Zeitung für Schland

Kurze Anmerkung zu den Reaktionen auf das Minarettverbot

Posted in Zwei mal Drei macht Vier by Mr. Moe on November 30, 2009

Wer die UN jeglicher Erfahrung zum Trotz noch für eine gute Sache hält, wird jetzt einmal mehr eines besseren belehrt. Zum Minarettverbot in der Schweiz heißt es seitens der UN:

Die Vereinten Nationen wollen die Rechtmäßigkeit des Bauverbots prüfen. Experten untersuchten, ob das Verbot mit internationalem Recht vereinbar sei, sagte ein Sprecher des Uno-Hochkommissariats für Menschenrechte am Montag in Genf. Schon während der Abstimmungskampagne hatten Uno-Experten die Schweizer Behörden mehrfach vor einem „diskriminierenden Charakter“ eines Minarett-Verbots gewarnt.

Während die Vereinten Nationen Mord und Totschlag sowie systematische Diskriminierung und Verfolgung von Minderheiten in zahlreichen – nicht nur, aber auch und vor allem: islamischen – Ländern billigen, soll gerade ein durch und durch demokratischer Entscheid gegen internationales Recht verstoßen? Bizarr. Oder mit den Worten Roger Köppels, des Chefredakteurs der Weltwoche: „In der Welt geht offensichtlich ein Gespenst um: Es heisst Demokratie.“

Ansonsten sind die Reaktionen von Politikern und Medien so, wie es zu erwarten war. Die Reflexion des eigenen Handelns und der eigenen Werte ist zugleich eine Stärke und – dieser Tage leider zunehmend – eine Schwäche des Westens. Es bleibt zu hoffen, dass der gar nicht hoch genug einzuschätzende Unterschied zwischen westlicher Demokratie einerseits und den weltweiten Autokratien andererseits nicht im Zuge eines duckmäuserischen Gutmenschentums zu negieren. Im Zweifelsfall ist die Schweiz das neue Dänemark.

Journalisten wie Malte Lehming, die den Befürwortern des Minarettverbotes die „Weltsicht Osama bin Ladens „ zuschreiben und demokratische Wähler demnach mit menschenverachtenden Islamisten gleichsetzen, tragen hingegen ebenso zu einer Verschiebung der Debatte in die falsche Richtung bei wie jene überaus verabscheuenswürdigen Gesellen, die die überaus berechtigte Kritik am Islam für ihre fremdenfeindlichen Zwecke einzuspannen versuchen.

Tagged with: ,

28 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Nikita Bondarev said, on November 30, 2009 at 8:02 pm

    „Scheiß Schweizer! Zuerst Steueroase – nun Nazi-Paradies!“ – Ein ironischer Artikel zu diesem Thema – http://freidemzen.wordpress.com/2009/11/29/scheis-schweizer-zuerst-steueroase-%E2%80%93-nun-nazi-paradies/

    http://freidemzen.wordpress.com/

    Genau, wie wir alle dachten – zwar waren zwei Antwortmöglichkeiten erlaubt – aber eigentlich doch nur eine war gestattet – „Für den Minarettbau heißt: aufgeschlossen, aufgeklärt, intelligent; gegen ebendiesen heißt nun mal: intolerant, rechtsextrem, faschistisch! Da kann man ja eigentlich nicht so viel falsch machen! Macht das Kreuzchen, wo es hingehört und alle sind glücklich!“

    ansonsten wird diffamiert und kräftig mit der braunen Keule geschwungen – so funktioniert Demokratie – aber irgendwie stinkt Demokratie ja!

    Toll, dass auch noch alle wissen wieso genau die Schweizer sich so entschieden haben. Und zwar aus den falschen Gründen…

    Ich rufe auf die Wahlen dann einfach abzuschaffen, so wird immer richtig entscheiden!🙂

  2. […] Und schön boshaft (was die Reaktion der katholischen deutschen Bischofskonferenz angeht) kommt tw_24:blog daher: Heilige Krieger: Deutsche Bischöfe für Allah. Daneben zeigt Mr. Moe auf, dass die UNO in Stellvertretung sämtlicher sonstiger Gutmenschen überall einmal mehr völlig einseitig wertet: Kurze Anmerkungen zu den Reaktionen auf das Minarettverbot. […]

  3. AMUNO said, on Dezember 2, 2009 at 12:34 pm

    Sehr schöner Vergleich und sehr schönes Beispiel. Man sollte sich vielleicht wirklich mal um die wichtigen Dinge kümmern und nicht Ländern ans Bein pinkeln, die noch die Demokratie groß schreiben…

    Gruß

    AMUNO

  4. feydbraybrook said, on Dezember 4, 2009 at 9:39 am

    Dazu stelle ich eine Frage:

    wie ginge ein Referendum zur Frage eines Ego-Shooter-Verbotes kurz nach einem Amoklauf wie jenem in Erfurt aus und wie wäre das Ergebnis mitten im Sommerloch?

    Ich bekomme weniger angesichts eines Minaretts Angst. Vielmehr halte ich es für bedenklich, daß es für eine Verfassungsänderung ausreicht, wenn 46 % der Wähler zuhause bleiben und 31 dafür stimmen. Bei einer Wahlbeteiligung von 54 % ist das dann eine „Mehrheit“ von 57 %.

    Wie gesagt, ich wil Euch nicht von Eurer Meinung zu Minaretten abbringen. Die habt Ihr und ich hab meine.

    Aber Ihr glaubt doch nicht wirklich, daß Ihr Euch über eine direkte Demokratie freuen würdet, oder doch? Dann stellt Euch mal die Szenarien vor, wenn all das, was in den Medien hochgeputscht wird, demnächst per Volksentscheid im Sinne der Mehrheit entschieden wird. Dazu erinnere ich an Stimmen aus dem rechten Lager, die Charlotte Knoblochs Aussagen zu Sarrazin zu übler rechter Meinungsmache benutzt haben.

    Nein. Die Mehrheit hat NICHT immer recht, im Gegenteil. Sie irrt oft, und angesichts der Verbreitung der BILD-Zeitung glaube ich auch nicht, daß sich das ändern wird.

    http://feydbraybrook.wordpress.com/2009/12/04/angst-essen-seele-auf-fatih-akin-sagt-teilnahme-an-premiere-in-der-schweiz-ab/

  5. willow said, on Dezember 4, 2009 at 1:11 pm

    @feydbraybrook

    Würde sie sich als Demokrat bezeichnen? Seltsam… „Demokratie“ bedeutetd doch schon irgendwie, daß der Souverän Volk „beschließ“ und die gewählten Volksvertreter diese Entscheidungen umzusetzen haben – in lupenreinen Diktaturen dagegen findet die „Meinungsbildung“ genau wie von ihnen gewünscht ab: Die jeweilige Elite ordnet an, das „dumme Volk“ muß gehorchen! Denn das dumme Volk weiß ja nicht, was für gut und richtig ist… hätten sie auch auf die direkte Demokratie geschimpft, wenn die Abstimmung „andersherum“ ausgegangen wäre? Nein? Dann sind sie einfach ein schlechter Verlierer. Was auch der Verweis auf die Wahlbeteiligung zeigt – wer die Chance hat abzustimmen, dieses recht aber freiwillig nicht nutzt, muß eben damit leben, wie die Anderen mehrheitlich abstimmen. Hätte ja den Hintern hochkriegen können…

    Übrigens, woher nehmen sie die dabei die Gewißheit, daß Politiker (gehören die nicht zu Volk!?) oder auch Qualitätsjournalisten unfehlbar sind? Wurde das Gegenteil nicht oft genug bewiesen?

    Übrigens bin ich nicht der Meinung, Religionsfreiheit wird durch ein Bau von Minaretten eingeschränkt, denn gebetet wird doch eher in den Moscheen…

  6. willow said, on Dezember 4, 2009 at 1:15 pm

    Dazu stelle ich eine Frage:

    wie ginge ein Referendum zur Frage eines Ego-Shooter-Verbotes kurz nach einem Amoklauf wie jenem in Erfurt aus und wie wäre das Ergebnis mitten im Sommerloch?

    Fast alle Menschen in meinem Bekanntenkreis hielten die von Journalisten und Politikern losgetretene Hysterie für maßlos übertrieben… so gesehen, hätte -meine Meinung!- eine Volksabstimmung selbst zu diesem Zeitpunkt ergeben, daß die übergroße Masse der Computerspieler nicht Amok läuft und ein Verbot nicht angemessen wäre.

  7. yael1 said, on Dezember 4, 2009 at 2:34 pm

    Nein, Willow, das sehe ich ein wenig anders. Über demokratische Grundrechte sollte niemals ein Volk abstimmen dürfen. Dann könnte die Mehrheit z.B. so abstimmen: Wir wollen keine Demokratie mehr, sondern einen neuen Führer. Und dann? Ist das in Ordnung, nur weil die Mehrheit es will? Ein Volk ist auch für ihre Minderheiten verantwortlich. Grundrechte und Minderheiten müssen geschützt werden, das ist unter anderem auch ein Teil der Demokratie.

    Eine neue Meldung, die besagt, wie ausstauschbar Minderheiten sind.

    Darbellay stösst die Juden vor den Kopf

    Nach den Minaretten will CVP-Chef Christophe Darbellay nun auch jüdische Friedhöfe verbieten. Selbst seine eigene Partei ist perplex.

    Die Forderungen, die CVP-Präsident Christophe Darbellay auf Tele M1 gemacht hat, gehen weit über das schon länger geforderte Burka-Verbot hinaus: Der Katholik will Musliminnen in öffentlichen Funktionen das Tragen von Kopftüchern verbieten – Nonnen aber nicht. Und: Für separate jüdische Friedhöfe soll es «keine Ausnahmen mehr» geben.

    Damit stösst Darbellay die Juden vor den Kopf: «Ich habe kein Verständnis dafür, dass er Verfassungsgrundsätze infrage stellt, um nach der Minarett-­Initiative Aufmerksamkeit zu heischen», so Yves Kugelmann vom jüdischen Magazin «Tachles». Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund reagierte mit «grossem Un­verständnis und Befremden».

    http://www.20min.ch/news/schweiz/story/Darbellay-stoesst-die-Juden-vor-den-Kopf-22838252

  8. willow said, on Dezember 4, 2009 at 2:48 pm

    Grundrechte und Minderheiten müssen geschützt werden, das ist unter anderem auch ein Teil der Demokratie.

    Gehört Minarettbau zu den Grundrechten? Da haben ja nicht nur Ausländerfeinde „pro“ abgestimmt, eben weil es ein ziemlich klares Signal war „Religionsfreiheit ja, Islamisierung nein“

    (Interessant finde ich z.B. http://www.20min.ch/news/dossier/minarett/story/Linke-Feministinnen-stimmten-fuer-SVP-Ansinnen-13198044 )

    Im Übrigen kann ich mir nicht wirklich vorstellen, daß tatsächlich eine Mehrheit der Bevölkerung für die Abschaffung der Demokratie stimmen würde – beim Verbot jüdischer Friedhöfe wär ich mir tatsächlich angesichts der mal wieder extrem judenfeindlichen Stimmung in Westeuropa nicht so sicher, ich fürchte, es gäbe in vielen europäischen Ländern genug Judenhasser dafür. Aber zumindest wär dann die unter Politikern und Journalisten beliebte Lüge „Antisemitismus gibt es bei uns nicht!“ widerlegt – und „der Rest“ der Bevölkerung müßte endlich Konsequenzen ziehen…

  9. Peter said, on Dezember 4, 2009 at 7:13 pm

    @ willow

    „Seltsam… „Demokratie“ bedeutetd doch schon irgendwie, daß der Souverän Volk „beschließt“ und die gewählten Volksvertreter diese Entscheidungen umzusetzen haben “

    Dann haetten wir aber Sehr wenig Demokratien auf der Welt. Deutschland waere keine, die USA ebenfalls nicht. Nein, wir waehlen unsere Volksvertreter, die nach ihrem Wissen und Gewissen Entscheidungen treffen. Und wenn diese nicht in unserem Sinne sind, waehlen wir sie bei den naechsten Wahlen halt einfach ab.

    Wo ist es denn bitte schoen undemokratisch, dass die Mehrheit nicht immer recht hat? Demokratie ist halt, salopp gesagt, dass die Entscheider (das Volk) ihren Mist auszubaden haben, und nicht denjenigen, den Diktatoren verzapft haben.

    Und was die Abschaffung der Demokratie betrifft: In der Weimarer Republik gab es 1932 eine klare Mehrheit gegen die Demokratie. Nur konnten sich halt die 60% Antidemokraten nicht auf die Form der Diktatur einigen…

  10. willow said, on Dezember 5, 2009 at 8:28 am

    @Peter

    Nun, die Nazis kamen durch „normale“ Wahlen an die Macht, nicht durch Volksabstimmungen…

    Könnte die „klare Mehrheit gegen die Demokratie“ in den 30ern nicht auch mit einem Versagen der damaligen demokratischen Parteien zu tun haben? Dem Eindruck größerer Bevölkerungsanteile, nichts bewirken zu können, egal, was sie wählen? Gibt es ähnliche Anzeichen nicht auch heutzutage, man denke nur an die immer schneller wachsende Fraktion der „Nichtwähler“?

    Vielleicht sind ja Volksabstimmungen doch ein Mittel, wieder mehr Bürger in politische Prozesse einzubinden? Betrachten sie doch nur die Entwicklung der EU – ist es wirklich ein Zufall, wenn so ziemlich jede Bevölkerung, der man die Möglichkeit zu einer Abstimmung gab, mit „Nein“ stimmte? Kann die richtige Konsequenz sein, daraufhin Volksabstimmungen abzuschaffen? Ich finde nein! Die Konsequenz müßte eigentlich sein, daß Entscheidungen transparenter, für die Bürger verständlicher dargelegt werden – etwas, vor dem sich gerade Europapolitiker regelrecht zu fürchten scheinen… worauf EU-Bürger aber doch eigentlich einen Anspruch haben. Denn wie sie richtig sagen, das Volk hat den Mist auszubaden – allerdings ohne eine Entscheidungsmöglichkeit zu haben. Das schwächt letztlich die Demokratie und stärkt die undemokratischen, totalitären Ränder.

    So auch bei der aktuellen Volksabstimmung – obwohl in vielen europäischen Ländern die Bevölkerung (oder zumindest erhebliche Teile davon) mit der Art und Weise, wie aus multikultureller Bereicherung eine Dominanz muslimischer Ansprüche auf Kosten aller anderen Bevlkerungsgruppen wird?

    Besonders eindrücklich -und dabei überaus skuril- zeigt dies für mich dieser Beitag der Bildzeitung😉 :

    http://www.bild.de/BILD/politik/2009/12/04/nach-dem-schweizer-minarett-verbot-umfrage/deutsche-sind-gegen-ein-minarett-verbot.html

    In der Überschrift: „Deutsche sind gegen Minarettverbot“ – Nur 38 Prozent der Bundesbürger sprachen sich in einer repräsentativen Emnid-Umfrage für BILD am SONNTAG dafür aus, Gebetstürme an Moscheen zu verbieten. 48 Prozent sind gegen ein solches Bauverbot.

    Unter dem Beitrag eine Möglichkeit zur Abstimmung – über 250000 Leser haben abgestimmt, 82% sagen „Religionsfreiheit ja, aber keine Minarette“

    Umfragen in seriöseren Medien wie Spiegel & Co. zeigen ähnliche Ergebkisse – was läuft falsch!?

    Vielleicht geben dazu die Politikerkommentare im Bildbeitag eine Antwort.. wobei mein „Favorit“ der CSU-Mann ist:

    Der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis erklärte unterdessen, er erwarte, dass in Deutschland in 30 bis 40 Jahren jeder Zweite Muslim sein werde. „Wir werden feststellen, dass in Zukunft noch mehr Ausländer da sind, noch mehr Muslime da sind“, sagte Geis im Sender N24. „Wir werden halbe-halbe haben.“

    Und welche Konsequenzen wird diese Entwicklung haben?

  11. feydbraybrook said, on Dezember 5, 2009 at 1:09 pm

    @willow

    Nirgends habe ich bezweifelt, daß das Vortum der Schweizer ungültig oder nicht zu akzeptieren sei.

    Im Gegenteil: es ist gültig. Leider.

    Ja, genau, leider ist es gültig. Denn die Masse kann irren. Der Titel „Souverän Volk“ führt in die Irre. Das Volk ist in der Lage, alle möglichen Holzwege zu gehen, von dem Vertrauen in Lenin über Hitler bis hin zu Milosevic und Karadzic. Diese Leute hatten die volle Zustimmung der Mehrheit.

    Demokratie ist mehr als nur der Wille der Mehrheit. Es geht um Grund- und Menschenrehte, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

    Das Votum der Schweizer hat davon nur die Mehrheit, und auch noch eine, die die Mehrheit von 54 % der Wählenden darstellt. Der Rest war zuhause. Kann sein, daß die dafür waren, kann aber auch nicht sein. Eine Spekulation darüber ist nach den Grundlagen der empirischen Sozialforschung nicht erlaubt.

    Von daher habe ichkein Problem damit, diesen letztendlich 31 % der SChweizer meine Mißbilligung auszudrücken, ebenso jenen 46 %, denen das alles nicht den Gang zur Wahlurne wert war.

  12. willow said, on Dezember 5, 2009 at 6:11 pm

    Deine „Grundlagen der empirischen Sozialforschung“ beziehen sich auf Wahlen, bei Abstimmungen ist man entweder dafür oder dagegen – ansonsten enthält man sich der Stimme. Übrigens wurden weder Lenin noch Hitler, Milosevic und Karadzic durch Volksabstimmungen eingesetzt – ist die Tatsache, daß einige Bestien durch halbwegs freie Wahlen an die Macht kamen, für dich Grund, Wahlen abzuschaffen? Hmmm, wenn also Wahlen zu schlechten Ergebnissen führen können und du Volksabstimmungen ablehnst, was bleibt dann über?

    Scheinwahlen wie in der DDR, die zu 99,8% die Beschlüsse der Staatspartei bestätigten, notfalls mit „korrigierten“ Ergebnissen?

    Ich bin schon der Meinung, daß man auf die Entscheidung einer Bevölkerungsmehrheit vertrauen muß – und ich bin auch der Meinung, daß die demokratischen Kräfte der Gesellschaft letztlich die besseren Argumente haben. Nur, gelegentlich muß „das Volk“ sie vermutlich aufrütteln, damit sie sich auch anstrengen, nicht zu Selbstverliebt werden… Politiker sollten begreifen, daß sie Diener sein sollten…

    Ein Argument für Volksabstimmungen sehe ich auch darin, daß sowohl gewählte Politiker als auch abstimmende Bürger den Beienflussungen von Lobbyisten ausgesetzt sind – der Unterschied besteht letztlich nur darin, daß einige hundert Politiker leichter „korrumpierbar“ sind als eine ganze Bevölkerung…

  13. yael1 said, on Dezember 5, 2009 at 6:33 pm

    „Gehört Minarettbau zu den Grundrechten? “

    Du sprachst allgemein von Plebisziten und einer Mehrheit. Vom Minarettbau war da erstmal keine Rede.

    „Nun, die Nazis kamen durch „normale“ Wahlen an die Macht, nicht durch Volksabstimmungen…“

    Na das stimmt ja so nicht. Hitler wurde zum Kanzler ernannt (und zwar deswegen weil die Demokraten resigniert hatten) und bekam auch im März 1933 keine Mehrheit zustande.

    Im Übrigen bin ich für Plebiszite, aber ganz sicher nicht in Fragen von Grundrechten.

  14. willow said, on Dezember 5, 2009 at 8:10 pm

    Lest euch mal dies hier durch…

    http://www.blick.ch/news/schweiz/politik/in-ganz-europa-herrscht-eine-neue-offenheit-135049

  15. Peter said, on Dezember 6, 2009 at 2:54 pm

    @Willow: Louis-Napoléon Bonaparte wurde mit einer Mehrheit von 75% gewaehlt.

    Natuerlich gilt es, demokratische Entscheidungen zu respektieren. Aber man wird sie ja wohl noch kritisieren duerfen.

    Ein Gutes hat die Schweizer Abstimmung auf jeden Fall: Die Reaktionen darauf zeigen in vielen Faellen, wer auf der Seite von Freiheit und Zivilisation steht und wer dagegen – und zwar sowohl bei den Moslems wie bei den Nicht-Moslems. Ich kann mich jedenfalls nur Mr. Moe’s Schlusswort anschliessen.

  16. yael1 said, on Dezember 6, 2009 at 6:24 pm

    Lizas Welt: Das Dilemma der Islamkritik

    Der ländliche Kanton Appenzell Innerrhoden war lange Zeit eine Art innerschweizerische Parallelgesellschaft. Denn dort, im Nordosten des eidgenössischen Staates, hatten Frauen bis vor knapp zwanzig Jahren kein Wahlrecht. Verschiedene Volksabstimmungen – an denen ja stets nur Männer teilnehmen durften – brachten über die Jahrzehnte das immer gleiche Ergebnis, mit Mehrheiten von bis zu 95 Prozent: Frauen gehören an den Herd und nicht an die Urne. Selbst als die Schweiz im Februar 1971 als eines der letzten europäischen Länder per Referendum die grundsätzliche Beseitigung dieses Missstands beschloss, blieben die Appenzeller weitere 19 Jahre lang stur – bis sie Ende März 1990 vom Schweizer Bundesgericht dazu gezwungen wurden, den weiblichen Teil der Bevölkerung auch auf kantonaler Ebene wählen zu lassen, was acht Monate später schließlich vollzogen wurde.

    Dieses Beispiel zeigt recht eindrucksvoll, dass plebiszitäre Elemente in demokratisch verfassten Staaten nichts per se Gutes sind und dass der ominöse Volkswille eine ziemlich hässliche Veranstaltung sein kann, zumal dann, wenn er elementare Rechte zu gewähren sich weigert. Nun wollte es der Weltgeist so, dass der Kanton Appenzell Innerrhoden auch das deutlichste Ergebnis bei der jüngsten Abstimmung über das Minarettverbot hervorbrachte (bei der es, das ist bei Befürwortern wie Gegnern unstrittig, nicht in erster Linie um die Moscheentürme ging, von denen es in der Schweiz ohnehin nur vier gibt): 71 Prozent der Teilnehmer votierten dort mit „Ja“. Es braucht nicht viel Wagemut, um zu behaupten, dass dieses Resultat wohl kaum deshalb zustande kam, weil die Appenzeller und Innerrhoder besonders erbost über die Frauenunterdrückung im Islam sind. Auch der islamische Hass auf Juden und Homosexuelle wird nicht den Ausschlag gegeben haben, denn in solchen konservativen, ländlichen Gebieten hat man es mit Minderheiten oft selbst nicht so, um es zurückhaltend zu formulieren.

    Erheblich wahrscheinlicher ist es da schon, dass die Eingeborenen in den Dörfern oft weniger ein dezidiertes Problem mit dem Islam als politreligiöser Ideologie haben als vielmehr grundsätzliche Ressentiments gegen Fremde pflegen. Überhaupt fand die Verbotsinitiative dort die meiste Zustimmung, wo nur wenige der rund 380.000 Schweizer Muslime leben. Mehr als 90 Prozent von ihnen wohnen in den großen Städten des Landes – und in allen wurde das Minarettverbot mehrheitlich abgelehnt, am deutlichsten im Stadtkanton Genf. Diese Zahlen legen zunächst einmal den Schluss nahe, dass schlechte Erfahrungen mit Muslimen respektive ihrer Weltanschauung nicht der Grund gewesen sind, mit „Ja“ zu stimmen.

  17. Mr. Moe said, on Dezember 6, 2009 at 6:29 pm

    @yael1:
    Habe mir erlaubt, Ihren Beitrag etwas zu editieren, da irgendwie ein bisschen was durcheinander gegangen war😉

  18. yael1 said, on Dezember 6, 2009 at 6:41 pm

    Ja, danke, ich habe es hinterher erst gemerkt und konnte es nicht mehr editieren.

  19. Mr. Moe said, on Dezember 6, 2009 at 6:59 pm

    Die fehlende Möglichkeit, eigene Kommentare (bei „fremden“ Blogs) nicht mehr editieren oder wenigstens vor dem Abschicken in einer Vorschau sehen zu können, nervt mich auch immer wieder!

  20. willow said, on Dezember 6, 2009 at 7:43 pm

    @yael1

    Ja, unbestreitbar sind Volksabstimmungen nicht gegen Fehler gefeit … aber ich behaupte dennoch, daß gewählte Politiker eher fehleranfälliger sind!😉

  21. Peter said, on Dezember 6, 2009 at 9:50 pm

    @ yael1: Beim Beitrag von Lizas Welt konnte ich auch jedes Wort unterschreiben

  22. willow said, on Dezember 9, 2009 at 7:03 pm

    Hier ein ziemlich intgeressanter Artiukel zur Stimmverteilung in der Schweiz…

    http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Die-Muslime-und-das-tumbe-Schweizer-Landvolk/story/25479803

  23. Mr. Moe said, on Dezember 9, 2009 at 7:29 pm

    @willow:
    Besten Dank für den in der Tat interessanten Hinweis.

  24. Andi_Sch said, on Dezember 18, 2009 at 12:16 pm

    Umfrage zum Minarettverbot in Deutschland
    Auf http://www.umfragezeichen.de läuft aktuell eine Umfrage zum Minarettverbot in Deutschland. Ich bin fast sicher, dass die Deutschen ähnlich abstimmen, wie die Schweizer es per Volksentscheid beschließen konnten.

    Dieter Nuhr hat es m.E. auf den Punkt gebracht: Die Anhänger des Islam fordern unendliche Toleranz. Die Toleranz endet aber abrupt dort, wo der Islam die Mehrheit hat!

    Na, vielleicht bringt die Abstimmung von Unmfragezeichen ja auch in Deutschland die ein oder andere Möglichkeit, dieses Thema mal ehrlich und nicht in demonstrativer Demut diskutieren zu müssen/können/dürfen…! Denn “Assimilation” sollte nicht nur eine Worthülse bleiben, sondern angemessen erwartet werden dürfen.

  25. willow said, on Dezember 18, 2009 at 6:35 pm

    Nein Andi, Integration würde völlig ausreichen … Assimilation würde 100%ige Anpassung bedeuten, was soll das bringen – 100%ige Einhaltung der Gesetze, keine Bekämpfung unserer „Sitten & Gebräuche“ natürlich, aber was interessiert es mich, ob „sie“ Schweinefleisch essen und/oder Alkohol trinken!

  26. Mr. Moe said, on Dezember 19, 2009 at 7:09 am

    @willow und Andi_Sch:
    „Assimilation“ ist eines dieser Worte, das in der öffentlichen Diskussion inflationär verwendet wird. Zunächst einmal heißt „Assimilation“ nichts anderes als eine Angleichung zwischen Gruppen. Hierbei ist zu betonen, dass die Angleichung von beiden Gruppen ausgehen kann, d.h. „Assimilation“ ist nichts was (allein) einseitig „erwartet werden darf“, sondern ein wechselseitiger Prozess. Zudem kann nach verschiedenen Dimensionen unterschieden werden: auch willow wird wahrscheinlich zustimmen, dass in Bezug auf Bildung und Arbeit in Deutschland eine 100%ige Anpassung der Migranten durchaus erstrebenswert ist. Eine andere Frage ist es in der Tat, wie es bezüglich religiöser und/oder kultureller Bräuche aussieht. Hier bin ich dann wieder ganz bei willow.

  27. willow said, on Dezember 19, 2009 at 10:53 am

    „auch willow wird wahrscheinlich zustimmen, dass in Bezug auf Bildung und Arbeit in Deutschland eine 100%ige Anpassung der Migranten durchaus erstrebenswert ist“

    In der Tat… entschuldige, ist das nicht völlig Selbstverständlich?

    Ich habe ziemlich viel mit Vietnamesen -Pardon, also Mitbürgern mit vietnamesischem Migrationshintergrund😉 – zu tun, auch in der Schule meiner Kinder sowie in der Musikschule fallen die nicht durch mangelnde Leistungsbereitschaft oder mangelnden Leistungswillen auf – ebensowenig wie die Zuwanderer mit jüdischem Migrationshintergrund. Irgendwie ist das für die völlig normal, sich hier durch eigene Anstrengungen ein neues, besseres Leben aufzubauen… und in Richtung „der Anderen“, die hier altorientalische Verhältnisse herbeiführen wollen, will *ich* mich auf keinen Fall assimilieren!😀

  28. Mr. Moe said, on Dezember 19, 2009 at 1:04 pm

    @willow:
    Es ist selbstverständlich. Aber „es“ bedeutet in diesem Fall nun einmal: „Assimilation“ (und nicht „nur“ Integration)😉


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: