Zeitung für Schland

Westerwelle macht den Obama

Posted in Deutsche Zustände by Mr. Moe on Januar 9, 2010

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle hat Saudi-Arabien besucht und dabei die Journalisten von SPIEGEL ONLINE merklich beeindruckt:

Saudi-Arabien ist eines der konservativsten Länder der Welt. Hier herrscht strikte Geschlechtertrennung, Homosexuelle müssen im Extremfall den Tod fürchten. Nun reiste Außenminister Westerwelle nach Riad und bewies, dass ein schwuler Politiker in der islamischen Welt deutsche Interessen vertreten kann.

Zunächst wäre es interessant zu erfahren, was „konservativ“ eigentlich mit Geschlechtertrennung und der Ermordung Homosexueller zu tun haben soll. Saudi-Arabien wäre jedenfalls mit dem Wort „islamfaschistisch“ doch besser getroffen worden, aber dieser Begriff ist bei deutschen Journalisten vermutlich als „islamophober“ Kampfbegriff verschriehen. Schwamm drüber, ist „konservativ“ ja schließlich nicht verharmlosend  gemeint, ist dieser Begriff doch für links-liberalen Journalisten (fast) so negativ konnotiert wie „George W. Bush“ oder gar „Israel“.

Wie dem auch sei, Westerwelle habe SPON zufolge jedenfalls das Kunststück vollbracht, das Thema „Menschenrechte“ – insbesondere „mehr Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben“ – gegenüber seinem Gastgeber zumindest durch die Blume anzusprechen, ohne dabei „deutsche Interessen“ – die wirtschaftliche Beziehungen – nachhaltig zu gefährden:

Also sprach er sie [Westerwelle die Menschenrechtsfrage, Mr. Moe] verklausuliert an. Es habe durchaus auch Meinungsunterschiede gegeben, sagte er. Man habe ausführlich über die Menschenrechte gesprochen, auch über religiöse Pluralität. Prinz Saud erwiderte, die Welt brauche auch Differenzen, die auf unterschiedlichen Wertesystemen beruhten. Jeder wusste, worum es ging, ohne dass das Thema ausdrücklich erwähnt wurde.

Während man sich bei SPON darüber freut, dass Westerwelle in Saudi-Arabien trotz seiner Homosexualität „ernst genommen“ worden – mit anderen Worten: nicht ausgepeitscht oder gleich hingerichtet – worden sei, muss Prinz Saud dafür gedankt werden, da er jenen moralischen Relativismus unverblümt ausspricht, den SPON, die Süddeutsche Zeitung und die ZEIT täglich und wöchentlich in die Welt posaunen und gemäß dessen es in manchen Kulturen nun einmal üblich sei, Homosexuelle hinzurichten und Frauen zu unterdrücken. Selbiger Relativismus zeigte sich im Übrigen auch bei Westerwelles Besuch in der Türkei:

Bevor Westerwelle in die Türkei fuhr, ließ das Außenministerium bei deutschen Diplomaten nachfragen, ob Westerwelle seinen Lebensgefährten mitbringen werde. Bei seinem Italien-Besuch hatte er das getan. Protokollarisch wäre das für Ankara nicht ganz einfach geworden. Aber die deutsche Seite konnte den Türken mitteilen, dass der Minister allein kommen werde.

Angesichts eines solchen Taktgefühls ist Joachim Steinhöfel zuzustimmen, wenn er über Westerwelles Besuch in Saudi-Arabien schreibt:

Zweifelsfrei ist aber, dass etwas gehörig schief läuft, wenn die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth Westerwelle attestiert, er [Westerwelle, Mr. Moe] habe „vernünftig und mit Weitblick agiert“. Einen zuverlässigeren Kompass dafür, dass genau das Gegenteil richtig ist, hat die deutsche Politik kaum aufzubieten.

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