Zeitung für Schland

Gerhard Schröder, „der Islam“ und die „deutsche Geschichte“

Posted in Deutsche Zustände by Mr. Moe on Dezember 13, 2009

Im Gegensatz zu manch einem seiner medial omnipräsenten Vorgänger ist vom ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder glücklicherweise nicht mehr allzu viel zu vernehmen. Wenn Schröder sich indes einmal zu Wort meldet, dann fast immer, um einem jenen „lupenreinen Demokraten“ zur Seite zu springen, die er ob ihrer Macht Zeit seines Lebens beneidet hat.

Jener Gerhard Schröder,  der SPIEGEL-Kommentator Gabor Steingart zufolge auf Grund des-gegen-den Irak-Krieg-Seins gemeinsam mit Jacques Chirac und Wladimir Putin (kein Witz) den Friedensnobelpreis verdient habe, hat nun in der für den Abdruck der Traktate ehemaliger Bundeskanzler berühmt-berüchtigten ZEIT einen Kommentar über das Schweizer Minarettverbot und die europäische Angst vor dem Islam veröffentlicht.

In Teilen erinnert Schröders Kommentar an Obamas Kairo-Rede, ist er doch ebenso von nahezu euphorischen Lobgesängen auf den Islam geprägt. Nachdem Schröder postuliert hat, dass man aufhören solle, von „dem Islam“ zu sprechen, schreibt Schröder ein paar Zeilen weiter:

Der Islam ist keine politische Ideologie, sondern eine friedliche Religion.

Schröders mangelnde Fähigkeit, sich an seine eigenen nur wenige Sätze zuvor geäußerten Worte zu erinnern, einmal bei Seite gelassen: Stünde hinter dem „sondern“ ein „auch“, wäre der Satz zumindest diskussionsfähig – in Schröders Formulierung steht er indes für die Weigerung, sich mit der Realität auseinanderzusetzen. Und weil Schröder zumindest zu ahnen scheint, dass sein „Argument“ nicht allzu überzeugend ist, legt er mit der deutschen Geschichte nach:

Und wenn der falsche Vorwurf aufkommt, der Islam sei gewalttätig und kriegerisch, sollten gerade wir Europäer, vor allem wir Deutsche, einen Blick auf unsere Geschichte werfen.

Hätte Schröder auch nur irgendetwas aus der deutschen Geschichte gelernt, er würde aufhören, sie in Verbund mit seinem Gesinnungsgenossen Joschka Fischer fortlaufend dafür zu nutzen, die eigenen Ziele und Überzeugungen zu verfolgen und zu rechtfertigen. Hätte es die „deutsche Geschichte“ nicht gegeben, die Schröder-Fischer-Menschen hätten sie erfunden, lässt sie sich doch ebenso als Begründung für als auch gegen militärische Gewalt anführen, je nachdem, was den Herren Gutsherren gerade besser in den Kram passt. Was an argumentativer Stärke nach Subtraktion der „deutschen Geschichte“ bleibt ist offensichtlich: nichts.

Einmal in Fahrt gekommen, fährt Schröder munter damit fort, die Realität zu verleugnen:

Nicht nur unser Bild von den Muslimen in unserem Land muss sich ändern, sondern auch unser Bild von den islamischen Staaten, die sich von West- über Nordafrika, den Nahen und Mittleren Osten bis hin nach Südostasien erstrecken. Es sind rückständige wie fortschrittliche Länder, autoritäre wie demokratische Systeme, erfolglose wie erfolgreiche Volkswirtschaften.

Leider erwähnt Schröder nicht, welche „fortschrittlichen“ und „demokratischen“ islamischen Staaten dieser Regionen er im Sinn hat. Vielleicht die Islamische Republik Iran, da es dort ja Wahlen gibt? Schröder gibt die Antwort selbst:

Während meiner Amtszeit und danach habe ich auf zahlreichen Reisen viele Verbindungen in die islamischen Länder aufgebaut. Und mich haben Persönlichkeiten wie der ehemalige iranische Reformpräsident Chatami, der türkische Ministerpräsident Erdoğan oder die Mitglieder der Herrscherfamilie von Abu Dhabi beeindruckt. Sie, wie viele andere auch, setzen sich für eine Modernisierung ihrer Gesellschaften ein, politisch wie wirtschaftlich.

Es ist kein Geheimnis, dass sich Schröder während und nach seiner Amtszeit Verbindungen mit (Möchtegern- und echten) gesucht und gepflegt hat. Daher verwundert es auch nicht, dass Schröder Chatami als einen Reformer bezeichnet, obgleich Chatami fester Bestandteil eines nicht reformierbaren Regimes ist und das iranische Atomwaffenprogramm unter seiner Präsidentschaft eifrig vorangetrieben hat. Es verwundert auch nicht, dass Schröder von Erdogan schwärmt, unter dessen Führung sich die Türkei von Europa (und Israel) abgewandt hat und mittlerweile drauf und dran ist, Teil der  iranisch-syrischen Achse zu werden.

Bis auf Weiteres bleibt demnach geltendes Prinzip: wird ein Mensch von Gerhard Schröder öffentlich gepriesen, ist dies ein verlässliches Indiz dafür, dass es sich bei der entsprechenden Person – äußerst wohlwollend formuliert – um keinen allzu sympatischen Zeitgenossen handelt.

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9 Antworten

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  1. Bernd Dahlenburg said, on Dezember 13, 2009 at 6:07 pm

    Wenn Schröder so gut mit Erdogan „kann“, dann wird er bestimmt auch zwischen ihm und den Kurden vermitteln können. Mann, ist das ein Schwätzer!

  2. prozionnrw said, on Dezember 14, 2009 at 2:24 pm

    Was will man von einem lupenreinen Politiker schon erwarten, der sich mit Antisemiten zum Plausch trifft – doch nicht mehr als den Tausch von tollen Schreibtischbildern der Verwandtschaft…

  3. nk said, on Dezember 14, 2009 at 4:29 pm

    Vielleicht sollte man den Schröder-Koeffizienten zur Sympathiberechnung für Politikier einführen:

    Anzahl der Schröderschen Lobsprüche / Zeiteinheit. Je höher diese Zahl desto schlimm.

  4. andy said, on Dezember 15, 2009 at 9:19 pm

    Schröder, Gerhard? Ein aufgestiegener Proll bleibt ein Proll, dann erst leider der penetranten Art.
    Lächerlicher kleiner Mann, schwarz gefönt.

  5. Avram said, on Dezember 16, 2009 at 1:36 pm

    Schröder: Der Kanzler, der während einer der größten Wirtschaftskrisen Nachkriegsdeutschlands mit nahezu 5 Millionen Arbeitslosen keine andere Sorge hatte, als daß man über seine gefärbten Haare redet … großer Staatsmann!

  6. Mr. Moe said, on Dezember 17, 2009 at 11:02 am

    Um das Schröder-Bashing fortzuführen sei an Wiglaf Drostes Klassiker erinnert:

    Was Gerhard Schröder als Gesicht trägt, hab ich als Schüler beim Schlagballwurf gut 40 Meter weit geworfen!

  7. Dr. Allesklar said, on Dezember 18, 2009 at 9:53 pm

    Die Kritik an Erdogan ist einseitig und in der Sache außerdem falsch: Unter keiner anderen türkischen Regierung seit Atatürk wurden soviele Freiheitsrechte gestärkt wie unter seiner. Dass es in der Kurdenfrage oder beim unseligen Türkentum-Paragraphen keine Fortschritte gibt, ist ausschließlich die Schuld der nationalistisch-säkularen Opposition. Diese ist es auch, die gegen den EU-Beitritt der Türkei ist, die Regierung Erdogan hingegen hat viel getan, um diesen möglich zu machen, scheitern wird er, wenn überhaupt, an der ideologisch geprägten Haltung von Sarkozy, Berlusconi und Merkel.

  8. willow said, on Dezember 19, 2009 at 11:20 am

    @Dr. Allesklar

    Die Freiheitsrechte der religiösen Fanatiker wurden tatsächlich ungemein gestärkt…

  9. […] Gerhard Schröder, Ex-Bundeskanzler – seine „Islam ist nicht politisch, Islam ist nur Frieden“-Ausflüsse in der ZEIT haben Mr. Moe veranlasst ein paar Takte mehr zu schreiben, in denen er sich mehr als einen Satz dieser Karikatur denkender Menschen vornimmt. […]


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