Zeitung für Schland

Anmerkungen zum Friedensnobelpreis für Barack Obama

Posted in Zwei mal Drei macht Vier by Mr. Moe on Oktober 9, 2009

Bekanntermaßen haben Jassir Arafat, Mohammed El Baradei, Jimmy Carter und US-Präsident Barack Hussein Obama seit dem heutigen Tage nebst ihrer Antipathie gegenüber dem jüdischen Staat auch noch gemeinsam, Träger des Friedensnobelpreises zu sein. Dies ist insofern schön, als dass hier wirklich einmal zusammenwächst, was zusammengehört.

Nach der Verleihung des Friedensnobelpreises an Henry Kissinger im Jahre 1973 sagte der amerikanische Satiriker Tom Lehrer, dass die politische Satire damit obsolet geworden sei. Es ist müßig zu erwähnen, dass die Verleihung des Friedensnobelpreis für Obama eine noch weitaus größere Farce darstellt. Ja, es kann sich noch nicht einmal sinnvollerweise darüber gestritten werden, ob das, was Obama erreicht hat, ihn für den Friedensnobelpreis qualifiziert oder nicht, hat er doch bislang schlichtweg nichts erreicht. Da sich hierzu bereits zahlreiche geschätzte Journalisten und Blogger – sowie auch viele Obama wohlgesonnene Kommentatoren – treffend geäußert haben, sei an dieser Stelle lediglich auf den exemplarischen Kommentar von Iain Martin auf den Seiten des Wall Street Journals verwiesen. Er enthält im Prinzip alles, was es zu der Auszeichnung Obamas zu sagen gibt:

This is completely bizarre. President Barack Obama has just won the Nobel Peace Prize. It is unclear why. For making peace, of a kind, with Hillary Clinton? For giving up the missile shield and cheering up the Iranians? For preparing a surge of troops and weaponry in Afghanistan?

Of course, traditionally it has been standard procedure that winners of the prize do their peacemaking first and are only given the prize after they have achieved something. But this innovation sweeps aside such old-fashioned notions of reward following effort.

Think about it, it’s so post-modern: a leader can now win the peace prize for saying that he hopes to bring about peace at some point in the future. He doesn’t actually have to do it, he just has to have aspirations. Brilliant.

Jennifer Rubin stellt auf den contentions zudem klar, wofür Obama den Preis erhalten hat:

[H]e got it — as one must to snag a Nobel Peace Prize — by denigrating American values and exceptionialism, demonstrating an aversion to moral clarity, refusing to call out despotic regimes (the Iranian students will be thrilled to know that they give prizes to leaders who think of them as an annoyance), disarming America, repeatedly distorting history to fit false narratives, refusing to stand up to international bullies (excuse me, members in good standing in the international community), and spinning a great deal of hooey about global wealth-sharing and environmental extremism.

In diesem Zusammenhang sei auch auf den passenderweise heute erschienenen Artikel von Wahied Wadhat-Hagh mit dem Titel „Obama, Iran und die Menschenrechte“ verwiesen. Dort heißt es zu Beginn:

Am 6. Oktober 2009 berichtete die US-amerikanische Zeitung „The Boston Globe“, dass die Obama-Regierung die finanzielle Unterstützung des renommierten „Iran Human Rights Documentation Center“ (IHRDC) gestrichen habe.
Das Zentrum veröffentlichte zwölf Berichte auf Englisch und auf Persisch. Darin wurden Zwangsgeständnisse, Massenhinrichtungen in iranischen Gefängnissen, die brutale Vorgehensweise von parallel tätigen Geheimdiensten sowie Verhaftungen von Journalisten und Bloggern dokumentiert. Auch die Verletzung der Minderheitenrechte und die gezielten Exilhinrichtungen des Regimes finden sich in den Berichten.

„The Boston Globe“ geht davon aus, dass die unbegründeten Kürzungen eine Änderung der Obama-Administration im Hinblick auf die Demokratieförderung bedeuten könnten. Roya Boroumand, die Begründerin einer der wichtigsten iranbezogenen Menschenrechtsorganisationen, der Boroumand Foundation, die sich u.a. mit der Dokumentation der im Iran hingerichteten Menschen beschäftigt, sagte gegenüber der amerikanischen Zeitung: „Wenn die Rationalität, die ist, dass wir die Finanzierung der Menschenrechtsarbeit stoppen, um die iranische Regierung nicht zu provozieren, dann ist es die absolut falsche Message.“ Das würde bedeuten, dass der wirkliche Glaube an die Menschenrechte eigentlich fehle, dass die amerikanische Regierung diese nur dann berücksichtige, wenn es genehm sei, so Roya Boroumand.

Zum Mitschreiben: Barack Obama, seit heute Friedensnobelpreisträger, opfert die iranische Opposition und die im Iran vom Regime Unterdrückten und Verfolgten ein weiteres Mal für einen „Dialog“ mit den Schlächtern. Wie Barry Rubin es so schön formuliert, dass es weh tut: Obama Wins Nobel Peace Prize – What More Do You Need to Understand Today’s World?

Tagged with: ,

5 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. […] Barack Obama ausgerufenen geschichtsfremden moralischen Relativismus , für den Obama gestern den Friedensnobelpreis erhalten hat. Böhm schreibt: Auf 575 Seiten schildern Goldstone und seine Ermittler detailliert israelische […]

  2. Opposite Editorial said, on Oktober 10, 2009 at 1:49 pm

    Das Nobelkomitee hat seine Entscheidung damit begründet, dass Obama »ein neues Klima in der internationalen Politik geschaffen« habe, in der »multilaterale Diplomatie wieder im Mittelpunkt« stehe und ausgedrückt, dass es sich erhoffe, dass er die internationalen Probleme mit »Dialog und Verhandlungen« angehen werde, sprich: es wünscht sich von ihm, dass er seiner Linie des Appeasement treu bleibt.

    Einige Anmerkungen auch bei Opposite Editorial: http://oppositeeditorial.blogspot.com/2009/10/ein-sieg-des-appeasement_09.html

  3. Mr. Moe said, on Oktober 10, 2009 at 3:26 pm

    @Opposite Editorial:
    Ich glaube auf SPON stand, dass das Gute am Nobelpreis sei, dass er Obamas „moralische Autorität“ wiederhergestellt habe. In meinen Augen ist das der größte Nachteil der Verleihung😉
    Übrigens hatte ich erst vor, einige Kommentare zu der Preisvergabe zu verlinken (worunter auch derjenige von OE war). Allerdings habe ich es dann doch gelassen, weil das a) sowieso kaum jemand angeklickt hätte und b) in (fast) allen Kommentaren das Gleiche stand.

  4. CP said, on Oktober 12, 2009 at 12:27 am

    Nun ja. Siehe: http://nbfs.wordpress.com/2009/10/09/och-noo/#comment-14235
    Gleichfalls sagte der PROTUS, alle Optionen seien auf dem Tisch; gleichfalls überlegt man im Iran (oder tut so), die Wiederaufbereitungs- und Anreicherungsanlagen im Ausland betreiben zu lassen, ganz plötzlich – man könnte den Eindruck gewinnen, hinter den Kulissen (und da spielt sich Diplomatie nicht selten ab), habe jemand dem Iran massiv gedroht. Im Moment ist es wirklich schwer zu sagen, ob Obama die Opposition wirklich „im Stich gelassen“ hat. Man kann davon ausgehen, dass das man nicht alles weiß und – eventuell – die wirklich wichtigen Dinge derzeit noch nicht.

  5. Mr. Moe said, on Oktober 12, 2009 at 6:10 am

    @CP:
    Ich kopiere den Text des von Ihnen verlinkten Kommentares mal hierher. Sie schreiben:

    Man darf ja nicht vergessen: Am Tag des Vergabe des Nobel-Preises an Obama wird bekannt, dass seit 2006 am Massive Ordnance Penetrator gearbeitet wird; eine 14 Tonnen schwere Bombe, die 40 Meter ins Gestein oder 60 Meter in Stahlbeton eindringen kann – wie geschaffen für unterirdische Anreicherungsanlagen, zum Beispiel, wer weiß?, im Iran? Sollte selbiger seine Anreicherung und Wiederaufarbeitung nicht nach Russland verlegen lassen, Israel die entsprechenden Anlagen ausschalten wollen und dabei mit B2/B52 von den Amerikanern unterstützt, dann, ja dann!, dann hätte er den Nobelpreis nolens volens doch noch völlig zurecht bekommen. Sehr zum Leidwesen der seit Jahren gegen die Zivilisation verleihenden Juroren.

    Meine Antwort auf diese Worte und den obigen Kommentar von Ihnen:

    Erstens erscheint mir generell zu vage, sich allein auf Hinterzimmer-Diplomatie zu verlassen. Die Bombe deute ich dahingehend, dass selbst die Obama-Regierung mittlerweile erkannt haben dürfte, dass es ohne jeglichen Druck (sprich: die militärische Option zumindest halbwegs glaubhaft auf dem Tisch zu lassen) nicht funktionieren wird. Trotzdem: nicht zuletzt Obama hat jüngst dafür gesorgt, dass Teheran zum wiederholten Male dringend benötigte Zeit gewonnen hat.

    Zweitens werte ich Ihre Anzeichen für einen Kurswechsel der Islamischen Republik Iran anders: das Regime ist nicht reformierbar und durch und durch antisemitisch, antizionistisch und antiamerikanisch. Jegliche vermeintlichen Zugeständnisse der letzten Jahren waren ausschließlich taktisch bedingt. Seit Jahren spielt Teheran ein Katz-und-Maus-Spiel, in dem sich das konkrete Handeln kurzfristig ändern mag, aber der grundlegende Kurs nicht. Es gibt nur eine Alternative, die die Bedrohung und Terrorisierung Israels, des Nahen Ostens und der Welt durch die Mullahs abwendet: ein Regime Change. Sollte Teheran die Bombe erlangen, wäre dieser jedoch nahezu ausgeschlossen.

    Drittens hat Obama die iranische Opposition nachweislich im Stich gelassen: er erkennt – im Gegensatz zu Bush, denn dafür gibt es ja Nobelpreise – die Legitimität der Islamischen Republik Iran an. Seine Regierung hat sich eindeutig davon abgewendet, einen Regime Change im Iran anzustreben. Alles, was er zur brutalen Repression gegen friedlich demonstrierende Iranerzu sagen hatte war, dass er „tief besorgt“ sei, während ihn im Westjordanland siedelnde Juden geradezu auf die Palme zu verbringen mögen. Seine Regierung hat die Finanzierung des Iranian Human Rights Documentation Center nicht verlängert, ein unfassbarer Schritt und ein unmissverständliches Zeichen an Teheran.

    Um kein Missverständnis entstehen zu lassen: sollte Obama im Verborgenen dafür sorgen, dass Teheran sein Vernichtungsprogramm aufgibt und das Regime endlich verendet (was wie ich oben schrieb zwei Bedingungen sind, die nur gemeinsam zu haben sind), bin ich der Erste, der ihm dafür danken und die Kritik zurückziehen wird. Allein mir fehlt der Glaube.


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: