere einseitige Zugeständnisse gefordert.

  4. Critic said, on August 28, 2009 at 7:23 am

    Wo ist der Inhalt dieser Nachricht? Auch nachdem ich habe schon überall gesucht, auf dem Boden, unterm Tisch… kann ich ihn nirgends finden.

    Ich finde nicht, dass aus dem Zitat von SPON eine Entrüstung über Netanjahus Forderung heraus zu lesen ist.

  5. Friederich said, on August 28, 2009 at 1:08 pm

    Critic sagte, am August 28, 2009 zu 7:23
    Ich finde nicht, dass aus dem Zitat von SPON eine Entrüstung über Netanjahus Forderung heraus zu lesen ist.

    Die Entrüstung steckt in dem Wort »aber«.

    Es scheint übrigens, daß es noch ein langer Weg zur Anerkennung Israels sein könnte. Es gibt Leute, die da gewisse Einwendungen äußern:

    Stimme der Vernunft sagte, am August 27, 2009 zu 11:14
    Es führt kein Weg daran vorbei, dass Israel als ersten Schritt zum Frieden und zur Zweistaatlichkeit jegliche illegale Siedlungsaktivität einstellen muss.

    Was heißt hier »erster Schritt zur Zweistaatlichkeit«? Die Zweistaatlichkeit gibt es doch schon lange, mit dem jüdischen Staat Israel und dem palästinensischen Staat Jordanien. Heute geht es ja wohl eher um Vierstaatlichkeit (Israel, Jordanien, Fatachstan und Hamastan). Und da kommen Sie daher und wollen Israel verbieten, auf dem kümmerlichen Rest jüdischen Landes, der übriggeblieben ist, Siedlungen zu bauen?

  6. Mr. Moe said, on August 28, 2009 at 5:47 pm

    @Critic:

    Wo ist der Inhalt dieser Nachricht? Auch nachdem ich habe schon überall gesucht, auf dem Boden, unterm Tisch… kann ich ihn nirgends finden.

    Ich finde nicht, dass aus dem Zitat von SPON eine Entrüstung über Netanjahus Forderung heraus zu lesen ist.

    Falls mit Nachricht mein Blogeintrag gemeint ist haben Sie insofern recht, als dass es sich dabei (natürlich) nicht um eine Nachricht handelt😉 Bezüglich der Entrüstung hat Friederich das Wesentliche gesagt.

  7. Bernd Dahlenburg said, on August 29, 2009 at 12:26 am

    Gestern wurden im Deutschlandfunk ein paar Kommentare zum Thema zitiert, darunter einer von der Rheinischen Post, die für ihre „Liebe zu Israel“ bekannt ist:

    Die Anerkennung Israels (also nicht eines jüdischen Staates!) kann erst am Ende von Friedensverhandlungen stehen“.

    Wenn das nicht blanker und unverhüllter Antisemitismus ist, fresse ich enen Besen.

  8. Mr. Moe said, on August 30, 2009 at 6:02 pm

    Barry Rubin erklärt im Übrigen noch einmal, „Why Recognition of Israel as a Jewish State is a Prime Requirement for Israel-Palestinian Peace“.


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: